Hallo fanni,
ich hatte heute Einkochurlaub und alles steht jetzt in Reih und Glied im Vorratschrank. Bin sehr dankbar für diese selbstgemachten Schätze, die heurigen Wetterkapriolen haben gezeigt, dass das keinesfalls selbstverständlich ist, wir haben auch schon den absoluten Totalschaden an Getreide, Mais, an allem was draussen wuchs, erlebt. Das Zusehen müssen, wie in ein paar Minuten die Arbeit des ganzen Jahres kaputt ist, da kann ich heuer vielen ihre Sorgen in der Seele nachfühlen.
Beim Rühren von Tomatensossen kann der Kopf denken und da ist mir Melittas Standartwegschmeisstomate und ihr gesundes Empfinden in den Sinn gekommen.
Können wir nur noch leben, weil wir andere ausnützen, einer muss billiger sein wie der andere?
Vor ein paar Tagen war im Radio ein Bericht über die Kinder in Fukoshima, die hohe Strahlenbelastung der Lebensmittel aus dieser Gegend und danach über die Hungersnot in Afrika.
Früher hat man sich vielleicht leichter gelebt, bis Nachrichten überhaupt in die entlegensten Winkel kamen, das dauerte und vieles kam vermutlich nicht an.
Heute kann niemand mehr sagen, er hätte nichts gewusst.
Ich stamme noch aus der Steinzeit, als Kinder haben wir gelernt, dass Lebensmittel nicht weggeworfen werden.
Altes Brot wurde zur Brotsuppe, was nicht mehr ging, bekamen die Hühner, die Reste aus der Küche kamen in den Schweinetrog.
Der Bauerngarten meiner Mutter lieferte alles, was gebraucht wurde, wir durften Sauerkraut treten, Apfelsaft verarbeiten helfen, Marmelade und sonstige Veredlung wurde einfach gemacht.
Das alles ist lange her und heute - wird mit ca. 10 % des Einkommens für Lebensmittel gerechnet. Zwischen einem Drittel und der Hälfte wird nach Statistik weggeworfen, auf der anderen Seite jagen sich die Bauern die Flächen ab, für Ausgleichsflächen wird Fläche aus der Produktion genommen, die Energie soll vom Acker kommen, alles wird durch die halbe Welt gekarrt, als wenn der Transport keinerlei Energie verbrauchen würde.
Und das alles muss die uns anvertraute Fläche leisten, wenn einmal der Strom von Öl aus der Erde dünner wird, dann Gnade denen, die Land besitzen, da warten schon massig ganze Branchen wie die Hyänen auf den Grund und Boden.
Das System geförderte Abhängigkeit mit seinen Auswirkungen ist kein Honigschlecken, nicht für uns, aber auch nicht für die Landwirtschaft in anderen Ländern, aber genauso wenig für die Handwerksbetriebe, für die kleinen Geschäfte.
Ob wir mit unserem Verhalten irgendwas auf dieser Welt bewirken, ich weiß es nicht, ich weiß nur, dass ich für mein kleines Gartl Arbeit aufwende und was da auf dieser kleinen Fläche wächst, versorgt uns mit ganz viel Gemüse.
Ich bemühe mich, keine Lebensmittel weg zu werfen, aus dem was ich habe, das Beste zu machen.
jetzt werden wir doch hoffentlich nicht darüber streiten, wer wo zum Einkaufen geht-
vielleicht muss ich mich auch noch schämen, weil ich am liebsten im eigenen Garten einkaufe

Wer wird die Lebensmittel der Zukunft herstellen, welche Welt kommt auf die Kinder und Enkelkinder zu?
Und wir, wir können sagen, da kann man halt nichts machen.
sehr nachdenkliche Grüsse
maria