Autor Thema: Familienaufstellung nach Hellinger  (Gelesen 21706 mal)

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Offline reserlTopic starter

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Familienaufstellung nach Hellinger
« am: 15.07.02, 21:13 »
Hallo!

In der Mailingliste ist das Stichwort "Familienaufstellung" gefallen, das ich auch hier gern im Forum diskutieren möchte.

Ich weiss nicht viel darüber. In Elternforen wird über Sinn und Unsinn der Familienaufstellung nach Hellinger öfters mal diskutiert.

Habt Ihr Erfahrung damit?
« Letzte Änderung: 01.01.70, 01:00 von 1031090400 »
lieben Gruß
Reserl



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Online martina

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Re: Familienaufstellung nach Hellinger
« Antwort #1 am: 15.07.02, 21:28 »
Was ist das denn überhaupt und warum wird es gemacht?  ???

Ich kann mit dem Begriff leider überhaupt nix anfangen.

« Letzte Änderung: 01.01.70, 01:00 von 1031090400 »
Heute ist ein guter Tag, um einen guten Tag zu haben.

BT-Wochenende vom 26. - 28.10.2018 in Leipzig. Infos gibt es beim Team.

Offline suederhof1

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Re: Familienaufstellung nach Hellinger
« Antwort #2 am: 15.07.02, 22:02 »
Moin  Reserl und Martina :)

Ich hab mich nicht getraut zu fragen , aber davon hab ich auch noch nicht gehört ???

Liegt vielleicht auch daran, das ich kurz unter dem Nordpol wohne. ;D :o ???

LG Barbara
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Offline reserlTopic starter

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Re: Familienaufstellung nach Hellinger
« Antwort #3 am: 18.07.02, 08:36 »
Kirsten hat in der Mailingliste

Grundregeln für Familienaufstellungen

aufgeschrieben, die ich hier mit ihrer Genehmigung reinkopiere:

1.Leiter:
Welche Qualifikation? Wie lange Erfahrung? Dessen persönl. momentane
Lebenssituation (man glaubt es nicht, aber viele Therapeutinnen gehen,
frisch in Trennung lebend, wieder arbeiten...)?
Besser 2 Leiter (einer führt die Aufstellung durch, einer für
Notfall-Betreuung im Hintergrund). Gut wäre zb 4 jahre Rollenspiel und davon mind. 1 Jahr Familienaufstellung + LW-Erfahrung!

2.Zeitpunkt:
a)Wann im Wochenendverlauf oder ähnliches erfolgt die Aufstellung?
-2 Stunden vor WE-Schluß ist viel zu knapp, wenn es schiefgeht!  Kennt sich die Gruppe bereits? Leben die evtl. im Alltag eng beiander (selbes Dorf etc.)?

b) Für einen selber: Will ich was übers Knie brechen (<-achte auf deine Schutzmechanismen, die sind nicht grundlos!!) ? Hab ich auch
anschließend genügend Verdauzeit oder muß ich sofort wieder mit "König" SV
zusammenarbeiten?

c) Für die Mitspieler/Publikum: Finde ich keine Mitspieler - ist der  Raum
vielleicht schon zu gefüllt mit Emotionen? <- für die Aufstellung sind
"Mitspieler" irrelevant, eine grüne Jacke kann den SV genau so gut mimen,
wie verhält sich Leiter in dieser Situation? Macht der etwa Druck um
Mitspieler zu finden? <- sofort aus Eigenschutz den Raum verlassen, hier
werden elementare Regeln verletzt!

3. Schutzzonen: Bühne muß ganz deutlich vom Restraum getrennt sein, Leiter
muß sehr genau vorher aufklären, welche Möglichkeiten man selber hat (egal
ob Publikum/Mitspieler/Akteur), wenn es einem zuviel wird! idr eine
Schutzone im Raum  (<-wer sich hier aufhält, darf nicht angesprochen werden)  und eine außer Hör- und Sichtweite  (<- diese Zone wird vom Hilfs-Leiter in größeren Abständen kontrolliert, wobei er in Spezial-Fällen Kontakt aufnehmen sollte) . Vor jedes Rollenspiel
gehört eine mind. halbstündige Einweisung aller Teilnehmer, da gerade die
"verletzlichen" Personen oft ihre Rechte nicht kennen oder wahrnehmen.

