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Autor Thema: Investoren kaufen Ostdeutschland auf  (Gelesen 1727 mal)
Naima
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Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es :-)


« am: 28.10.10, 19:23 »

Heute aktuell in den Top-Agrar News:
Investoren kaufen Ostdeutschland auf

* Wie findet Ihr denn diese Entwicklung?
* Hattet Ihr auch schon Besuch von einem Grund- und Bodenspekulant?
* Wie soll unter diesen Voraussetzungen Landwirtschaft in Deutschland längerfristig möglich sein?
* Wer verdient an der Sache? Mit Sicherheit nicht der Landwirt  Lips Sealed

Quelle: www.topagrar.com

Viele ostdeutsche Landwirte beobachten derzeit einen besorgniserregenden Trend: Immer mehr Aktionäre und Privatinvestoren kaufen Agrarland und spekulieren damit auf steigende Preise. Auf der Strecke bleiben die örtlichen Bauern, berichtet Spiegel-Online.

Viele Landwirte hätten schon einmal Besuch von Investoren in dunklen Anzügen auf ihrem Hof bekommen, heißt es weiter. Ein Betriebsleiter sagte dem Magazin, es sei schlimmer als zu Wende-Zeiten. Und das schlimme: Die Angebote seien so hoch, dass man fast nicht absagen könne. Solche Summen könne man mit der Landwirtschaft nicht mehr erwirtschaften, um da mitzuhalten.

Laut dem Spiegel sind die Preise für Wald, Acker und Weiden in Ostdeutschland zum Teil um bis zu 100 % gestiegen. Für millionenschwere Fondsgesellschaften und branchenfremde Konzerne sind das die berühmten Peanuts. Damit habe ein weltweiter Trend Deutschland erreicht. China und große Unternehmen kauften schon lange Flächen in der Welt auf. Die Motivation: Eine wachsende Weltbevölkerung, wachsender Fleischkonsum, zunehmender Bedarf an erneuerbaren Energien und allgemein gute Renditeaussichten.

Ein Bodenhändler aus Beckum bringt es auf den Punkt: "So funktioniert eben Marktwirtschaft. Die Nachfrage steigt, das Flächenangebot stagniert oder schrumpft, also steigen die Preise." Ein Wissenschaftler beschreibt es dagegen so: „Die Landverteilung ist inzwischen feudalistischer als 1910, als Mecklenburg noch Großherzogtum war. Aber selbst damals war die Macht der Großagrarier nicht so groß wie heute."

Das beste Geschäft bei der laufenden Umverteilung machen laut dem Artikel allerdings die alten Chefs der früheren DDR-LPGs. Viele der sogenannten roten hätten nach der Wende einfache Bauern oft unter dubiosen Umständen abgefunden oder rausgedrängt. 750.000 LPG-Mitglieder hätten nur einen Bruchteil der Abfindungen erhalten, die ihnen zugestanden hätten. Bilanzen wurden manipuliert, Vermögenswerte unterschlagen oder unterbewertet.

Buchtipp: "Klassenkampf gegen die Bauern" von Jörg Gerke (erscheint in Kürze)
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muellerin
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« Antwort #1 am: 28.10.10, 21:07 »

In meinem Umfeld kann ich nicht beobachten, dass die früheren LPG-Chefs den Reibach machen. Im Gegenteil.
Wenn ich überlege, wieviel Boden hier schon in westdeutscher Hand ist, dann komme ich auf ca. die Hälfte. Mit stark steigender Tendenz, denn in MV kommen bis 2025 noch ca. 160.000 ha unter den Hammer (BVVG).
Das ist sicher für viele eine gute Gelegenheit, aber für die einheimischen Bauern sind die Bodenpreise, die inzwischen auch hier bei den BVVG-Aussschreibungen erreicht werden, nicht bezahlbar.
Im Prinzip ist das für die ostdeutsche Landwirtschaft wie eine zweite Enteignung.

Landwirtschaft ist natürlich weiterhin möglich, denn auch die Investoren betreiben ja die Betriebe. Wir nähern uns allerdings brasilianischen Verhältnissen.

