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Autor Thema: Bakterien statt Kunstdünger  (Gelesen 3169 mal)
Stephan
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« am: 07.08.08, 12:45 »

Endlich möchte ich etwas über Bakterien und deren Hilfe bei der Einsparung von Kunstdünger schreiben, was ich schon länger vorhatte. Eigentlich bin ich noch dabei an der Klimatisierung von Kuhställen mit Hilfe eines Erdkollektors zu tüfteln, aber das wird auch noch eine Weile dauern, deswegen schiebe ich das mit den Bakterien einfach doch zwischen rein.

Es ist ein ziemlich langer Text (deshalb zwei Teile), der aber auch viele Informationen enhält, um zu zeigen, dass diese Bakterien nicht nur irgendeine Modeerscheinung sind.


Es geht um die biologische Stickstoffixierung (Biological Nitrogen Fixation = BNF), d.h. die Wirkungsweise der Knöllchenbakterien von Leguminosen wie Bohne oder Erbse, die von dem deutschen Agrikulturchemiker Hermann Hellriegel ( http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Hellriegel ) 1886 entdeckt wurde.
Seit Jahren schon findet übrigens jährlich (oder zweijährlich?) ein Kongreß zum Thema BNF statt!

Der niederländischen Forscher Martinus Willem Beijerinck entdeckte 1925 das frei lebende Bakterium Spirillum lipoferum (leider nur auf Englisch: http://www.biw.kuleuven.be/dtp/cmpg/ai.htm ).

Diese sensationelle Entdeckung (Einsparung von Kunstdünger!) ging aber wohl mehr oder weniger im Lauf der Geschichte unter.

Erst die brasilianische Agrar-Wissenschaftlerin Johanna Döbereiner ("Bakterien auf dem Vormarsch - Brasiliens Grüne Revolution und ihre stille Anstifterin"
http://www.topicos.net/fileadmin/pdf/2003/3/Bakterien_auf_dem_Vormarsch.pdf ) stieß wieder auf dieses Wissen als sie Anfang der 70er Jahre eine Wiese mit unglaublich intensivem Grün entdeckte. Bei der Analyse entdeckte sie, dass Bakterien, diazotrophe (d.h. stickstoffliefernde) Bakterien, dafür verantwortlich waren:

"Der Ernährer der Welt

...
Tatsächlich wurde die Wissenschaftlerin bald fündig: Bradyrhizobium japonicum nennt sich ein Bakterium, das sie durch Hornbrille und Mikroskop hindurch in einem der leuchtend grünen Blätter entdeckte. Ein Bakterium, mit dem sich das Blattgrün gierig den Stickstoff aus der Luft holt. Und wächst und wächst und wächst.

Die Forscherin brachte die Bakterien mit Sojasamen zusammen und konnte so dieselben Erträge wie bisher erzielen - ohne ein Gramm Dünger zu benutzen."
http://www.zeit.de/2006/19/Brasilien-Ernhrer?page=2


Und das Beste kommt jetzt: Das geht auch bei allen möglichen anderen Nutzpflanzen!!!

Ganz wichtig und wohl in ein paar Wochen aktuell:
Die Kombination von Raps und einem bestimmten Bakterium (Azorhizobium caulinodans). Dies wurde in der folgenden Studie erfolgreich in einem Laborversuch untersucht:

"Effects of Glucosinolates and Flavonoids on Colonization of the Roots of Brassica napus by Azorhizobium caulinodans ORS571"
http://aem.asm.org/cgi/content/full/66/5/2185

Diese Studie  untersucht die Auswirkungen der Impfung von Rapspflanzen mit dem diazotrophen Bakterium Azorhizobium caulinodans sowie der Zugabe von Naringenin (ein Pflanzenfarbstoff, mit einem besonders großen Anteil in Tomaten; auch in Tomatenmark oder Tomatenpüree!!!) auf die Aufnahmebereitschaft der Nebenwurzeln (durch kleine Spaltöffnungen an den Wurzeln) für dieses Bakterium. Gleichzeitig wird untersucht wie sich die Konzentration von Glucosinolaten (GS), auch Senfölglykoside genannt, in den Wurzeln auf die Aufnahmebereitschaft auswirkt.
Isothiocyanate, zu deutsch Senföle, sind die am stärksten bioaktiv wirkenden Abbauprodukte der Glucosinolate in den Wurzeln von Raps, die das Wachstum und das Überleben von Bakterien negativ beeinflussen. In der Studie wurde gezeigt, dass das Flavonoid Naringenin die Wirkung dieser Glucosinolate vermindern kann.

