mouhkouh
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Gut für die Sinne, schlecht für die Nerven!
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« Antwort #76 am: 04.11.10, 09:58 » |
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Der greise Gerhard zeigt der etwas betulichen Barbara (59) sein einem Heimatmuseum gleichendes Haus. Sie ist vom Fach, denn sie trägt natürlich eines der allseits beliebten groben Karohemden und bewundert die olle Lampe und den altertümlichen Küchenherd. Später im Einzelinterview gibt sie sich dann eher diplomatisch: “… wer das liebt…” Das Gästezimmer ist übrigens saupraktisch eingerichtet, außer den beiden antiken Gästebetten füllt ein riesiger Geschirrschrank den Raum, daneben steht Gerhards Kühltruhe mit den Fleischvorräten. Wenn die Holde des Nachts also mal der Hunger quält, reicht ein beherzter Griff ins Tiefkühlfach…
Die Besichtigung des Hühnerhofs ergibt eine Gesamtzahl von 25 Puten, 90 Hühnern, 100 Tauben und 5 Schafen. Eines der letzteren erkennt in Barbara wohl einen besonders großen Leckerbissen mit Karomuster und knabbert sie an. “Ahh, die beißt mich in den Zieben!”, kreischt sie in ihrem Dialekt. Man sieht den Angriff nicht direkt und da auch die Untertitel und Wikipedia keine Erklärung anbieten, habe ich keine Ahnung, wo oder was der “Zieben” ist. Auf jeden Fall hat Barbara viel davon, das ist sicher.
Ganz Deutschland steht noch immer unter Schock, dass der doch angeblich so “ehrliche” Schäferwirt Lämmes auf dem Scheunenfest in der letzten Woche kurzerhand seine eigentlich favorisierte Anne nach nur wenigen Minuten gegen die abgelegte Sekundärbraut Moni des Biobauern Johannes eingetauscht hat. Zuhause in der idyllischen Eifel wartet Mutter Änni auf die Rückkehr ihres läufigen Sohnes vom Scheunenfest, der ihr denn auch gleich von seinen neu entdeckten Qualitäten als Schürzenjäger berichtet. Die Mutter lächelt stolz und vergießt sogar ein paar Tränen. Hinterher macht sie vor der Kamera das intime Geständnis, für den Erfolg ihres Sohnes beim anderen Geschlecht gebetet zu haben. Dann zeigt uns RTL, wie der 39jährige verzweifelt, aber vergeblich, sein Bett zu beziehen versucht. Wie gut, dass er mit Muttern zusammenlebt! Die richtet Lämmes Lümmelwiese perfekt her, nun kann Moni kommen, die auffällig tätowierte schwäbische Fleischwarenfachfrau.
Moni kommt am Bahnhof an und für den 1,99m langen Schäfer geht die Sonne auf. Als Gastgeschenk überreicht sie Lämmes Mami einen praktischen Efeu im Topf – tolle Idee, falls man noch kein Unkraut im Garten hat. Nachher gibt Mutter Änni schon mal einen Zwischenkommentar zu Protokoll: Die Möchtegern-Schwiegertochter sei ja ein bisschen mollig, aber wenn das ihrem Sohn nichts ausmache, sie könne damit leben. Na, da haben wir ja noch mal Glück gehabt!
Hinterher macht Lämmes den Härtetest mit Moni: Sie gehen zu seinem Kaninchenstall und sie sucht ohne Umschweife ein besonders kuschelig aussehendes Exemplar für den Sonntagsbraten aus. Hmm, das imponiert Lämmes, die Fleischwarenfachfrau ist genau seine Kragenweite.
