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Autor Thema: Ist es wichtig "was die Leute sagen"?  (Gelesen 2213 mal)
SiegiKam
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Bayern


« am: 15.11.10, 19:25 »

Man darf auf einer Beerdigung nur schwarz tragen und die Fenster müssen geputzt sein und es soll vorm Haus ja kein Unkraut wachsen (dahinter vielleicht um so mehr) und die Kinder müssen sich immer gut benehmen und nicht vorlaut sein und wenn man sich mit dem Mann gestritten hat soll man ein freundliches Gesicht machen und mit ihm zur Vereinsfeier gehen und und und - alles bloß, weil die Leute sonst sagen, dass.....

Ist es wirklich wichtig, was die Leute sagen? Mir war das lange Zeit wichtig, ich wurde so erzogen, dass man sich gesellschaftskonform verhält. Mittlerweile genieße ich ein wenig die Freiheit des älter werdens und mache, was mir recht ist. Ich bin nicht rücksichtslos, aber wenn mich mein Mann vor Besuch blöd anredet, dann gibts eine Reaktion darauf und nicht ein freundliches G'schau und hinterher ein Donnerwetter. Wenn meinem Chef eine Freundin nicht passt, die manchmal kurz ins Büro kommt, weil die nicht so fein angezogen ist, wie das hier sein soll, dann sag ich ihm, dass sie mir mit ihrer ehrlichen und herzlichen Art von hinten lieber ist als so manche hübsche Kollegin, die über alle lästert von vorne. Und wenn ich es für richtig halte im Vorgarten zu mulchen statt daraus den momentan so modernen steinernen Garten werden zu lassen, dann mache ich es.

Manchmal zwicken mich noch Skrupel aber es werden immer weniger  Cheesy. Ich kann zum Beispiel meiner Mama nicht ins Wort fallen, wenn sie mir uninteressante Geschichten erzählt. So wie ich generell zu alten Leuten immer freundlich bin, da kann ich nicht aus meiner Erziehung heraus.

Wie geht es euch so mit der Rücksicht auf das was die Leute sagen könnten?

Siegi
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Leben und leben lassen
fanni
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« Antwort #1 am: 15.11.10, 19:29 »

Oh ja............daran muß ich auch noch arbeiten Wink Wink
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Herzliche Grüße von Fanni
Daggl
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« Antwort #2 am: 15.11.10, 19:53 »

Hallo Siegi,

ich unterscheide schon zwischen dem "was die Leute sagen" und dem normalen rücksichtsvollen Umgang mit meinen Mitmenschen. Ich bemühe mich um einen halbwegs freundlichen Umgang mit meinen Mitmenschen, was mir nicht bei allen gelingt (es gibt Menschen, die bringen mich auf die Palme Embarrassed),nicht weil es mir wichtig wäre, was denn da die Leute sagen, sondern weil ICH es für richtig halte.
Was "die Leute" zu meinem Garten, Kleidung, Frisur oder sonst was sagen ist mir egal. Mir gefällt schließlich auch nicht jeder Garten, Kleidung usw. von den anderen, ist deren Sache so wie es meine ist.
Ich hab da im Internet mal einen schönen Spruch gefunden, Autor leider unbekannt:

Tue Recht, tu deine Pflicht
und achte nicht was die Leute sagen,
Gott wird, wenn er hält Gericht,
nicht die Menschen fragen.
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Viele Grüße, Dagmar
erika2
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« Antwort #3 am: 15.11.10, 20:00 »

Hallo Siegi,
so wie Du es beschreibst, ist es mir nicht mehr wichtig. Natürlich hängen wir alle in den anerzogenen  Verhaltensmustern fest. Aber es ist möglich, sich zu lösen. Ich habe es so weit geschafft, wie es mir guttut. Aber es gibt leider immer noch viele Menschen, die andere nach solchemMist beurteilen und welche, die das mit sich machen lassen.

