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Autor Thema: Leben um zu arbeiten oder arbeiten um zu Leben?  (Gelesen 2180 mal)
mary
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Baeuerin - Beruf mit Herz


« am: 26.12.11, 07:56 »

Die Diskussion um die lange Lebensarbeitszeit von Schauspieler Johannes Hersters stellt mir die Frage, wie wir in einer abzusehenden Zeit mit Fachkräftemangel ,mit einer riesigen Staatsverschuldung, mit immer weniger nachkommenden Nachwuchs, mit womöglicher Armut im Alter mit diesen Herausforderungen umgehen werden?
Vor gar nicht allzulanger Zeit wurden die Arbeitskräfte mit knapp 55 in Rente geschickt, heute stehen wir bei Eintritt ins Rentenalter mit 67 und ich bin mir sicher, dass hier noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist.
Wie müsste sich die Arbeitswelt ändern, um auch in späteren Jahren noch arbeiten zu können, wie müssten Lebensmodelle gewandelt werden, dass in Zukunft dem Ausbrennen einhalt geboten wird?
Müssen alle Dienstleistungen umorganisiert werden, alles auf bezahlbare Werte umgestellt?
So quasi von der Wiege bis zur Bahre wird einem alles abgenommen, Hauptsache man schafft genug Geld herbei, um sich dies alles leisten zu können?
Und weil wir hier in einem landwirtschaftlichen Forum schreiben, wie könnte diese Lebensarbeitszeitsverlängerung in der Landwirtschaft aussehen?
Die lästigen Alten, gedulded, nur Hemmschuh und Bremser des Fortschrittes, gut genug, um die lästigen Arbeiten zu erledigen, wertvoll ist nur der, der sehr viel leistet HuhHuh?
Eigentlich kein Thema für Weihnachten, die Weihnachtspredigen von Bischof Marx und dem neuen Landesbischof der evangelischen Kirche zielten aber genau auf diese Richtung ab.
Herzliche Grüsse
maria
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fanni
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« Antwort #1 am: 26.12.11, 09:36 »


Eigentlich kein Thema für Weihnachten, die Weihnachtspredigen von Bischof Marx und dem neuen Landesbischof der evangelischen Kirche zielten aber genau auf diese Richtung ab.
Herzliche Grüsse
maria

du hast recht Mary......das ist kein weihnachtliches Thema, oder doch?? Betrifft doch die Arbeitswelt die Familien zutiefst.

Ärgern tun mich aber die Bischöfe, die solch ein Thema aufgreifen, was ja ihre Aufgabe ist..........wäre da nicht wie immer "der eigene Elfenbeinturm".

Mein Beispiel vor Augen ist grad ein Pflegeheim hier  (kirchlich!!!) meine Freundin 53 Jahre bestens ausgebildet und motiviert und fleissig und beliebt bei Gepflegten und deren Angehöreigen soll eine Änderungskündigung bekommen, denn sie ist zu teuer (oder am besten gehen, weil die Stelle soll aus Kostengründen abgebaut werden.............sie macht Demenzbetreung und kümmert sich um Angehörige, sinnvolle Beschäftigung, Gehirntraining, einfach Programm, macht aber selber keine Pflege, ist aber irre wichtig für die Schwestern......) hahaha sag ich nur und dafür 2 - 3 schnell geschulte Langzeitarbeitslose (mit Billiglohn)...........weil anscheinend kann das ja jeder, aber auf der anderen Seite wird eine Abitur für Pflege gefordert.

Nein, hör ich jetzt auf, sonst ists vorbei mit meiner Weihnachtsruhe. Angry


Ich denke, wenn das was man tut einem selber Freude macht, man Anerkennung dafür bekommt (auch finanzieller Art) ist schon viel erreicht, und wenn man keine Angst haben muss, das der Job nächstes Jahr schon wieder weg sein könnte......ja das wärs.


nicht umsonst werden Mönche und Klosterschwestern relativ alt und können auch im hohen Alter noch Garten versorgen und Dienste leisten, weil sie vor diesem Existenzkampf im wahrsten Sinne des Wortes verschon bleiben, das Kloster sorgt für sie, darüber gibts Studien.
« Letzte Änderung: 26.12.11, 09:37 von fanni » Gespeichert

Herzliche Grüße von Fanni
mary
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Baeuerin - Beruf mit Herz


« Antwort #2 am: 26.12.11, 10:55 »

