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Autor Thema: Alkoholkrankheit  (Gelesen 14363 mal)
LunaR
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Dat Eenen sien Uhl is det Annern sien Nachtigall


« Antwort #75 am: 26.10.09, 00:31 »

Es ist auch nicht zu vergessen, welche Verantwortung Kinder von Alkoholkranken übernehmen müssen oder unaufgefordert auf sich nehmen. Eine Lehrerin erzählte mir mal, dass in der Schule immer wieder Thema war, dass die Kinder kein Handy in der Schule dabei haben sollten, oder zumindest nicht benutzen dürften. Ein Mädchen wurde immer wieder dabei erwischt, dass sie mit dem Handy telefonierte. Schließlich gab es ein Gespräch mit der Schulleitung, da sagte sie ganz traurig, was soll ich denn machen, ich muss mich doch um meine Mutter kümmern, wenn sie getrunken hat.  Cry

Vor Jahren habe ich bei einer ehrenamtlichen Tätigkeit Hilfe von einem Mädchen gehabt (am Anfang war sie 12 Jahre), deren Vater im betrunkenen Zustand so gewalttätig wurde, dass die Polizei kommen mußte. In die Anfangszeit fiel ein Vorfall, bei dem das Mädchen mit Mutter und Geschwistern zu den Nachbarn geflohen war und auch wieder mal die Polizei im Einsatz war. In den nächsten Jahren sprach sie nie darüber. Erst 5 Jahre später - sie war gerade volljährig geworden - kam es wieder zu so einem Vorfall mit Polizei. Da erzählte sie mir, dass sie in den vergangenen Jahren keine Erinnerung  mehr an den vorherigen Vorall hatte, erst als die Polizei bei dem neuen Vorfall vor der Tür stand mit dem Vater, hatte sie plötzlich all die alten Bilder wieder im Kopf. Sie ist dann sofort, von einem Tag auf den anderen, aus ihrem Elternhaus ausgezogen. Zur Rolle ihrer Mutter (die bereits während der ersten Schwangerschaft geschlagen wurde), die auch viel Gewalt aushalten mußte, meinte sie mal, es gehören immer zwei dazu und die Mutter hätte ja auch fortgehen können.  Cry

Luna     
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Verschwendete Zeit ist Dasein.
Gebrauchte Zeit ist Leben.
martina-s
Landkreis Weilheim Obb.
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Leben geht nur vorwärts;rückwärts aber verstehen!


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« Antwort #76 am: 26.10.09, 06:39 »

Hm, ja,
man hat es aber nicht immer so in der Hand.
Wir haben auch so einen Spezialisten. Wenn der kommt, dann verlangt der auch nach Bier. Wir sind da auch immer sehr geizig  Cool. Erstens haben wir selten viel Bier daheim. Bei uns wird höchstens 3x in der Woche eine Halbe zum Feierabend getrunken. Also wir sind 6 Personen und haben in der Woche einen maximalen Bierverbrauch von 3 Flaschen. Und das nicht immer.
Bei uns hat Bier schon mal das Ablaufdatum überschritten.
Jedenfalls der Spezialist musste dann Warsteiner in so kleinen Flaschen trinken. Die waren von einer Geburtstagsfete übrig von unseren Jungen. Cool Tongue Ich denke, der hätte auch anderes getrunken. Hauptsächlich Alc.
Man denkt gar nicht, wie viele, trotz Kontrollen, Besoffene im Straßenverkehr unterwegs sind. Cry
Als wir unseren Stall gebaut haben, da war auch ein Maurer; der war Alki. Haben auch gleich angeschafft, sie bräuchten Augustiner. Und das Tragel war auch schnell geleert. Irgendwann fiel er in einen schon fertig betonierten Gülleschacht vor lauter Suff. Aber das war eine Fremdfirma und die müssen ja mit dem Ausfall fertig werden. Wenn den die Maurerfirma weiter anstellt können wir ja nix zu.
Wir fanden das aber auch nicht gerade toll und waren froh als die den Unterbau fertig hatten.
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Liebe Grüße
Martina
brit
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« Antwort #77 am: 26.10.09, 08:05 »

@ Luna, das ist ja heftig. Braucht schon viel Stärke von sonem Mädchen, und steht dann nachher auch alleine da.. Cry

 viele menschen kehren  immer wieder zu gewalttätigen Männern /partner zurück.. trotz der Gewalt.
das ist ein seltsames Phänomen, wo Fachleute oftmals fast hilflos mitansehen müssen.

es braucht sehr sehr viel sich da rauslösen zu können. Weil vielleicht bei den Mütter auch schon alte Muster unbewusst mitspielen.



Fakt ist, dass ein Alkoholiker GAR KEINEN Alkohol mehr trinken darf. Auch nicht weniger und auch nicht mal mehr einen Eierlikörkuchen essen soll.
Fakt ist weiterhin, dass, je mehr die Familie den Alkoholiker abschirmt, desto länger ist sein Leidensweg.
Fakt ist, dass die Alkoholiker erst selbst von sich aus Hilfe suche, wenn sie ganz am Ende sind. Viele lassen sich erst helfen, wenn schon alles weg ist; Familie, Arbeit und vielleicht auch noch die Wohnung.