Ich sehe allerdings kaum politische Mehrheiten, die diese Entwicklung noch zurückdrehen könnten.

LG
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Pierette
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« Antwort #2 am: 28.10.10, 22:58 »

Soll das heißen, diese Entwicklung wird von den Bauern widerstandslos hingenommen?

Was sagen die Vertreter des Berufsstandes dazu? Warum ist es so ruhig um dieses Thema?

Sind die Volksvertreter nicht ansprechbar?

Was Du sagst klingt sehr resigniert, muellerin.

Vor gut einem Jahr wurde hier dieses Thema noch recht gelassen angegangen, Antworten darauf gab es gar keine, nun lese ich von "brasilianischen Verhältnissen", das kann doch nicht angehen.

Hallo,
das Wort war gestern Thema in einer ZDF Sendung.
http://www.zdf.de/ZDFde/druckansicht/6/0,6911,7600038,00.html

Die Inhalte er-/und bedrückend, die Dimension die dahintersteht noch mehr. Da können wir ja fast noch froh sein, dass Boden / Gut in Deutschland so "teuer" ist, dass Asien und die arabischen Staaten hier nicht "shoppen" gehen Lips Sealed. Doch was wird aus Afrika und den dortigen Menschen?

"Independence Day" läßt grüssen - oder wie seht ihr das?
Gruß Mirjam
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« Antwort #3 am: 28.10.10, 23:28 »

Naja, es wird schließlich niemand gezwungen seine eigenen Flächen zu verkaufen, also von Enteignung zu sprechen ist da mMn nicht angebracht. Ackerland in Ostdeutschland war/ist nun mal viel zu billig für die zum Teil extrem guten Voraussetzungen für Ackerbau. Wenn die Verpächter dann aber nur einen Bruchteil erlösen wie im Westen, ist es doch nur logisch, dass sie irgendwann verkaufen an wen auch immer. Wenn jmd. Ackerland für 100€/ha verpachtet und bekommt dann ein Angebot über 17000€/ha falls er verkauft, wäre alles andere auch nicht gerade clever...
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muellerin
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« Antwort #4 am: 29.10.10, 08:00 »

Ich glaube, dass man sich das alles aus westdeutscher Sicht nicht so ganz vorstellen kann. Wir haben hier im Osten einen viel höheren Anteil an Pachtflächen als im Westen und viele Bodeneigentümer (von Bauernstellen oder Bodenreformsiedlungen) haben keinen Bezug mehr zur Landwirtschaft.

Ich habe vor allem von den BVVG-Flächen geredet. Das sind die ehemals volkseigenen Flächen.
Diese müssen laut Einigungsvertrag nach und nach privatisiert werden, d.h. sie werden europaweit ausgeschrieben.
Der Unterschied zum Westen ist der, dass hier in ganz anderen Größenordnungen Flächen auf den Markt kommen. Die Preise haben inzwischen westdeutsches Niveau deutlich überschritten, obwohl die natürlichen Bedingungen das zum großen Teil nicht hergeben (z.B. haben wir im Mittel deutlich weniger Niederschlag).
Diese Entwicklung wird durch die Preisentwicklung 2007 und durch die Wirtschaftskrise (Boden als Geldanlage) verschärft.
Die BVVG-Preiserhöhungen schlagen natürlich auf den privaten Bodenmarkt durch.
Die einheimischen Betriebe mit ihrer relativ geringen Eigenkapitalausstattung haben da wenig Chancen.

Der Berufsstand hat seit Jahren gegen diese Entwicklung protestiert. Es gab laufend Gespräche auf höchster Ebene. Auch Frau Merkel ist einbezogen worden, schließlich hat sie hier in McPomm ihren Wahlkreis.
Aber für die Bundesregierung steht im Vordergrund, den staatseigenen Boden meistbietend flüssig zu machen und die Alteigentümer zu bedienen.

