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Autor Thema: Psychosoziales Netzwerk - Hilfe für verletzte Seelen  (Gelesen 1727 mal)
reserl
Niederbayern
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Beiträge: 6985



« am: 29.09.09, 08:17 »


Gestern wurde uns auf der Ortsbäuerinnentagung das Projekt
Psychosoziales Netzwerk der LSV Niederbayern/Oberpfalz/Schwaben vorgestellt.

Frauen und Männer aus der Landwirtschaft sollen in dem Seminar lernen, wie man auf Personen zugeht, die mit schweren Schicksalsschlägen zu kämpfen haben.

Mehr dazu könnt Ihr hier nachlesen:
http://www.lsv.de/nos/01aktuell/projekte/psn/index.html

Bisher haben rund 400 Bäuerinnen so ein Seminar besucht.
In den Wintermonaten werden zwei solcher Kurse nun auch bei uns im Landkreis angeboten.

Hat wer von Euch daran teilgenommen?
Könntet Ihr Euch vorstellen, dort mitzumachen?

Wer von Euch hatte schon mit traumatisierenden Erlebnissen zu kämpfen? Embarrassed
Was hat Euch in diesen Situationen besonders geholfen?
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lieben Gruß
Reserl


Auch in den kleinsten Tropfen spiegelt sich der ganze Himmel.
Helhof
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Geschlecht: Weiblich
Beiträge: 430


« Antwort #1 am: 30.09.09, 18:41 »

Liebe Reserl,
ich habe heuer im Februar an dem Seminar "Basis Notfall Nachsorge - Erste Hilfe für die Psyche" teilgenommen und war/bin total begeistert (sofern man das bei so einem schwierigen Thema sein kann). Es war bei uns ein zweitägiges Seminar, für meine Begriffe sehr gut aufgebaut, ging aber schon auch sehr an die Substanz. Vor allem die Rollenspiele am zweiten Tag. Das ist nicht wie eben mal einen Sketch spielen, wenn du jemandem, der gerade einen lieben Menschen verloren hat, gegenüber treten und deine Hilfe anbieten sollst. Das fühlte sich an "wie echt", und ich war nicht die einzige, die mit Tränen zu kämpfen hatte.
Ich würde diesen Kurs sehr empfehlen.
Natürlich hoffe ich trotzdem, dass ich nicht in die Situation komme, das hier "erworbene" tatsächlich anwenden zu müssen, aber erstens weiß man nie, und zweitens glaube ich auch, dass alle Teilnehmerinnen (obwohl das nicht das Ziel des Seminars ist !) persönlich sehr durch den Kurs gewachsen sind.
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Liebe Grüße,
Maria
reserl
Niederbayern
Moderator
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Beiträge: 6985



« Antwort #2 am: 28.02.10, 18:48 »


Hallo Maria,

danke für Deine Antwort!
Deine Erfahrungen decken sich genau mit dem Referat, das ich dazu gehört habe.

In den letzten Wochen habe ich öfters mal im Landwirtschaftlichen Wochenblatt von durchgeführten Kursen gelesen.
Ich habe mich nach der Vorstellung im Herbst auch dazu angemeldet und nun ist diese Woche
die Einladung dazu gekommen.

Der zuständige Referent bei der LSV meinte, man solle unbedingt die Möglichkeit wahrnehmen, am Seminarort zu übernachten.

Bei mir wird das leider nicht möglich sein, aber ich hoffe trotzdem, dass ich viel aus diesem Kurs mitnehmen kann.
Dass es dabei heftig zur Sache geht, kann ich mir schon auch vorstellen. Embarrassed Undecided


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lieben Gruß
Reserl


Auch in den kleinsten Tropfen spiegelt sich der ganze Himmel.
reserl
Niederbayern
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Geschlecht: Weiblich
Beiträge: 6985



« Antwort #3 am: 17.03.10, 11:13 »


Allen, die dazu die Gelegenheit haben, kann ich nur raten, daran teilzunehmen, wenn in der Nähe so ein Kurs angeboten wird!

Unseren Kurs leitete die Familientherapeutin Margret Hospach.
Eine sehr empfehlenswerte Referentin!

Wir haben uns mit den verschiedensten Traumata auseinandergesetzt und gemeinsam erarbeitet, wie man als Außenstehender auf Menschen zugeht, die ein traumatisches Erlebnis hinter sich haben.


Den Austausch untereinander empfand ich sehr angenehm. Es kamen viele schwierige Themen aufs Tablett und man hat
dabei in den zwei Tagen viel voneinander gelernt.


