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Autor Thema: Bauernverband - Wege für die Zukunft?!  (Gelesen 10241 mal)
reserl
Niederbayern
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Geschlecht: Weiblich
Beiträge: 7209



« am: 09.11.06, 16:44 »


Wie gut fühlt ihr euch vom Bauernverband vertreten?
Was würdet ihr anders machen?
Wo sind eure Kritikpunkte?

Geht ihr auf Veranstaltungen des BV?
Was müsste sich im Verband bewegen, damit ihr euch damit (wieder) identifizieren könnt?

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lieben Gruß
Reserl



Wer sich heute freuen kann, der soll nicht bis morgen warten.
Biobauer
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« Antwort #1 am: 09.11.06, 18:19 »

Hallo,ich hoffe ich kann hier auch posten ,wen ich kein mitglied des bauernverbandes mehr bin .ich bin trotz der saftigen mitgliedsbeiträge jahrelang dabeigewesen ,war sogar mal obmann,hab aber dann meinen hut genommen ,nachdem ich immer mehr enttäuscht wurde.
hier mal nen paar kritikpunkte:
-man kann nicht zwei herren dienen ,mittlerweile mehr verpächter im verband als aktive landwirte
-man kann nicht zwei herren dienen ,jeder konzern ,jede molkerei und jedes schlachtunternehmen üben mehr einfluss aus als die aktiven landwirte
-eine ruinöse sozialpolitik,in der alterskasse sind schon mehr empfänger als einzahler ,aber man wil ja seine aufsichtsratposten nicht gefährden,bei uns war heute in der tageszeitung ,das die alterskassenbeiträge drastisch steigen müssen
-zudem war noch in der tageszeitung ,das darüber nachgedacht wird extra berufsgenossenschaftsbeiträge  für die frau einzuführen ,wo bleibt der protest des dbv
-unser landwirtschaftliches ausland fährt mit agrardiesel ,sprich heizöl,das allein ist ein wettbewerbsvorteil von tausenden  euros  je betrieb,warum  setzt sich der berufsstand nicht für uns ein
-zum abschied herremanns hat er bzw sein schwager noch ein persönliches geschnek vom DBV bekommen ,nämlich die nachbauregelung
-die unkritische haltung gegenüber der gentechnik,gottseidank haben wir bis jetzt imme rnoch ein gesetz ,das uns davor relativ gut schützt,aber genhofer ist schon am sägen

ich könnte noch nen bissl weitermachen ,besonders was meine persönliche meinung über so manche funktionäre hier ist ,aber das könnte dann als beleidigung aufgefasst werden ,auch wenns den tatsachen entspricht.
servus Herbert
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Streite dich nie mit einem Idioten, er zieht dich auf sein Niveau herunter und schlägt dich mit Erfahrung. (Bob Smith, 1962
mary
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Baeuerin - Beruf mit Herz


« Antwort #2 am: 09.11.06, 19:21 »

Hallo Herbert,
danke für deine Liste,
kann dir nur voll beipflichten,
die Sozialpolitik, die lasche Haltung in der Gentechnikfrage ( bei uns gibts jetzt schon viele Bauern, die sich teilweise bei der Gentechnik von Greenpeace besser vertreten fühlen als vom Bauernverband, diese Bauern sind keine grünen Sympatisanten)
und vor allem die Haltung bei der Milch,
da ist sehr viel Frust und Enttäuschung draussen.
Ich habe eher das Gefühl, dass diejenigen, die sich für einen besseren Milchpreis einsetzen, eher gebremst werden.
Meine Liste liesse sich auch noch lange fortsetzen.
Herzl. Grüsse
maria



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Luetten
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« Antwort #3 am: 09.11.06, 19:28 »

ich kann mich herbert und mary leider nur anschließen Undecided
LG Petra
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Man sollte nie mit vollem Mund über Bauern schimpfen!
Andreas
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I mog Di !