Irgendwo habe ich gelesen (ich reiche das vielleicht noch nach), dass Naringenin von den Pflanzen selber ausgeschieden wird, um solche diazotrophen Bakterien anzulocken. D.h. dieser Pflanzenfarbstoff unterstützt quasi die Eigenbemühungen der Rapspflanzen noch.
Auch  beim Weizen hat dieses Bakterium positive Auswirkungen. Es wurde in anderen Studien festgestellt, dass es nicht nur die Produktion von Stickstoff ist, die das Pflanzenwachstum bzw. das Wurzelwachstum fördert, sondern auch die Stoffe, die die Bakterien sonst noch produzieren, d.h. sonstige wachstumsfördernde Stoffe und auch chemische Stoffe zur Bekämpfung pathogener Mikroorganismen.

Leider habe ich noch keine Firma gefunden, bei der man das Bakterium Azorhizobium caulinodans einfach bestellen kann. Eventuell muß man sich hierfür an die "Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ)" in  Braunschweig wenden ( http://www.dsmz.de/ ).

Irgendwo habe ich auch noch eine Studie, die beschreibt wieviel man vom Naringenin bzw. von Tomatenpürre oder Tomatenmark pro Gewichtseinheit oder Ackerfläche benötigt, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Das liefere ich noch nach.

Hier ein Link zu einem (englischen) Artikel über die Kombination von Weizen und Azospirillum lipoferum in einer  Ausgabe der Zeitschrift "Plant and Soil":

"Yield increases in spring wheat (Triticum aestivum L.) inoculated withAzospirillum lipoferum under greenhouse and field conditions of a temperate region "
(Ertragssteigerungen bei Frühjahrsweizen(?) (Triticum aestivum L.) unter Gewächshaus- und Freilandbedingungen aufgezogen wurde und mit Azospirillum lipoferum geimpft (gebeizt) wurde.)
http://www.springerlink.com/content/w75024561477/

Hier eine Liste der möglichen Kombinationen von Nutzpflanzen und Bakterienarten:

"Assoziationen stickstoffbindender Bakterien mit tropischen Gramineen"
http://www.biologie.uni-hamburg.de/b-online/d34/t1.htm

Und eine Tabelle mit dem möglichen N-Gewinn bei verschiedenen Nutzpflanzen in unterschiedlichen Klimazonen:

"Stickstoffgewinne nach Bilanzuntersuchungen beim Anbau von Gramineen"
http://www.biologie.uni-hamburg.de/b-online/d34/t2.htm



Klee und Reis in Ägypten

"For over seven centuries rice rotation with clover has significantly benefited rice production in Egypt. Clover is normally associated with Rhizobium leguminosarum bv. trifolii that forms N2-fixing nodules in the root of this plant. Surprisingly, strains of this bacterium also were encountered inside the rice plant with around 104-106 rhizobia per gram of fresh weight of root. "
("Über sieben Jahrhunderte lang hat der Fruchtwechsel von Reis mit Klee die Reisproduktion in Ägypten deutlich verbessert. Klee lebt normalerweise mit Rhizobium leguminosarum bv. trifolii zusammen, das N2-bildende Knötchen in den den Wurzeln dieser Pflanze bildet. Überraschenderweise wurden Unterarten dieses Bakteriums innerhalb der Reispflanze mit ungefähr 104-106 Rhizobien pro Gramm Wurzel-Frischgewicht gefunden.")

Aus "Dinitrogen-Fixing Bacteria" (Distickstoff-fixierende Bakterien):
http://141.150.157.117:8080/prokPUB/chaphtm/022/COMPLETE.htm


Der Boden muß für eine optimale Arbeitsweise der Bakterien ein neutrales Milieu haben (aus http://www.bio-gaertner.de/ ):
"Nährstoffmangel /-überschuss
1) Hauptnährstoffe.

