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Autor Thema: Milch-Board - Eine Chance für die Milcherzeuger!?  (Gelesen 2680 mal)
reserl
Niederbayern
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« am: 24.01.10, 18:45 »


Nachdem das Thema "Milch-Board" (www.milch-board.de) immer wieder in verschiedenen Boxen angesprochen wird,
soll es nun eine eigene Box bekommen, wo über das Für und Wider diskutiert werden kann.

Anlass dazu ist ein Beitrag von Claudia heute in der Diskussion um die "faire Milch":
http://www.agrar.de/landfrauen/forum/index.php/topic,31247.0

Zitat
Hallo liebe Bt-lerinnen,

ich habe mir eben eure ganze Diskussion über die faire Milch durchgelesen und muss wieder einmal feststellen: Ihr diskutiert wahrscheinlich ohne Euch vorher mal näher zu infomieren.
Die faire Milch beinhaltet zum Beispiel auch noch die Aussage eines um mehr wie die Hälfte höheren Omega-3-Fettsäure-Gehaltes, was positiv für Leberstoffwechsel ist. Es ist nicht gesagt, daß alle Betriebe, die sich daran beteiligen, Weidehaltung haben müssen. Es ist nur angedacht, die Kühe mal wieder so zu füttern, wie es der Kuh von natur aus eigentlich zusteht. Mehr Gras, Heu und Silage, weniger Konzentrat (und wenn ohne GVO-Veränderte Inhaltsstoffe) weniger Mais. Die Weidehaltung ist nur eines von mehreren möglichen Umwelt- oder Tierschutzprojekten an denen man sich beteiligen kann, die im übrigen durchaus kontrolliert werden sollen.
Aber was doch für uns Landwirte wichtig ist: Ich produziere doch lieber ein viertel weniger zu 40 cent, wenn ich meine Milch als Faire Milch vermarkten könnte (geht ja in Rheinland-Pfalz leider noch nicht) als die volle Menge oder sogar mehr zu 25 cent.

Aber es gäbe ja einen schnelleren Weg für uns alle zu fairen Milchpreisen. Ihr hättet alle gestern und vorgestern auf dem Milchsymposium im Berlin im Rahmen der grünen Woche dabei sein und zuhören sollen. Wären alle Milcherzeuger die hier diskutieren mit im Milchboard vereint, hätten wir damit das Werkzeug in der Hand um den Markt umzudrehen. Dann könnten wir als Erzeuger über den Preis verhandeln und nicht abwarten was die Molkereien uns bezahlen wollen.

Ihr könnt ja mal im Internet unter http://specht.over-blog.de  Euch mal informieren. Milchboard ist für keinen ein Risiko, kann aber uns allen helfen. Deshalb verstehe ich keinen Milcherzeuger, der nicht mitmacht.

Im diesem Sinne grüße aus dem verschneiten Hunsrück

Claudia




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lieben Gruß
Reserl


Auch in den kleinsten Tropfen spiegelt sich der ganze Himmel.
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Braunviehzucht mit Herz und Verstand


« Antwort #1 am: 24.01.10, 19:29 »

Das Bundeskartellamt beschäftigt sich zur Zeit intensiv mit der Milchmarktproblematik. Anfang Januar hat es einen Zwischenbericht veröffentlicht. Wesentliche Punkte zum Milchboard stehen auf den Seiten 53 bis 54.
Die Aussagen dieser Zeilen sind wohl an den Verantwortlichen des BDM vorbeigegangen, oder sie gaukeln ihren Mitglieder etwas vor.
Kurzum die Veranstaltung in Berlin war zum Thema MilchBoard der Versuch der Wiederbelebung einer Totgeburt.

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manurtb
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« Antwort #2 am: 24.01.10, 19:32 »

Ich dachte, es wäre relativ einfach: Kartellbildung ist verboten.
Solange sich weniger als x% der Erzeuger zusammenschliesst, ist es unproblematisch aus Kartellamtssicht, danach wirds heikel, oder?
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fanni
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« Antwort #3 am: 24.01.10, 19:34 »

Genau...........die Quadratur des Kreises..........

außerdem hat das Board momentan zuwenig Zuspruch........wenns mehr wird dann schreitet das Kartellamt ein.......... Undecided


was ich aber immer noch nicht verstehe...........
« Letzte Änderung: 24.01.10, 19:46 von fanni » Gespeichert

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Pierette
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« Antwort #4 am: 24.01.10, 22:45 »