Hallo fanni,
hab von diesen Studien auch gelesen. Bei Kirche- nun, da hab ich meine Unterscheidung- Gott und das Bodenpersonal.
Nur generell, wenn alle länger arbeiten sollen, müssen, dann muss sich die Arbeitswelt wandeln, aber bisher sehe ich hier keinerlei Änderungsbemühungen.
Manchmal kommts mir so vor, als wäre der zermürbende Existenzkampf teilweise auch gewollt, da hängt dann wieder eine Menge Bruttosozialprodukt dran.
Ein zusammengerupftes, zermürbtes und müdes Volk, aufgelöste Bindungen, die sind doch viel einfacher zu regieren, zu händeln. Angeblich sind manche östlichen Länder am Wodka zerbrochen, was wird unsere Klammer sein, die uns zusammenhält?
Ich kann mich auch gerne irren, kann mich auch darüber irren, dass auch die Landwirtschaft vor gewaltigen Umänderungen und Herausforderungen steht- und so gut wie kein Thema ist.
Man hört im Radio schon die eine oder andere Sendung über die Umgestaltung der Arbeitswelt im Hinblick auf den Fachkräftemangel und dem demagogischen Problemen, aber auch eher so Elfenbeinturmreden.
Der Anteil der Renter, die noch nebenher arbeiten, weil sie wollen oder müssen, da wird das müssen rein nach der Faktenlage eher die Norm als die Ausnahme werden.
Und ob wir alle die 7 Gang Hamsterradschaltung bis zum 70iger verkraften, das wird sich zeigen.
Aber du hast Recht, weder die Arbeitswelt ist nicht unbedingt das Weihnachtsthema, hast du schon Zahlen gehört, wie hoch heuer der Konsumanteil an Weichnachten gestiegen ist?
Was sich wohl derjenige darüber denkt, zu wessen Geburtstag das alles gemacht wird?Huh??
herzl. Grüsse
maria

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Steinbock
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« Antwort #3 am: 26.12.11, 14:49 »

Ich erlebe so viele 55- bis 60-jährige, die entweder ausgebrannt sind oder arge Verschleißerscheinungen oder
irgendeine chronische Krankheit bekommen haben, wo ich mich bange frage, wie diese Leute bis zum Renteneintritt
durchhalten sollen. Wie sollen all diese Leute in diesem Tempo in dieser Arbeitswelt noch zurechtkommen?

Es sind nur wenige einzelne Betriebe, die sich um ihre ArbeitnehmerInnen ein paar Gedanken machen.
Ansonsten, glaub ich, Fehlanzeige.

Ich sehe da auch gewaltige Probleme kommen, die sicher nicht dadurch gelöst werden, dass das Rentenein-
trittsalter hochgeschraubt wird.

Nachdenklichen Gruß

Elisabeth
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Hopfi
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Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.


« Antwort #4 am: 26.12.11, 18:06 »

Es ist oft leichter geschrieben als getan, in vielen Bereichen ist Umorientierung nötig.
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Es können nur Menschen helfen, wo Menschen sind.
Nur sie können, wo sie sind, die Welt zum Positiven verändern.

Servus, Eure Hopfi
SiegiKam
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Bayern


« Antwort #5 am: 26.12.11, 21:31 »

Ich befürchte wir leiden nicht an der Arbeit, sondern an unserer grundsätzlichen Einstellung. Meine Nichte ist seit einigen Jahren in Australien. Dort muss man teilweise mehr Stunden arbeiten um durchs Leben zu kommen. Aber trotzdem sind die Leute dort besser drauf. Zuerst dachte ich, meine Nichte hätte eine rosarote Brille auf, weil sie dort ihre große Liebe gefunden hat. Aber nun bleibt auch die Tochter einer Bekannten nach ihrem Urlaub dort, um in Australien zu leben. Und noch ein Bekannter sagt, er wäre am liebsten dort geblieben. Sie alle sind der Meinung, dass die lockere Art mit dem Leben umzugehen alles wesentlich erleichtert.

Klar hat das auch Nachteile. Vor zwei Jahren glaube ich war das, da gab dieaustralische Regierung den Leuten Geld, um die Dächer zu isolieren. Im Gegensatz zu uns, wurde das ohne viel Vorschriften gemacht und entsprechend oft von Firmen ohne Ahnung durchgeführt, was teilweise zu kaputten Dächern oder halt oft zu herausgeschmissenem Geld geführt hat. Aber das war halt so, keiner regt sich richtig drüber auf.

Wir sind die großen Sorgenmacher, Nachdenker, Vordenker, Überleger und das macht das Leben schon schwer, bevor man es richtig in die Hand nimmt. Ich nehme mich da gar nicht aus, keiner kann aus seiner Haut und auch ich liege manche halbe Nacht wach mit Sorgen, die ich mir gar nicht machen müsste. Vielleicht sollte man uns alle mal für eine Zeit nach Down Under schicken  Wink.

