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Autor Thema: Nebenerwerb - Zukunft oder Auslaufmodell?  (Gelesen 5341 mal)
reserl
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« am: 29.06.02, 15:34 »

In Deutschland gibt es viele Nebenerwerbsbetriebe -
aus den verschiedensten Gründen..

Wo sind die Vor- und Nachteile?
Wer von euch bewirtschaftet einen Nebenerwerbsbetrieb?
« Letzte Änderung: 01.01.70, 01:00 von 1031090400 » Gespeichert

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Reserl


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gatterl
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« Antwort #1 am: 29.06.02, 16:43 »

Wir sind Nebenerwerbslandwirte. Wobei der Begriff "Nebenerwerb" nicht ganz zutrifft. Ohne Landwirtschaft würden wir vermutlich finanziell besser dastehen. Allein der "neue" gebrauchte Traktor hat mehr Geld verschlungen, als wir je damit herein wirtschaften werden. Manchmal, aber wirklich nur manchmal frustriert mich das schon. Die meiste Zeit aber erfüllt es mich mit Stolz, eine Landwirtschaft zu haben. Das Finanzielle darf da nicht vorn anstehen.
Für meinen Mann ist es eine erhebliche Mehrbelastung, obwohl wir versuchen, soviel als möglich zu erledigen. Er würde gern mehr Sport treiben, dann schimpft er manchmal, wenn er Abends oder am Wochenende nicht trainieren kann, sondern Zuhause werkelt. Aber es ist auch vieles leichter geworden, im Laufe der Zeit.
Wir haben vor Jahren aufgehört, Milch zu liefern, es hätte grosse Investitionen verlangt, weiterzumachen. Damals wurden wir von allen Seiten schief angeschaut, hauptsächlich von den größeren Bauern in der Umgebung. und es ist uns auch schwer gefallen. Aber etwas nur machen, weils immer schon so war? Wir haben unsere Entscheidung nie bereut. Dadurch haben wir auch mehr Zeit und sind etwas weniger angebunden.

Ob unsere Kinder das alles einmal weitermachen werden?
Ich bin mir nicht sicher. Vielleicht doch, vielleicht auch wieder anders, wir werden sehen.
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Bis bald
Barbara

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r.b
Dody
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was wenige Männer wissen: kluge Frauen sagen immer die Wahrheit - aber niemals die ganze !


« Antwort #2 am: 29.06.02, 17:59 »

Da mein Mann schon immer außerlandwirtschaftlich tätig ist, wird unser Hof als Nebenerwerbsbetrieb bezeichnet. Doch im Grunde spielt das keine Rolle, schließlich ist es für mich ein fulltime-job.
Mein Ziel ist und war es schon immer: kein Pfennig (Cent ;-)) meines Mannes und so gut wie keine Arbeitszeit von ihm darf in den Betrieb einfließen. Denn einen landwirtschaflichen Betrieb zu führen, nur aus einer Tradition oder Verpflichtung heraus ist...sorry...eine absolute Fehlentscheidung. Auch habe ich ein klares Ziel das erreicht werden muss. Schaffe ich das nicht, wird der Hof verpachtet und ich suche mir nen Job. Denn arbeiten, nur um beschäftigt zu sein ? Nicht mit mir ;-)
Etwas Sorgen machen mir allerdings die Gebäude. Eine aufwendige Instandsetzung ist eigentlich nicht drin. Nun stellt sich die Frage: schießt mein Mann zu oder lasse ich die Gebäude einfach bis zu meiner Rente und denke "nach mir die Sintflut" ? ;-)


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Liebe Grüßle von Dody ;-)
Freya
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« Antwort #3 am: 10.07.02, 23:24 »

Hallo,
wollte Euch sagen, daß ich jede Frau bewundere, die mit einem "Nebenerwerbsbauern" verheiratet ist. Im Grunde ist sie nämlich die Alleinige und Vollzeitbäuerin. Die, die immer da ist und auch da sein muß, wenn der Mann mal nicht da ist und eine Kuh kalbt oder wenn Ernte ist und ER hat nicht soviel frei gekriegt, wei man eigentlich braucht. Unsere Nachbarn sind im Nebenerwerb, aber mir wird irgendwie immer ganz komisch, wenn ich den jungen Mann um halb 7 Uhr in die Arbeit fahren sehe. Oder abends um 22 Uhr oder später hört man noch das Güllefaß.... Sad
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Freya
reserl
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« Antwort #4 am: 29.04.03, 17:07 »

Wer von euch bewirtschaftet seinen Betrieb im Nebenerwerb?