In der LW ist es natürlich äußerst schwierig, wenn man lebende Tiere zu versorgen hat.  Da muss die Arbeit einfach getan werden, von wem auch immer ....

das find ich ganz ganz wichtig zu wissen.
ist aber extrem schwer, eine Person die man eigentlich mag, derart im *Stich* zu lassen ( ich glaub so fühlt es sich an für Angehörige, auch wenn sie rein kopfmässig wissen das es eben genau das nicht ist )
wir hatten ein Mädchen angestellt, dessen Vater Alkoholiker war, ging soweit bis sich Eltern trennten, und der Vater immer mehr abrutschte, er war zwar dann in ner Klinik, schaffte aber den Absprung nicht),  welche Gefühle das Mädchen zum Vater hatte, war schon sehr schwierig, zum einen sehr viel schöne Erinnerungen von früher, aber absolute Abgrenzung zu seinem jetzigen Zustand.  es tat ihr sehr weh, diese Abgrenzung,  man spürte auch wie enttäuscht sie von ihm war eigentlich....ist wirklich sehr hart.

Schliesse mich Dir an, ist sehr wichtig sich Hilfe /Unterstützung von aussen zu holen.

ist aber oft noch schwierig, Alkoholsucht entwickelt sich ja oft schleichend, und das Co-Verhalten schleicht sich auch langsam ein.. drum wird das oft erst wenns schon recht heftig ist bewusst.

« Letzte Änderung: 26.10.09, 08:07 von brit » Gespeichert
Mirjam
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Change happens!


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« Antwort #78 am: 26.10.09, 09:11 »

Hallo

ich find das Buch immer noch ziemlich klasse (und ernüchternd) "Wenn Frauen zu sehr lieben... von der heimlichen Sehnsucht gebraucht zu werden" - da sind viele Fallbeispiele mit Alkohol & Co. drin.

Leider ist es ja immer noch in unserer Gesellschaft "Frauenverpflichtend", dass "wenn sie ihren Partner nur genug liebt" oder in einer "Krise nicht allein lässst...."  Roll Eyes Lips Sealed

Gruß Mirjam
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Der Kopf ist rund - damit die Gedanken auch mal die Richtung ändern können!
Luetten
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« Antwort #79 am: 26.10.09, 11:56 »

Zitat
[Leider ist es ja immer noch in unserer Gesellschaft "Frauenverpflichtend", dass "wenn sie ihren Partner nur genug liebt" oder in einer "Krise nicht allein lässst...."   

/quote]Na, Mirjam es mag bei Euch noch so sein aber die Zeiten sind hier gewesen!
Gruß Petra
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Man sollte nie mit vollem Mund über Bauern schimpfen!
wildsauschreck
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« Antwort #80 am: 26.10.09, 13:12 »

Hallo

ich find das Buch immer noch ziemlich klasse (und ernüchternd) "Wenn Frauen zu sehr lieben... von der heimlichen Sehnsucht gebraucht zu werden" - da sind viele Fallbeispiele mit Alkohol & Co. drin.

Leider ist es ja immer noch in unserer Gesellschaft "Frauenverpflichtend", dass "wenn sie ihren Partner nur genug liebt" oder in einer "Krise nicht allein lässst...."  Roll Eyes Lips Sealed

Gruß Mirjam

ich erlaube mir zu urteilen , das so etwas nicht geschlächterspizifisch zu sehen ist !
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Gelika
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edel sei der Mensch und milchreich die Kuh


« Antwort #81 am: 26.10.09, 13:18 »

Hi wildsauschreck,

da muß ich dir leider zustimmen... Cry

Ich melde mich noch mal ausführlich zu diesem Thema, oder schicke dir eine pm.
mal schaun- da geht mir jetzt wieder zu viel im Kopf rum. Vieles was ich schon lang verarbeitet glaubte.... ist aber wohl nicht so..


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Sasa
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« Antwort #82 am: 26.10.09, 20:38 »

ich habe im Fernsehen eine Sendung gesehen, in der ein trockener Alkoholiker erzählte, sehr plastisch, wie er einem Rückfall entging:

Er war auf einer Hochzeit eingeladen, beim Sektempfang reichte ein "Freund" ihm ein Glas Orangensaft. Zu der Zeit war er bereits mehrere Jahre trocken. Der Mann fragte diesen Bekannten, ob es wirklich "O-Saft pur" sei? Aber natürlich, sagte dieser. Er nahm einen Schluck-schmeckte den Sekt heraus- spuckte den Schluck zurück ins Glas und stellte das Glas auf dem Tresen ab, bat die Bedienung, es abzuräumen. Allerdings dauerte das ein paar Minuten, bis die Dame soweit war. Während dieser 1-2 Minuten habe er immer wieder zu dem Glas hinsehen müssen, das Glas habe geradezu "mit ihm gesprochen"  "Ach, nun komm! Ein Glas schadet doch nicht!"

Das Ende vom Lied war, daß dieser Mann die Feier augenblicklich verließ- er hatte Angst, rückfällig zu werden.