LG
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Jochen
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« Antwort #5 am: 29.10.10, 09:33 »

Zitat
Die Preise haben inzwischen westdeutsches Niveau deutlich überschritten, obwohl die natürlichen Bedingungen das zum großen Teil nicht hergeben (z.B. haben wir im Mittel deutlich weniger Niederschlag).

dann kann man die Flächen später sicher billig wiederhaben.. Wink

17000 Euro...

bei 3% Renditeerwartung und gleichzeitigem Werterhalt (der auf diesem Niveau fraglich ist) würde das 510 Euro Pacht bedingen.
Gibt Verrückte, die das sicher auch im Osten zahlen.. aber die braucht niemand beneiden,...
und schon garnicht bedaueren wenn die unweigerlichen Folgen kommen.
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Solli
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« Antwort #6 am: 29.10.10, 09:44 »

Zitat
Aber für die Bundesregierung steht im Vordergrund, den staatseigenen Boden meistbietend flüssig zu machen -ja und die Alteigentümer zu bedienen - nein!
Ich kann mit gutem Gewissen behaupten, dass die Alteigentümer von der Teuhand genauso abkassiert werden! Wink
Die Preise sind seit dem Urteil in Brüssel um mehr als 100% gestiegen, früher hätte man hier für einen ha ca. 2000 Euro bezahlt, Sandboden (25Bp) versteht sich - heute liegt der Preis bei 6000 Euro!
Zitat
Das beste Geschäft bei der laufenden Umverteilung machen laut dem Artikel allerdings die alten Chefs der früheren DDR-LPGs. Viele der sogenannten roten hätten nach der Wende einfache Bauern oft unter dubiosen Umständen abgefunden oder rausgedrängt. 750.000 LPG-Mitglieder hätten nur einen Bruchteil der Abfindungen erhalten, die ihnen zugestanden hätten. Bilanzen wurden manipuliert, Vermögenswerte unterschlagen oder unterbewertet
Das mag nach der Wende so gewesen sein, glaub ich auch, da wurde mit ziemlich unfairen Miteln gekämpft und ist heute teilweise auch noch so. Ist aber von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich.
Die einzige, die hier wieder den Reibach macht, ist die BVVG! Angry
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Mirjam
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« Antwort #7 am: 29.10.10, 10:21 »

Soll das heißen, diese Entwicklung wird von den Bauern widerstandslos hingenommen? Was sagen die Vertreter des Berufsstandes dazu? Warum ist es so ruhig um dieses Thema? Sind die Volksvertreter nicht ansprechbar? Was Du sagst klingt sehr resigniert, muellerin. Vor gut einem Jahr wurde hier dieses Thema noch recht gelassen angegangen, Antworten darauf gab es gar keine, nun lese ich von "brasilianischen Verhältnissen", das kann doch nicht angehen.

Hallo, das Wort war gestern Thema in einer ZDF Sendung.
http://www.zdf.de/ZDFde/druckansicht/6/0,6911,7600038,00.html

Die Inhalte er-/und bedrückend, die Dimension die dahintersteht noch mehr. Da können wir ja fast noch froh sein, dass Boden / Gut in Deutschland so "teuer" ist, dass Asien und die arabischen Staaten hier nicht "shoppen" gehen Lips Sealed. Doch was wird aus Afrika und den dortigen Menschen?

Hallo Pierette,

ich dachte das es ein klitzekleiner Unterschied ist, ob sich Investoren in Afrika einkaufen um in nahrungsmittelmäßig unterversorgten Ländern wie Heuschrecken sich die Lebensmittel für die eigene Bevölkerung auf einem eigenen Land zu sichern, andersherum sind Investoren aus Europa/Deutschland/Südzucker da auch ganz kräftig in Südamerika (Südzucker -> Ethanolproduktion) oder in Osteuropa unterwegs.

Ich versteh nicht ganz, was du mit dem von mir zitierten in deinem Beitrag sagen willst Huh ich poste hier seit Jahren schon Hinweise darüber, dass die Energiebranche sich in Flächen einkauft (überlesen... du liest doch sonst so gern detailgenau?), verlinkte die EON-Strategieberichte oder das Betriebe/Regionen in den NBL schon "Neu-Holland" heißen.