Bleibt dabei  ein Großteil der Arbeit an der Frau hängen?  Huh
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Reserl


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gatterl
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« Antwort #5 am: 29.04.03, 19:54 »

Bei uns ein klares Ja, oder besser gesagt an den Frauen und dem Stiefopa, anders gings wirklich nicht. Mein Mann macht nur Sachen, die wirklich nix für uns sind wie Waldarbeit, mähen, düngen, bleibt aber für ihn auch noch genug Kleinkram wie Maschinenpflege (bleibt meist auf der Strecke, Öl ist ein Fremdwort für unsere armen Maschinen Undecided)
Zusätzlich hab ich mich komplett um Büro, Vermarktung,jeden Schreibkram halt und Geld zu kümmern.Aber es vergeht eigentlich kein WE, dass mein Mann nicht nutzen würde  für die Landwirtschaft. Nur ein paar Freistunden bleiben für den Sport..... Undecided
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Barbara

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r.b
maresi1
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« Antwort #6 am: 29.04.03, 22:03 »

Auch ich bin eine Nebererwerbsbäuerin. Wir haben schon vor Jahren auf Ochsenmast (Bio) umgestellt. Die Stallarbeit verrichte ich allleine, bei "gröberen" Arbeiten hilft mein Mann. Wir versuchen so wenig wie möglich zu investieren, da wir nicht wissen ob jemand weitermacht.
Ich bin mit Leib und Seele Bäuerin und bin froh nicht außer Haus zu arbeiten. Obwohl es finanziell vieleicht besser wäre.
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reserl
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« Antwort #7 am: 15.11.03, 12:31 »

Wer von euch hat einen Nebenerwerbsbetrieb?

Gerade für die Bäuerinnen auf solchen Höfen stell ich mir das schwierig vor, wenn der Mann den ganzen Tag außer Haus ist. Roll Eyes

Wie ist es bei euch?
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Reserl


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Mirjam
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« Antwort #8 am: 15.11.03, 13:50 »


Reserl,

siehs doch auch mal von der Seite Stiftle-Syndrom:

Da hat die Frau auch mal Zeit in IHRER Reihenfolge die Arbeiten zu machen - nicht jedes Lw-Ehepaar ist ein "gutes Team"  Wink


Provokante These:

Die "Nebenwerbsbäuerin" ist die Zukunft - unter Hinblick auf die steigenden Sozialkosten wird auf einem Großteil der Höfe min. ein Partner ausserlandw. Versicherung brauchen.

Welcher Landwirt in kleinen/durchschnittlichen Betrieb wird sich in Zukunft noch eine "Hausfrau-Ehefrau" leisten können?

Mirjam
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reserl
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« Antwort #9 am: 15.11.03, 15:02 »

Mirjam, für eine Nebenerwerbsbäuerin wäre ICH nicht geeignet. Embarrassed

Ich bewundere die Frauen, die den Betrieb am Tag alleine managen.
Ich kann nicht Traktor fahren, hab großen Respekt vor den Kühen Roll Eyes und bin überhaupt in die Außenwirtschaft nicht in dem Maße eingebunden, das ich da große Aufgaben übernehmen könnte.

Freilich wäre da sicher manches zu erlernen.
Wenn wir aber von unserem Betrieb nicht mehr leben können, werde ICH sicher diejenige sein, die sich eine außerlandwirtschaftliche Arbeit sucht. Cool
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Reserl


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sonny
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« Antwort #10 am: 15.11.03, 20:06 »

Hallo,
auch wir bewirtschaften unseren Hof im Nebenerwerb!
Nach der Hofübergabe kamen die Kühe weg, nun genießen 30 Mastschweine ihr Dasein. Smiley Das war die richtige Entscheidung!. Zum füttern sind wir zeitlich ungebunden, und ich kanns alleine machen. Für den Außenbetrieb ist mein Mann zuständig. Schlepper fahren ist nicht meins Roll Eyes und das macht er sowieso lieber selber. Seid letzen Samstag ist er in Hannover :\'( und daheim läufts trotzdem weiter!
Wir werden noch eine Weile so weiter werkeln, aber die nachfolgende Generation wird "diesem Hobby"  wohl nicht mehr nachgehen! Roll Eyes

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maresi1
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« Antwort #11 am: 15.11.03, 21:02 »