Man muss aber zwei Dinge unterscheiden: 1. Die von dir geschilderten "gesellschaftlichen Zwänge" oder wie immer man das nennen will und

2. die Außenwirkung von Kleidung/Verhalten , wenn ich (gewollt oder ungewollt) etwas repräsentiere. Zb stand in meinem ersten Arbeitsvertrag ganz klar, dass ich auch in meiner Freizeit in Kleidung und Verhalten mich sundsoo....zu betragen habe, dass...
Ob es das heute noch gibt, weiß ich nicht.
 
Aber wenn ich in irgendeiner Weise öffentlich als "Kirchenvorsteher" oder " Bäuerin" oder "Bankangestellte" wahrgenommen werde, also eine Situation, in der der Privatmensch erst an zweiter Stelle steht, dann passe ich mich im Interesse der Sache schon den Erwartungen an, bedenke meine Kleidung und mein Auftreten.
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Liebe Grüße, Erika
Rosi K
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« Antwort #4 am: 15.11.10, 20:28 »

Also, ich glaub das ist alles nicht so einfach.
Es ist sehr schwer, sich davon loszumachen. Im Menschen tief drin liegt die Angewohnheit, sich mit anderen zu vergleichen. Und man möchte irgendwie ja nicht aus dem Rahmen fallen und schon geht es los.
Eigentlich denke ich, der glücklichste Mensch ist sicher der, dem es egal ist, was die Leute von ihm denken. Aber gibt es diesen Menschen überhaupt? Da kommt es sicher darauf an, wie man erzogen ist, und leider gibt man genau das Gleiche wieder unbewusst an seine Kinder weiter, ob man will oder nicht.
Ich hab es oft versucht, mich davon zu befreien, schaffe es aber nicht, aber ich beglückwünsche den, ders kann. Man lebt halt schließlich nicht alleine auf der Welt und wird sich immer beeinflussen lassen, oder???
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SiegiKam
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Bayern


« Antwort #5 am: 15.11.10, 20:42 »

Es ist sicher einfacher sich von Konventionen zu lösen, wenn man in der Stadt lebt. Hier am Land ist der Blick der Leute aufeinander oft recht genau. Irgendwie ist aber das Leben viel bunter und interessanter, wenn nicht alle gleich sind. Klar schauen die Leute vielleicht komisch, wenn die Bankangestellte ein Wallekleid trägt, aber wenn der Chef nichts dagegen hat, werden sich auch alle anderen daran gewöhnen. Und muss man eine Kleiderordnung einhalten wenn man als Bäuerin auftritt? Als Kirchenvorsteher sollte man vielleicht nicht tief dekoltiert rumlaufen, das leuchtet mir schon ein  Grin. Ich glaub man muss das Ganze mit kleinen Schritten angehen. Mein Mann bezeichnet mich wegen kleiner Sachen, die anders sind als bei allen anderen oft schon leicht belustigt als "verrückt" und meine Schwester meinte mal so ganz überzeugt ich wäre "anders". Was sie meinte, weiß ich heute noch nicht, es klang aber nicht abwertend  Smiley. Kürzlich habe ich einen Mann gesehen, der auch manchmal etwas speziell ist, er hatte unterm Hut ein Kopftuch oder einen Schal auf, weil der Wind so ging, fand ich witzig  Cheesy, würde aber sonst keiner machen.

LG Siegi
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Leben und leben lassen
Mirjam
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« Antwort #6 am: 15.11.10, 22:56 »

Es ist sicher einfacher sich von Konventionen zu lösen, wenn man in der Stadt lebt.

Das hast du toll auf den Punkt gebracht, ich liebe dafür die Stadt - einfach nur zu kucken, was dort alles so bunt, so "unkonventionell" ist  Smiley

Mirjam
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fanni
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« Antwort #7 am: 16.11.10, 08:27 »



Das hast du toll auf den Punkt gebracht, ich liebe dafür die Stadt - einfach nur zu kucken, was dort alles so bunt, so "unkonventionell" ist  Smiley

Mirjam

Schon..........dafür hat man da aber keine Nachbarn, die dann mit Kuchen vor der Türe stehen, wenn Frau im Krankenhaus ist.......damit die Männer net "verhungern" Wink



Klar ist die soziale Kontrolle auf dem Land viel höher und es kann auch belastend sein........ich wohn ja außerhalb.......sprich mein Unkraut im Garten sieht nur mein Besuch und ich geh mal davon aus, dass die das "übersehen" Wink........oder ganz "Neugierige" und die sind mir wurscht.

