Hallo, Mary,
der größte Vorzug?
Mehr als ein Drittel unseres Essens: alles an Obst und alles an Fruchtgemüse, dazu Raps, Sonnenblumen,etc.
Und fast alle wilden Blütenpflanzen sind auf Bienen angewiesen.
Da wir durch unsere Eingriffe die Landschaft zu einem ziemlich unwirtlichen Ort mit Monokulturen gemacht haben, sind viele Arten von anderen Bestäubern schon lange auf der Roten Liste, und können diese Aufgabe einfach mangels Anzahl nicht erfüllen.
Ein Hummelvolk hat z.B. nur etwa 500 Einzelwesen, wenn es am größten ist, ein Bienenvolk dagegen 50-70.000.
Und alle Wildbienen sind Solitärbienen, d.h., jedes Weibchen lebt allein und legt etwa 20-100 Eier, die dann mit viel Glück im nächsten Jahr schlüpfen.
Das Problem liegt darin, daß eine verstärkte Wiederansiedlung von Wildbienen nur möglich ist, wenn auch die Lebensbedingungen stimmen, und das tun sie leider nicht.
Das ist ein weiterer Grund für die Wichtigkeit von Honigbienen: zur Blüte und Bestäubung kann man sie dorthin bringen, wo sie gebraucht werden, und anschließend wieder nach Hause fahren, wo sie mit Pflege durch den Imker relativ gut überleben können.
Ein weiteres Plus von Honigbienen liegt im Zusammenspiel von Blüte und Biene.
Es gibt viele Untersuchungen darüber, daß auch bereits bestäubte Blüten von zusätzlichen Bienenbesuchen profitieren, die Früchte werden gleichmäßiger und größer, die Blüten werden sozusagen "gestreichelt" und hormonelle Vorgänge in der Blüte angeregt.
Die allergrößte direkt greifbare Wirkung liegt allerdings in der Rapsbestäubung.
In Kanada hat man jahrelang versucht, reine windbestäubte Arten zu züchten, und seit zwei, drei Jahren wird dort Bestäubung doch wieder eingekauft.
Wenn nämlich auch nur ganz leichter Regen herrscht, ist es nichts mehr mit Windbestäubung für Stunden, aber Bienen tun ihren Job trotzdem, auch mit feuchtem Pollen.
Eine ausreichende Anzahl an Bienenvölkern vorausgesetzt (4-6 Vollvölker pro Hektar) können den Ertrag um 30-40% steigern, die einzelnen Samen werden größer, sie enthalten mehr Öl, und die Anzahl der Körner pro Pflanze steigt auch noch, weil die Bienen auch in Blüten gehen, wo der Wind nicht unbedingt gut Pollen hinblasen kann.
Die Kanadier bezahlen also nicht aus Gutmütigkeit, sondern weil es sich einfach rechnet für sie.
Und aufgrund der merkwürdigen Struktur der deutschen Imkerschaft, die stark überaltert ist, und zu 99,7% aus älteren Hobbyimkern mit 10 Völkern besteht, wird der Bienenmangel in den nächsten Jahren noch zunehmen.
In den neuen Bundesländern sind schon riesige Gebiete wirklich bienenleer, und es wird noch schlimmer werden.
Wir hatten eine Anfrage aus Thüringen zwecks Bestäubung in einer Apfelplantage, die jetzt in die Ertragsphase kommt, und dort wachsen zur Zeit nur einzelne krumme Äpfelchen am Baum, weil durch die ganze Spritzerei nahezu alles an natürlich vorkommenden Bestäubern wie Wildbienen ausgerottet wurde.
Bienen, die eine Vollbestäubung machen, wollen sie dort eigentlich gar nicht, weil dann per Handarbeit das Übermaß an Fruchtansätzen wieder ausgedünnt werden müßte, erklärten sie uns.
Außerdem fanden sie unsere Bienen zu teuer, jetzt kaufen sie für das gleiche Geld (!!!) gezüchtete Hummelvölkchen, bekommen eine wesentlich geringere Bestäubung, und brauchen sich ihrer Meinung nach dann dafür nicht beim Spritzen vorzusehen, denn die Hummeln sind dann eben Wegwerfartikel....

Daß das ein völlig falscher Ansatz ist, wird sich in den nächsten Jahren zeigen, denn die Hummelköniginnen für diese Zuchten werden gnadenlos und verbotswidrig einfach der Natur entnommen, und da werden es immer weniger....
Fazit: Honigbienen sind fast unbezahlbar in ihrem Wert für die Natur und den Menschen.
Albert Einstein sagte mal, wenn es keine Bienen mehr gäbe, würde die Menschheit keine 5 Jahre mehr überleben.
Das ist meiner Meinung nach nur wenig übertrieben, denn über die Folgen eines Verschwindens der Bienen macht sich kaum jemand Gedanken...