Hallo zusammen,
ich habe gelesen, dass die Biber bestimmt an hundert Stellen im Staudammbereich der Oder ihre Löcher gemacht haben.
Wir brauchen ja diese Tiere unbedingt .................

Dorotee,
das ist so nicht korrekt.
Unsere Zeitung, die
HAZ hat das am Freitag erklärt:
Experte: Biber gilt als Sündenbock
Berlin/Potsdam (dpa). Der größte Feind der Deiche ist Naturschützern zufolge nicht der Biber.
„Er ist der Sündenbock, wenn es Hochwasser gibt“, sagte der Verhaltensbiologe Ralf Schulte vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.
Zu der Behauptung, das Tier sei mit seiner intensiven Bautätigkeit dafür verantwortlich, wenn Deiche brechen, bemerkte er: „Das ist Unsinn.“
Das Problem sei vielmehr der mangelnde Raum für die Flüsse. Die Tiere litten derzeit enorm unter den steigenden Wassermassen. Das bedrohe ihren Lebensraum.
„In ihren Bauten können sie buchstäblich nasse Füße bekommen: Wohnstube, Kinderzimmer und Schlafräume stehen dann unter Wasser“, sagte Schulte.
Viele trächtige Biberweibchen seien kurz vor der Geburt. „Stress können die Tiere im Moment eigentlich nicht gebrauchen.“
„Wenn die Tiere sich sicher fühlen und es in den Bauten schön trocken ist, bauen sie nicht“, erläuterte der Fachmann.
Nur in Notsituationen, wenn das Wasser der Oder näher rücke, müssten sie um ihr Leben kämpfen. Sie verlegten dann ihre Behausungen und gingen in den Deich.
Das Problem könne relativ schnell gelöst werden, appellierte der Verhaltensbiologe: „Entdecken Deichläufer Eingänge von Biberbauten, müssen die sofort verschlossen werden.“
Die Tiere würden dann weiterziehen und sich eine andere Baustelle suchen.
Der Naturschützer erinnerte daran, dass Ertrinken die zweithäufigste Todesursache bei Bibern sei – nach dem Tod im Straßenverkehr. „Sie sind zwar gute Schwimmer, aber bei Hochwasser und den drückenden Wassermassen kämpfen die Tiere ums nackte Überleben.“
Der Mensch müsse den Biber und sein emsiges Wirken wieder schätzen lernen und in seinem Sinne nutzen.
In den USA seien die Säugetiere in den fünfziger Jahren sogar für den Hochwasserschutz eingesetzt worden. Sie sollten mit ihren Dämmen den Lauf des Wassers verlangsamen und damit Hochwasser verhindern helfen. Vor rund 100 Jahren war der Biber in Europa nahezu flächendeckend ausgerottet. Das Biberfleisch wurden gegessen, und ihr Fell war gefragt. Heute gibt es nach Angaben des Experten bundesweit etwa 15000 bis 20000 Biber, an der Oder einige hundert – die meisten davon an der Elbe.
29.05.2010 / HAZ Seite 9 Ressort: WISP