Ich habs auch schon mal anders erlebt.........vor Jahren war Göga im Frühjahr auf seiner 50er- Reise und alle haben hier Gülle gefahren nach dem Winter.........kam ein entfernter Nachbar und fragte mich glatt, was denn bei uns los wäre, da nix "geht" auf dem Hof......er hätte notfalls Zeit.....also das fand ich echt auch wieder toll.

Und zu dem "das macht man eben so"..........hmhm   da muß jede so ihren eigenen Weg finden. Im Nachhinein gesehen, hats mich gestresst, dass ich dem genüge, was "Leute" sagen k ö n n t e n......wobei ich mir überlege, ob das nicht auch oft meine Einbildung war Cool.......aber auch zum Arbeiten angespornt.

Wo ich absolut spure........wenn meine Mama zu einem ihrer seltenen Besuche kommt........glaubt mir, ich putze "strategisch".....das Klofenster, wo sie Zeit hat zu rausschauen ist dann immer blitzeblank und die Küche auch......dann ist sie zufrieden und ich hab Ruh Grin
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Herzliche Grüße von Fanni
Mirjam
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« Antwort #8 am: 16.11.10, 08:33 »

Weißt Fanni,

so wie "hilfsbereit" die Nachbarn sind, soviele "Tabus" gibt es auch mit dem Wegschauen auf dem Land/Dorf, weil man sichs "mit den Nachbarn nicht verderben will", oder wie war das mit der Bäuerin, die jahrelang ihre Tochter im Haus versteckte/verstecken konnte ...?

In der Stadt ergibt sich auch eine wieder andere Netzwerkkultur, wobei es eben immer ying und yang gibt - kein Vorteil ohne Nachteil.

Gruß Mirjam
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fanni
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« Antwort #9 am: 16.11.10, 08:35 »

Also die Tabus gibt es in der Stadt genauso, denk ich.

aber das mit dem kein Vorteil ohne Nachteil , das stimmt!!!
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mary
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« Antwort #10 am: 16.11.10, 08:47 »

Hallo fanni,
ich muss sagen, dass ich es schon sehr schätze sehe- wenn Freunde oder Nachbarn mit Kuchen draussen stehen, einmal hatten wir bei einem grossen Unglück im Stall gar keine Zeit mehr an Essen zu denken. Wenn da jemand daher kommt und hat einen Topf köstlich schmeckende Suppe dabei, das vergisst man das ganze Leben nicht mehr.
Ob  die soziale Kontrolle auf dem Land höher ist- ich weiß es nicht, ich bekomme nur von denen mit, die in der Stadt leben,
dass sie sich in den Mietwohnungen auch an bestimmte Vorschriften zu halten haben, in Dörfern und Siedlungen auch nur zu bestimmten Zeiten Rasen mähen dürfen, dass ein nicht nach den üblichen Vorstellungen gemachter Garten zu Sticheleien und Bemerkungen führt.

Und manch liebevolle Frotzelei kann ich mir von meinem Umfeld auch über meine Vorstellung von Garten anhören, damit hab ich kein Problem. Wink

