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Autor Thema: Wachsen oder Weichen?  (Gelesen 12841 mal)
reserl
Niederbayern
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« am: 11.01.02, 09:04 »

Hallo!

Es wird den Landwirten von allen Seiten gepredigt:
Nur "größere" Betriebe hätten auf Dauer eine Zukunft. Huh

doch:  Wer ist "groß"?
Für wen lohnt es sich, viel in seinen Betrieb zu investieren?
Wo sind die Grenzen in arbeitswirtschaftlicher und finanzieller Hinsicht?

Hier ist Platz für Diskussion zum Thema.

« Letzte Änderung: 01.01.70, 01:00 von 1031090400 » Gespeichert

lieben Gruß
Reserl


Auch in den kleinsten Tropfen spiegelt sich der ganze Himmel.
Regine
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VIVE LA RESISTANCE


« Antwort #1 am: 11.01.02, 11:49 »

Hallo Reserl!

Das mit der Größe ist wohl sowieso sehr relativ, da doch immer auch regional sehr unterschiedlich.
Sprich hier gehören wir schon zu den Großen, weiter nördlich wohl zum Durchschnit.

Das Wachsen predigen auch immer nur die. die auf bequemen sesseln im Büro sitzen(sorry ihr Bürofrauen in der Runde:-)). Also die, die Arbeit dann nicht machen müssen.
Natürlich geht vieles überbetrieblich, etc.
Oder durch Technik, siehe Elkes Melkroboter(s).
Was dir aber keiner erleichtern kann ist die VERANTWORTUNG, die ja mit jeder Kuh, die mehr im Stall steht wächst.

Für mich eigentlich das Hauptproblem. Ich ertappe mich schon mal im "Nicht-Abschalten-Können", da wartet schon der Teufelskreis mit dem Nichtmehrschlafen können, weil die Gedanken keine Ruhe geben...dann nicht ausgeschlafen sein, dementsprechend "schlecht" zu arbeiten...wieder wach im Bett zu liegen und aufzuzählen, was noch alles gemacht werden muß...und sei es nur Ohrmarken einziehen, enthornen, Büro aufräumen....

Ich hoffe immer noch auf Besserung, wenn mein Süßer und ich endgültig fusioniert haben, da schaut wenigstens einmal am Tag noch jemand nach den Mädels und erledigt unaufgefordert die ganzen Kleinarbeiten, die sonst ALLE nur an mir hängen bleiben.

Denn wenn meine Eltern was gut können, dann ist es das NICHTSEHEN...

Trotzdem wäre das ganze Pensum an Arbeit OHNE sie und mit KLEINEN Kindern nicht zu machen.
Was also, wenn sie nicht mehr sind?
Entweder Lehrling, Praktikant oder Fremd-AK....
Und um uns das leisten zu können steht dann wohl der nächste Investitionsschritt an.
Ob ich das will?
Darüber denke ich jetzt lieber noch nicht nach, der Zeitpunkt kommt früh genug.

Und würden 30 Kühe NACHHALTIG reichen um uns Vollerwerbsbetrieb sein zu lassen hätte ich nichts dagegen.
Aber soweit wird wohl nicht mal Renate ihre vielbeschworene Agrarwende treiben können...

In diesem Sinne,
Augen zu und durch...

Regine
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MUHH!!
Regine
anja
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Bäuerinnen - find ich gut!


« Antwort #2 am: 11.01.02, 21:39 »

Eines unserer größten Probleme in Investitionsfragen ist langfristig gute Fremd-AK zu finden. Momentan arbeitet noch mein Schwiegervater teilweise mit, aber auf lange Sicht werden wir uns doch nach einem Landarbeiter umsehen müssen. Aber wer ist heute noch bereit, in die Landwirtschaft einzusteigen und vor allem zuverlässig seinen Job zu verrichten. Es ist eben doch ein Riesenunterschied, ob man für den eigenen Betrieb arbeitet oder `nur ` für den Arbeitgeber.  