Übrigens - sich mit "erneuerbarer Energie" oder Invest in Landwirtschaft/Flächen ein gutes Öko-Gewissen zu kaufen, macht z.B. derzeit IKEA die mehrere Windparks - vor allem welche aus Westdeutschland. Aber das ist ja wieder OT. Und ich betrachte jemanden wie Schockemöhle mit seinem Riesengut in Ostdeutschland genau so als Investor wie Fielmann der summa  sumarum 2.800 ha in Schleswig-Holstein betreibt...?

Investoren investieren dort, wo Preissteigerungen zu erwarten sind. Europäische Flächen sind flächenmäßig begrenzt wie in Monopoly, haben i.d.R. genügend Wasser, genügend Infrastruktur, Know-How vor Ort. Ich finde das genau so wenig gut, wie Invest-Spekulationsmöglichkeiten auf Nahrungsmittel/Getreide.

Gruß Mirjam

« Letzte Änderung: 29.10.10, 10:26 von Mirjam » Gespeichert

Der Kopf ist rund - damit die Gedanken auch mal die Richtung ändern können!
Matthias
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« Antwort #8 am: 29.10.10, 12:50 »

Soll das heißen, diese Entwicklung wird von den Bauern widerstandslos hingenommen?

Was sagen die Vertreter des Berufsstandes dazu? Warum ist es so ruhig um dieses Thema?

Sind die Volksvertreter nicht ansprechbar?


Hallo,
das Wort war gestern Thema in einer ZDF Sendung.
http://www.zdf.de/ZDFde/druckansicht/6/0,6911,7600038,00.html

Die Inhalte er-/und bedrückend, die Dimension die dahintersteht noch mehr. Da können wir ja fast noch froh sein, dass Boden / Gut in Deutschland so "teuer" ist, dass Asien und die arabischen Staaten hier nicht "shoppen" gehen Lips Sealed. Doch was wird aus Afrika und den dortigen Menschen?

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Gruß Mirjam


Das liegt zum Großen Teilen auch an der "Einigkeit der Bauern" und einer gewissen Neid um nicht zu sagen Hassdebatte die zum Thema geführt wird und von einigen Verbänden auch noch geschürrt wird. Da wird ja nicht zuletzt dem DBV vorgeworfen das er nur die Interessen der Großbetrieben vertritt. Ließ dir mal die die Kommentare unter den gleichlauteten Topagrarnews durch oder was der Herr Lando im Treff postet.  Lips Sealed
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Pierette
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« Antwort #9 am: 29.10.10, 14:04 »

@mirjam und matthias
Was ist denn in Euch gefahren?  Eure Nerven scheinen ja wirklich blank zu liegen !

Also Mirjam, ob nun ein Investor versucht, "Nahrungsmittel zu sichern" oder aber ob ein Investor versucht über die Öko oder Nawaro-Schiene Profite zu erwirtschaften, das ist doch wirklich sch...egal. Du sagst es doch selber: "Investoren investieren dort, wo Preissteigerungen zu erwarten sind".

Fakt ist doch, dass bei diesen Entwicklungen kein Bauer finanziell mithalten kann.

Ich habe Dein Zitat gebracht, Mirjam, weil es gerade erst ein gutes Jahr her ist, als Du meintest, für die Asiaten bzw Araber sei das Land zu teuer und den Eindruck vermittelt hast, dass das nur den Afrikanern passieren kann.

Und nun lesen wir derlei Artikel mit Empörung.
Vielleicht ist auch der Spiegel - Online - Original - Artikel von Interesse Bauernland in Bonzenhand von Interesse.

Weißt Du Matthias, wenn Du mir etwas sagen möchtest, dann formulier das , was Du zu sagen hast so, dass ich auch etwas damit anfangen kann, aber komme mir nicht mit Plattitüden, Hinweisen oder Links, die ich noch lesen soll, um deine bescheidene  Argumentation nachzuvollziehen!