@Siegi, schwarze Kleidung an Beerdigung- das gehört für mich genauso zum guten Ton, wie ich auf eine Hochzeit nicht mit der Jeans gehe.
Zum Glück haben wir heute eine viel grössere Freiheit, in früheren Zeiten war genau vorgeschrieben, welcher Stand welche Kleidung anziehen durfte, wann das Essen in welcher Qualität und Ausführung auf den Tisch zu stehen hatte. Ich kann mir vorstellen, welcher Aufstand da gewesen wäre, wenn es ganz andere Gerichte gegeben hätte. Heute können wir auch im Bereich der Ernährung vollkommen frei entscheiden, was auf den Tisch kommt, der eine lässt von anderen kochen, der andere machts selbst.
Aber ich weigere mich, etwas zu tun, nur weil ein paar Trendscouts vorgeben, wie wir zu leben hätten.
Ich kaufe mir nichts mehr, was mir nicht gefällt und nur weil es gerade Mode ist, nein danke.
Hin und wieder blättere ich die Werbebeilage in unserer Tageszeitung durch- bin ich froh, dass ich momentan nicht renoviere oder einrichten müsste- die jetztige Mode ist mir zu kalt, zu steril, zu ungemütlich, zu dunkel. Und die Farben- nein danke.
Aber getrascht und bewertet wird heute genauso wie in den früheren Jahren in den hintersten Provinzen. Das www. zeigt, dass die Menschen sich überhaupt nicht verändert haben.
Eher schlechter, denn in dem sozialen Umfeld muss man einen guten Weg finden, um miteinander auszukommen,
im www. werden soviele Federn ausgestreut- und wenige machen sich wirklich Gedanken, was sie damit anderen antun.

Herzl. Grüsse
maria



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Daggl
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« Antwort #11 am: 16.11.10, 08:53 »

..ob das in der Stadt wirklich so ist, also ich weiß nicht. Wenn ich in anderen Foren so quer lese, über was da sich die Nachbarn über andere aufregen...zu laut, zu schlampig, 3 Kinder = asozial usw usw. ..da ist so mancher Räumlicher Abstand auf dem Land doch ganz förderlich
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Viele Grüße, Dagmar
Mirjam
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« Antwort #12 am: 16.11.10, 08:58 »

Hallo Fanni,

was sagen denn die Leute - sie reden über Dinge die "ausserhalb der Norm liegen".
Seit Wochen treibt mich der Gedanke über "wieviel Regeln braucht der Mensch" und "wieviel Freiheit tut ihm gut"?

Damit Menschen miteinander auskommen - in Frieden - brauchen sie ein Übereinkommen wo Freiheit ist und wo Grenzen. Was man eben darf - und was nicht.

Grad wenn ich mir "extrem friedliche"  Gemeinschaften laienhaft von aussen betrachte: z.B. Hutterer, religiöse Zusammenschlüsse, Mönchsleben/Buddismus - dann wird das durch ein unglaubliches Regelwerk auf Kosten der Freiheit des Einzelnen erkauft "was man alles nicht darf" oder "was man anzuziehen/zu tun hat - und wann". Mit ganz definierten Tagesabläufen, Rollenfestlegungen, Lebensregeln, Hierarchien - und damit auch Tabus.

Gruß Mirjam


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« Antwort #13 am: 16.11.10, 08:59 »

ich komme aus der Stad und weiß dass auch dort nicht immer alles "rosa" ist. ich genieße hier mein Landleben in vollen Zügen. Liege allerdings auch sehr blickgeschützt *gg*
LG Petra
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Ganz liebe Grüße
Petra
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« Antwort #14 am: 16.11.10, 09:12 »

Hallo Daggl,
ich frag mich oft, wie in den heutigen Siedlungen, die so eng gebaut werden- wo in Reihenhäusern die Holzwand der Abschluss der einen Terasse zur anderen ist- die Menschen gut miteinander auskommen können.
Nur auf der Terasse zu sitzen und übers Wetter reden zu können, sich darüber ärgern zu müssen, weil die Nachbarn den Radio, den Fernseher zu laut stellen, weil sie Grillen und die anderen sich davon belästigt fühlen. Die winzigen Gärten, die fast keinen Rückzug mehr bieten und und.
Die etwas grössere räumliche Trennung zu Nachbarn auf der einen Seite, aber auch das Wissen um die Wichtigkeit guter nachbarschaftlicher Beziehungen, weil man sich in Notfällen braucht und zusammenhelfen muss - das schätze ich als Bäuerin über alle Maßen.
Zum Einkaufen in die Stadt und einmal im Jahr Landeshauptstadtbummel- das reicht und ich fahre jedesmal mit grösster Freude in die Pampa.
Geratscht und getratscht wird in der Stadt genauso wie auf dem Land, da gehts dann nur um andere Themen.
Herzl. Grüsse
maria
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