Siegi

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Leben und leben lassen
Meli
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« Antwort #6 am: 26.12.11, 21:53 »

Ich denke wir sind die großen Kontroller und Besser- Wisser bei anderen und über andere, das bricht uns das Genick.
Melli
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bis zum nächsten mal
Melli
LunaR
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Dat Eenen sien Uhl is det Annern sien Nachtigall


« Antwort #7 am: 26.12.11, 23:20 »

Hallo,

hinter diesem Thema steckt einmal die grundsätzliche Frage, wie wir mit dem Thema ARBEITEN umgehen. Genau genommen geht es dabei um wollen oder müssen. Nicht nur, ob, sondern auch wie wir arbeiten. Da kommen wir schon näher an den Kern. Das wie ist oft nicht so, dass die Entscheidung müssen oder wollen überhaupt ansteht.  Passt das wie nicht mit unserem Empfinden überein, ist arbeiten ein MUSS. Was wir wollen, geht uns leichter von der Hand, als das, was wir müssen.

Eine Eingrenzung gibt das KÖNNEN. Hier meine ich nicht die Fähigkeiten und das handwerkliche Können, sondern wie lange und in welchem Ausmaß spielt unser Körper, Geist und Seele mit. Schaltet eine Krankheit einen Teil unserer Möglichkeiten vor Ablauf der geplanten Lebensarbeitszeit aus, spielen plötzlich wollen und müssen keine Rolle mehr. Es geht nur noch um das Können.

In der Arbeitswelt hat sich in den letzten 20 Jahren vieles verändert. Immer wieder fällt mir in den unterschiedlichsten Bereichen ein Mangel an Wertschätzung der Arbeit oder des Mitarbeiters auf.  Der Mensch wird als Ganzes gefordert, setzt sich oft auch so ein, erfährt aber keine Wertschätzung seines Einsatzes. Es werden inzwischen so viele fristlose Kündigungen ausgesprochen in Situationen, in denen früher ein Gespräch oder auch mal eine Abmahnung die Sache geregelt haben. In so einem Arbeitsumfeld drohen Krankheiten und innere Emigration. Diese Menschen können oder wollen irgendwann nicht mehr arbeiten. Sie arbeiten nur noch, weil sie es müssen.

Wer aber eine Arbeit hat, die zu ihm passt, wo der (unnötige) Druck von außen eher gering ist, wo er den Arbeitsablauf etc. in einem gewissen Rahmen selbst gestalten kann, der will und kann arbeiten und tut es gern. Diese Menschen leisten oft erheblich mehr und bessere Arbeit, als andere unter erheblichen Druck stehende. Immer vorausgesetzt, die Gesundheit spielt mit.

Je länger die Lebensarbeitszeit ist, um so größer ist die Gefahr einer Erkrankung. Ich bin sicher, dass die meisten Menschen in Zukunft mit 67 als Neurentner viel stärker verbraucht und ausgelaugt sind, als heute 67jährige, die seit ihrem 60 Lebensjahr verrentet sind und ehrenamtlich gearbeitet haben. Sehr viele werden aus gesundheitlichen Gründen ihre Arbeitsfähigkeit schon vor erreichen des Rentenalters verloren haben.

Luna     

 
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Verschwendete Zeit ist Dasein.
Gebrauchte Zeit ist Leben.
mary
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Baeuerin - Beruf mit Herz


« Antwort #8 am: 27.12.11, 07:45 »

Hallo Siegi,
wäre bestimmt sehr aufschlussreich, für eine Weile in Down under zu leben und zu arbeiten.
Ich bin auch überzeugt, dass nicht die Arbeitsmenge den Druck macht, sondern die Art, wie wir zu arbeiten haben.
Jeder jammert, wieviel Zeit er inzwischen mit reinen Dokumentationsaufwand arbeiten muss,
im medinzinischen, im pflegerischen Bereich, dieses generelle Misstrauen, der Kontrollwahnsinn muss auch wieder kontrolliert und die Kontrolle der Kontrolle gemacht werden. Damnit sind sehr viele Arbeitsplätze geschaffen worden, sie nehmen allerdings denjenigen, auf dessen Rücken dies ausgetragen wird, die Luft und Freude an der Arbeit. Denn am Produkt, an der Qualität verbessert dieser Kontrollwahnsinn nichts, eher tritt das Gegenteil ein.

