Hallo Marjellchen
interessiert es den Verbraucher wirklich unter welchen Bedinungen für Mensch oder Tier - und sei es sogar ein Lebensmittel - produziert wird?
Immer noch - wir können von den Autobauern lernen: Das thematisieren sie in der Werbung NICHT, sie werben NICHT damit wieviel Arbeitsplätze sie hier haben oder wie gut die Arbeitsbedingungen sind. Das wäre zwar vom Gedankengang her logisch, nachvollziehbar und ethisch gut, aber letztendlich sind die Erfolge über andere Werbepfade größer. Und das denke ich fällt uns noch ganz schwer, dass unsere Gedanken, was der Verbraucher wissen sollte über Herkunft, Ursprung und ggf. NICHT zum Ziel führt des mehr/bewußter einkaufens.
Bestes Beispiel immer noch die Mineralwasser-Werbung. Und - wo wird Vittel unter welchen Bedingungen gewonnen, abgefüll? Wurscht - der Kunde weiß, das ist ein tolles Produkt, kaufen, trinken! Selbst die McDonald-Werbung der Scouts zielt NUR auf die Sicherheit des Kunden ab, dass er sich sicher sein kann, das die Produktionsbedingungen o.k. sind: Nicht das im Gegenzug Verbraucher an Landwirt etwas gefordert wird.
@ artgerecht, tiergerecht als Tierschutzgrundlage - google mal 5 Freiheiten, dass ist durchaus vom Tierschutz über die Ethik bis hin zur EU defniert:
http://ec.europa.eu/food/animal/welfare/farm/index_de.htm und neuerdings gehört Tierschutz bereits in den Kompetenzbereich der EFSA - also eigentlich der Behörde für Lebensmittelsicherheit.
andersherum Frage an dich, Marjellchen: Würdest du eine Haltung auch als artgerecht bezeichnen, in der sich ein Tier nicht auch nur ansatzweise artgerecht bewegen kann, nicht mal herumdrehen? Also nicht die "Freiheit" hat zu einem artgerechten Verhalten innerhalb einer Gruppe wie im Laufstall?
Als übelstes Beispiel hinsichtlich "Wirkung von Produktionsbedingungen" dient mir hier der Versandhandel von Pötschke-Ambiente. In dem Katalog wurden auch Bilder abgedruckt, wo die geschweist-geschmiedeten Eisenfiguren z.B. Kranich her waren: Aus Afrika von Leuten die in Lehmhütten am offenen Feuer ohne Schutzausrüstung...

. Und diese Bilder funktionierten als "Werbung" die den Gartenliebhaber der einfach eine "billige" Gartenfigur haben möchte...!
Mit was ich mich ganz schwertue sind diese Appelle: "Der Verbraucher muss endlich merken, was die Produkte "wert" sind. Wir brauchen ein faires Einkommen" "Unsere Kinder wollen auch den Hof übernehmen, brauchen Zukunft." oder "unsere Arbeit muss gewertschätzt werden".
Ist das wirklich ein realistisches Ziel? Haben wir da wirklich ein Recht, wie auch ein Recht auf Respekt und wenn ja, warum "nur" die Landwirte? Ist es nicht jedem seine eigene Entscheidung das wir das tun?
Holen wir uns nicht wenn wir uns allein daran festmachen nur Ent-Täuschungen, weil wir uns selbst daran täuschen, dass diese Ziele (ausgerechnet noch mit Jammerei) erreichbar wären? Haben wir ein "Recht" Landwirt sein zu wollen und die Verantwortung ergo "Schuld" aus unseren Händen auch noch "irgendjemand anderem zuzuschieben"? Welche Gefahr birgt es, wenn wir jedwede Verantwortung immer bei anderen suchen (DEN Politikern, DEN Discounter, DEN Bauernverband, Den...) hauptsache nicht bei uns?
Mein Mann hat von der Eurotier mitgebracht, dass von (ja ich weiß studierten

) Experten berechnet wurde, das in nicht allzuferner Zukunft auch die Entwicklungsländer unseren Pfad der "Haustiere gehören zum Leben"-Steigerung gehen werden und ca. 16 % des weltweiten Nahrungsangebotes für Haustiere (die mit Hund und Katze direkte Nahrungsmittelkonkurrenten sind) drauf gehen wird.
Das können wir jetzt dramatisch sehen - oder als neues Kundenklientel...?
Gruß Mirjam