Oh, ihr Omas!

Da muß ich Euch mal die Story erzählen, die sich gestern in unserem hauseigenen Irrenhaus abgespielt hat- auch, wenns etwas off topic ist

Eure Enkel sind ja noch klein-aber die werden auch mal größer...
Unsere Teenietochter rutschte am Donnerstagmorgen auf dem Weg zum Schulbus aus und holte sich einen dicken linken Fuß-Bänderdehnung. Am Abend des selben Tages humpelte sie Richtung Bad und rammte dabei die Kommode im Flur- Zeh am rechten Fuß gebrochen...
Nun lag das bedauernswerte Opfer den gesamten Donnerstag und Freitag - da ganz besonders- fast bewegungslos im Wohnzimmer auf der Couch, konnte nichts, wurde betütelt und bedient von vorne bis hinten- daß sie sich noch zur Toilette bewegte und nicht nach dem Schieber verlangte, war das einzig Gute daran.
Am Samstag morgen gesundete sie auf wundersame Weise blitzartig- sie wollte abends zum Geburtstag nach außerhalb. Als ich ihr erklärte, wer nicht zur Schule geht, geht auch nicht aus, verschlechterte sich ihr Zustand natürlich sofort.
Am Sonntag mittag, wir hatten gerade gegessen, stand plötzlich eine Bekannte von uns in der Tür. Die Oma eines Kumpels unserer Großen, die eine kleine Dorfkneipe führt. Sie erklärte unserer Großen, in der vergangenen Nacht seien aus ihrem Lager einige Flaschen Alkohol abhanden gekommen. Die Schwester jenes Kumpels habe zwar bereits gesagt, sie habe zwei Flaschen heimlich mit zu ihrer Freundin genommen, die einige Häuser weiter wohnt. Allerdings will sie mit dem Verlust der restlichen Buddeln nichts zu tun haben....Ja, piepst unsere rot angelaufene Tochter, sie habe zusammen mit der Clique ( ein Haufen von 15 Leuten, alle im Alter zwischen 17- 20, die, wenn sie losgelassen werden, hemmungslos sämtliche Kühlschränke und Vorratsschränke in Haus desjenigen, der gerade das Pech hat, alle zu beherbergen, so gründlich leerzuräumen, daß eine entnervte Mit-Mutter ihnen schon den Spitznamen "Hamster-Geschwader" verpasst hat

) die restlichen Flaschen geleert...
Wir hatten nicht mal mitbekommen, daß sie überhaupt weg war- dachte ich! Aber nein, Oma wusste es. Töchterlein war um 1 Uhr ins Omas und Opas Schlafzimmer geschlichen und hatte Oma zugesäuselt, sie führe mit dem Rad (!!!) zu ihrem Kumpel- wohnt 200m weiter. Als dort nichts mehr zu holen war, begab sich die Horde ins Haus des Kumpels mit der "Kneipen-Oma"- wenns sonst nichts gibt, aber da sind Keller und Küche immer gut gefüllt. Dort tagte die Bande bis 3 Uhr morgens, anschließend orderten sie ein Kleinbus-Taxi, das alle in die Dorfdisco fuhr. Um 5.50 war Madame wieder im Haus- klar, sie wusste genau, wann Mama aufsteht...

Die "Kneipen-Oma" erklärte kurzerhand, Tochter müsse sich nun schleunigst fertigmachen- wer ihre Lebensmittel und Vorräte wegfuttert, arbeitet sie auch bei ihr ab. Sie war mit dem Auto durchs Dorf gefahren um alle Übeltäter einzusammeln, zum Strafdienst. Sie mussten mit vereinten Kräften helfen, eine Truppe von 50 Mann mit Grünkohl inklusive Beilagen zu beköstigen- inklusive Geschirr spülen.
Dummerweise war das für unsere Tochter keine Strafe, sondern ein Heidenspaß.
Ich lief den komplettten Sonntagnachmittag Amok- ich war drauf und dran, unsere Älteste dem nächstbesten Sachbearbeiter beim Jugendamt auf den Schreibtisch zu setzen, oder noch besser, sie gleich bei den "Teenagern außer Kontrolle" abzugeben..
Dummerweise verstanden weder meine Schwiegereltern, noch meine Eltern, die ohnehin zum Kaffee angemeldet waren, meine Aufregung! SM war der Meinung, also bitte, ich wäre doch als Teenie nicht anders gewesen ( woher will sie das wissen? Da kannte sie mich noch gar nicht! Sonst reden meine Mutter und SM nur das Nötigste miteinander, aber sowas erzählen sie sich ganz genau??

) Meine Mutter - sonst eher nicht die beste Freundin meiner Schwiegermama- erinnerte mich daran, daß sowohl ich als auch meine Geschwister immer am Wochenende von unserer Oma heraus- und hineingelassen wurden, mitunter inklusive irgendwelcher Freunde/Freundinnen, die zu diesen Uhrzeiten nicht mehr offiziell ins Haus durften....( Damals war ich 18! Das ist ja wohl ein Unterschied- unsere Große ist noch nicht ganz 18!).
Ach ja: Müßig ist es natürlich zu erwähnen, daß die Männer - sowohl Vater als auch Großväter - sich komplett raushielten...
Es geht mir weder um den verschwundenen Alkohol ( es ist noch nie vorgekommen,daß unsere Große sich komplett betrunken hat oder überhaupt angetrunken nach Hause kam. Da ist sie schon vernünftig.) noch darum, daß Madame bis zum Morgengrauen aus war. Wenn ich weiß, wo sie ist, mit wem, hab ich kein Problem damit- meistens bringe und hole ich sie.
Aber: Wenn ich sage, Du bleibst zu Hause, dann wird zu Hause geblieben! Und Oma hat vom Ausgehverbot genau gewusst!
Mein Mann machte unserer Tochter dann abends klar, daß nicht heimlich ausgegangen wird, und offerierte Handschellen für Nächte am Wochenende

Da sie heute ausgesprochen lieb und kleinlaut war und das schlechte Gewissen sie deutlich plagte, denke ich, daß der Teenie-Terror vorerst vorbei ist.
Aber trotzdem: Manchmal könnte ich mir die Haare einzelnen ausreißen, weil hier jeder und jede an den Kindern miterzieht. Es läßt sich ja nicht ändern, und im Großen und Ganzen klappt es auch sehr gut. Auch haben die Kinder immer jemanden, der Zeit für sie hat.
Am Sonntag hätte ich mir trotzdem ein Haus mitten auf einer winzig kleinen Insel, am besten einer menschenleeren Nordseehallig bei Sturmflut gewünscht- da könnte ich mir nämlich sicher sein, daß Töchterlein 100% im Bett liegt