Kalzium - Wichtig für Enzyme und Zellteilung. Die Stickstoffbindung wird verstärkt, Vergiftungen im Zellgewebe aufgehoben. Fast für alle Pflanzen notwendig. Das Calcium steuert die Spaltöffnungen der Blätter, es festigt das Pflanzengewebe (Zellwände), regt das Bodenleben an, bindet Säuren, baut den Humus ab, sorgt für Krümelstruktur: Der positiv geladene Phosphorkalk wird von den negativ geladenen Humus-, Kieselsäure- und Tonteilchen absorbiert. Dadurch entstehen durch Ausflockung Krümel mit neutraler Reaktion, der Boden wird locker. Ausserdem entstehen bei neutraler Bodenreaktion besonders günstige Verhältnisse für die Bildung von Stickstoff in Form von leicht löslichem Salpeterstickstoff durch stickstoffersammelnde Bodenbakterien (Azotobacter). Deren Aktivität führt dazu, dass in den Boden bis zu 2,5 g Stickstoff je Quadratmeter aus der Luft eingebracht werden. Andererseits werden dem Boden durch Auswaschung und Aufnahme durch die Pflanzen bis zu 60 g/qm entzogen, bei Ausschluss von sauren Düngern (schwefelsaures Kali, Superphosphat, Volldünger) und bei naturnaher Düngung ist der Verlust an Kalk allenfalls halb so hoch."
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JB
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« Antwort #1 am: 07.08.08, 13:18 »

Solange es keine abgesicherten Versuche gibt, nützen die ganzen Links auch nicht viel !

Schau mal hier http://www.agrowissen.de/de/forum/index.php?topic=2466.0

Dort wurde das Thema unter den Ackerbauern schon diskutiert.
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mary
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Baeuerin - Beruf mit Herz


« Antwort #2 am: 07.08.08, 14:10 »

Hallo Stephan,
wenn unser Silo zugeckt ist, dann werd ich mich durch deine Links durchlesen. Wir haben jetzt Jahr Nr. 10 Erfahrungen mit Bakterien,
 Cheesy. Wir haben in dieser Zeit sehr viel hinzugelernt.
Heuer hab ich einen Parzellenversuch mit den verschiedensten Bodenhilfsmitteln und Planzenstärkungsmitteln im Grünland  gemacht.
So und jetzt werden wir unser Silo zudecken- dank dem wichtigsten Dünger, dem Regen haben wir jetzt genug zu tun. Cheesy
Herzl. Grüsse
maria



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mary
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Baeuerin - Beruf mit Herz


« Antwort #3 am: 09.08.08, 09:41 »

Hallo Stephan,
hab gestern Abend begonnen, deine Links durchzulesen. Frau lernt nie aus Grin.
Von Lutzenberger hab ich schon einige Bücher gelesen, von Johanna Döbereiner nur mal am Rande etwas mitbekommen.
Eines kann ich nur unterstreichen- es ist wichtig, auf einer kleinen Fläche eigene Versuche zu machen, denn damit bekommt man ein wenig Ahnung und Gefühl für die Sache mit den Bakterien.
Dass das Wissen um Bodenbakterien nichts Neues, sondern langstbekannt ist, das ist doch sehr interessant.
Es gibt auch über Regenwürmer usw. einiges zu finden.
Aber nach meinem Gefühl geht es letztlich um den Humus- je höher der Anteil davon im Boden umso bessere Ergebnisse sind zu erzielen.
Nur mal mit den Bakterien drüberfahren, ohne sich um deren Lebensbedürfnisse zu kümmern- wird nicht funktionieren.
Ich hab heuer den Bodenpraktikerkurs Grünland in Österreich gemacht, Bodenchemie, Bodenbiologie, Hofdüngerbehandlung Botanik, Regenwurm usw. usw. alles zusammen ergibt am Schluss
den Versuch, ein gutes Wachstum zu erzielen. Sich aus den verschiedenen Aussagen der Topexperten seine Möglichkeiten und seinen Weg zu finden-
ich hab z.B. eine Parzelle mit allem, was man dem Boden gutes tun kann, gemacht- ja, stimmt wirklich, das Wachstum war wirklich enorm- aber wenn ich diesen finanziellen Aufwand auf die Grünlandfläche hochrechnen würde, funktioniert bei diesen Milchpreisen leider nicht.
Deine Ideen und Ansätze find ich sehr gut, auch vielen Dank für die sehr guten Links-
aber letztlich muss unterm Strich Aufwand und Ertrag zusammenpassen.
Waren jetzt nur mal so die Erfahrungen von 1o Jahren Bakterienanwendung in der Landwirtschaft, ich fand und finde es immer nocht sehr interessant und spannend, was da noch alles auf dem Weg daherkommt. Was auch heute noch fehlt, die Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis,
wir haben schon einige Bakterienprodukte ausprobiert, hab eigentlich nur bei einem einzigen auch einen guten Praxisbezug gefunden.
Herzliche Grüsse
maria
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Stephan
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« Antwort #4 am: 09.08.08, 16:58 »

