Autor Thema: Verpachten oder Übergeben ?  (Gelesen 31979 mal)

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Vitus

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Verpachten oder Übergeben ?
« am: 26.11.05, 12:30 »
Verpachtung an den Jungbauern - statt Hofübergabe

Bei meinen jungen Kollegen erlebe ich es immer wieder,
dass der Hof an den Jungbauern verpachtet wird,
statt ihn zu übergeben.

Frage:
1. Welche Vorteile hat das
a) für die verpachtenden Altbauern?
b) für den pachtenden Jungbauern?


Wo viel Licht ist,
ist sicherliich auch Schatten.
« Letzte Änderung: 27.11.05, 10:55 von reserl »

Offline reserl

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Re: Verpachten oder Übergeben?
« Antwort #1 am: 27.11.05, 10:53 »
Hallo Vitus,

eine interessante Frage, die ich mir auch schon öfters gestellt habe.
Ich hab deinen Beitrag aus der Box "Hofübergabe" abgetrennt, weil er auch ein eigenes Thema wert ist.


Wer von euch hat Erfahrungen gemacht mit dem Pachten des Hofes von den Eltern/Schwiegereltern?
« Letzte Änderung: 27.11.05, 10:55 von reserl »
lieben Gruß
Reserl



Manchmal ist es ein großes Glück,
nicht zu bekommen, was man haben will.

Offline Heidi.S

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Re: Verpachten oder Übergeben ?
« Antwort #2 am: 27.11.05, 19:55 »
Im Prinzip gefällt mir diese Vorstllung vom verkaufen auch ganz gut, dann sind wenigstens die Fronten geklärt. Worüber ich mir allerdings gar keine Vorstellungen machen kann ist von Preis. Einerseits darf er nicht zu hoch sein damit auch noch Investitionen drin sind, andereseits müssen der Altenteil ja auch noch ein Auskommen haben. Und wie sieht es mit der Schuldenübernahme aus die noch auf dem Hof laufen?
Liebe Grüße Heidi

Offline Biobauer

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Re: Verpachten oder Übergeben ?
« Antwort #3 am: 28.11.05, 15:47 »
ich weiss ,das das verkaufen in frankreich oder niederlanden üblich ist,aber wie willst du als hofnachfolger hierzulande das nötige kapital  dafür aufbringen .ich glaube auch nicht das da eine bank mitzieht bei der heutigen situation der landwirtschaft.wen man den hof aber wirklich kauft,dann müssten die altenteiler auch bereit sein auszuziehen ,ob da simmer so gewollt ist dann.
ich für meinen teil werde es so machen ,wen die klitsche wer haben will kann er sie gerne haben ,sollte keiner meiner vier kids dazu bereit sein werde ich mich relativ schnell von der sache trennen ,habe auf jeden fall nicht vor bis zum umfallen zu schaffen .
Streite dich nie mit einem Idioten, er zieht dich auf sein Niveau herunter und schlägt dich mit Erfahrung. (Bob Smith, 1962

Mathilde

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Re: Verpachten oder Übergeben ?
« Antwort #4 am: 29.11.05, 07:54 »
Hallo,

also wenn ich Euch hier so lese bin ich  :o

Wir haben den Hof übergeben bekommen nachdem mein Männe Ihn eine weile pachtweise hatte. Den nun so einfach als unser Eigentum zu sehen mit dem wir tun und lassen können was wir wollen empfinde ich als verrat ( und das als Eingeheiratete) Man kann doch da nicht einfach alles verkaufen worauf die weichenden Erben natürlich auch z.T. verzichtet haben.  Kommt natürlich auch immer drauf an ob hinter dem Hof  eine "Klitsche" (fürchterlicher Ausdruck) oder wirklich ein Hof mit gesicherter eigener Grundlage steht.
Die Erste Generation die das Verkaufen des Hofes dann vornimmt ist dann wohl diejenige die den "Gewinn" macht und dem FA zahlt.
In Kanada ist das wohl schon über Generationen so und da werden sich dann wohl die abzulösenden Darlehen und der Erlös die Waage halten so dass nicht so "viel" übrigbleibt was wiederum auch relativ ist.
 Der Gedanke erst zu verpachten der gefällt mir allerdings ausserordentlich gut. Dann sieht man auch die Richtung wo es hingeht und der Hofnachfolger hat seiner Früchte Arbeit erst mal selbst.

