pauline971
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« Antwort #4 am: 29.04.09, 11:08 » |
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Heut morgen in der Frankenpost folgender Kommentar:
Zu wenig Krise Cornelie Barthelme zum Milch-Gipfel zwo Am Anfang war der Schock. Schreckensstarr erlebten die Isländer vor einem halben Jahr, wie ihr Land binnen drei Tagen pleite war und allein derWeltwährungsfonds es vor dem Bankrott rettete. Seitdem zetteln die 320000 Insulaner eine kleine Revolution nach der anderen an: Sie haben ihre Regierung gestürzt, eine komplett andere gewählt und erwägen ernsthaft, ob sie nicht doch lieber der EU beitreten wollen. Auch in Deutschland wird der Aufruhr geprobt. Die Milchbauern drohen voller Wut mit Streik, schon wieder, weil sie immer noch den Ruin fürchten müssen. Sie fordern ein Notprogramm, denn die Milch ist, inflationsbereinigt, billiger als kurz nach dem ZweitenWeltkrieg. Die Bauern zeigen auf die Molkereien, die auf die Discounter, die Bauernlobbyisten auf die Bundesregierung, die auf die EUKommission, die von derWeltwirtschaft redet und von Überproduktion. Nur schuld oder verantwortlich sein will keiner. Unterdessen zahlt der Verbraucher 65 Cent fürs Stück Butter und freut sich. Was sind die Bauern? Ein paar Deppen, die man „sympathisch“ nennt, in Umfragen? Nein, nicht dieWelt ist verrückt. Die Menschen in diesem Land kaufen Autos wie die Närrischen, obwohl selbst das Kleinste die Umwelt kaputt macht – bloß, weil die Regierung ihnen dafür Tausender in die Hand drückt und das „Fördern einer Schlüsselindustrie“ nennt.Was aber, bitteschön, ist die Landwirtschaft? Ein paar Deppen, die man „sympathisch“ nennt, in Umfragen? Und dann Margarine isst, wenn die Preise steigen? Pizza mit „Analogkäse“ kauft, der Pampe aus Pflanzenfett, Stärke und Geschmacksverstärkern, von der Industrie zusammengerührt als „kosteneffektive, kontinuierlich verfügbare Alternative“, die mehr Hitze verträgt als Teflon? Seltsamerweise ekelt sich fast niemand. Um keinen Preis würden sie derart widerliches Zeug ihrem Auto zumuten. Da darf der Liter Öl gerne zehn Euro kosten. Die Milch? Ach, triumphieren die Schmerzfreien unter den Geizigen ungerührt, es ist mit den Bauern immer weitergegangen. Vor 25 Jahren, als die Quote erfunden wurde, molken 370000; jetzt stehen auf 100000 Höfen Kühe im Stall, Tendenz sinkend. Man kann das Marktbereinigung nennen. Es ist aber ein Verlust von Unabhängigkeit. Von Vielfalt. Am allerschlimmsten: von Kultur. In Island sind sie gerade dabei, sich zu besinnen. Bei uns ist wohl immer noch zu wenig Krise.
Genau so ist es. Muß ich der Autorin wirklich Recht geben. Pauline
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