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Autor Thema: Denkmalschutz  (Gelesen 916 mal)
reserl
Niederbayern
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Geschlecht: Weiblich
Beiträge: 7208



« am: 27.09.03, 14:04 »

Mein Elternhaus steht unter Denkmalschutz.
Im nachhinein hat sich das als gut erwiesen, sonst wäre es vor zwanzig Jahren womöglich abgerissen worden. Shocked Roll Eyes

Für den Umbau wurden damals dann verschiedene Auflagen gemacht.
Die Dachneigung durfte nicht verändert werden, die Fenstergröße musste beibehalten werden und es mussten auch wieder Sprossenfenster eingebaut werden.


Welche Erfahrungen habt ihr mit denkmalgeschützten Bauten?


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lieben Gruß
Reserl



Wer sich heute freuen kann, der soll nicht bis morgen warten.
maggie
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Geschlecht: Weiblich
Beiträge: 3043

Bäuerinnen - sind wie andere frauen


« Antwort #1 am: 27.09.03, 14:50 »

mein elternhaus steht auch unter "heimatschutz" - heisst es in der schweiz - für wohnhäuser oder vor allem wahrscheinlich bauernhäuser..

gebaut wurde es 1747 die erste hälfte und 1748 die zweite -
dass es in 2 teilen gebaut wurde,haben wir erst vor gut 25 jahren festgestellt, als eine grossrenovation anstand...

der preis war stattlich - man hätte leicht ein neues 1 - familien haus bauen können....

doch mein vater war und ist heute noch stolz, dass sein elternhaus unter schutz steht -
und meine eltern konnten es sich zum glück leisten - die mehrkosten auf sich zu nehmen... ein bisschen gabs aus einem fond - aber nie was die mehrkosten aufgefangen hätte...

anschliessend wollte mein bruder das haus übernehmen und da es für eine 4 köpfige fam. viel zu gross war -
wollte er eine 2. wohnung einbauen -

nein - war der kommentar meines vaters -

das tragen diese balken nicht mehr - im 2. stock eine küche u.s.f....

es war nichts zu machen - mein bruder bekam das haus nicht ..

dafür leben meine eltern im augenblick noch allein darin -

erdgeschoss : 2 wohnzimmer - relativ gross - 1 küche und eine alte küche (abstellraum, wm, knetmaschine...) -wc

im 1.stock - grosses badezimmer , sep. wc,  4 schlafzimmer - breiter gang

2. stock - 3 schlafzi - 2 abstellräume (der eine heisst - schnapskammer, der andere "grümpelkammer" ) wc

und dann kommt noch ein estrich - über die ganze hausfläche mit eingebauter rauchkammer - im kamin....

und der keller liegt zu 2/3 unter dem boden und ist ebenfalls ganzer grundriss....

nun wurde es meinen eltern wirlich zu viel - und in nächster zeit werden sie ins altersheim ziehen...

was nachher mit dem haus geschiet...

vielleicht übernimmt es eines unserer kinder - einmal irgendwann -

aber wahrscheinlich kann sich das niemand von uns leisten
und wir werden es verkaufen müssen...
doch sicher nicht so lange meine eltern noch leben...

zuerst werden wir uns mal zeit lassen - mit räumen....

mein vater ist 87 und lebte immer dort....
meine eltern sind über 60 jahre verheiratet...

na was hat sich da alles angesammelt hat



« Letzte Änderung: 27.09.03, 14:52 von maggie » Gespeichert

liebi grüess   und
bis bald   -  ihr werdet mich  so schnäll nöd wieder los

margrith  us der schwiiz
Erika
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Beiträge: 827


« Antwort #2 am: 28.09.03, 11:03 »