@Luna: Wer wie Hesters mit über 100 Jahren noch arbeitend tätig ist, hat das wohl aus verschiedenen Gründen gemacht,
ob er aus wirtschaftlichen Gründen noch solange arbeiten musste, weiß ich nicht.
In den letzten Wochen hab ich ein paar mal Radiosendungen gehört, die sich um das Thema Burn out drehten, die unterschiedliche Sichtweise in Deutschland und Österreich war auffallend.
Wer ständig Angst um den Arbeitsplatz haben muss, der lebt anders, als wenn eine Grundform von Sicherheit vorhanden ist,
diese ständige Überflutung von schlechten Nachrichten, es werden immer nur die negativen Geschehnisse veröffentlicht-
das macht die Menschen nicht lustiger.
Und die einzige Freizeitbeschäftigung, die den Menschen dank unserer Medienkultur rübergebracht wird,
shoppen zu gehen- nach einem Vortrag von Prof. Manfred Spitzer hilft das genau 10 Sekunden, ein gutes Gefühl zu haben.
Was würde sich wohl ändern, wenn Menschen ausser den Grundbedürfnissen auch ihre sozialen Grundbedürfnisse leben könnten, Anerkennung, soziales Eingebundensein, Gemeinschaft, eine Arbeit, die Brot und Sinn gibt-
damit würden die Menschen gesünder, lebensfroher, aber sie würden nicht mehr ihre Bedürfnisse über das Shoppen ausleben und das wäre für die Wirtschaft schlecht.
Im Notizbuch des Bayer. Rundfunks war von Burn out Beauftragten in den Betrieben die Rede, manche Betriebe erkennen, welchen wirtschaftlichen Schaden sie selbst von ausgebrannten Mitarbeitern haben.
In den Betrieben zu versuchen, kleine Inseln zu schaffen, die diese Grundbedürfnisse des Menschen erkennen und sie zu erfüllen suchen.
Es gab vor einer Weile eine Sendung von den fiten Alten  - die einen lebten in einem italienischen Bergdorf, die anderen auf einer jap. Insel.
Ob ein noch so gut geführtes Altersheim damit mithalten kann?
Vielleicht baut das Gehirn auch deswegen ab, weil es nicht mehr gefordert und gebraucht wird?
Ist doch eine verrückte Sache in dieser Gesellschaft, die einen haben so viel Arbeit, dass sie krank werden, die anderen haben keine, das ist auch nicht gesundheitsfördernd.
Mich hat ein Buch einer amerikanischen Hobbygärtnerin zu einer vollkommen anderen Art des Gartelns geführt, erst im Rentenalter fing sie mit dem Garten an und versuchte die Gartenarbeit auf die Bedürfnisse ihrer steigenden Lebensjahre anzupassen.
Alter wird uns doch eigentlich eher mit Krankheit, mit Verlust, mit Siechtum, mit Untätigkeit dargestellt.
Wo sind gute Beispiele eines sinnvoll gelebten Lebens und der damit einhergehenden Beschäftigung mit der Zeit?
Herzl. Grüsse
maria
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Munike
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« Antwort #9 am: 27.12.11, 08:00 »

Wer aber eine Arbeit hat, die zu ihm passt, wo der (unnötige) Druck von außen eher gering ist, wo er den Arbeitsablauf etc. in einem gewissen Rahmen selbst gestalten kann, der will und kann arbeiten und tut es gern. Diese Menschen leisten oft erheblich mehr und bessere Arbeit, als andere unter erheblichen Druck stehende. Immer vorausgesetzt, die Gesundheit spielt mit.

Hallo,

das was LunaR beschreibt, ist der Unterschied zwischen viel Arbeit und Streß. Mir z. B. macht viel Arbeit nichts aus, weil ich wie oben steht meine Arbeit gern mache und mir kaum jemand rein redet. Aber Streß - der kommt auf, wenn unnötiger Ärger dazu kommt - reibt mich auf.

Ein seltsames Phänomen ist, daß Streß haben modern ist. Wer keinen Streß hat ist fast ein Versager, mir kommt es oft so vor, als ob der BurnOut das ultimative Ziel ist. Zählt mal mit, wie oft Ihr täglich "Keine Zeit!" oder "Ich hab fürchterlichen Streß!!!" hört  Wink

Die meisten hier sind ja keine ganz jungen Mädels mehr und ich denk, viele stehen auch über den Dingen. Mir z. B. kann keiner mehr ein schlechtes Gewissen einreden wegen nicht erledigter (unwichtiger) Arbeit, Fleißaufgaben mache ich wenn sonst nichts zu tun ist. Da können meine Eltern so vorwurfsvoll schauen wie sie wollen....!

Eine zukünftige Lebenserwartung von 80, 90 oder noch mehr Jahren halte ich für eher unwahrscheinlich. Die Menschen, die jetzt so alt werden, sind die ganz harten Generationen. Die haben den Krieg, den Hunger und viele andere Mängel danach er- bzw. überlebt.

