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Autor Thema: Wie gehts weiter mit dem Milchpreis?  (Gelesen 20279 mal)
Marjellche
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« Antwort #285 am: 16.11.08, 11:49 »


@ Marjellchen, ja Qualitätsscouts. http://qualitaet.mcdonalds.de/, nur WO findest du den Hinweis auf "artgerechte" Tierhaltung? Warum meine Bedenken? Artgerechte Haltung bedingt nicht nur artgerechte Fütterung - sondern eben auch Bewegung. Das kriegt man nirgends mit Anbindehaltung unter einen Hut, das kriegt man nicht hingebogen.

Ich komme aus dem Fleischbereich und in das Mc-Donalds-Rindfleisch kommt zum großen Teil Schlachtkuhfleisch aus Bayern.

Wie will man dem Verbraucher verkaufen - egal welche Laufstallbilder dort gefilmt sind auf der Homepage - das hier auch Fleisch von Kühen aus ganzjähriger Anbindehaltung dabei ist/sind und das ganze noch artgerecht nennen? Grad in Bayern mit noch dem größten Anbindehaltungsanteil...


Hi Mirjam,

ich sehe jetzt auf der Homepage nur einen Hof in den Bergen und höre Vogelgezwitscher   Huh Mein Bezug galt der Fernsehwerbung, in der der Qualitätsscout mit dem Bauern durch den schönen Laufstall marschiert. Und ich meine, daß in dem Spot auch das Wort "artgerecht" fällt. Momentan wird aber glaube ich ein Werbespot ausgestrahlt, in dem der Qualitätsscout an der gesunden Erde riecht, in der die Kartoffeln wachsen. Abgesehen davon kann man ziemlich viel unter "artgerecht" verkaufen, weil dieser Begriff nicht genau definiert ist - und das für keine Tierart. Deswegen setze ich ihn auch immer in Anführungszeichen.

Mein Gedankenansatz war aber eigentlich andersherum. Nicht eine etwas teurere Milch, weil sie aus "artgerechter Tierhaltung" kommt, sondern eine etwas teurere Milch, bei der der Verbraucher ganz bewußt weiß, daß durch den Kauf dieser Milch ein paar Cent mehr beim Erzeuger ankommen und der Verbraucher das Bewusstsein hat, daß er mit dem Kauf dieser Milch auch Investitionen im Bereich Kuhkomfort unterstützen kann. Aber dieses Bewusstsein muß schon durch die Verpackung und die Werbung angesprochen werden. Der Verbraucher muß sich mit dem Produkt identifizieren können und nicht das Gefühl haben, wenn er ein paar Cent mehr dafür ausgibt, verdienen eh nur wieder die Zwischenhändler daran und nicht die Erzeuger.

Deine Idee mit der "Ein Herz für Kinder"-Milch finde ich übrigens auch sehr gut.
Und die Kinderarmut wäre auch noch ein weiterer Punkt für "staatliche Unterstützung" - statt dem Essensgeld für die Kinder was die Eltern jeden Monat bekommen und dann vielleicht verrauchen, und die Kinder trotzdem keine warmes Mittagessen bekommen, könnte flächendeckend in Schulen ein Mittagstisch angeboten werden, bei dem die Milch und die Produkte daraus auch mit eingebunden werden können.

@Mucki: Du hattest doch gefragt, wo wir so einkaufen?
Leider habe ich hierum kaum noch eine andere Wahl als in Discountern einzukaufen. Früher konnte man Milch und die Produkte daraus noch direkt bei uns in der Molkerei kaufen, aber das wurde vor ein paar Jahren eingestellt. Angeblich weil der LEH sich deswegen beschwert hat und dem ein Riegel vorgeschoben hat. Wo ist da der freie Markt?



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Man muß immer einmal mehr aufstehen als man gefallen ist!
Lieben Gruß - Marjellche
Raute
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« Antwort #286 am: 16.11.08, 11:54 »

Also was mir bei all der Diskussion hier um den Preis fehlt, ist der respekt vor denjenigen, die den ganzen Tag dafür schuften, das die Menschheit Nahrungsmittel hat! Und das rund um die Uhr 365 Tage im Jahr und das sind eben :Wir Bauern!

Ich denke Mirijam hat recht, man kann dieAutoindustrie nicht mit unserem berufszweig bergleichen und ich bin immer der Meinung, das wir eh zuviele Autos haben und das wir eh zuviel fahren und mit dem Fahren auch zuviel kaputt machen.

Ich könnte auf mein Auto verzichten, nicht aber auf Milch, Butter und Quark.