LG Mathilde
(Wir brüten auch schon eine Weile darüber wie wo wann und wer..........aber ein bisschen Zeit haben wir ja noch  ::) :-X)

Vitus

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Re: Verpachten oder Übergeben ?
« Antwort #5 am: 07.12.05, 12:16 »
Erfahrungswerte gesucht!
Verpachtung an den Jungbauern - statt Hofübergabe

Bei meinen jungen Kollegen erlebe ich es immer wieder,
dass der Hof an den Jungbauern verpachtet wird,
statt ihn zu übergeben.

Frage:
1. Welche Vorteile hat das
a) für die verpachtenden Altbauern?
b) für den pachtenden Jungbauern?


Wo viel Licht ist,
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Offline Sonnenblume2

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Re: Verpachten oder Übergeben ?
« Antwort #6 am: 07.12.05, 12:55 »
Hallo Vitus,

in welcher Lage bist du den? Übergeber / Übernehmer  oder Verpächter / Pächter?
Wenn du in der Lage des Übergebers bist - denke ein paar Jahre zurück - wie ist es dir damals ergangen, als du von deinen Eltern/SE den Hof übergeben oder verpachtet bekommen hast! Warst du damals mit allen Bedingungen der Eltern einverstanden?
Wenn du in der Lage des Übernehmers bist. Ich persönlich bzw. mein Freund hätten, wenn an uns zuvor verpachtet worden währe und nicht gleich übergeben, keine Investitonen in den Hof gesteckt. Was ist wenn die Eltern/SE dann doch nicht (dir) übergeben wollen, sondern wehn anderen? Was ist wenn wenn die Eltern vorzeitig ableben und die Geschwister auf ihren Erbanspruch bestehen?
Weiters bekommst du, wenn du den Hof, ohne zuvor gepachtet zu haben, eine "Niederlassungsprämie" (brauchst keine Grunderwerbssteuer zahlen, Fahrzeugummeldungen sind günstiger oder fast kostenlos usw.) - ist bei uns so, ob das auch in Deutschland der Fall ist  ???

Was ist deine Situation?
Ich weiß nicht wie alt du bist; bist du kurz vor dem Pensionsalter, aber hättest noch ein paar Jährchen zum Pensionsantritt!
Oder bist du der Sohn und die Eltern haben das Pensionsalter noch nicht!
Willst du den Hof an eines deiner Kinder übergeben/verpachten oder an jemanden Fremden? Wenn man mehr weiß, könnte man die Situation etwas besser abschätzen  ;)

Gruß Sonnenblume


Offline passivM

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Re: Verpachten oder Übergeben ?
« Antwort #7 am: 08.12.05, 22:26 »
Wenn du in der Lage des Übernehmers bist. Ich persönlich bzw. mein Freund hätten, wenn an uns zuvor verpachtet worden währe und nicht gleich übergeben, keine Investitonen in den Hof gesteckt. Was ist wenn die Eltern/SE dann doch nicht (dir) übergeben wollen,


Was wird so aus dem Hof, wenn der Pächter kratzt, um die Pacht aufbringen zu können, oder wenn er nur Geld rausziehen, bzw. seine Schäfchen ins Trockene bringen will ..da er nicht weiß, ob er den Hof irgendwann bekommt oder nicht ?

Was wird aus so einem Betrieb?

Die Geschwister haben schon vom verstorbenen Elternteil aus dem Privatvermögen erhalten, und - falls nicht die Übergabe geregelt wird, haben sie nochmal was zu erwarten --- er-warten... 8)      Der Pächter weiß nicht, was ihm von dem bleibt, was er in den Hof, der ihm (noch?) nicht gehört, reinsteckt. ???