« Antwort #4 am: 09.11.06, 20:46 »

Hallo,
ich war auch mal Obmann beim BBV Huh
Bei mir war die Grenze erreicht, als Sonnleitner bei Landwirtschaftminister Funke durchgesetzt hat, dass die Ökosteuer, die wir Bauern bezahlen, nicht zur Senkung der Alterskassenbeiträge eingesetzt wird.
Stattdessen wurden die gesamten  Einnahmen dafür verwendet den Betrieben in den neuen Bundesländern Dieselverbilligung zu bezahlen. Die wurde bekanntlich in der Zwischenzeit auch wieder zusammen gestrichen.

Die bäuerliche Landwirtschaft ist deshalb bis heute die einzige Berufsgruppe, die bei der Ökosteuer nur bezahlt und nichts bekommt.
Jedem Bauer und jeder Bäuerin fehlen dank Sonnleitner deshalb über 1.000 € pro Person und Jahr

Gruß
Andreas
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fanni
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« Antwort #5 am: 12.11.06, 11:15 »

Hallo,

Die bäuerliche Landwirtschaft ist deshalb bis heute die einzige Berufsgruppe, die bei der Ökosteuer nur bezahlt und nichts bekommt.
Jedem Bauer und jeder Bäuerin fehlen dank Sonnleitner deshalb über 1.000 € pro Person und Jahr

Gruß
Andreas

@ Hallo Andreas, diese Info interessiert mich (und vielleicht auch andere) sehr.!!!! Hast du die Quelle?  Obwohl ich doch sehr viel lese war mir dieser Zusammenhang mit der Ökosteuer noch nicht klar. Aber danke für den Hinweis, da gab´s doch mal den Slogan: "Tanken für die Rente".

Zur Zukunft des BBV möchte ich mich mal so äußern, einen Bauernverband wird und muß es immer geben! Aber einen Wunsch hab ich doch. Ich wünsch mir einfach mal, dass das Ganze etwas partnerschaftlicher wird. Auf den Höfen geht es ohne eine gute Partnerschaft zwischen Mann und Frau nicht. In der großen Verbandsstruktur gibt es da schon noch etwas zu verbessern. Ohne jetzt, als sag mer mal als "Emma" dahstehen zu wollen. Wir brauchen schon mehr Frauen in den oberen Positionen. Ich mein nicht, um die Männer hier zu kritisieren oder zu verdrängen, sondern um die eigenen Geschlechtsgenossinen mehr aufzurütteln  Eine Landesbäurin alleine genügt mir da nicht mehr. Auch wenn sie flott auftritt und zusammen mit ihrern Vertreterinnen ein moderneres Image rüberbringen will..........Huh??  Bei uns an der Basis ist das noch nicht angekommen, die Männer machen ihr Ding und die Frauen backen teilweise immer noch Kuchen!!! Ist es denn theoretisch überhaupt möglich, dass eine Frau BBV-Präsi wird?  Wer weiß das zufällig???  Das würde mich auch mal interessieren.  Nur so!   (Ich wills/kanns aber nicht machen)


Es kann aber auch sein, dass viele (Frauen und Männer), die dafür qualifiziert wären, den Verband voranzutreiben von ihren Höfen her einfach immer mehr in der Arbeitsfalle sitzen und sich so ein Ehrenamt gar nicht mehr leisten können (arbeitsmäßig und finanziell, auch Zeit ist Geld). Auch das wäre zu überdenken. Ich kenne eine sehr fitte Frau, die ich hier gerne als Kreisbäuerin hätte. Sie kann dieses Amt aber einfach nicht antreten, da sie sonst gar keine Zeit mehr für sich hätte. Bei den Männern ist es doch genauso, die die gut sind machen eh schon soviel.......Ja und überhaupt werden wir ja sowieso immer weniger, das ist der Pool ja auch kleiner.