Bundeskartellamt,Zwischenbericht Dez.2009, Sektoruntersuchung Milch, S.54

Zitat
Keine der bisher am Markt agierenden anerkannten Milcherzeugergemeinschaften hat jedoch bislang eine Größe erreicht, die eine kartellrechtliche Prüfung nach den genannten Kriterien erforderlich machte, ob die nach deutschem oder europäischen Kartellrecht kritische Größe bereits erreicht ist. Dies gilt sowohl für die Bayern-MeG, die in Bayern rund ein Drittel der an private Molkereien vertriebene Rohmilch bündelt, als auch für die dem BDM nahestehende und von diesem initiierte anerkannte Erzeugergemeinschaft MEG Milchboard. Deren praktische Wirkung ist bislang eher marginal. Das Bundeskartellamt hat insbesondere in Bezug auf das Milchboard den Eindruck, dass Erzeuger davon Abstand nehmen, Mitglied zu werden, weil das vom Milchboard letztlich angestrebte Ziel einer bundesweiten Bündelung von mindestens 80% der deutschen Rohmilch kartellrechtskonform nicht möglich ist. Die Beschlussabteilung weist daher darauf hin, dass die lokale oder regionale Bündelung von Rohmilch in Erzeugerhand eine vom Gesetzgeber ausdrücklich gewünschte Form der Selbsthilfe der Erzeuger darstellt und zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt kein Anlass besteht, kartellrechtlich gegen das Milchboard oder eine andere anerkannte Milcherzeugergemeinschaft vorzugehen.

S.134
Zitat
Im Verhältnis zwischen Molkereien und Erzeugern hat die Beschlussabteilung trotz der vertikalen Integration vieler Erzeuger in genossenschaftliche Molkereien ein Machtgefälle zu Lasten der Erzeuger festgestellt. Größere Genossenschaften werden subjektiv nicht mehr als „eigene“ Molkerei wahrgenommen und verhalten sich de facto am Markt auch nicht mehr so. Durch die Liberalisierung der Märkte unterliegen sie wie die privaten Molkereien zunehmend dem Zwang, Rohmilch günstig zu beschaffen, um Kosten zu optimieren und im nationalen und internationalen Geschäft erfolgreich bestehen zu können.

S.135
Zitat
Aus Sicht der Beschlussabteilung bilden die vom Gesetzgeber geschaffenen Ausnahmetatbestände in § 28 GWB und § 11 Marktstrukturgesetz einen Weg, den Einfluss der Erzeuger gegenüber den Molkereien zu stärken und den Molkereien ein Gegengewicht entgegen-zusetzen. Die Erzeuger nutzen die ihnen vom Gesetzgeber eingeräumten Spielräume bisher allerdings allenfalls ansatzweise aus. Bisher ist es (vielleicht mit Ausnahme der Bayern-MeG) keiner Milcherzeugergemeinschaft gelungen, so große Mengen an Rohmilch zu bündeln, dass hierdurch eine spürbare Marktwirkung erzielt würde.
Auch die sonstigen Strukturmerkmale der Milchbeschaffungsmärkte wirken sich nach vorläufiger Einschätzung der Beschlussabteilung zu Lasten der Erzeuger und zu Lasten des Wettbewerbs um die Rohmilch aus: Die Beschlussabteilung stellt hier insoweit die bestehende hohe Markttransparenz sowie die von den Molkereien praktizierten längerfristigen Lieferverträge zur Diskussion. Diese schränken den Wettbewerb der Molkereien um die Rohmilch offenbar ein. Ebenfalls wettbewerbsdämpfend wirken sich die derzeit überwiegend praktizierten Preisbildungsmechanismen („upside down“ oder Orientierung an einem wie auch immer definierten Durchschnittswert umliegender Molkereien) aus. Insgesamt erfolgt die Preisfindung derzeit nicht in einem funktionsfähigen Wettbewerbs- und Verhandlungsumfeld. Eine rechtliche Notwendigkeit für diese Struktur- und Verhaltensmerkmale gibt es nach bisheriger Kenntnis der Beschlussabteilung nicht.

Das Kartellamt läßt also durchaus Bündelungen zu. Es wird zu gegebener Zeit mitteilen, wie der rechtliche Rahmen hierfür auszusehen hat.

Und, die Sache ist ja noch lange nicht am Ende:

S.137
Zitat
II. Weiteres Vorgehen
Die Beschlussabteilung versteht diesen Zwischenbericht als Grundlage für einen Dialog mit den Marktteilnehmern und interessierten politischen Kreisen. Hierzu erhalten alle Interes-senten die Gelegenheit, bis zum
01. März 2010
schriftlich Stellung zu nehmen.
Hieran anknüpfend wird die Beschlussabteilung voraussichtlich im März/April 2010 eine zu-sätzliche mündliche Anhörung durchführen, um mit Vertretern der Milcherzeuger, der Mol-kereien und des Handels den Zwischenbericht unter Berücksichtigung der schriftlichen Stel-lungnahmen plenar zu diskutieren. Einladungen hierzu werden gesondert ergehen.
Der Bericht ist übrigens hoch interessant und gut zu lesen.
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« Antwort #5 am: 24.01.10, 23:00 »

Der Bericht ist übrigens hoch interessant und gut zu lesen.


z.B. die Aussage, dass die bestehende Transparenz des Milchmarktes (Erzeugermilchpreise) zum Nachteil für uns Milcherzeuger ist.
Das wäre für mich ein Punkt der Diskussionwürdig wäre.
MilchBoard Huh ...........ich müßt mich jetzt wiederholen.