Was mich an dieser Gesellschaft so ärgert ist, das sie alles,aber auch alles haben wollen und auch müssen, und das zu Spottpreisen und egal wie und von wem es hergestellt wurde. Wenn dieses Denken nicht aufhört, dann können wir eh alle,egal ob Bauer oder nicht Bauer bald einpacken!

Das ist genauso mit den Turis die eine billige Reise in die Türkei buchen, wo sie dann in ihrem ausgewiesenen Gettos rum tigern und meinen das Land zu kennen und den Menschen dort aus ihrer Armut zu helfen, ich finde es nur noch peinlich und ekelhaft, sorry!

Gruss raute
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Mucki
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Leben und leben lassen


« Antwort #287 am: 16.11.08, 16:47 »

Raute du sprichst mir aus der sele,da barch ich garnix mehr schrieben Danke
leib grüßt Mucki
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Am Ende des Tunnels ist immer Licht!
Mirjam
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« Antwort #288 am: 16.11.08, 17:09 »

Hallo Marjellchen

interessiert es den Verbraucher wirklich unter welchen Bedinungen für Mensch oder Tier - und sei es sogar ein Lebensmittel - produziert wird?

Immer noch - wir können von den Autobauern lernen: Das thematisieren sie in der Werbung NICHT, sie werben NICHT damit wieviel Arbeitsplätze sie hier haben oder wie gut die Arbeitsbedingungen sind. Das wäre zwar vom Gedankengang her logisch, nachvollziehbar und ethisch gut, aber letztendlich sind die Erfolge über andere Werbepfade größer. Und das denke ich fällt uns noch ganz schwer, dass unsere Gedanken, was der Verbraucher wissen sollte über Herkunft, Ursprung und ggf. NICHT zum Ziel führt des mehr/bewußter einkaufens.

Bestes Beispiel immer noch die Mineralwasser-Werbung. Und - wo wird Vittel unter welchen Bedingungen gewonnen, abgefüll? Wurscht - der Kunde weiß, das ist ein tolles Produkt, kaufen, trinken! Selbst die McDonald-Werbung der Scouts zielt NUR auf die Sicherheit des Kunden ab, dass er sich sicher sein kann, das die Produktionsbedingungen o.k. sind: Nicht das im Gegenzug Verbraucher an Landwirt etwas gefordert wird.

@ artgerecht, tiergerecht als Tierschutzgrundlage - google mal 5 Freiheiten, dass ist durchaus vom Tierschutz über die Ethik bis hin zur EU defniert: http://ec.europa.eu/food/animal/welfare/farm/index_de.htm  und neuerdings gehört Tierschutz bereits in den Kompetenzbereich der EFSA - also eigentlich der Behörde für Lebensmittelsicherheit.

andersherum Frage an dich, Marjellchen: Würdest du eine Haltung auch als artgerecht bezeichnen, in der sich ein Tier nicht auch nur ansatzweise artgerecht bewegen kann, nicht mal herumdrehen? Also nicht die "Freiheit" hat zu einem artgerechten Verhalten innerhalb einer Gruppe wie im Laufstall?

Als übelstes Beispiel hinsichtlich "Wirkung von Produktionsbedingungen" dient mir hier der Versandhandel von Pötschke-Ambiente. In dem Katalog wurden auch Bilder abgedruckt, wo die geschweist-geschmiedeten Eisenfiguren z.B. Kranich her waren: Aus Afrika von Leuten die in Lehmhütten am offenen Feuer ohne Schutzausrüstung...  Roll Eyes Shocked. Und diese Bilder funktionierten als "Werbung" die den Gartenliebhaber der einfach eine "billige" Gartenfigur haben möchte...!

Mit was ich mich ganz schwertue sind diese Appelle: "Der Verbraucher muss endlich merken, was die Produkte "wert" sind. Wir brauchen ein faires Einkommen" "Unsere Kinder wollen auch den Hof übernehmen, brauchen Zukunft." oder "unsere Arbeit muss gewertschätzt werden".

Ist das wirklich ein realistisches Ziel? Haben wir da wirklich ein Recht, wie auch ein Recht auf Respekt und wenn ja, warum "nur" die Landwirte? Ist es nicht jedem seine eigene Entscheidung das wir das tun?

Holen wir uns nicht wenn wir uns allein daran festmachen nur Ent-Täuschungen, weil wir uns selbst daran täuschen, dass diese Ziele (ausgerechnet noch mit Jammerei) erreichbar wären? Haben wir ein "Recht" Landwirt sein zu wollen und die Verantwortung ergo "Schuld" aus unseren Händen auch noch "irgendjemand anderem zuzuschieben"? Welche Gefahr birgt es, wenn wir jedwede Verantwortung immer bei anderen suchen (DEN Politikern, DEN Discounter, DEN Bauernverband, Den...) hauptsache nicht bei uns?