4.Teilnehmer: Wer hat wieviel Erfahrung mit was? Ein Rollenspiel über einen
mißglückten Schuhkauf, wo die Verkäuferin so zickig war, ist wesentlich
harmloser als die Familiensituation einer Bäuerin! (Hier habe ich selbst die
Wahl die Verkäuferin mit meiner SM zu verschmelzen und zu erkennen, warum
ich mir dieses Verhalten hab bieten lassen bzw aufgetreten bin wie Hausmaus ...oder nur zu üben von xy ein
anständiges Verhalten einzufordern). In einer sehr gemischten Gruppe kommen
die, mit der wenigsten Therapieerfahrung, gerne unter die Räder.

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lieben Gruß
Reserl



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Offline blackscreen

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Re: Familienaufstellung nach Hellinger
« Antwort #4 am: 18.07.02, 16:38 »
Hallo zusammen,
der SPIEGEL hat mal einen Beitrag zu der Methode veröffentlicht. Darin wurde das Ganze als ziemlich fragwürdig und zum Teil nicht ganz ungefährlich dargestellt. Besonders ohnehin psychisch labile Personen sind dabei regelrecht zusammen gebrochen. Leider ist der Beitrag nur kostenpflichtig abrufbar, aber ich schaue mal zu Hause nach, ob ich ihn noch finde, dann kann ich Euch mehr sagen...
« Letzte Änderung: 01.01.70, 01:00 von 1031090400 »
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Gerit

Offline Beate Mahr

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Re: Familienaufstellung nach Hellinger
« Antwort #5 am: 14.08.02, 20:58 »
Hallo

ich habe eben erst diesen Thread gefunden,  :( :( :(

Ich habe jetzt 3 Jahre Erfahrung mit verschiedenen Therapien wegen der Kinder und auch wegen mir.

Familiestellen wird meist von Analytikern eingesetzt wenn es Probleme innerhalb der Familie gibt oder mit den Kindern, !!!!!!

Das Problem an der Sache ist es gibt IMMER einen SCHULDIGEN !!!!!!

Es wird nicht nach gemeinsamen Wegen gesucht , wenn z.B. Eheprobleme da sind ... und einer bekommt die Schuld am Krach ... was passiert ?????? Man lässt sich scheiden  ( im schlimmsten Fall ) anstatt mal mit dem Partner wirklich offen zu reden ... vielleicht auch mal mit einem MENTOR ... es sind oft nur Kleinigkeiten die sich hochschauckeln ... weil man einfach nicht die sicht der Dinge des Partners hat.

Ich hoffe ich habe mich verständlich aus gedrückt.

Bei uns war es so, meine Kinder und ich leiden an ADHS , wir haben u.a. auch taktile Wahrnehmungsstörungen ( Körperkontakt / Hautreizungen ) . Deshalb konnte ich meine Kinder nicht stillen, auch kuscheln war nur sehr schlecht möglich . Unser Therapuet ANALYTIKER hat meinem Sohn und mir eine  < gestörte Mutter - Kindbeziehnug > attestiert. !!!!!!! Auch wurde das ADHS von Felix als < Erziehungsfehler > bezeichnet.

In diesen Stil laüft das Familieaufstellen auch ab.

Heute 1 Jahr danach - - - - kann ich mit meinem Sohn relativ NORMAL umgehen. Er hat seine schulischen Defizite aufgeholt, hat gute soziale Kontakte und das Familienleben macht  wieder Spaß

Das alles hat uns u.a. eine Verhaltenstherapie ( THOP ) und ein Elterntraining gebracht.

Ich kann nur jedem raten die Finger davon zu lassen ... es gibt weitaus bessere Möglichkeiten.

Gruß
Beate
« Letzte Änderung: 01.01.70, 01:00 von 1031090400 »
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Offline blackscreen

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Re: Familienaufstellung nach Hellinger
« Antwort #6 am: 15.08.02, 08:17 »
Hallo zusammen,
leider konnte ich den SPIEGEL mit dem Artikel nicht mehr finden (wo ich doch sonst IMMER alles gedruckte aufhebe   ;)) Aber vielleicht hat ihn ja von Euch noch jemand. War, glaube ich, in der Ausgabe 7/2002. So weit ich noch erinnere gibt es nämlich entscheidende Unterschiede, ob diese Familienaufstellungen von einem seriösen Therapeuten durchgeführt werden oder von einer Person wie Herrn Hellinger.
« Letzte Änderung: 01.01.70, 01:00 von 1031090400 »
Liebe Grüße aus Thüringen
Gerit

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Re: Familienaufstellung nach Hellinger
« Antwort #7 am: 15.08.02, 09:39 »
Hallo
ich habe den Artikel im Spiegel gefunden

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,182683,00.html

Der ist allerdings KOSTENPFLICHTIG  >:( ::) >:( ::)

Gruß
Beate

PS: Dieser Hellinger ... ist m.M. nach Sektenähnlich  :-X :-X :-X :-X :-X :-X :-X
« Letzte Änderung: 01.01.70, 01:00 von 1031090400 »
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Offline Beate Mahr

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Re: Familienaufstellung nach Hellinger
« Antwort #8 am: 15.08.02, 10:07 »
Hallo

ich hab´s doch gewußt  >:( >:( >:( >:( >:( >:( >:( >:(

http://www.agpf.de/Hellinger.htm

Doch SEKTE !!!!!!!!!!!!!!!!!