Ich habe lange gekellnert und oft erlebt, wie solche "Freunde" einem trockenen Alkoholiker zuredeten- ich weiß immer nicht, warum Leute sowas tun. Manchmal denke ich, daß gerade diese "Ach, ein Glas kannst Du doch trinken! Das ist doch nichts dabei!"- Zuredner  selber im tiefsten Inneren sich nicht sicher sind, ob ihr Trinkverhalten so in Ordnung  ist....
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Freya
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no guts, no glory !


« Antwort #83 am: 04.08.12, 22:50 »

Ich habe lange gekellnert und oft erlebt, wie solche "Freunde" einem trockenen Alkoholiker zuredeten- ich weiß immer nicht, warum Leute sowas tun. Manchmal denke ich, daß gerade diese "Ach, ein Glas kannst Du doch trinken! Das ist doch nichts dabei!"- Zuredner  selber im tiefsten Inneren sich nicht sicher sind, ob ihr Trinkverhalten so in Ordnung  ist....

ich glaube auch, dass es ganz gefährlich und "hirnlos" ist, von den "normalen" Leuten, wie sie immer wieder anderen den Alkohol anbieten. Bei uns im Haus kommt Bier oder anderes alkoholisches Getränk nicht automatisch auf den Tisch und es wird auch nicht automatisch angeboten. Wenn Ernetzeit ist, frag ich erst mal welches Limo oder Spezi gewünscht wird. Zum Essen dann vielleicht mal ein Bier oder ein Radler. Aber nur auf Wunsch. Das hab ich hier eingeführt und es hat sich noch niemand von den Arbeitern beschwert. Egal ob Maurer oder Zimmerer oder Erntehelfer.

Und einem alkoholkranken Menschen kann man auch nur vor den Kopf schauen. Er muss selbst die Kraft haben, das erste Glas stehen zu lassen, aber ich muss ihn nicht auch noch nötigen, ein einziges Glas (was ja "nicht" schadet) zu trinken....  Wink Cheesy  ...
egal, ob ich von seiner Krankheit weiß oder nicht.  Undecided Huh
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liebe Grüße
Freya
mouhkouh
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« Antwort #84 am: 04.08.12, 23:25 »

Einem ehemaligen Raucher geht es genauso mit Zigaretten....ich hab in meinem Leben ganze acht Jahre mehrere Schachteln am Tag geraucht. 2007 habe ich aufgehört, von einer Kippe auf die andere. Bin ich heute nach stolz drauf.
Aber trotzdem ist es nach fünf Jahren Abstinenz immer noch so, wenn ich andere Rauchen sehe, Zigarettenrauch schmecke....dann fängt es im Hirn an zu rattern. Ganz gefährlich! Ich muss dann am besten weg gehen, oder zumindest mich stark abkenken.
Ich glaub, das geht nie mehr weg. Genauso wie es mit trockenen Alkoholikern ist- die dùrfen auch niemals im Leben mehr Alkohol zu sich nehmen.
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SwissBäuerin
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« Antwort #85 am: 05.08.12, 09:05 »

Freya, du hast recht. Mouhkouh, dass hast du sehr gut beschrieben. Die Synapsen im Kopf sind wie Weichen. Wen die mal auf Sucht (ob Alkohol, Zigaretten, Heroin ect spielt keine Rolle) gestellt sind, kann man die nie mehr anders stellen. Ich habe lange in der Suchtarbeit gearbeitet. Hut ab vor allen die es schaffen konsequent nein zu sagen, denn ich habe viele gesehen die das nicht (noch nicht) geschafft haben. Viele die gestorben oder verblödet sind bevor sie es schaffen konnten.

Wir hatten auch Therapeuten/ Psychologen im Team die nach der Sitzung eine Zigarette rauchen gingen. (mussten)
Das fand ich jeweils etwas unpassend. Wen man weiss wie wichtig die Vorbild und Beziehungsarbeit in der Erziehung und im Sozialbereich überhaupt ist.

Umso mehr bewundere ich Menschen die es schaffen. Auf keinen Fall darf man diese Menschen und ihre Stärke ausreizen indem man ihnen das Suchtmittel anbietet. Das Nein sagen kostet unheimliche Kräfte.
« Letzte Änderung: 05.08.12, 09:15 von SwissBäuerin » Gespeichert
Pierette
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« Antwort #86 am: 05.08.12, 13:00 »

Mouhkouh
hat so absolut Recht mit ihrer Beschreibung, bei mir sind es mittlerweile 15 Jahre, aber ich finde, dass es mit der Zeit immer weniger wird mit dem Jieper auf den Dunst.
Es sind eigentlich immer nur die Augenblicke, die es zu überstehen gilt.

Mit dem Alk ist es genauso wie mit dem Qualm, es gilt nur entweder - oder.  Ein Dazwischen gibt es nicht, ach ein Gläschen geht doch mal - das funktioniert nicht.
Darum finde ich auch immer wieder unmöglich, nicht zu akzeptieren, wenn jemand lieber alkoholfrei trinken möchte.


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Ein Tier, das nicht klettern kann, sollte sein Geld nicht einem Affen anvertrauen
(aus Afrika)
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