Ich habe gedacht, dass es Personen hier gibt, die wie muellerin ansatzweise über die Situation aufklären kann, weil sie die Entwicklung am besten aus der Nähe beschreiben können. Es ist ja ein sehr schwieriges und komplexes Thema.
« Letzte Änderung: 29.10.10, 14:08 von Pierette » Gespeichert

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« Antwort #10 am: 29.10.10, 14:15 »

Ich habe Dein Zitat gebracht, Mirjam, weil es gerade erst ein gutes Jahr her ist, als Du meintest, für die Asiaten bzw Araber sei das Land zu teuer und den Eindruck vermittelt hast, dass das nur den Afrikanern passieren kann.

Also sind es Araber und Asiaten die sich in Ostdeutschland einkaufen?

Falls nicht, dann lag ich ja gar nicht falsch...? Als "Beleg" DAS hatte ich vorher gepostet, vor weit einem Jahr und nein keine Antwort erhalten - nicht mal von dir...  Roll Eyes,

Über Konzernstrom wollt ich auch schon mal was anschieben/aufmerksam machen, aber ggf. ist das aufgrund von Einschlaferitis wohl einem Hausputz zum Opfer gefallen. "Männern in Anzügen" - die Stromkonzerne habe Mittelsmänner/Firmen. Weißt Pierette - das Thema regt mich schon etwas auf. Wenn jetzt der große Aufschrei ist - wenn es zur Realisierung kommt von Plänen die wie in den AG Berichten öffentlich! stehen mit Handlungsabsichten und Mio Euro Volumen. Und hier in Konkurrenz treten ist nicht mehr der Nachbarsbauer das Problem der hier und da überliefert oder im Milchstreik geliefert oder nicht hat sondern das hier ein Problem ignoriert wurde (auch hier im Forum) das so offentlich vorhersehbar war.

Während wir noch über GVO oder non-GVO streiten - ich hab die Tage wieder nette Darstellungen der FAO gelesen wohin die Reise geht :-/.

 
Hallo,

ich nehme hier mal einen Hinweis von Mary hinsichtlich eines Berichts in der BDM-Zeitung? vom Weltagrarrat auf.

Dazu habe ich das diese Meldung gefunden: http://www.tagesschau.de/ausland/weltagrarrat2.html

Die Tage hat mich das schon "verfolgt". Sicher ist und das wissen wir auch: Nichts ist an sich stabiler als eine bäuerliche Produktion, vielseitig, verwurzelt, nachhaltig, stabil. Und das ist auch sicher das was der Weltagrarrat meint.

Zynisch dachte ich nur, wer liest das und nimmt sich das zu Herzen? EON die mal knapp 6 Mrd Euro für den erneuerbaren Energiemarkt Europas als Invest-Kapital aus der Portokasse hergelegt haben (= Konkurrenz-Invest in Landwirtschaft).
 
Die arabischen Emirate, die lt. "Welt" 7,5 Mrd Dollar in Afrika investieren möchten (Land, Nawaro, Energie, Nahrungsmittel).

Andere "Investoren" die Geld aus der "Allgmeinwirtschaft" holen, sich Land in der EU kaufen, Agrar-Betriebsleiter draufsetzen und es als langfristige Investition sehen (und ggf. vorübergehende Verluste einfach gegen ihren Gewinn anderswo gutschreiben per komplizierter Wirtschaftsverträge und so Steuern sparen).

Wie seht ihr das - hat die bäuerliche Landwirtschaft gegen diesen Trend der Landinvestoren als sag ich mal Heuschrecken überhaupt eine Chance? Die sich einfach Wissen zukaufen, einen langen Kapitalatem haben?

Oder wird es doch einen Rennen von Hase gegen Igel? Momentan kommt es mir vor wie bei Monopoly: Die Talsohle an Wert ist durch die Weltwirtschaftkrise erreicht, die Investoren lesen die FAO-Berichte und den zukünftigen Bedarf an Lebensmittelenergie und setzen ihre Schwerpunkte, gehen auf Shopping-Tour: Wer kauft die günstigen, blauen Strassen, wer sichert sich Schlossallee und Parkstraße (Flächen in der EU...?)