Lasst die Finger davon

Gruß
Beate
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Re: Familienaufstellung nach Hellinger
« Antwort #9 am: 20.08.02, 11:40 »
Hallo Beate,

danke für den Link. Ich hoffe, dass er allen die Augen öffnet, die mit dem Gedanken gespielt haben, sich mit so einem Schrott zu befassen. Das darf ja wohl echt nicht wahr sein...
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ellen

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Re: Familienaufstellung nach Hellinger
« Antwort #10 am: 27.08.02, 22:13 »
Hallo liebe Frauen,
ich finde Familienaufstellungen gut, habe im Juli eine gemacht.Für mich war es eine Erfahrung, die  mir mehr Klarheit in meine Gefühlswelt gebracht hat. Ich weiß jetzt, warum ich so fühle, woher es kommt und kann jetzt beurteilen, ob es für diese aktuelle Lebenssituation paßt.Das Schwierige an Familienaufstellungen ist, daß wir mit sehr traurigen Gefühlen konfrontiert werden können, wofür wir bereit sein müssen.Aber wir sorgen für uns selbst, indem wir uns unbewußt durch Abwehrmechanismen schützen, sodaß wir nur soviel zulassen, wie gut für uns ist.
Wer mehr wissen möchte, kann mich fragen.
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Offline blackscreen

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Re: Familienaufstellung nach Hellinger
« Antwort #11 am: 28.08.02, 11:51 »
Hallo Ellen,
bei wem bist Du denn wegen der Familinaufstellung gewesen? Ich möchte die Sache nicht grunsätzlich schlecht machen, aber ich denke man muss da sehr vorsichtig mit umgehen.
« Letzte Änderung: 01.01.70, 01:00 von 1031090400 »
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Gerit

ellen

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Re: Familienaufstellung nach Hellinger
« Antwort #12 am: 28.08.02, 21:54 »
Hallo Gerit,
du hast recht, das man vorsichtig sein muß. Ich bin zu Freda Eidmann aus Göttingen gegangen, weil sie mir von einem Heilpraktiker und einer Freundin empfohlen wurde.
Tschüß  Elllen ;)
« Letzte Änderung: 01.01.70, 01:00 von 1031090400 »

Offline Beate Mahr

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Re:Familienaufstellung nach Hellinger
« Antwort #13 am: 03.11.02, 14:36 »
Hallo

ich bin mal wieder meinen PC am aufräumen und hab doch zu diesem Thema noch was gefunden   ::)


das ganze ist allerdings weniger witzig :(:(:(
sondern eher hoch Brisant


*********************************************
http://www.sekten-info-essen.de/texte/familienstellen.htm

*********************************************

ich habe festgestellt, dass einige Links nicht mehr funktionieren - Sorry

Ich hoffe es erschreckt euch nicht all zusehr was ihr jetzt gelesen habt. Aber wenn sich schon Sekteninfo Essen damit befast ( die u.a. auch Scientology beäugen )
ist wohl was dran.

Gruß
Beate
« Letzte Änderung: 03.11.02, 17:07 von Beate Mahr »
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Offline Baumeule

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Re:Familienaufstellung nach Hellinger
« Antwort #14 am: 11.02.03, 14:20 »
Nachdem jetzt doch schon einige Zeit vergangen ist werde ich mich heute doch mal an einen (lange versprochenen) Bericht über die Familienaufstellung, an der ich im Oktober teilgenommen habe, schreiben.


Familienaufstellung, was ist das?  Wer macht so etwas? Welchen Sinn hat das?

Wer hat nicht schon davon gehört? Da gibt es Meinungen ohne Ende. Die meisten, die darüber reden, haben von anderen davon gehört und wissen selber aber nichts Genaues.

