hallo andreas ich warte schon sehnsüchtig auf die predigt sagst mir bitte bescheid wenn sie online gestellt wird ? das wäre lieb danke lg hanni
Hallo Hanni,
hier schon mal der Text von Jörg Zink, über den Pfarrer Witti gepredigt hat:
Im Gottesdienst bei unserer Bauernwallfahrt nach Altötting wurde die Predigt mit einer Geschichte
begonnen. Diese Geschichte nun auch für alle, die nicht teilnehmen konnten. Es wird sich lohnen,
über den Sinn dieses Textes nachzudenken und den
Mut aufzubringen, Dinge zu ändern, die so nicht in Ordnung sind. Allerdings ist der Anfang nicht
bei seinen Nächsten zu suchen, sondern bei sich selbst. Wir haben jetzt immer noch die
Möglichkeit, unseren Weg in die richtige Richtung zu lenken und im Sinne der Schöpfung zu
handeln. Wie eine immer gültige Weisheit beschreibt: „der stete Tropfen höhlt den Stein!
Viele kleine Schritte bringen uns vorwärts, solange alle kleinen Schritte in die
richtige Richtung führen.
Die letzten sieben Tage der Erde
Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Aber nach vielen Jahrmillionen war der Mensch endlich klug
genug. Er sprach: Wer redet hier von Gott? Ich nehme mein Leben und meine Zukunft selbst in die Hand.
Er nahm sie und es begannen die letzten sieben Tage der Erde.
Am Morgen des ersten Tages beschloss der Mensch, frei zu sein und gut, schön und glücklich. Nicht mehr
Ebenbild eines Gottes, sondern ein Mensch. Und weil er an etwas glauben musste, glaubte er an die
Freiheit und an das Glück, an Zahlen und Mengen, an die Börse und an den Fortschritt, an die Planung
und seine Sicherheit. Denn zu seiner Sicherheit hatte er den Grund zu seinen Füßen gefüllt mit Raketen
und Atomsprengköpfen.
Am zweiten Tage starben die Fische in den Industriegewässern, die Vögel am Pulver aus der chemischen
Fabrik, das den Raupen bestimmt war, die Feldhasen an den Bleiwolken von der Straße, die Schoßhunde
an der schönen roten Farbe der Wurst, die Heringe am Öl auf dem Meer und an dem Müll auf dem Grunde
des Ozeans. Denn der Müll war aktiv.
Am dritten Tage verdorrte das Gras auf den Feldern und das Laub an den Bäumen, das Moos an den
Felsen und die Blumen in den Gärten. Denn der Mensch machte das Wetter selbst und verteilte den
Regen nach genauem Plan. Es war nur ein kleiner Fehler in dem Rechner, der den Regen verteilte. Als sie
den Fehler fanden, lagen die Lastkähne auf dem trockenen Grund des schönen Rheins.
Am vierten Tage gingen drei von vier Milliarden Menschen zugrunde. Die einen an den Krankheiten, die
der Mensch gezüchtet hatte, denn einer hatte vergessen, die Behälter zu schließen, die für den nächsten
Krieg bereitstanden. Und ihre Medikamente halfen nichts. Die hatten zu lange wirken müssen in
Hautcremes und Schweinelendchen. Die anderen starben am Hunger, weil etliche von ihnen den Schlüssel
zu den Getreidesilos versteckt hatten. Und sie fluchten Gott, der ihnen das Glück doch schuldig war.
Am fünften Tage drückten die letzten Menschen den roten Knopf, denn sie fühlten sich bedroht. Feuer
hüllte den Erdball ein, die Berge brannten, die Meere verdampften und die Betonskelette in den Städten
standen schwarz und rauchten. Und die Engel im Himmel sahen, wie der blaue Planet rot wurde, dann
schmutzig braun und schließlich aschgrau. Und sie unterbrachen ihren Gesang für zehn Minuten.
Am sechsten Tage ging das Licht aus. Staub und Asche verhüllten die Sonne, den Mond und die Sterne.
Und die letzte Küchenschabe, die in einem Raketenbunker überlebt hatte, ging zugrunde an der
übermäßigen Wärme, die ihr nicht gut bekam.
Am siebten Tage war Ruhe. Endlich: Die Erde war wüst und leer, und es war finster über den Rissen und
Spalten, die in der trockenen Erdrinde aufgesprungen waren. Und der Geist des Menschen geisterte als
Totengespenst über dem Chaos. Tief unten in der Hölle aber erzählte man sich die spannende Geschichte
vom Menschen, der seine Zukunft selbst in die Hand nahm, und das Gelächter dröhnte hinauf bis zu den
Chören der Engel.
-Jörg Zink-
Da der Mensch von heute sich so benimmt, als ob es die Natur nicht gäbe, kann es sein,
das die Natur von morgen sich so benimmt, als ob es den Menschen nicht gäbe.