Nachfolgende Generationen hatten es zwar von Anfang an viel besser bzw. sogar zu gut, siehe unsere Wohlstandskrankheiten. Zudem werden sie in der modernen Arbeitswelt nervlich aufgerieben, sie sind unzufrieden, was dann oft zu den uns ebenso bekannten sehr ungesunden Geschichten wie Alkohol, Tabletten und Drogen führt.

Ich denke, daß nachfolgende Generationen die jetzige Lebenserwartung nicht mehr haben werden.

Viele Grüße, Munike
« Letzte Änderung: 27.12.11, 08:05 von Munike » Gespeichert

Wer neue Wege scheut, muß alte Übel dulden...
amanda
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« Antwort #10 am: 27.12.11, 11:07 »


Ein seltsames Phänomen ist, daß Streß haben modern ist. Wer keinen Streß hat ist fast ein Versager, mir kommt es oft so vor, als ob der BurnOut das ultimative Ziel ist. Zählt mal mit, wie oft Ihr täglich "Keine Zeit!" oder "Ich hab fürchterlichen Streß!!!" hört  Wink


Das seh ich auch so.
Als wir vor einigen Jahren auf dem Hof so einiges verändert haben, um nicht das ganze Leben der Arbeit hinterherzulaufen ,ist es mir immer wieder aufgefallen.
Bei Nachfragen von anderen Bäuerinnen: "wie geht es dir, hast du Stress?"
Als meine Antwort dann war : "Danke gut, ich habe viel Arbeit aber keinen Stress!" guckten die immer ganz verstört, oder gar mitleidig.
Mit solchen Antwort kann die moderne Gesellschaft nichts anfangen.
Es zählt nur der, der von morgens bis abends herumwerkelt, ein Projekt nach dem anderen angeht, durchaus unter Strom steht. Gerade erledigt, was eigentlich schon gestern zu tun gewesen wäre.

Amanda
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Munike
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« Antwort #11 am: 27.12.11, 11:14 »

Bei Nachfragen von anderen Bäuerinnen: "wie geht es dir, hast du Stress?"
Als meine Antwort dann war : "Danke gut, ich habe viel Arbeit aber keinen Stress!" guckten die immer ganz verstört, oder gar mitleidig.
Amanda

Amanda, das ist wort-wörtlich das, was ich antworte und dann drauf höre!

Und auch ich habe meine Arbeitsabläufe so organisiert, daß ich mich nicht aufarbeite. Muß ich mit knapp 47 Jahren auch nicht sag ich mal  Grin

Schon gleich gar nicht, weil ich den Job noch so ca. 20 Jahre machen möchte - und das geht nicht, wenn man immer im Roten Bereich läuft.

Wir beide machen so weiter, meinst Du nicht auch???

Viele Grüße von einer Gleichgesinnten, Munike
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JanieNZ
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« Antwort #12 am: 01.04.12, 20:24 »

Hallo, ich hatte neulich eine Schulung für Kinder. Es ging um Neurodermitis. Da wurden die Mütter gefragt, was sie sich die Woche über Gutes getan haben. Erschreckend, wie wenig Zeit die Frauen für sich hatten, oder so wenig Gutes für sich tun konnten. -Wenn ich mir dann überlege, bis mindestens 67 Jahre zu arbeiten (ich kann das ja vielleicht noch, aber all die schwer körperlich arbeitenden?), muss ich vielleicht doch mal Zeit für mich nehmen? :~
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Paula73
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« Antwort #13 am: 01.04.12, 22:01 »

"Was du heute kannst besorgen ........" - trifft nicht nur auf die Arbeit zu.
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Nelly
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« Antwort #14 am: 02.04.12, 06:49 »

Hallo, bei uns zuhause steht ARBEITEN ganz oben.
Da wird man zur Not über jede Sekunde des Tages befragt, was man denn gema cht hat und abends wird dann aufgerechnet, wieviel man mit ECHTER Arbeit und wieviel mit Rumschlunzerei verbracht hat. Meine Schwägerin hat mir neulich erst noch gesagt, dass sie es mit 40 nun endlich geschafft hat, sich von diesem Erziehungsziel ( so nannte sie es) zu befreien.

Ich finde, es kann nicht angehen, so zu malochen, dass man TÄGLICH, kaum dass man mit dem Pöbbes das Sofa berührt hat zu jeder Tageszeit einschläft bzw. ein schlechtes GEwissen kriegt, wenn man sich mal was für sich selbst leistet, also quasi Zeit verplempert.....

NELL
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