Mit einer systemischen Familienaufstellung (nach Bert Hellinger) versucht man sich die verschiedenen Beziehungnetze entweder der Herkunftsfamilie oder der Gegenwartsfamilie bewusst zu machen. Je nachdem, welches Problem man hat. Denn Probleme und Konflikte zu beleuchten und Lösungsansätze zu finden ist die Aufgabe dieser Familienaufstellung.


Die Anliegen, die man einer Lösung zuführen möchte sind vielfältig und meist schwerwiegend (meine Ehe steht auf der Kippe/ seit Jahren quälen mich Selbstmordgedanken/ ich kann nur schwer Nähe zulassen usw.)


Jetzt erzähle ich einfach, was wir an dem Wochenende gemacht haben. In Begleitung von zwei Familienstellerinn sind wir in ein wunderschönes, ländliches Seminarhaus weit weg von zu Hause gefahren. Jeder der Teilnehmer hatte seine besondere Geschichte. Da war alles dabei. Gewalt, Missachtung, Missbrauch in der Kindheit, Eheprobleme, Alkoholsucht, Depressionen, die volle Palette an menschlichen Tragödien. Jeder einzelne von uns Teilnehmern hat an diesem Wochenende einmal seine Familie „aufgestellt“. Das ging  z. B. so:


Einer aus der Gruppe nannte ein Anliegen (warum hat mich meine Mutter abgelehnt? Oder warum spielte Gewalt/Alkohol in unserer Familie eine so große Rolle? Warum habe ich so viel Angst? Usw.) Dann wählte er sich aus den Anwesenden Stellvertreter für seine Familie, also Vater, Mutter, Geschwister oder Ehemann/frau, Kinder, frühere Partner und auch für sich selber je nach Anliegen aus und gibt dann ganz spontan und absichtslos jedem Stellvertreter einen Platz im Raum und eine Blickrichtung. Ab dann ist er nur noch Zuschauer.


Das, was dann geschieht ist sehr verblüffend und faszinierend. Obwohl es sich um wildfremde Menschen handelt, bekommen die aufgestellten Stellvertreter plötzlich Zugang zu den Gefühlen und Beziehungen der betreffenden Familienmitglieder. Sie spüren, wie es ihnen an dem zugewiesenen Platz geht, wen sie mögen und wen nicht, wen sie vermissen und was sie brauchen, um sich besser zu fühlen. Diese Gefühle sind so phänomenal und real, das kann man sich gar nicht vorstellen. Ich werde euch jetzt so gut es geht erzählen, wie es mir bei ein paar Aufstellungen als Stellvertreter gegangen ist. (Ich war meist die „Mutter der Nation“)


Das Anliegen war, warum hat meine Mutter mich als einzige Tochter immer so abgelehnt und warum ist sie so fundamental christlich?

Da war ich als Mutter aufgestellt mit Vater und den Kindern. Da stand ich dann und wusste nicht, was ich tun sollte und wartete einfach. Es sollten ja Gefühle kommen. Welche Gefühle denn, ich kannte die Frau doch gar nicht. Da spürte ich, wie es mir an der Seite, an der der „Vater“ stand ganz kalt wurde, ich wollt weg von dem Platz, auf dem ich stand, weg von dem Mann und weg von den Kindern. Ich hatte das Gefühl (wirklich real das Gefühl), die behindern mich an meinem wirklichen Leben. Die hatten irgendwie mit mir selber als Mutter nichts zu tun. Dann wurde noch einer als Stellvertreter für die Kirche dazugestellt. Auf einmal war es für mich ok, beim Vater zu stehen. Ich spürte Kontakt zum Vater und zu den Söhnen, aber keinen Kontakt zur Tochter, diese Beziehung zur Tochter konnte erst hergestellt werden, als „die Kirche“ wieder entfernt wurde.

Im Nachhinein stellt sich dann beim Gespräch heraus, dass die Mutter tatsächlich die Familie verlassen wollte, als die Tochter etwa vier oder fünf Jahre alt war. Der Glaube hat ihr dann die Kraft gegeben, bei der Familie auszuharren, aber sie zugleich auch gefangen.


Eine andere Aufstellung begann mit der Frage, warum wurde ich als Kind missbraucht und meine Mutter hat mich nicht geschützt.

Da ging es mir so, dass ich als Stellvertreter eigentlich guten Kontakt zu der übrigen Familie hatte, bis eine unbekannte Person ins Spiel kam. Da hatte ich das Gefühl von wahnsinniger Angst, Panik und Schwäche, dass ich klatschnass geschwitzt war und fast umgekippt wäre. Hier lag die Vermutung nahe, dass die Mutter selber Gewalt und Missbrauch erlebt hat und nicht die Kraft hatte, ihre Tochter zu schützen.