Wie stehen denn die Chancen bei Euch auf den Milchviehbetrieben Fremd-AK zu bekommen ? Wie vor kurzem in der Mailingliste angesprochen ist es ja schon extrem schwierig einen Lehrling zu finden.
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Bye, Anja
Regine
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VIVE LA RESISTANCE


« Antwort #3 am: 15.01.02, 23:51 »

Hi!

Noch stehen wir nicht vor der Frage Fremd-AK, ja oder nein?
Und das ist auch gut so.
Ich bezweifle, das sich DEUTSCHE Areitnehmer dazu herablassen werden, noch dazu hier in Bayern mir immer noch rel. Arbeitsmarkt.
Außerdem sind die Anforderungen doch nicht zu verachten
:-/
Solange meine Alten :Pnoch können und wollen :(wirds auch so gehen...
Und dann?
Keine Ahnung!

see you,
Regine
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MUHH!!
Regine
Daggi
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Ich arbeite um zu Leben !


« Antwort #4 am: 20.01.02, 18:57 »

Hallo
Wir wollen nicht mehr wachsen(80Kühe+Nachzucht).
Sind jetzt soweit, dass die Arbeit gut zu schaffen ist und Spaß macht.
Ob eines der Mädchen später weiter macht steht in den Sternen. Der Betrieb wird von uns so geführt das immer alles in Ordnung ist, dh.nötige Investitionen werden auch getätigt, dabei wird darauf geachtet, das keine Belastungen für die nächste Generation anwachsen, das aber ein moderner Hof da ist den man auch evt.weiterführen kann( Egal ob eigene Kinder o. Verkauf.).
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Tschüss,  eure Daggi.
Susanne
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Bäuerinnen schaffen Lebensqualität


« Antwort #5 am: 23.02.02, 14:15 »

Als wir 94 den Betrieb von den SE übernommen haben, mussten wir uns überlegen weitermachen oder aufhören, leider haben wir da gemerkt, weitermachen geht nur mit wachsen und modernisieren und da meine Schwiegereltern schon beide an die 80 sind, sind wir auf FAK angewiesen und haben bisher bis auf eine Ausnahme damit sehr viel Glück gehabt. Wir haben einen festen Landarbeiter, da wir fast alle Reperaturen und auch die Landbestellung selbst machen und eine Frau als Melkhilfe.
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suederhof1
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Wir haben die Welt nur von den Kindern geliehen


« Antwort #6 am: 24.03.02, 12:17 »

moin zusammen
Eigentlich wollen wir wachsen. Mein Mann ist 38 Jahre und ich 40. Bei unseren Kindern geht der Erste in die Schule,zwei in KiGa un die vierte ist zuhause.Unsere Zeit bis zur Rente kann noch lang werden und bei der Politik weiß man nie was kommt.
Unser Händikap ist,daß der Betrieb an Naturschutzgebiet angrenzt und nach der neuesten
Verordnung werden wir wohl kaum mehr eine Genehmigung bekommen um einen neuen Stall zu bauen, außer mit riesen Auflagen,die schwer zu erreichen sind.
Außerdem wer soll das bezahlen und wer die Arbeit machen. Z.Z.hilft SM tüchtig mit und SV macht das was er noch kann.Doch beide sind 70 Jahre geworden und wie lange es so geht weiß keiner.
Für meinen Mann und mich wäre die Arbeit zuviel und jemanden einstellen ist auch so eine Sache.
Ich hatte für den Haushalt zwei Azubis und beide male Pech gehabt,das reicht.
Bei den Kiddis weiß keiner ob er den Betrieb übernehmen will,das ist einfach zu früh.
Investitionen sollten trotzdem gemacht werden, denn wenn der Betrieb erst einmal steht, ist es schwierig ihn wieder anzuwerfen.
Falls alle Stricke reißen und es für uns wirklich keine Alternativen mehr gibt, wollen wir auswandern,denn es gibt Länder indem der Beruf des Landwirtes noch angesehen ist.
LG Barbara aus NF
     