@JB

Hallo JB,
es stimmt, dass es in Deutschland wohl noch keine umfangreichen Versuche gab. Deswegen hatte ich letztes Jahr in Zusammenarbeit mit einem Landwirt in Mecklenburg-Vorpommern versucht einen mehrjährigen Feldversuch mit Hilfe eines KMU-Programms ("KMU innovativ", Thema Biotechnologie) durchzuführen, der in diesem Frühjahr hätte beginnen sollen. Der Antrag wurde abgelehnt.
In Brasilien wird wohl schon seit einiger Zeit (ca. 30 Jahren ?), dank der Arbeit von Johanna Döbereiner (gestorben im Jahr 2000) erfolgreich das Bakterium (Glucono)Acetobacter diazotrophicus beim Anbau von Zuckerrohr eingesetzt. U.a. daher dürfte der unschlagbar günstige Preis für Ethanol aus Brasilien herrühren.
Auch beim Soja fand sie ein passendes Bakterium: Bradyrhizobium japonicum.

Dann habe ich das Beispiel Ägypten mit dem Reis genannt, eine Studie über die Erfolge beim Weizen (ein Artikel, den man kostenpflichtig - ca. 35,- Euro - beim Springer-Verlag kaufen muß) und eine ausführliche Studie über einen Laborversuch bei der Aufzucht von Raps in Verbindung mit Bakterien und einem Flavonoid.
Das müßte doch eigentlich als Nachweis ausreichen, um zu belegen, dass das keine Hirngespinste sind. Deswegen habe ich ja extra soviel geschrieben.

Auf der Seite der Firma A.A.T. sind einige Links zu Berichten über Erfolge in anderen Ländern (u.a. in Kenya, Sambia, England und Australien) aufgeführt.



Hallo Mary,
leider gibt es die meisten Studien nur auf Englisch. Gerade zu dem Beispiel mit dem Reis und dem Klee in Ägypten habe ich fast eine Stunde per Google gesucht und nichts Gescheites auf deutsch gefunden. In den USA kann man Ausgaben von wissenschaftlichen Zeitschriften, die älter als ein Jahr sind, kostenlos lesen. In Deutschland gibt es so etwas glaube ich überhaupt nicht. Und dann gehören die meisten Artikel auch noch dem Springer-Verlag, der sich die gut bezahlen läßt. Auch dessen wissenschaftliche Bücher, meisten wichtige Fachbücher, sind im Preis ganz schön happig. Wenn man verhindern will, dass wichtige Forschungsergebnisse nur einem kleinen Kreis vorbehalten bleiben soll, dann schafft man es auf diese Weise sicher ganz gut.

Mein ganzes Wissen über Bakterien und Landwirtschaft und viele Hinweise dzau habe ich neben dem Lesen von vielen Artikeln und Dokumenten vor allem aus dem deutschen Peak-Oil-Forum, das früher bei Parsimony.net geführt war und heute eigenständig ist.

Viel gelernt über den Boden, Bakterien, Humus, Regenwürmer und sonstige ökologische Zusammenhänge habe ich durch ein Online verfügbares Buch namens "Die letzte Chance" von Annie Francé-Harrar (Raoul H. Francé dem großen ersten Vorkämpfer des Humusgedankens zum Gedächtnis, 1950, Bayrischer Landwirtschaftsverlag GmbH, München ). Das ist oder war die Frau dieses anscheinend damals berühmten Humusforschers Francé. Da stehen Antworten drin zu so Fragen wie "Warum war Ungarn früher die Kornkammer Europas und warum heute nicht mehr?" oder "Warum befinden sich die meisten antiken Häfen, die an Flüssen bzw. Flussdeltas gelegen haben,  heute einige Kilometer von der Küste bzw. dem Ufer entfernt?".
In diesem Buch steht auch, dass man in einem sehr guten,fruchtbaren Boden nur relativ wenig pflanzenverfügbaren Stickstoff oder sonstige wichtige Nährstoffe und Spurenelemente findet. Die Bodenlebewesen arbeiten anscheinend mit den Pflanzen nach dem Motto "just in time" zusammen, so dass die Pflanze immer gerade das bekommt, was sie auch gerade braucht, so dass da also keine Stickstoff oder sonstigen Depots aufgebaut werden. Das würde ja wahrscheinlich durch Regen auch direkt ausgewaschen werden.