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Pierette
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« Antwort #6 am: 25.01.10, 05:55 »

Der Bericht umfasst 137 Seiten und der von Dir erwähnte Punkt ist auch ein interessanter Teil einer juristischen Argumentation.

Und Du kannst noch so viele Huh in den Text einbauen, totreden läßt sich die Idee nicht. Da muss schon etwas mehr kommen als eigenartige Interpretationen.

Nur zu Deiner Information: die Veranstaltung in Berlin war ein wissenschaftliches Symposium zum Thema Milchmarkt. Eine Milchboard - Veranstaltung war es nicht.

Die mit Abstand unsicherste und schwächste Rednerin war übrigens Ministerin Aigner.




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« Antwort #7 am: 25.01.10, 08:01 »



Die mit Abstand unsicherste und schwächste Rednerin war übrigens Ministerin Aigner.






nun das wundert mich nicht..........sie steht vorne und muss eine Rede halten und hat die Wahl zwischen Pest und Cholera......wenn sie sagt was Sache ist sind die nettesten Äußerungen wahrscheinlich noch Buhrufe.......wenn sie im Vagen bleibt, wirkt sie unsicher und schwach, wobei ich das auch nicht gut finde, wozu ist sie Ministerin Lips Sealed......

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« Antwort #8 am: 25.01.10, 08:43 »

Hallo,

mal unabhängig davon, ob es rechtlich - oder in welchen Maßen erlaubt ist: Für mich stellt sich auch die Frage, ob die Betriebe das WOLLEN bzw. ob hier nicht einfach emotionale Gräben gewachsen sind das sie sagen: Gut und schön, sachliche Argumente hin oder her: Mit dem BDM oder Aktivitäten von ihm will ich nicht...?

Wie will man das überwinden? Mit "Sachargumenten"  Huh Roll Eyes

Gruß Mirjam
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Pierette
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« Antwort #9 am: 25.01.10, 09:43 »

Zitat
Wie will man das überwinden? Mit "Sachargumenten"

Mit der Wahrheit. Und ohne Falschinterpretationen, die in der Luft herumschwirren.

Es weiß nämlich niemand was Genaues.

Wir müssen besser aufklären.
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« Antwort #10 am: 25.01.10, 10:21 »


Wir müssen besser aufklären.
MilchBoard-Rechtsanwalt Dr. Schniewind formulierte es anderst:

"Wir kämpfen weiter"

Dies war aber nur der zweite Teil seines Satzes, den er im November anlässlich der Milch-Erzeugertage von sich gab.
Vorrausgegangen war ein Referat von der Leiterin der Sektoruntersuchung Milch beim Bundeskartellamt.

Begonnen hat RA Schniewind seine Ausführungen mit der ernüchternden Erkenntnis, er gehe davon aus, dass das MilchBoard das gesteckte Ziel der Bündelung nicht mehr erreichen wird, aber wir Kämpfen weiter.

Da fragt sich natürlich der Zuhörer in den hinteren Reihen des Saales, warum kämpfen die weiter. Es verdient wohl mancher nicht schlecht (der RA mit eingeschlossen) an dieser Idee, die sich nicht totreden läßt und ständig wiederbelebt wird.


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Mirjam
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« Antwort #11 am: 25.01.10, 10:33 »

Es weiß nämlich niemand was Genaues.

das ist die Steigerung zu dem Spruch ...  wie auf einem Fax zu Boykott-Zeiten... "nur unsere Gegener haben die Möglichkeit  und Zielsetzung des Milchboards" verstanden.

Erst waren es nur die Gegener, nun ist es "niemand" mehr der genaus weiß? Aber davon weiß man die "Wahrheit"? Pierette, so überzeugt ihr - wen....?

Mirjam
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« Antwort #12 am: 25.01.10, 12:18 »

Zitat
Wie will man das überwinden? Mit "Sachargumenten"

Mit der Wahrheit. Und ohne Falschinterpretationen, die in der Luft herumschwirren.

Es weiß nämlich niemand was Genaues.

Wir müssen besser aufklären.

Nun dann fang du doch mit dem Aufklären gleich hier mal an.
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manurtb
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« Antwort #13 am: 25.01.10, 13:35 »

Warum muss es eigentlich nur ein Board geben?
Wenn es mehrere Bündelungen gibt, dann kann man doch eine über den BDM haben, eine über den xy-Verband usw.?
Damit wird auch das Kartellamt weniger ein Problem haben, weil der Wettbewerb ja immer noch vorhanden ist.
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Pierette
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« Antwort #14 am: 25.01.10, 13:43 »

Es könnte aber unter den MEGs Absprachen geben und dagegen hat das Kartellamt schon was.

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