Das sind so einige meiner Gedanken zum Thema an diesem verregneten Sonntag

Fanni



« Letzte Änderung: 12.11.06, 11:17 von fanni » Gespeichert

Herzliche Grüße von Fanni
mary
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Baeuerin - Beruf mit Herz


« Antwort #6 am: 12.11.06, 11:32 »

Hallo Fanni,
ja wir brauchen eine Berufsvertretung, wobei ich dafür bin, dass es auch eine Wahlmöglichkeit bzw. Konkurrenz gibt.
Mein Wunsch wäre ebenso eine grössere Partnerschaftlichkeit und weniger Hierachie von Oben nach unten, sondern mehr von unten nach oben.
Die Gleichberechtigung auf den Höfen funktioniert ja bestens, aber da ist dann schon das Ende.
Solange die Bäuerinnen zwar bei der Mitarbeit vollkommen gleichberechtigt zählen, aber schon in der Buchführung zu einem grossen Teil verschwinden, in den meisten Fachversammlungen nicht zugegen sind,
haben wir viel zu wenig Einfluss.
Ich sehe die Landwirtschaft als Boot, in dem die Frauen zwar sehr fleissig mitrudern, aber den Kurs geben die Männer vor, wenn dann wieder mal ein Leck ist oder ein grösseres Problem auftaucht, dann sind die Frauen wieder gefragt, dass das Boot nicht untergeht.
Sobald es wieder flott gemacht ist, gelten wieder der männl. Kurs.
Ich fürchte, dass das noch lange dauern wrid, bis sich da was ändert.
herzl. Grüsse
maria
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Schoko
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« Antwort #7 am: 12.11.06, 11:43 »

Hallo Mary,
dafür kann aber der Bauernverband nichts, wenn sich die Frauen nicht einbringen.
Da sind sie selber schuld.
Schoko
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Andreas
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Beiträge: 949


I mog Di !


« Antwort #8 am: 12.11.06, 13:28 »


@ Hallo Andreas, diese Info interessiert mich (und vielleicht auch andere) sehr.!!!! Hast du die Quelle?  Obwohl ich doch sehr viel lese war mir dieser Zusammenhang mit der Ökosteuer noch nicht klar. Aber danke für den Hinweis, da gab´s doch mal den Slogan: "Tanken für die Rente".


Hallo Fanni,
ich versuche mal ein Schreiben von unseren Bundestagsabgeordneten zu diesen Sachverhalt hier hoch zu laden.


Leider hatten alle, rotgrüne Bundesregierung und Bauernverband großes Interesse den Kuhhandel mit der Ökosteuer nicht an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen.
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Jochen
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« Antwort #9 am: 12.11.06, 15:52 »

Nach meinen Informationen wurden die Beiträge zur Alterskasse damals zum gleichen Prozentsatz durch die Ökosteuer gestützt wie die gesetzliche Rentenversicherung.

Der Brief eines Bundestagsabgeordneten ist kein eindeutiger Beleg dafür, dass dieser "Kuhhandel" stattgefunden hat. Ich glaube kaum, dass es durchsetzber gewesen wäre, den prozentualen Anteil der Alterskassenstützung höher ausfallen zu lassen als bei der gesetzlichen Rentenversicherung. Und ich glaube auch kaum, dass Sonnleitner die Wahlfreiheit zwischen höheren Zuschüssen zur Alterskasse oder mehr Gasölbeihilfe angeboten wurde. Das Archiv des DBV reicht online nur bis ins jahr 2003 zurück. Ältere Pressemitteilungen sind aber anforderbar.
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mary
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Beiträge: 7384


Baeuerin - Beruf mit Herz


« Antwort #10 am: 12.11.06, 16:27 »

Hallo Andreas,
irgendwie scheint mein Gehirn Löcher zu haben, ich kann mich noch an Diskussionen erinnerin, aber den wirklichen Sachverhalt bringe ich nicht mehr ganz zusammen.
Herzliche Grüsse
maria
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fanni
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« Antwort #11 am: 12.11.06, 16:41 »

Hallo,

ich find die letzten Beiträge sehr interessant, danke Andreas, dass du dir soviel Mühe gemacht hast für meine Frage.  Aber wir sollten zum Thema zurückkehren, das da heißt Wege in die Zukunft, denn so hat es das Reserl ja gestartet. Ich möchte nochmal "Schoko antworten"
Hallo Mary,
dafür kann aber der Bauernverband nichts, wenn sich die Frauen nicht einbringen.
Da sind sie selber schuld.
Schoko