An die Admins wegen meines zweiten Beitrags:
Ich wollte auf gar keinen Fall Schleichwerbung machen, sondern den potentiellen Nutzern nur Arbeit ersparen, deswegen hatte ich ja auch drei Firmen mit drei verschiedenen Produkten genannt.
Zur Zeit lebe ich, da ich längere Zeit arbeitslos bin, von Hartz IV. Trotzdem bekomme ich von den genannten Firmen keinen müden Cent. Das kann ich zur Not auch schriftlich bestätigen.
Ich mache mir aufgrund der Problematik von Peak Oil einfach Sorgen um unsere, meine, eure Zukunft.
Auf lange Sicht werden wahrscheinlich alle Bauern auf ökologische Bewirtschaftung umstellen müssen (aufgrund weiter steigender Energie-, Dünger und PSM-Preise), wenn sie konkurrenzfähig bleiben wollen. Außer die EU zahlt den konventionell wirtschaftenden Bauern jeweils eine Ausgleichsprämie, damit sie wenigstens gleich gestellt bleiben.
Energie ist im Verhältnis zum Faktor Arbeit immer noch zu billig. Deswegen ist es (noch) billiger sich einen neuen Drucker zu kaufen, als ihn reparieren zu lassen.
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mary
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Baeuerin - Beruf mit Herz


« Antwort #5 am: 10.08.08, 10:19 »

Hallo Stephan,
ich hab das Buch von Anne France-Harrar über den Humus. Ein tolles Werk - ich hab 5 Jahre in sämtlichen Antiquriaten darum gesucht, war ein Glücksfall, dass es zum Runterladen zu finden war. Inzwischen ist es nochmals neu aufgelegt worden.
Wenn 1950 eine Frau in einem der angesehensten Agrarverlage ein Buch mit 700 Seiten aufgelegt bekommt, dann muss es eine aussergewöhnliche Frau gewesen sein. Sie und ihr Mann haben für den Boden sehr viel geforscht. Anne France-Harrar war mehrere Jahre in Mexiko und hat dort auch gegen den Humusschwund versucht anzukämpfen. Es gibt über diese Zeit ein Buch, die Bilder der verschiedenen Zuckerrohrbestände haben mich auch beeindruckt.
Mir sind noch ein paar aussergewöhnlicher Frauengestalten um den Boden untergekommen, Frau Prof. Lore Kutschera, eine geniale Wurzelforscherin, Frau Maria Müller aus der Schweiz, die bestimmt einen Hauptanteil an dem gemeinsamen Werk über den Biloandbau getragen hat, Frau Margreth Sekera aus Österreich und Vandana Shiva aus Indien im Einsatz um das bäuerliche Saatgut.
Die Liste liesse sich noch bestimmt sehr lange fortsetzen.
Über Stickstoffsammelnde Bakterien in Graspflanzen gab es schon frühere Forschungen, ich glaub es war Virtannen, der hier einiges herausgefunden hat.
Aber wird wirklich das Stickstoffproblem das Problem- ich sehe momentan die Verknappung von Phosphor - und die Spurenelemente werden folgen-
Vielleicht wäre ein wenig Demut und Achtung vor der Natur ein Weg,
denn vor Justus von Liebig gab es schon lange die Bewirtschaftung des Landes- die Erfolge und Fehler waren mitbeteiligt am Aufbau oder Untergang ganzer Kulturen.
Dass Humus so ein Schattendasein fristet- das ist im Hinlick auf die Verknappung der Energie und der Ressourcen ein gewaltiges Problem.
Herzl. Grüsse
maria



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Hamster
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Bäuerinnen - find ich gut!