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reserl
Niederbayern
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« Antwort #7 am: 27.10.02, 10:31 »

Heut am Frühstückstisch  beim Blättern im landwirtschaftlichen Wochenblatt hat es mich wieder beschlichen:
das hässliche Gefühl der Existenzangst...  Sad

Ich frage mich schon, ob wir auf Dauer mit unseren knapp 50 Kühen "überleben" können oder ob wir bald auch darauf angewiesen sind, das ich ausserlandwirtschaftlich Geld verdiene....  Undecided

Ich bewundere all jene, die in der momentanen Situation Nerven für grössere Investitionen haben.
Auch bei uns würde ein Stallneubau anstehen, aber daran mag ich momentan noch gar net denken....

Mein Mann ist in der Beziehung kein solcher Pessimist.
Gut so, sonst würden wir gemeinsam Trübsal blasen.  Wink

Wie geht es euch dabei?
Könnt ihr euch vorstellen, den Hof einmal aufgeben zu müssen?     Huh




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Reserl


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regi
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Jeder sieht ein Stückchen Welt - gemeinsam sehen wir die ganze!


« Antwort #8 am: 27.10.02, 11:26 »

Nächste Woche wird unser Baugesuch veröffentlicht - wir wollen einen Boxenlaufstall mit 42 Kuhplätzen bauen (die Dimensionen liegen in der Schweiz immer noch ein bisschen anders). Jetzt haben wir 19 Kuhplätze im Anbindestall, aber da wir auf Bio umstellen, können wir das Milchkontingent nicht mehr melken.

Ich habe immer wieder meine Zweifel, ob diese riesige Investition richtig ist, jetzt, wo es auf dem Milchmarkt rumort wie noch nie. Können wir's verantworten? Können wir den Zins bezahlen? Haben wir noch Geld, um den Betrieb und das Kontingent (falls es dann noch eines gibt) aufzustocken? Haben die Berufskollegen das Gefühl, wir wollten alles an uns reissen?

Aber wir wollen's wagen! Wir sind beide noch nicht 40, der Junior, der Landwirt lernen wird, ist 15, also wollen wir für die nächsten 10 Jahre noch etwas investieren. Wer weiss, wie's dann ausschaut. Ob sich die Lage der Landwirtschaft stabilisiert hat? Ob Luki den Betrieb übernimmt? Das wird isch weisen. Jedenfalls bleiben wir vorläufig bei der Landwirtschaft, aber wir können uns beide vorstellen, etwas anderes zu tun.

Wenn es zur Betriebsübergabe kommt, und es möglich und nötig ist, dass wir etwas anderes suchen - also dann auf zu neuen Taten.

Reserl, auch bei uns ist es so, dass mein Mann die besseren und positiveren Nerven hat als ich! Gut, dass wir uns da ergänzen - so fällt man hoffentlich nicht zu tief und springt auch nicht zu hoch!
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Tschüss zäme
regi
reserl
Niederbayern
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« Antwort #9 am: 19.12.02, 09:16 »

"Unter 600.000 kg Milchkontingent ist ein Betrieb nicht zukunftsfähig".

Was sagt ihr zu einer solchen Aussage eines landwirtschaftlichen "Beraters"?


Ich finde sehr wohl, das man auch mit weniger Kontingent einen rentablen Betrieb führen kann.
So viel Quote bedeutet für die meisten riesige finanzielle Investitionen.
Ob sich das immer rechnet. Huh

Und die Arbeit macht sich dann auch nicht von selber....
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Reserl


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reserl
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« Antwort #10 am: 02.07.03, 09:32 »

Aus der neuesten Top Agrar:

Sicher dürfte sein, das auch in zehn Jahren noch Milch in Deutschland erzeugt wird.
Alle zukunftsorientierten Miclhviehbetriebe, die dann noch dabei sein wollen, werden jedoch in den kommenden Jahren ihren Kuhbestand konstant aufstocken und die Leistung steigern müssen!