Die heftigste Aufstellung war für mich das Anliegen einer Teilnehmerin, die ihrer leiblichen Mutter als Kind wegen Misshandlung weggenommen wurde, die Frage, warum sie das getan hat.

Erst stand ich als Mutter der Tochter gegenüber und ich hatte für dieses Kind keinerlei Interesse. Sie fing an zu weinen, aber es interessierte mich nicht (obwohl ich selber ein sehr mitfühlender Mensch bin) Das ging so weit, dass sie vor mir zusammenbrach und ich schaute sie nicht mal an. Ich konnte sie zwar ansehen, aber es interessierte mich nicht, was mit ihr geschah. Dann stellten sie mir die „Oma“ in den Rücken. Das war ein sehr unangenehmes, Angst machendes Gefühl und ich wollte, dass sie sich wieder von mir entfernt. Dann wurde ich umgedreht, so dass ich sie nicht mehr im Rücken hatte sondern ihr in die Augen sehen konnte. Da war dann ein Gefühl von Todesangst und Panik in mir, dass ich schier zusammengebrochen bin und mich am Boden zusammengekrümmt habe vor Angst.

Das hat der Teilnehmerin  eine Ahnung gegeben, dass wahrscheinlich ihre leibliche Mutter das gleiche Schicksal hatte wie sie selber und sie konnte mit anderen Gefühlen an sie denken.

Da waren oft so starke Gefühle von Schuld, Angst, Trauer, Scham Gewalt und auch Liebe und Freude im ganzen Raum, die auch die Teilnehmer, die gerade nicht aufgestellt waren, sehr stark gespürt haben. Da war es sehr wichtig, dass die Seminarleiterinnen uns wieder ganz aus der Rolle, in der wir waren, herausgebracht haben. Oft habe ich nach einer Aufstellung geduscht und andere Sachen angezogen, um vollkommen aus der Rolle raus zu kommen


Das ganze ist nicht erklärbar und fast nicht zu vermitteln, wenn man das nicht selber erlebt hat. Nun kommt die Frage, warum man sich so etwas antut und sich solchen heftigen Gefühlen aussetzt. Die Frage, was hat es mir gebracht? Bei der Aufstellung versucht man, die natürliche Ordnung in einer Familie wieder herzustellen dass jedes Familienmitglied seinen Platz bekommt und die Verantwortung für sein Handeln übernimmt. Das hilft uns aus der Familie herauszugehen und sie auch innerlich zu verlassen, die Verstrickungen und Verletzungen zurückzulassen und loszulassen. Sich zu befreien, von dem, was einengt, schadet und schwächt, frei macht dem Eigenen, Besonderen nachzugehen ohne, dass das Frühere noch belastet.

Das alles geschieht nicht von heute auf morgen. Es ist ein Prozess, der begonnen hat und weitergeht.


Mich selber hat es dazu gebracht, andere Menschen jetzt mit andern Augen zu sehen, nicht mehr so zu urteilen, wie ich es vorher getan habe. Nicht mehr zu denken wie vorher, der ist blöd – böse – feige - aufdringlich – unangenehm usw. sondern hinter dem jeweiligen Menschen seine Geschichte zu erspüren. Das macht mich im Umgang mit meinen Eltern und allen Menschen, denen ich begegne freier und toleranter.

Ich denke das wichtigste ist, dass die Menschen, die solch eine Familienaufstellung durchführen, ihr „Handwerk“ beherrschen und den Teilnehmern helfen können, das Erlebte zu verarbeiten. Wenn ich die Arbeit einer der beiden Seminarleiterinnen nicht schon vorher als sehr gut gekannt hätte, wäre ich wahrscheinlich nicht mitgegangen. Aber ich bin sehr froh, dieses Seminar mitgemacht zu haben. Es hat mir sehr viel an Erfahrung und Tiefgang gebracht.

 

Wer von euch noch mehr wissen will oder Interesse an so einem Seminar hat, kann sich gerne bei mir melden. Ich weiß, dass für Juni wieder eines geplant ist und kann gerne die Adresse weitergeben.

Ich habe von ihnen auch das Angebot: sollten sich genügend Interessentinnen aus unserem speziellen Kreis finden, würden die beiden Leiterinnen ein 4-Tage-Seminar ganz speziell für uns ausrichten, da auch Sie wie auch ich der Meinung sind, dass unsere Lebensbedingungen und die damit verknüpften Herausforderungen sich von den der Städter doch sehr unterscheiden.





 


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