« Antwort #6 am: 10.08.08, 12:42 »

Hallo,
interessant finde ich das Thema allemal.

Es stört mich allerdings, dass hier KUNSTDÜNGER verwendet wird.
Sollte es nicht besser MINERLADÜNGER heißen?

LG
Hamster

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Liebe Grüße
sagt der Hamster
KlausS
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« Antwort #7 am: 10.08.08, 21:52 »

Hallo,

den Begriff des Kunstdüngers muss schon durch Minereraldüger für den einheitlichen Sprachgebrauch.

N-Dünger wird so energieaufwenig produziert dass der Begriff des Mineraldüngers auch nicht wirklich passt.


Die Homepage von Twin-N finde ich eigentlich ganz gut, es gibt nur viel zuwenig Praxierfahrung oder wissenschaftliche Begleitung um  es etwas fundierter zu haben.
Aber mit 60€ /ha für den Einsatz der Bakterien kann man ja auch mal ein wenig selbst probieren.

Gruß
Klaus


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mary
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Baeuerin - Beruf mit Herz


« Antwort #8 am: 11.08.08, 07:40 »

Wenn ich  mir die Peisentwicklung beim Dünger vor Augen halte, dann sehe ich aber beim Phosphor noch viel grössere Preisprobleme daherkommen.
Auf der anderen Seite- wir sind kein reiner Ackerbaubetrieb, sondern haben auch Tierhaltung-
hier liegen in der Behandlung des Hofdüngers noch gewaltige Potenziale brach.
Herzliche Grüsse
maria
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Tyrolens
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« Antwort #9 am: 11.08.08, 11:56 »

Servus!


Ich denke, es ich unbestritten, dass es Bakterien gibt, die N binden und auch wieder abgeben können. Die Frage ist viel mehr, wie man eine entsprechend große Population solcher Bakterien in den Boden bekommt.

P ist ein ganz interessantes Thema. Denn P gibt's eigentlich genug, nur eben nicht in abbauwürdiger Form. Jedenfalls in Mitteleuopa verfügen sehr viele Böden über P Vorkommen in Höhe von mehreren Tonnen/ha. Natürlich hat das ganze nen Hacken. Dieser P ist schwer löslich. Doch gibt's durchaus Wege, diesen löslich oder leicht löslich zu machen. Ein Weg führt zB über Ca. Es gibt aber auch Bakterien, die P aus dem Boden lösen können.

So wie es auch Bakterien gibt, die Wasserstoff erzeugen können. Aber das ist eine andere Geschichte. Wink


Viele Grüße

Thomas
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Gisela
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« Antwort #10 am: 11.08.08, 17:10 »

Hallo,
zu dem Thema gibt es ein intersanntes Buch.
Geschichte der Mikrobiologie
Hans Günter Schlegel
ISBN 3-8047-2086-2
Besonders klasse finde ich das, Angelina Hesse, Agar- Agar als Gelantinsersatz vorschlug und so die Agarplattenmethode bei der Reinkulturzüchtung von Baktereien voran trieb.
Es liesst sich manchmal ,durch die vielen Querverweise ,etwas langsam ,erklärt jedoch sehr viele Zusammenhänge von allen Lebewesen, vor allem im Boden.
Gruß
Gisela
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Baeuerin - Beruf mit Herz


« Antwort #11 am: 12.08.08, 19:58 »

Hallo Gisela
hört sich sehr interessant an. Ich hab vor einer Weile ein Buch von Roul france über das Leben im Boden aufgetrieben. In diesem Buch sind die Bodenbakterien abgebildet, fand ich auch interessant, einmal zu sehen, wie diese Bodenbewohner aussehen.
Herzliche Grüsse
maria
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KlausS
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« Antwort #12 am: 12.08.08, 21:39 »

Hallo ,

ich finde die Humusdiskussion, aber auch P und anderen Nährstoffe sehr interessant.

Aber der Gedanke, N übers Blatt als Bakterium zu verabreichen und es sollen bis zu 165 kg /ha sein, finde ich doch sehr spannend.

Wundert mich eigentlich dass das Thema nicht mehr Interesse findet.

Für den konventionellen Landbau wäre es eine wesentliche Einsparung und für die Ökos könnte es die Fruchtfolge verkürzen.