Wir wohnen in einem denkmalgeschützten Haus das über 200 Jahre alt ist. Unter Denkmalschutz gestellt worden ist es erst vor einigen Jahren. Irgendwer hat wohl die Nase dran bekommen, dass es komplett umgebaut und renoviert werden sollte.
Es hat viel Ärger und Streit gegeben, weil einem richtig die Hände geknebelt werden, was den Umbau betrifft. Es interessierte niemanden vom DS, dass die alte, viel zu schmale Treppe kaum begehbar war und in neuen Häusern niemals eingebaut werden dürfte  Roll Eyes
Gegen den DS sind wir nicht angekommen, es hat auch Zuschuss gegeben, aber viele Sachen sind extrem teurer geworden, als wir sie für uns geplant haben. Von außen wurden Fotos gemacht, von drinnen zum Glück nicht  Grin Grin . Die Treppe ist wieder aus Holz, aber nach heutigen Maßen hergestellt. Der alte Blausteinboden im Flur (schwer beschädigt) musste durch neuen Blaustein oder indischen Schiefer (Buntschiefer) ersetzt werden. Wir haben uns für den Buntschiefer entschieden, weil der vor 13 Jahren "nur" 150 DM pro Quadratmeter gekostet hat. Blaustein wäre noch teurer gewesen. Der Boden ist wunderschön, aber wir hätten ihn freiwillig schon wegen des Geldes nicht legen lassen. Die alte Haustüre musste komplett renoviert werden, dafür hätten wir mindestens zwei neue bekommen. Die Innenaufteilung des Hauses hatten wir für uns mit dem Architekt schon ganz anders geplant. Da war natürlich nicht mehr dran zu rütteln  :\'(  Unten haben wir jetzt einen riesigen Flur, wie sie früher hier in der Gegend als Küche genutzt wurden, gefällt mir sehr gut. Oben hätten wir diesen Flur gerne verkleinert und die Kinderzimmer wären geräumiger geworden. War nichts zu machen   :\'( Die alten Fenster waren schon Jahre vorher durch die Schwiegereltern ausgetauscht worden, da konnte der DS nicht mehr eingreifen. Sprossenfenster würde ich in diesem Fall sogar vorziehen. Während der Umbauphase haben wir mit zwei Kleinkindern im Haus gewohnt. Alt sind nur noch die Fachwerkbalken und einige Deckenbalken im oberen Stockwerk. Alles andere, Kellerdecke aus Beton, Dach, Wände, Strom, Wasserleitungen, Fussbodenheizung, Bäder, Innentüren usw. ist komplett neu. Für das, was der Umbau gekostet hat, hätten wir einen schönen Neubau hinsetzen können  Roll Eyes
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regi
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Beiträge: 741

Jeder sieht ein Stückchen Welt - gemeinsam sehen wir die ganze!


« Antwort #3 am: 28.09.03, 16:13 »


Unten haben wir jetzt einen riesigen Flur, wie sie früher hier in der Gegend als Küche genutzt wurden, gefällt mir sehr gut. Oben hätten wir diesen Flur gerne verkleinert und die Kinderzimmer wären geräumiger geworden. War nichts zu machen


Weshalb waren über haupt die Flure so riesig früher? Was wurde dort deponiert? Oder war es nur, um die Zimmer klein zu halten, damit es ein ganz klein bisschen weniger kalt war darin? Da sowieso nichts geheizt wurde, hätte man ja die Flure gleich auch kleiner machen können.

DS ist zwar schön, aber diejenigen, die in solchen Häusern wohnen, sind nicht zu beneiden, was das Geld anbelangt!
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Tschüss zäme
regi
martina
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Beiträge: 12329


Unsere Landwirtschaft - wir brauchen sie zum Leben


« Antwort #4 am: 28.09.03, 17:42 »


Weshalb waren über haupt die Flure so riesig früher?

Moin Regi, in Niedersachsen und Westfalen z.B. waren oft 4-Ständerhäuser verbreitet.