Da geb ich dir recht. Aber wenn es mal wirklich eine ganz gute und fitte und engagierte Frau gäbe, wie weit kommt sie im Bauernverband.? Kann sie überhaupt ins Präsidium einziehen??? Wenn es so ist, wie Mary sagt
Solange die Bäuerinnen zwar bei der Mitarbeit vollkommen gleichberechtigt zählen, aber schon in der Buchführung zu einem grossen Teil verschwinden, in den meisten Fachversammlungen nicht zugegen sind,
maria

Was meint ihr, wie stehts um die Zukunft des BBV, wenn z.B. die LKK und die LAK mal nicht mehr haltbar sind, was ich persönlich glaube?? Dann wird es doch sehr haarig oder?


Fanni
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Herzliche Grüße von Fanni
Andreas
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I mog Di !


« Antwort #12 am: 12.11.06, 16:54 »

Hallo Jochen,
frag bitte mal bei deiner Alterskasse nach, wie hoch der Beitrag aus der Ökosteuer ist !

Hallo Fanni,
du hast recht, es geht um "Wege  für die Zukunft"
Mit einem Einheitsbauernverband, der in Bayern noch dazu "Körperschaft des öffentllchen Rechts" ist, haben wir keine Zukunft !

In allen anderen Ländern, wo es konkurrierende Bauernverbände gibt, ist das Ansehen der Bauern in der Bevölkerung höher und es wird auch mehr für die Bauern erreicht, siehe Österreich, Frankreich usw.

Aber das können nur wir selbst ändern, wenn wir wollen !

Gruß
Andreas
« Letzte Änderung: 12.11.06, 18:41 von Andreas » Gespeichert
Jochen
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« Antwort #13 am: 13.11.06, 13:42 »

@ Andreas

http://dip.bundestag.de/btp/14/103/14110103.92.pdf

Zitat
Dr. Gerald Thalheim, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister
für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten:
Sehr geehrter Herr Kollege Storm, zunächst will ich darauf
hinweisen, dass im Gesetz über die Alterssicherung
der Landwirte Regelungen enthalten sind, aufgrund deren
der Beitrag der Landwirte mit dem Beitragssatz in der gesetzlichen
Rentenversicherung verknüpft ist. Infolge eines
höheren Bundeszuschusses – aus den Einnahmen der
Ökosteuer – konnte dieser Beitragssatz zum 1. Januar
2000 gesenkt werden. Diese Verknüpfung hat also dämpfend
auf den Beitragsanstieg in der Alterssicherung der
Landwirte gewirkt.

Gerhard Thalheim ist Parteigenosse des von dir befragten Abgeordneten.
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Andreas
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Beiträge: 949


I mog Di !


« Antwort #14 am: 15.11.06, 08:04 »


Gerhard Thalheim ist Parteigenosse des von dir befragten Abgeordneten.


Hallo Jochen,
gerade Staatssekretär Gerhard Thalheim hat mir in einem persönlichen Gespräch die Verhandlungen zwischen Funke und Sonnleitner detailiert geschildert. Dafür habe ich zwei Zeugen.
In dem Schreiben dass du anführst, bestätigt Thalheim indirekt, dass die Ökosteuer nicht direkt in die landw.
Alterskassen fliesst. Nur über den Umweg der gesetzlich festgelegten Zuschüße kommt ein geringer Anteil an.

Da bäüerliche Betriebe den vollen Ökosteuersatz zahlen, Großbetriebe aber nur 1/5 davon, kannst du dir unsere Benachteiligung selbst ausrechnen.

Was mich mehr interessieren würde:
Gibt es in irgend einem anderen Land auch einen staatlich subventionierten Einheitsverband ?
Wie ist die landwirtschaftliche Berufsvertretung in anderen Ländern organisiert ?

Gruß
Andreas
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