Der Kurs hatte nur ein Manko: Er war definitiv zu kurz. Cool
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lieben Gruß
Reserl


Auch in den kleinsten Tropfen spiegelt sich der ganze Himmel.
Melitta
Vereinsmitglied
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Geschlecht: Weiblich
Beiträge: 586



« Antwort #4 am: 17.03.10, 13:38 »

Hallo Reserl,

was ich nicht so ganz verstehe, ist, dass gezielt "Frauen und Männer aus der Landwirtschaft" angesprochen werden. Hat das einen bestimmten Grund?
Kann leider den Link nicht lesen, dauert bei Modem zu Hause definitiv zu lange  Angry

Viele Grüße

Melitta
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Rose7
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Beiträge: 8


« Antwort #5 am: 03.04.10, 19:54 »

Hallo ,
ich persönlich habe meine Bedenken, ob eine solche Unterstützung wirklich nützlich ist. Sicher, Menschen die solche Kurse besuchen sind auf einer Ebene, die wirklich helfen wollen. Bei der Kursbeschreibung wird ja auch mitgeteilt, dass 90% der Kurteilnehmer selbst Betroffene sind. Wenn man schon so manchen Schiksalsschlag hinter sich hat, können die Gefühle eines neuen Betroffenen besser eingeordnet werden. 
 Mein Mann und ich haben jedoch die Erfahrung gemacht, dass gerade Berufskollegen versuchen, das Unglück anderer Mitmenschen auszunützen.
Nach einer schwerwiegenden Erkrankung ist mein Mann behindert.
Die Reaktion unserer lieben Berufskollengen: (wortwörtlich)" Dein Alter kommt sowieso nicht mehr aus dem Krankenhaus. Überleg dir, an wenn du den Betrieb verpachten willst. Da bin ich doch der Beste. Du brachst dich um nichts zu kümmern, ich erledige das schon alles."

 Das ist mittlerweile 5 Jahre her. Ich bewirtschafte unseren Betrieb immer noch mit Hilfe unsere drei nun nicht mehr ganz kleinen Kindern. Mein Mann hat sich etwas stabiliert. Jüngst fragt mich eine alte Bekannte: Wie geht es deinem Mann? " Freudig erzählte ich Ihr, dass es Ihm endlich nach langer Zeit etwas besser ginge, wir dankbar sind, dass er noch lebt. Der völlig enttäuschte Kommentar: Was, jetzt geht es ihm also besser. Na dann wird er schon wieder werden. Jedoch der Unterton dieser Bemerkung wird mir noch länger im Gedächnis bleiben.

Mit lieben Grüßen Rose
I
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Corina
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Beiträge: 216



« Antwort #6 am: 04.04.10, 08:57 »

Hallo Rose!
Laß dich drücken! Und ich wünsche dir weiterhin ganz viel Kraft euer Schicksal gemeinsam zu meistern. Laß dich von solchen Kommentaren nicht verunsichern, viele Leute können mit dem Thema Krankheit, Behinderung nicht umgehen und sind ziemlich gedankenlos in ihrer Ausdrucksweise.
Wünsch dir alles Gute und sei weiterhin so stark!
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Internetschdrieler
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Beiträge: 928


Braunviehzucht mit Herz und Verstand


« Antwort #7 am: 04.04.10, 09:20 »

Die Reaktion unserer lieben Berufskollengen: (wortwörtlich)" Dein Alter kommt sowieso nicht mehr aus dem Krankenhaus. Überleg dir, an wenn du den Betrieb verpachten willst. Da bin ich doch der Beste. Du brachst dich um nichts zu kümmern, ich erledige das schon alles."
 

So habe ich es nicht erlebt, aber hinterher so erfahren. Mir fiel damals nur das Wort "Agrarkaniballismus" ein.

Ich denke aber die Erfahrung hat mich geprägt - so wie ich bin.

Ich wünsch euch weiterhin viel Kraft, durch zu halten.

Internetschdrieler
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Versuche nie einen Menschen so zu formen wie du es bist, denn du solltest wissen , daß einer von deiner Sorte reicht
Doro
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Beiträge: 2052


Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag


« Antwort #8 am: 04.04.10, 09:23 »

,, Dorfkanibalismus" hat mal einer bei uns gesagt.... ist so!! Undecided
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Es grüßt Doro

,,Leben ist nicht genug", sagte der Schmetterling. ,,Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume muss man haben".
fanni
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Geschlecht: Weiblich
Beiträge: 4150



« Antwort #9 am: 04.04.10, 10:28 »

Ich hab mir das jetzt mal durchgelesen..........ja wir brauchen so ein Projekt, find ich echt gut. Ich selber wäre nicht geeignet dafür.

Trotzdem ist nicht alles durch (auch gut ausgebildete) Laien zu schaffen.