 Gruß Mirjam
« Letzte Änderung: 29.10.10, 14:23 von Mirjam » Gespeichert

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« Antwort #11 am: 29.10.10, 14:34 »

ach ja, und dem BBV wurde es im letzten Jahr noch vorgeworfen das sie in finanziell knappen Zeiten Fläche aus der Landwirtschaft - für die Landwirtschaft sichern:

Die Milchpolitik des BDM ist am Punkt Null, da hast du wahrscheinlich recht.
Die Milchpolitik des BBV ist dafür fast am Ziel:

So steht da in einem Anschreiben der bbv-Landsiedlung aus München:
 
Zitat
Flächen parken und dadurch liquide Mittel verschaffen? „Sie denken das gibt’s nicht? Bei uns schon“,  
„Wenn Sie einen Kapitalbedarf haben, kaufen wir ihre Fläche und geben Ihnen nicht nur ein Rückpacht-, sondern auch ein Rückkaufrecht“,


Nach Angaben des Geschäftsführers der BBV-Landsiedlung Benno Steiner wird der Landsiedlung zur Zeit so viel Grund und Boden angeboten, dass es für den BBV sehr schwer ist, genügend Geld zu beschaffen um alles aufzukaufen !

Weíßt Rebell - vor der Bilanz und den Schulden und vor den Banken sind alle Landwirte gleich, egal ob BBVler oder BDMler!

Meine große Sorge ist, dass JETZT in der Krise Investoren "günstig" Flächen kaufen, weil die Betriebe verkaufen MÜSSEN und aus landwirtschaftlichen Händen in Industrie kommen. Die Energiebranche sitzt doch schon in den Startlöchern mit "nix Rückkaufrecht".

Wenn jetzt die Landsiedlung solche Flächen "rettet" und zwischenpuffert im Sinne in "landwirtschaftlichen Händen" hält, so scheint mir das auf den ersten Blick doch das "kleinere Übel" zu sein, wenn Fläche veräußert werden muss. Nachdem nämlich die Energieriesen wie EON die erneuerbaren Energien entdeckt haben muss ja auch Fläche her... warum nicht als Schnäppchen aus der Milchwirtschaftskrise?  
« Letzte Änderung: 29.10.10, 14:46 von Mirjam » Gespeichert

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« Antwort #12 am: 29.10.10, 16:46 »

Hallo Mirjam, lies mal richtig, ich habe geschrieben:
Zitat
Also Mirjam, ob nun ein Investor versucht, "Nahrungsmittel zu sichern" oder aber ob ein Investor versucht über die Öko oder Nawaro-Schiene Profite zu erwirtschaften, das ist doch wirklich sch...egal. Du sagst es doch selber: "Investoren investieren dort, wo Preissteigerungen zu erwarten sind".

Fakt ist doch, dass bei diesen Entwicklungen kein Bauer finanziell mithalten kann.

Und bezogen habe ich es auf diesen Satz:

Übrigens - sich mit "erneuerbarer Energie" oder Invest in Landwirtschaft/Flächen ein gutes Öko-Gewissen zu kaufen, macht z.B. derzeit IKEA die mehrere Windparks - vor allem welche aus Westdeutschland. Aber das ist ja wieder OT. Und ich betrachte jemanden wie Schockemöhle mit seinem Riesengut in Ostdeutschland genau so als Investor wie Fielmann der summa  sumarum 2.800 ha in Schleswig-Holstein betreibt...?

Investoren investieren dort, wo Preissteigerungen zu erwarten sind. Europäische Flächen sind flächenmäßig begrenzt wie in Monopoly, haben i.d.R. genügend Wasser, genügend Infrastruktur, Know-How vor Ort. Ich finde das genau so wenig gut, wie Invest-Spekulationsmöglichkeiten auf Nahrungsmittel/Getreide.


Ich sage es nochmal, dass Investoren - egal welcher Herkunft - nur das eine Ziel haben: Profite zu machen.

Und ich will sagen, dass die Bauern verdammt auf ihr Produktionsmittel Boden aufpassen müssen. Das unterstreicht wieder einmal die Forderung, dass Bauern und Bäuerinnen von ihrer Arbeit leben können müssen!