Nach mir die Sintflut - oder was?

(Bin für übergeben, statt endlos lange zu verpachten - bei uns schon über 10 Jahre)

liebe Grüsse

Anna
Liebe Grüße
aus dem schönen Mecklenburg-Vorpommern

Offline Biobauer

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Re: Verpachten oder Übergeben ?
« Antwort #8 am: 09.12.05, 07:37 »
Hallo,
also es liegt in der natur des verpächters gewinn erwirtschaften zu wollen und nicht irgendwelche hofstellen zu saniern .
einen freund von mir geht es gerade genauso ,jahrelang verpächter,hat sich krum und bucklig geschuftet am hof,jetzt kommt auf einmal der eigentliche hoferbe retour weil  es draussen in der freien wirtschaft nicht so dolle läuft und erhebt wieder anspruch .wenns dumm bekommt bekommt der auch noch den hof.toll gelaufen dann und 10 Jahre in den dreck gesetzt.
ich persönlich hatte auch schon einmal eine hofstelle in pacht bzw ganzen hof,leider verstarb der verpächter während der pachtzeit und es wurde eine erbengemeinschaft draus.was geldgierigeres haste noch nicht erlebt ,abgesehn von den übrigen schickanen. als krönung wurde ich nach pachtende verklagt auf  totalrenovierung der hofstelle,gott sei dank hate ich bilder von anfang an und einen sehr praxisbezogenen richterdas was der zu denen alles gesagt hat ,das vergessen die ihr leben nicht mehr.Ist jetzt vieleicht bissl was anderes wenn man an ein kind verpachtet aber siehe oben .
servus Herbert

achja,sollte wirklich verpachtet werden ,dann schreibt alles genau in den vertrag rein udn wenns das is wer den hof zu kehren hat ,so kommt später kein streit auf drüber.
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EdS

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Re: Verpachten oder Übergeben ?
« Antwort #9 am: 12.12.05, 11:09 »
Gegenbeispiel:
Mein alter Herr übergab seinen Hof zu folgenden Bedingungen:

-   Jeder weichende Erbe erhält mit der Übergabe ein Fünftel des Ertragwerts. (Anmerkung: damals etwa 2% des Gesamtwerts der Gebäude + Grundstücke)
-   Das Wohngebäude und der Schweinestall mit dem angrenzenden Grund wird von der alten Herrschaft mit benutzt und darf zu Lebzeiten weder beliehen noch veräußert werden; auf Verlangen wird das auf Lebenszeit versprochene Wohnrecht und Benutzungsrecht (siehe Aufstellung) auf Kosten des Übernehmenden notariell eingetragen.
-   Darüber hinaus wird eine Veräußerung (Verkauf, Schenkung, ...), auch von einem Teil der übergebenen Gebäude und Grundstücke, innerhalb der nächsten 30 Jahre erst dann rechtsgültig, wenn die weichenden Erben zustimmen; jedes Kind erhält vom Erlös (da es fünf Kinder sind) je ein Fünftel.

(Auf das Wesentliche gekürzte Fassung.)

Ein gangbarer Weg?

Offline phil

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Re: Verpachten oder Übergeben ?
« Antwort #10 am: 12.12.05, 12:12 »
Ich bin der Meinung,daß in die Übergabeverträge rein muß,daß die Senioren erstmal von ihren eigenen Renten leben sollen-dazu wurde ja auch einbezahlt-und dann erst Ansprüche aus dem Vertrag kommen.
Ein Nebenerwerbler kommt heute  locker in Bereiche von 1500 Euro Renten zusammen.Von den Übernehmern Wohnrecht, Essen und Pflege verlangen-und nicht wissen wo die 1500 Euronen hinkommen macht auch unruhig.
Wahres Wort ist nicht schön-schönes Wort ist nicht wahr!(Konfuzius)

Offline Mirjam

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Re: Verpachten oder Übergeben ?
« Antwort #11 am: 12.12.05, 12:33 »
Hallo Phil,

auf den Seiten der landw. Familienberatung stand auch ein Satz, der mit deiner Aussage im Zusammenhang steht:

(sinngemäß): "Wenn bei einer Hofübergabe über die Alterssicherung gesprochen wird - ist das schon 20 Jahre zu spät dran gedacht".

