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Autor Thema: Lehrling  (Gelesen 991 mal)
Hansaline
Hansaline
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Beiträge: 173


« am: 23.08.08, 10:53 »

Hallo,

ich muss mal meinen Frust loswerden. Unser Junior ist im 2 Ausbildungsjahr auf einem Lehrbetrieb, wo er unter der Woche bleibt. Er wird dort sehr gut aufgenommen, sind sehr nette umgängliche Menschen und er fühlt sich dort pudelwohl. Darüber sind wir auch sehr froh, vor allen Dingen, wenn er da über Nacht bleiben muss. Er ist dort glücklich und das soll ja auch so sein.
Aber bei uns ist nun alles verkehrt. Die Schlepper sind beim Lehrbetrieb besser, die haben schönere Stücke Ackerflächen als wir, kurzum. da ist alles besser und wir machen nun alles verkehrt.
Das ist noch nicht mal das schlimmste, aber er kann einen so niedermachen, so verletzend sein, er hat immer recht und die anderen kriegen einen rüber, wenn sie was dagegen sagen.
Gestern habe ich ihn und seine Freunde zum Geburtstag gefahren, er fuhr(begleitendes Fahren) 100km bei 70km auf regennasser Strasse. Da habe ich nur gesagt, er soll sich an die Geschwindigkeit halten. Er ist ausgerastet, ich wäre dumm und sollte ihn in Ruhe lassen, er wäre sowieso lieber auf dem Lehrbetrieb und käme am besten gar nicht mehr nach Hause. Da habe ich gesagt, dann muss er dableiben, da war er natürlich total beleidigt.
Sohnemann bekommt alles von uns, Geld, weil wegen Übernachtung so viel abgezogen wird, ZUm Anfang nächsten Jahres ein Auto, weil er dann 18 wird. Führerscheine haben unsere Kinder alle bezahlt bekommen.
 Er hilft wenn er da ist, uns auch viel. Das hat er schon immer getan und ist eigentlich gut drauf und freundlich, aber die letzte Zeit ist schlimm. Wenn GöGa vom z. B. Schlepperkaufen spricht, das sind sowieso nur alles alte Gurken, die wir kaufen. Nur weil wir uns im Moment keinen Neuen leisten. Wir haben gerade erst einen neuen Stall gebaut und dann sitzt das Geld nicht so locker. 
Ich kann da einfach nicht mehr gegen an. Dann hat er schlechte Laune, nichts passt mehr und meint immer ,er ist im recht.

Vielleicht hat ja einer einen Rat für mich, bin sowieso im Moment ganz nah am Wasser gebaut. GöGa viel krank, SM nörgelt nur rum und dann das noch.

LG
Helga
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Lexie
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Beiträge: 528


« Antwort #1 am: 23.08.08, 11:23 »

Hallo

sie doch froh, daß es deinem Junior im Lehrbetrieb gefällt. Wir machen im Moment das Gegenteil durch. (Ich bin fix und fertig).
Würd am liebsten alles hinschmeißen und einfach abhauen. Ich kann nicht mehr.
Junior hat auf einem großen Lehrbetrieb gelernt (1. Lehrjahr). Nun ist er auf einem kleineren Betrieb, dort werden wieder regelmäßige Pausen eingelegt und er muß wieder einfachere Dinge erledigen. Das ist für Ihn eine enorme Umstellung. Von himmelhochjauchzend bis zu todebetrübt machen wir im Moment alle Stimmungslagen mit ihm durch. Weil eigentlich gefällt es ihm schon, aber mit der Umstellung (andere Leute, andere Arbeitsweise usw....) kommt er nervlich einfach nicht klar.
Wir wissen echt nicht mehr, was wir machen sollen mit ihm.

LG
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amazone
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Geschlecht: Weiblich
Beiträge: 939


Leben und leben lassen.


« Antwort #2 am: 23.08.08, 12:00 »

mensch helga,
das was du schreibst, das kenne ich!
und zwar von mir  Undecided *ehrlich zugeb*
ich war wie dein sohn.
das eigene positive auf den elterlichen betrieb hat man nicht gesehen, sondern nur
die wunderschönen äpfel in nachbarsgarten, die besser aussehen und besser schmecken.
mein bruder war genau wie ich und als der auf den lehrbetrieben war er
genauso wenn er heim gekommen ist.
nun muß ich dazu sagen: unser hof war nie der vorzeigebetrieb, nie der betrieb der geld hatte,
nie der betrieb wo andere (auch landwirte) vorbei gekommen sind und gesagt haben: WOW!
aber bei uns gab es etwas, das war vielleicht bei anderen nicht so ausgeprägt:
liebe, ein wirklich offenes sehr gastfreundliches haus und eine atmosphäre wo jeder (bewohner, wie auch gast)
sich sehr gerne aufhielt.

ehrlich helga, das klingt nun hart:
aber wenn ihr es einrichten könnt und ihr ohne seine hilfe auskommen könnt....

dann setzt ihn vor die tür!