In Hessen bereitet sich der witzige lustige Ackerbauer Willy auf die Hofwoche vor. Auch hier hat RTL wohl die Grundversorgung mit Bettwäsche finanziert und zeigt Willy bei dem Versuch, diese aufzuziehen. Er erwartet die muntere Rosi. “Munter” ist ja bei BsF immer ein Euphemismus für undürr, rundlich oder gar moppelig. Rosi ist dabei sogar ziemlich munter, wenn Ihr wisst, was ich meine. Das ist auch kein Wunder, die Rheinländerin ist nämlich von Haus aus Imbiss-Köchin und mag ihre Arbeit offensichtlich sehr. Außerdem ist sie der lebende Beweis, dass die karnevalsgestählten Rheinländer den Kubanern in puncto Temperament und Lautstärke in nichts nachstehen. Sie besichtigt erst ihr farbenfrohes, helles Gästezimmer und dann des Bauern eigene, etwas karge Bettstatt, die den Junggesellen erahnen lässt. “Dein Bett ist ja groß, da könnten auch zwei drin schlafen!”, macht Rosi ihrem Willy nur notdürftig getarnte Avancen.
Der anschließende Besuch im Kuhstall wirkt doch arg geskriptet, die Dialoge sind noch hölzerner als ohnehin. Und Willy sagt seinen Text sowieso immer ganz besonders ungelenk auf, so spricht doch kein Mensch. Und Rosi, die Wuchtbrumme in der hautengen roten Bluse, wiederholt Szenen aus der letzten Staffel, als sie eine noch namenloses Kalb auf den Namen “Sina” taufen darf. Willy: “Nun wollen wir aber wieder rüber zum Essen.” Rosi: “Ja, das ist aber mal eine gute Idee.” Ach Du meine Güte, was für ein künstlicher Dialog.
In ihrer letzten Szene sehen wir die beiden beim Abendessen in Willy Küche, es gibt Milch und ein riesiges Stück Wurst. Rosi scheint es sehr zu schmecken, “mmmmh, wirklich lecker!”, kurz darauf ist die Wurst verschwunden. Landluft macht bekanntlich Appetit, was mich in diesem speziellen Fall allerdings etwas besorgt, denn ich habe keinen 16:9-Fernseher. Mit einem Gute-Nacht-Küsschen für den Bauern verabschiedet sich Rosi aus der heutigen Folge.
Im Sauerland hängt der Haussegen schief: Rinderwirt Lukas, den mit seinen stattlichen 21 Jahren heftigste Torschlusspanik plagt, hat von seiner auserwählten Regina im Nachklapp zum Scheunenfest einen Korb gekriegt. RTL unterlegt die Weltschmerzbilder von dem Jungbauern beim einsamen Schweinefüttern mit Phil Collins schwermütiger Ballade “Against all Odds”. Die beiden Fast-Liebenden seine doch nicht für einander geschaffen gewesen, behauptet Frau Bause aus dem Öfföff, äh Off. Aber Inka hat ja nicht umsonst die Zusatzausbildung als staatlich anerkannte Agrarkupplerin gemacht, sie hat für solche Notfälle selbstverständlich eine Idee in petto: Lukas wühlt (im grünen Karohemd) einfach nochmal seinen Bewerberinnenfundus durch und stößt – oh, welche Freude – auf die Ruhrpottlerin Stina. Besonders ihre großen… Augen haben es ihm sichtlich angetan.
Schon eine Szene später trifft die bestellte Blondine im Sauerland ein. Im Gegensatz zu allen anderen Frauen wird sie nicht abgeholt, sondern muss im eigenen Auto auf den Hof rollen. Charmant, Lukas, Du alter Frauenversteher! Und natürlich trägt er wieder das grüne Karohemd! (”Never change a winning Team”, wie der Amerikaner sagt…)
Also tutti paletti, noch sind alle Bauern im Rennen, die Staffel läuft bisher wunschgemäß. Okay, die sprachliche Verwirrung zwischen Harald und Jeanette könnte gern noch ein bisschen größer sein und die rotklamottige Rosi nervt mit ihrer lauten Fröhlichkeit doch etwas, aber wir sind ja auch noch ganz am Anfang aller Peinlichkeiten. Mit der freudigen Aussicht auf viele weitere Karohemdszenen und ultrakünstliche, hölzerne Dialoge verabschiede ich mich bis zum nächsten Montag, wenn es in den Kuhställen der Republik wieder heißt: “Kamera läuft!”
© Muelltv
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