Guten Abend,
auch ich bin eine Neberwerbsbäuerin. Mein Mann hat den Betrieb schon vor unserer Heirat übernommen. Ich hab sie von ihm gepachtet.
Er arbeitet in einer Bank.
Krankenversichert bin ich mit meinem Göga mit, die Pensionsversicherung bezahle für die LW ich. Wenn es bis in 20 Jahren noch eine Pension gibt!!!!!!!!!!!
Wir haben die Kühe weggeben und haben Ochsen.
Diese bekommen wir vom Betrieb der unsere Kühe hat.
Für den Milchkontingentkauf hat er nichts bezahlt. Die Kälber werden von dem Geld abgezogen. Geld ist also nicht im Spiel.
Die Arbeit im Stall verreichte ich alleine. Traktorfahren mag ich auch gern, da alles eben ist.
Falls wir mit den Rindern einmal aufhören, könnte ich jederzeit in meinen alten Beruf einsteigen ( ich war Familienhelferin).
Man weiß ja nie was alles auf einen zukommt.
LG Maria
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reserl
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« Antwort #12 am: 27.01.07, 18:58 »


In dieser Box hat sich seit drei Jahren nichts mehr getan. Shocked Cool

EU-Agrarkommissarin Fischer-Boel hat die Landwirte aufgerufen, sich einen Nebenjob zu suchen. Roll Eyes
Zahlreiche Landwirte würden die nächsten zehn Jahre nur überleben, wenn sie sich außerlandwirtschaftliche Einkommensquellen schaffen.

Grund genug, das Thema "Nebenerwerb" hier im Forum wieder mal anzuschubsen.
Was haltet ihr von den Äußerungen der EU-Kommissarin?

Hier ein Beitrag des Bauernverbandes SH zum Thema...
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Reserl


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Mirjam
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« Antwort #13 am: 27.01.07, 20:09 »

Hallo,

es ist ausreichend belegt, dass der Einstieg in den Nebenerwerb der langfristige Ausstieg aus der Landwirtschaft ist. Gibt es ausführliche Artikel bei der Familienberatung und Agrarsozialen Gesellschaft.

Ich könnte Fr. Boel vom Verstand her folgen, wenn sie sagt: Nebenerwerb suchen, weil es wird in der Zukunft "eng" und es wird fraglich, ob sich so mancher Bauernhof in Zukunft vom Hof allein ernähren/versorggen/absichern kann.

Aber Nebenerwerb, um Landwirtschaft erhalten zu können  Huh Da haben sich in den 80ern schon mal meine Eltern über diese These eines dt. Landwirtschaftsminister aufgeregt, ich frag mal nach seinem Namen....

Gruß Mirjam

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passivM
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« Antwort #14 am: 27.01.07, 20:38 »

Meine persönliche Meinung ist,
dass LW im Nebenerwerb ein Auslaufmodell ist.

Im Ackerbau werden die Maschinen immer größer (und teuerer) um wirtschaftlich arbeiten zu können. Und bei der Viehwirtschaft, zum Beispiel Sauenhaltung, ist das mit einer emensen Arbeitsbelastung zusätzlich zur Berufstätigkeit verbunden, die ja auch ihren Einsatz fordert. In der Michwirtschaft halte ich das fast für unmöglich.
Möglicherweise wird es immer Landwirtschaft als Hobby geben - also nicht rentabel, möglicherweise noch ein Zuzahlgeschäft. Aber, wie gesagt, DAS rechne ich mal unter "Hobby", und nicht jeder, der ein paar Ziegen hält ist deswegen gleich ein Landwirt, finde ich.

Und dann gibt es da noch eine "Sorte", bei der ich persönlich nicht weiß, ob LW im Nebenerwerb machen, oder als Hobby: Ich meine die, bei denen es nur deswegen einigermaßen rund läuft, weil sie erstens schon jahrelang nichts mehr investiert haben, zweitens weil die Ehefrau unentgeldlich mitarbeitet, und drittens weil sie einen schönen ruhigen Job bei der Stadt haben. ..aber gerade die spucken im Bauernverein oft die größten Töne... Aber ich meine mal ganz frech, dass denen ihre Tage auch gezählt sind. Ich kenne jedenfalls keinen von denen, wo die nächste Generation das übernehmen würde.

***

Apropos "flächendeckende Landnutzung": Das könnten die wenigen Vollerwerbslandwirte auch mit bewirtschaften. Die meisten sind doch um jeden Hektar dankbar.

"Urlaub auf dem Bauernhof" - der einen "Streichelzoo mit einheimischen Nutztieren" für die Feriengäste unterhält und dafür ein bisschen Heu macht, und der sein Haupteinkommen aber außerhalb der LW macht, das ist in meinen Augen keine Landwirtschaft. Sorry.

lieben Gruß
Anna
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Liebe Grüße
aus dem schönen Mecklenburg-Vorpommern
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