Wie fühlt ihr euch angesichts solcher Aussagen?   Huh

Ist die Arbeitsbelastungsgrenze nicht auf vielen Betrieben eh schon erreicht?
Wie rechnen sich die geforderten Investitionen?
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Reserl


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Luxia
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« Antwort #11 am: 08.12.03, 22:08 »

Zu diesem interessanten Thema hat sich schon lange keiner mehr geäussert. Deshalb mal meine Meinung dazu:
Bei uns sind sehr viele Betriebe, die auf Teufel komm raus wachsen wollen, weil ja angeblich nur große Betriebe überleben können, wenn die Preise auf Weltmarktniveau fallen. Andererseits erhält man sehr viel Geld durch flächen- und tiergebundene Subventionen, wenn man viele ha und GVE hat.
Wenn aber Betriebe 1.50-2.00 Euro/kg Milchquote bezahlen, um zu wachsen, dann bedeutet das für mich eher viel Geld ausgeben für ein Mehr an Arbeit und eine eher fragwürdige Einkommenssicherung. Ich denke mal, dass dadurch einige wachsende Betriebe zu weichenden Betrieben werden.

Wir wollen nicht wachsen, sondern Nischenproduktionen suchen. Ich bin nämlich überzeugt, dass man auch als kleinerer Betrieb im grossen Europa überleben kann, wenn man sein Betriebsziel nicht nur nach der ganzen Subventionspolitik ausrichtet, sondern danach, was von der Arbeit, den Finanzen und den Gewinnaussichten am besten auf den Betrieb passt. Klein, aber fein.  Wink
Aber auch nicht für alle möglich.
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reserl
Niederbayern
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« Antwort #12 am: 09.12.03, 08:58 »

Luxemburga, das seh ich ähnlich wie du.
Schon die großen Automobilkonzerne haben es uns schon vorgemacht: Größe allein zählt nicht.

Und ein Wachsen "auf Teufel komm raus" geht selten gut. Trotzdem ist es sicher wichtig, sich mit seinem Betrieb immer wieder den Gegebenheiten des Marktes anzupassen und nicht stehen zu bleiben.
Meiner Meinung nach bedeutet das aber nicht zwangsläufig mehr Tiere, mehr Arbeit, mehr Grund und Boden.


Wenn aber Betriebe 1.50-2.00 Euro/kg Milchquote bezahlen, um zu wachsen, dann bedeutet das für mich eher viel Geld ausgeben für ein Mehr an Arbeit und eine eher fragwürdige Einkommenssicherung.


Wird bei euch in Luxemburg für die Milchquote dieser Preis bezahlt?  Huh Shocked Shocked


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Reserl


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PeacefulHeidi
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« Antwort #13 am: 09.12.03, 09:55 »

Das hab ich jetzt auch überlegt? Huh 1,50 bis 2 Euro/kg ist seeeehr viel Geld!

Ich denke auch wachsen oder weichen ist nicht immer richtig! Die täglich anfallende Arbeit muss zu schaffen sein und Spaß machen! Wenn ich noch Platz (arbeitsmäßig, finanziell) zum Wachsen habe, warum nicht?

Aber um jeden Preis? Nein ganz klar nicht. Da lockt mich auch keine Subvention dafür hinter den Tisch hervor. Das einzige was mich locken würde wäre ein fairer Preis für meine Produkte!
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Herzliche Grüße

Heidi
Otto
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« Antwort #14 am: 10.12.03, 22:07 »

Irgendwo hab ich neulich gelesen: Bei den Rahmenbedingungen die uns bevorstehen,darf die Milchquote 15cent/kg kosten .Im günstigsten Fall höchstens 20 Cent wenn mit der Milchproduktion Geld verdient werden soll..........
Gruß Otto
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