Kernstück dieser Häuser bildet die Deele.
An einer Schmalseite des Fachwerkhauses war die reisige Tür, mit dem Wagen befahrbar. Rechts und links davon die Stallbereiche und darüber Lagerplatz für Heu und Stroh. Am Ende der Deele begann nahtlos der Übergang Stall zu Wohnraum mit anfangs offener Feuerstelle, später dann richtigen Herden. Gegenüber der Deelentür am anderen Giebel befanden sich dann noch hinter der Feuerstelle die unbeheizten Stuben und Kammern.


http://www.museumsdorf.de/dorf/geschichte.php
« Letzte Änderung: 29.09.03, 09:17 von martina » Gespeichert

Nimm das Leben nicht so bierernst, Du kommst da eh nicht lebend raus.

Heute ist nicht alle Tage, ich komme wieder - keine Frage!   Martina
Erika
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Geschlecht: Weiblich
Beiträge: 827


« Antwort #5 am: 28.09.03, 19:11 »

Der riesige Flur unten wurde früher tatsächlich als Küche genutzt. Dort gab es einen Kamin mit offenem Feuer, der diente zum heizen und kochen. Die wenigen alten Häuser die ich kenne, sind ähnlich gebaut. Die grossen Dielen liegen immer in der Mitte des Hauses. Der alte Kamin, den wir rausgerissen haben, hatte einen Umfang von 1 x 1 Meter  Shocked. Die angrenzenden Räume bekamen von dort sicher einen Teil Wärme ab. Die Grösse der anderen Räume war meistens klitzeklein, wenigstens für heutige Verhältnisse. Meine Schwiegereltern hatten ein Wohnzimmer von 3 x 4 Meter, dieser Raum dient uns heute als Wasch- und Bügelzimmer  Grin. Der linke Teil unseres Hauses war unten immer Stall, oben drüber war der Heustall. Dort haben wir heute Ess- und Wohnzimmer und das fällt einigermaßen gross aus  Cheesy  Aus dem Heustall oben sind  Bad und Schlafzimmer geworden.
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Clara
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Nichts-was sich zu haben lohnt-ist leicht zu haben


« Antwort #6 am: 18.03.05, 10:31 »

hallo @ all,

ich schlage mich im moment auch mal wieder mit dem amt für denkmalpflege rum. sie sind doch glatt auf die idee gekommen uns in die liste aufzunehmen.
unser hof ist ein vierseithof, weitestgehend im original vorhanden, aber vieles ist einfach nur alt und morsch... manchmal wäre ein abriss sinnvoller.

mein senior will mit den herrschaften vom amt nichts zu tun haben und verhält sich entsprechend. mhm, ich versuche ihm nun zu erklären, dass es ein gesetz gibt, die es den herrschaften ermöglicht notfalls mit polizeigewalt zutritt zu verschaffen... denn das thüringer denkmalschutzgesetz setzt den paragrafen im grudngesetz außer kraft, was die unantastbarkeit der wohnung regelt.

wir waren schon auf dem amt. die herren vermuten eine stuckdecke im haus... allerdings kann ich damit nicht dienen, weil ich nur niedrige decken und krumme lehmwände zu bieten habe. zum thema auswahl der gebäude, sagte man uns, wie alt ist egal, die bauepoche muss abgeschlossen sein...

geld haben sie wie brot im hundestall, sprich, es ist nichts zu erwarten. in 2004 hatten sie für den gesamten landkreis geschlagene 20.000€ zur verfügung. na prima, was bleibt dann für die betroffenen??? nichts, nur ärger und stress.

ehrlich, ich halte von denkmalschutz nicht viel, ich sehe es für den besitzer als  "im denken mal geschützt" sein. wir haben genug baudenkmäler, wie kirchen und burgen, wo man sich um den erhalt kümmern kann.
ich bin meinen ahnen dankbar für das, was sie geschaffen haben, aber ich muss die möglichkeit haben veränderungen zu schaffen, die mir die arbeit erleichtern und mir mein leben lebenswert machen an dem ort an dem ich lebe. denn die, die die auflagen erlassen, leben nur in den seltensten fällen in einem denkmalgeschützten anwesen....

viele grüße clara
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... Ich bleibe auf dem Teppich
meiner Möglichkeiten
und hoffe, dass er fliegen lernt... (lach und zwinker)

Kruppa
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