Eigentlich müssten alle Fachblätter, Berater , Umweltverbände  jubeln. Die Stickstoff- Düngemittelindustrie müsste schon jetzt Trauer tragen, wenn Sie nicht nur teuer sein müssen, sondern gar nicht mehr gebraucht werden.

Was ist als dran?

Gruß

Klaus

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Stephan
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« Antwort #13 am: 12.08.08, 22:09 »

Hallo Tyrolens,

Zitat
"Ich denke, es ich unbestritten, dass es Bakterien gibt, die N binden und auch wieder abgeben können. Die Frage ist viel mehr, wie man eine entsprechend große Population solcher Bakterien in den Boden bekommt.

Da ich mich nicht tagtäglich damit beschäftige und mein Vortrag über die Stickstoffbakterien schon fast ein Jahr her ist, kann ich das jetzt nur so aus meinem Gedächtnis wiedergeben:
Man kann z.B. die Samen mit einer Bakterienflüssigkeit (eine Nährlösung mit Bakterien drin) impfen, d.h. die Samen werden einige Stunden zusammen mit der Nährlösung z.B. in einem neuen, sauberen bzw. desinfizierten und dann mit klarem Wasser ausgespülten mobilen Betonmischer mehrere Stunden langsam umgewälzt.
Bei A.A.T. gibt es zur Anwendung einige Hinweise wie man die Bakterien ausbringen soll. Bei dem Landwirt mit dem ich den Bakterienversuch machen wollte, habe ich mal eine solche Bakterienflasche (eine durchsichtige Plastikflasche gesehen, in der die Bakterien geliefert werden.
Wenn man es richtig anstellt (ausreichend Nährlösung, Sauerstoff, ideale Temperatur, leichtes Schwenken), kann man aus einer solchen kleinen Menge eine ziemlich große machen, aber da bräuchte man dann wohl einen Mikrobiologen mit Erfahrung dazu.

Zitat
Dieser P ist schwer löslich. Doch gibt's durchaus Wege, diesen löslich oder leicht löslich zu machen. Ein Weg führt zB über Ca. Es gibt aber auch Bakterien, die P aus dem Boden lösen können.
In meinem zweiten (gelöschten) Posting hatte ich ein Produkt beschrieben, das solche Bakterien enthält. Letztes Jahr oder vor zwei Jahren habe ich über Bakterien gelesen, die sogar Glas, Beton oder Stahl "fressen" können, d.h. wohl mit Hilfe von selber produzierten Säuren.
Wer den Namen dieses Produktes wissen will, dem schicke ich gerne eine PM.

Zitat
Mir sind noch ein paar aussergewöhnlicher Frauengestalten um den Boden untergekommen, Frau Prof. Lore Kutschera, eine geniale Wurzelforscherin, Frau Maria Müller aus der Schweiz, die bestimmt einen Hauptanteil an dem gemeinsamen Werk über den Biloandbau getragen hat, Frau Margreth Sekera aus Österreich und Vandana Shiva aus Indien im Einsatz um das bäuerliche Saatgut.

Hallo Maria,
über Vandana Shiva habe ich auch schon einiges gelesen und auch im Fernsehen gesehen (z.B. auch ihr Kampf gegen die Privatisierung von Wasserquellen in Dörfern oder den katastrophalen Wasserverbrauch und gleichzeitig die Wasserverschmutzung die von Coca-Cola-Fabriken in Indien ausgeht.

Jetzt muß ich aber für die Gleichberechtigung mal auch ein paar Namen von Männern nennen. Nicht, dass wir trotz unserer schlechteren Gehirneigenschaften noch völlig untergehen.  Cool

Ein ganz wichtiger Name ist Geoff Lawton, ein Lehrer für Permakultur (ein Schüler von Bill Morrison?).

 Dazu ein Bericht (auf englisch) über ein kleines Wunder (versalzener Boden und nur sehr wenig Niederschlag) in der Nähe des Ufers des Toten Meeres in Jordanien, das Geoff Lawton zusammen mit einer Kollegin bewirken konnte:
http://permaculture.org.au/?p=253

Dazu die passende Diashow (englische Sprache):
http://permaculture.org.au/?p=230

Ähnliche Prinzipien hatte ein australischer Farmer schon in den dreissiger und vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts angewandt (P.A. Yeomans).