Mein Mann hat von der Eurotier mitgebracht, dass von (ja ich weiß studierten  Grin) Experten berechnet wurde, das in nicht allzuferner Zukunft auch die Entwicklungsländer unseren Pfad der "Haustiere gehören zum Leben"-Steigerung gehen werden und ca. 16 % des weltweiten Nahrungsangebotes für Haustiere (die mit Hund und Katze direkte Nahrungsmittelkonkurrenten sind) drauf gehen wird.

Das können wir jetzt dramatisch sehen - oder als neues Kundenklientel...?

Gruß Mirjam
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Der Kopf ist rund - damit die Gedanken auch mal die Richtung ändern können!
frankenbauer
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« Antwort #289 am: 16.11.08, 20:04 »

@ miriam

Ich denke dass Opel oder auch andere Firmen das irgendwie immer machen (solche Aktionen mein ich) egal ob Absatz gut ist oder nicht!

Du kannst ja bei Opel nachfragen ob die ihre Aktionen vermehrt haben und mehr Fahrzeuge billiger anbieten als sonst!

Tatsache ist jedenfalls dass sie auch ihre Produktion zurückgefahren haben!

Gruß frankenbauer
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Andreas
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I mog Di !


« Antwort #290 am: 21.11.08, 12:41 »

Hier der offene Brief von einem Kollegen aus Niedersachsen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

untenstehenden Text habe ich mit Rechnung im Anhang, an Herrn Minister Ehlen
als e-Mail geschickt.  Herr Ehlen und ich sind uns gut bekannt, deshalb die Dutsform.


Mit freundlichen Grüßen

Joachim Prigge




Hallo Heiner,

anbei eine Rechnung über den Einnahmeverlust von Milchgeld innerhalb des
folgenden Jahres. Entstanden durch den Bundesratsbeschluss am 07.11.08, an dem
Du maßgeblich mitgewirkt hast. Ich bin über diese Entscheidung total
enttäuscht, wo doch auf dem Milchgipfel mit Minister Seehofer, alle Beteiligten
für eine Mengenreduzierung waren. Dies ist für mich Wortbruch hoch 3. Es kann
also nur sein, dass Ihr unter erheblichem Einfluss der Molkereiwirtschaft und
deren "Sprachrohr" DBV steht. Nur diese beide Verbände haben
Interesse an einem niedrigen Milchpreis. Die Molkereien damit ihre Werke
ausgelastet sind, und sie wieder exportieren können (auf unsere Kosten).
Außerdem haben sie im letzten Hochpreisjahr viele Probleme mit ihren
Lieferanten gehabt (Kündigungen etc.). Der Milchpreis musste also auf jeden
Fall wieder sinken. Die aufmüpfigen Bauern sollen wieder versklavt werden.

Wie kann man als Politiker gegen eine Sache stimmen, die von 95% der
Milchbauern gewollt ist (BDM Umfrage). Warum wird einer Strategie gefolgt, die
nur von einer Minderheit und unseren  Funktionären gewollt ist.

Man sagt mir oft, dass wir für die niedrigen Milchpreise selber schuld sind,
weil wir zu viel produzieren. Die Leute haben recht, wie kann man nur so dumm
sein, und etwas produzieren, was man nicht verkaufen kann. Wir wollen es gerne
ändern, aber Ihr lasst uns nicht, und zwingt viele zur Aufgabe. Könnt ihr das
verantworten?

Der DBV und die Politik schädigen unser Ansehen in der Öffentlichkeit sehr,
wir Bauern werden unglaubwürdig.

Herr Sonnleitner fordert höhere Preise vom LEH, ist selber aber nicht bereit
die Menge zu reduzieren. Ebenfalls der MIV, fordert  Exportsubventionen, womit
dann in armen Ländern die Bauern geschädigt werden.

Und so etwas wird nun von Politikern durch den Bundesratsbeschluß gefördert.
Der Beschluß des Agrarausschusses am 20.Okt. war der Startschuß für die
Preissenkungen. Der LEH und die Milchindustrie hat nun Rückendeckung durch die
Politik, was sofort ab 21.Okt. ausgenutzt wird. Der i Punkt an der ganzen Sache
ist für mich, dass die 2%ige Quotenerhöhung nun auch noch befürwortet wird.
Das setzt allem die Krone auf.

Ich werde es bis zur nächsten Wahl nicht vergessen!


Mit freundl. Gruß

Joachim Prigge
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