Und noch etwas Mirjam,
ich bitte vielmals um Entschuldigung, wenn ich nicht all Deine Postings mitbekomme/reagiere/beantworte. Ich bin zutiefst betrübt.
Aber im Gegensatz zu Dir verdiene ich mit der Landwirtschaft meinen Lebensunterhalt und leider kann nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit alle Postings verfolgen, dann bist Du auch noch so anmaßend und erlaubst Dir, diesen hier Roll Eyes machen zu dürfen.

Dafür dürfen wir wieder voll durch die bayrische Brille schauen, die ebensolche Interna vermittelt.

Ich habe echt gedacht, an der Diskussion können sich naturgemäß nur diejenigen beteiligen, die das System DDR/BRD/D von innen heraus kennen.

Thema NBL dahin, gratuliere!
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Matthias
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« Antwort #13 am: 29.10.10, 17:15 »

Erst mal kurz zur Vorgeschichte

Man kann sagen das sich viele Betriebe im Osten auch 20 Jahre nach der Wende noch im Aufbau befinden, viele mussten diese Jahre gewaltige Investitionen stemmen das bei relativ niedrigen Eigenkapital und sehr oft über den Kapitaldienstgrenzen. Sicher gibt es hier auch Betriebe die sich über Geld keine Sorgen machen müssen, aber in der Regel muss so ein Betrieb in erster Linie Rentabel wirtschaften um liquide zu bleiben.

Investitionen in Boden und sei er noch so günstig können so einen Betrieb schon gewaltig ins Wanken bringen. Man ist quasi gezwungen zu kaufen weil es ist halt die Betriebsgrundlage und sonst kauft es ein anderer. Und hier geht es nicht um 1..2.10 ha sondern oft um hunderte ha. Boden kann man nicht abschreiben und man muss ihn durch Eigenkapitalbildung finanzieren, die Kosten liegen meist ein vielfaches über den Pachtzins. Das Geld was man in den Landkauf investiert kann man nirgendwo anders investieren auch wenn es in Zukunft eine Wertsteigerung verspricht (man will es ja nicht wieder verkaufen).

Größter Landverkäufer ist die BVVG, die will die bestehenden Pachtverträge nicht verlängern und verkaufen. Die Preise sind die letzten Jahre um ein vielfaches gestiegen, man hat zwar das Vorkaufsecht aber wenn man zum Kurs nicht kaufen kann wird es ausgeschrieben.

Nach 60 Jahren haben sehr viele Verpächter kein Bezug mehr zum Land und viele wollen ihr Land verkaufen bevor sie es vererben, dazu kommen jede Menge Erbengemeinschaften die verkaufen wollen bevor Erbengemeinschaften in den Erbengemeinschaften entstehen die es natürlich auch gibt. Bei manchen Landkäufen ist das schwierigste erst mal an alle Eigentümer ranzukommen bzw Vollmachten zu bekommen und oft sind bei kleineren Flächen die Notar und anderen Gebühren höher als der Preis für die Fläche wenn es bei einem halben ha 20 Eigentümer gibt.

Und dann kommen schlaue Leute daher sehen das die Agrargenossenschaft die 3000 ha bewirtschaftet 1 Mio Ausgleichzahlungen bekommt. Das kann doch nicht sein, da müssen wir gegen angehen..
Das die Agrargenossenschaft 100 Arbeitkräfte beschäftigt, die Kulturlandschaft genauso erhält wie 30 Familienbetriebe, wichtiger Steuerzahler (inkl Lohnsteuer der AK) und wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region ist wird dabei oft übersehen.
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Naima
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« Antwort #14 am: 29.10.10, 17:21 »

Danke Matthias, für die interessante Zusammenfassung.

Wollen die potentiellen Investoren denn primär die Ausgleichszahlungen einkassieren und das Land stilllegen?
Oder bewirtschaften lassen von den bisherigen Angestellten zu niedrigerem Lohn?

Sind eher die Flächen von Genossenschaften betroffen oder arbeiten auch Familienbetriebe mit einem hohen Pachtanteil?
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