Eine gute Beschreibung der Idee (leider auch wieder auf englisch), die Konturen der Landschaft für die Bewässerung auszunützen und damit eine einfache technische und gleichzeitig günstige Möglichkeit für ausreichend Pflanzenwachstum in trockenen Gebieten zu schaffen:

"THE GEOGRAPHICAL AND TOPOGRAPHICAL BASIS OF KEYLINE
by the late Prof J. MacDonald-Holmes, Dean of the Faculty Geography, University of Sydney."
http://www.yeomansplow.com.au/basis-of-keyline.htm

Die von Yeomans und viele andere gute Bücher (alles auf englisch) sind online und kostenlos (!) über diesen Link zu haben:
http://soilandhealth.org/01aglibrary/01principles.html

Vielleicht komme ich in diesem Jahr mal dazu ein paar dieser wichtigen Texte zu übersetzen (ca. halbe Stunde pro Seite bei einer guten Übersetzung).

Stephan
« Letzte Änderung: 12.08.08, 22:32 von Stephan » Gespeichert
Stephan
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« Antwort #14 am: 12.08.08, 22:44 »

Zitat
Eigentlich müssten alle Fachblätter, Berater , Umweltverbände  jubeln. Die Stickstoff- Düngemittelindustrie müsste schon jetzt Trauer tragen, wenn Sie nicht nur teuer sein müssen, sondern gar nicht mehr gebraucht werden.

Was ist als dran?

Hallo Klaus,
bei der Recherche für den Antrag zwecks Förderung für unseren Bakterien-Feld-Versuch durch das Programm "KMU innovativ" hatte ich auch eine Patentrecherche gemacht. Da bin ich dann auf folgendes gestossen:


Einmal das Dokument/Patent DE000003788689T2 ("Pflanzenwachstumsteigernde Rhizobakterien für landwirtschaftliche Nichtwurzelgetreide.") und zum anderen das Dokument/Patent DE000003752041T2 ("Nützliche, direkt wirkende Bodenbakterien ").

Beachtung des Datums und der Firma der jeweiligen Patentanmeldung:

1. Dokument: ESSO CHEMICAL CANADA, CA (Anmeldedatum 19.08.1987)
2. Dokument: AGRIUM INC, CA (Profil: http://www.answers.com/topic/agrium-inc?cat=biz-fin ) (Anmeldedatum: 15.12.1987)

Die erste Firma dürfte bekannt sein und die zweite Firma ist anscheinend einer der größten Düngemittelherstellers Nordamerikas bzw. damit wohl auch der ganzen Welt mit ca. 6.500 Mitarbeitern und einem Umsatz in 2006 von ca. 4,2 Mrd. Dollar. Früher hieß die Firma Cominco Fertilizers.
Irgendwie hängen diese beiden Firmen aber anscheinend zusammen bzw. haben zusammengearbeitet wie ich in einem anderen englischen Patent-Dokument gesehen habe, das sich auf das gleiche Thema bezieht.

Bei meinem Vortrag auf dem Pflanzenölfahrertreffen in Luplow im Oktober 2008 waren hauptsächlich Fachleute (Agraringenieure und Landwirte) anwesend. Trotzdem hatte noch niemand etwas von dieser Möglichkeit gehört. Auch drei landwirtschaftliche Berater mit denen ich im Dezember gesprochen hatten wußten damit nichts anzufangen.

Dabei gibt es schon seit Jahren Konferenzen dazu:

"7th European  Nitrogen Fixation  Conference
22-26 July 2006 - University of Aarhus - Denmark"

"Herlache, T. C., A. D. Kent, P. Riggs, A. Iniguez, M. K. Chelius, and E. W. Triplett. 2000. The Gluconacetobacter diazotrophicus genome project. 17th. North American Conference on Symbiotic Nitrogen Fixation. Quebec, Canada. Abs. p. 82."

Diese Nordamerikanische Konferenz findet alle zwei Jahre statt, bei der europäischen weiß ich es nicht genau.

Das passt z.B. dazu, dass man in Österreich in den Nachrichten (Fernsehen, Zeitung, Rundfunk) manche Dinge erfährt, die hier in Deutschland nicht mal erwähnt werden. Das nur mal so am Rande.

Stephan
« Letzte Änderung: 12.08.08, 22:50 von Stephan » Gespeichert
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