Mir geht nicht aus dem Kopf eine Anmerkung aus einem DLG-Sonderheft, in dem beschrieben wird, dass bereits seit den 80er Jahren die Nettoinvestitionen (Gesamt-Landwirtschaftlich) negativ sind.

Bei einer Verpachtung - gehen wir mal davon aus, das der Betrieb entwicklungsfähig durch Investitionen gehalten wurde - muss also der Verpächter a) die Afa (Neu/Reinvestition, Wertverlust durch Nutzung) und b) Zinsen (wegs Tilgungbzw. "Eigenkapitalrendite") ansetzen UND der Pächter diese Summen erwirtschaften mit zusätzlich einer Spanne für seinen Lebensunterhalt.

Das wäre dann eine Vollkostenrechnung - und wie man es auch rechnet gibt es in jeder Erwerbsform der Landwirtschaft Zeiten, wo diese Vollkosten nicht (mehr oder vorübergehend) gedeckt sind, oder?

Mirjam
Der Kopf ist rund - damit die Gedanken auch mal die Richtung ändern können!

Mathilde

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Re: Verpachten oder Übergeben ?
« Antwort #12 am: 13.12.05, 11:19 »
Hallo Ed,

dann kannst Du ja die nächsten Jahre nicht aussiedeln und Innerortslage verkaufen und wieder reinvestieren ohne dass weichende Erben oder FA dabei sind ? Bei uns war die Reinvestition in Landwirtschaftlichen Betrieb davon ausgenommen.

LG Mathilde


EdS

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Re: Verpachten oder Übergeben ?
« Antwort #13 am: 13.12.05, 11:52 »


... dann kannst Du ja die nächsten Jahre nicht aussiedeln und Innerortslage verkaufen und wieder reinvestieren ohne dass weichende Erben dabei sind ? Bei uns war die Reinvestition in Landwirtschaftlichen Betrieb davon ausgenommen.

Danke für Deine Zuschrift, Mathilde. Offenbar wurde bei Euch eine ähnlich Regelung getroffen.
Die Erweiterung des Betriebes durch Flächentausch und Zukauf wurden von den weichenden Erben, nach Rücksprache und meiner Bitte um Zustimmung, bisher stets akzeptiert!

Alice

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Re: Verpachten oder Übergeben ?
« Antwort #14 am: 17.01.07, 18:28 »
Hallo,

ich habe mir schon oft sagen lassen, dass PACHTEN nur deshalb die erste Wahl ist, weil sonst die HOfübergeber keine oder eine noch schlechtere Rente bekommen....

Ist das tatsächlich so???

Ich finde eigentlich direkt ÜBERGEBEN besser, denn die Hofübergeber sind auch meist schon ca. 65 Jahre alt und die Erben auch ca. 30 bis 40 Jahre alt und ich glaube, dass man mit 30 noch mehr realisieren kann, wie wenn man k.o. geschafft ist und schon 40. Mit 40 sind dann schon oft Kinder da, die Zeit, Geld und Nerven kosten und die ewige "vor sich her schieberei" bringt in meinen Augen auch nichts.

Entweder der JUngbauer hat Spaß an der Arbeit und das notwendige Feeling oder er lässt es und arbeitet extern, aber alles nur so halb nach dem Motto bis mal eine Frau hast oder bis mal kein Job da ist, hast ja immer noch den Hof, finde ich als "Milchmädchenrechnung".

Und bei der Übergabe muss auch klar sein, wie wird der Hof bewirtschaftet nur Pferde/ Acker/ Schweine/ als Nebenwerwerb? Hat die vorherige Generation nie was investiert als das ein gescheiter Start nur super viele Schulden bedeutet???

Alice

 


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