das haben meine eltern mit mir auch gemacht als ich 18 war.
alle zuwendungen gestrichen, zimmer bei der tante, selbstversorgung.
KEINE vorteile mehr von zu hause!
nach 6 wochen habe ich das alles so vermisst, dass ich reumütig nach hause zurückgekehrt bin und
von da ab, habe ich es mehr als zu schätzen gewusst was mir mein zu hause bedeutet!

vielleicht hilft es bei euch genauso wie bei mir.
frei nach dem motto:
hart aber herzlich  Wink

@lexie

wenn ihr die möglichkeit habt, dann holt euren junior nach hause, lasst ihn erst zu hause weiterlernen und
sucht von zu hause aus einen neuen betrieb.
der stress ist das doch wirklich nicht wert, oder?

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Beste Grüße von
Amazone
Hansaline
Hansaline
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Geschlecht: Weiblich
Beiträge: 173


« Antwort #3 am: 23.08.08, 14:33 »

Ich weiss nicht, ihn einfach vor die Tür setzen, das kann ich nicht. So wie heute ist er wieder ganz lieb, ausser ein paar dummen Bemerkungen hilft er Göga den ganzen Tag.

Ich verstehe seine Ausetzer einfach nicht, diese Verletzungen immer und wenn ich ihm dann sage, wenn du lieber woanders bist dann bleib da und schon ist er beleidigt. Keiner will mich habeb, so nach dem Motto. Aber ihn vor die Tür setzen, wenn man doch mit ihm reden könnte, aber er macht dann dicht.

Gruss
Helga
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Lexie
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Beiträge: 528


« Antwort #4 am: 23.08.08, 15:32 »

Hallo

unser Sohnemann hat letztes Jahr schon nach ein paar Wochen den Lehrbetrieb gewechselt. Ich vermute, dass diese schlechte Erfahrung mit dem 1.Lehrbetrieb ganz tief bei ihm sitzt.

LG
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mary
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Geschlecht: Weiblich
Beiträge: 6430


Baeuerin - Beruf mit Herz


« Antwort #5 am: 23.08.08, 19:45 »

Liebe Hansaline,
nimms nicht so tragisch, in diesem Alter sind Kiddies manchmal einfach zum an die Wand klatschen, zum Glück geht dieser Zustand vorüber.
Deinen Sohnemann wirst nicht ändern können, aber für dich kannst du Entscheidungen treffen.
Besonders, wenn du momentan ziemlich belastet bist mit Ehemann, der krank ist, Schwiegermutter usw.
Meine Freundin hat mir aus ihrer eigenen Erfahrung einen guten Rat gegeben:
Wenn ein Traktor, ein Mähdrescher oder Häcksler viel leistet, dann gesteht man im auch viel Dieselverbrauch zu,
du musst momentan auch sehr viel leisten- also steht dir auch eine höhere Dieselzuteilung zu.
Du wirst sie aber von niemanden bekommen, wenn du sie dir nicht selbst holst. Wink
Und zum 2. hast du es nötig, dich von Junior so niedermachen zu lassen?
Du wirst hier auch deinen Junior nicht verändern, aber für dich kannst du entscheiden, ob du dir das bieten lässt oder nicht?
Ausserdem, eurer Sohnemann kann ja den Betrieb so ausrichten, wie er meint, jetzt schafft ihr nach euren Möglichkeiten.
In unserem Heimatbuch steht ein Spruch, den ich mir ins Büro gehängt habe:
Nur der allein wird verstehen können
was ein Bauergut ist,
der ihm einen Teil des Selbst geopfert hat,
der für seine Rettung gekämpft
und sich abgemüht hat, es zu verschönern.

Dann kommt die Liebe zum Anwesen.

Ein Gut ist nicht die Summe der Einkünfte,
darin liegt der Fehler.
Es ist die Summe der gebrachten Opfer.
(Antonie de Saint-Exuperiy)

Wieviele sparen und rackern, um sich ihren Traum von einem kleinen Bauernsacherl erfüllen zu können, ein Haus zu bauen,
das verstehen Jugendliche noch nicht, sie sehen, was andere haben, was sie sich leisten können.
Es wird auch sehr geschickt immer wieder drauf geachtet, dass es nie reicht, dass immer wieder was Neueres, was Besseres auf den Markt kommt, damit nur ja niemand zufrieden sein kann.
Diesen Erfahrungsweg können wir unseren Jugendlichen nicht abnehmen, da müssen sie selbst draufkommen.
Mein Leitspruch: Das Vergleichen ist das Ende des Glücks  und der Beginn der Unzufriedenheit - ( von Sören Kierkegaard)-
hängt auch im Büro über den Schreibtisch.
Ich wünsche dir eine gute Dieseltankstelle und geistiges Ohropax und beim Autofahren viel Geduld. In diesem Alter wissen sie bereits alles, aber tröste dich, mit jedem weiteren Lebensjahr kommt die Erfahrung, dass man nie auslernen wird.
Herzliche Grüsse
maria
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