Ich hab jetzt schon mehrere Situationen durch in den letzten Jahren, die für mich grenzwertig waren, da Familie und Freunde betroffen waren, grad aktuell ist auch wieder eine Krisensituation bei einer Freundin und ich hab die letzte Nacht mit einem Kriseninterventionsteam des roten Kreuzes bei ihr verbracht, die vorige Nacht war mein Mann vor Ort......die gehen nun und hinterlassen eine Karte, wo man anrufen kann, mehr geht für sie auch nicht............auch die Betroffenen selber müssen zuerst bereit sein, die Hilfe annehmen, da hilft es nicht, sie zuzuschütten, sonst geht das über Jahre .....momentan sag ich, jetzt ist die Stunde der Profis und wir können nur begleiten.

« Letzte Änderung: 04.04.10, 10:31 von fanni » Gespeichert

Herzliche Grüße von Fanni
brit
Gast
« Antwort #10 am: 04.04.10, 10:35 »

@ Rose,
so ähnlich gings  in meiner familie  mit dem Umfeld, als mein Dad den Unfall hatte.
was zur folge hatte, dass plötzlich ziemlich alle als Feinde wahrgenommen wurden, und kein Dialog mehr möglich war.  Ich war  als ich grösser  wurde , und mit den Leuten eigenständigen Kontakt hatte , bass erstaunt, das die eigentlich ganz nett und lieb waren,   und vermutlich nur damals recht ungeschickt und verletzend waren.
nur leider hat sich meine familie anschliessend extrem darauf eingeschossen.. Undecided
(heute viele Jahre später, haben sie wieder Kontakt, alle sind nu auch älter, und jeder hatte sein Schicksal, und das hat wohl etwas versöhnlicher gemacht.. jedoch diese schwere Zeit voll Missgunst und unterstellungen ist eigentlich vertane Zeit, und nur schade!)

Ich würde Dir gerne raten, das nicht derart persönlich zu nehmen, und auch zu sehen, das die Leute Eure Gefühle (*wie es für Euch ist*) vermutlich nicht erahnen können.
Versuch Dich nicht auf solche Aussagen einzuschiessen, weil es einfach  nicht guttut.

besser sich vorsätzlich auf das konzentrieren was guttut !!!  Wink

versteh mich bitte nicht falsch, ich glaub man ist in dieser zeit auch sehr sensibel, verständlicherweise. und man überhört gewisse anteilnahme manchmal auch, hingegen  verletztende Aeusserungen werden intensiver wahrgenommen oder auch miss-verstanden und hängen dann extrem  fest. (man ist ja schliesslich selber verunsichert und verletzlicher)

ich wünsche Dir ganz fest, das Du Kraft hast, für Euch Inseln des Schönen zu finden, Motto: soviel Schönes reinbringen was geht..,  Dich auf Euch konzentrieren, und die leute aussen vor lassen. deren Urteil ist nicht interessant, kann es nicht sein, weil sie ja nicht wissen wies Für Euch ist.. darum Ohren zu!!!  (ist sehr schwer , ich weiss!! aber längerfristig the best Wink)

 HUt ab was Du alles schaffst, bitte schau auch gut zu Dir, wer so ein Druck standhält muss sich selber gut schauen, und sich ab und an die Seele verwöhnen..   Smiley  

 ich wünsche Deinem Mann und Dir viel Kraft!
lg brit
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Everl
Gast
« Antwort #11 am: 04.04.10, 17:17 »

@Rose7:

Rose, mein Mann hatte vor drei Jahren einen sehr schweren Unfall und wir wussten einige Wochen nicht, ob er es überleben wird, und wie. Ich habe erfahren, dass man in seiner Verletztheit die Worte der anderen auf die Goldwaage legt, die bösen wie die guten. Für mich habe ich die guten in meinem Herzen bewahrt und denke heute noch oft an Situationen, wo mich jemand umarmt hat, der es sonst nie getan hat. Die anderen, die sich gar nicht kümmerten oder dumm daher geredet haben, habe ich mir gemerkt, aber sie spielen für mich keine Rolle. Die Zeit des Lebens ist zu schade, um sie mit unguten Gedanken zu füllen. Brit hat schon recht, man soll sich das Leben nicht von solchen Leuten vergrätzen lassen. Konzentriere dich auf die Leute, die euch gut tun, das bringt euch viel mehr. Heute sagte der Pfarrer im Gottesdienst "Gnädiger Gott, schütze uns vor der Dunkelheit des Herzens" das hat mir gut gefallen, wir können selbst auch etwas dazu tun.
Ich wünsche dir viel Kraft und Freude
Everl
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