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Autor Thema: Mitarbeiter der trinkt  (Gelesen 1792 mal)
Tormenta
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« am: 09.07.08, 09:17 »

Eigentlich sollte ich bereits seit Stunden am pressen von Heu sein, doch weiss nicht wo mir der Kopf steht. Wir haben einen der Mitarbeiter, der erstens immer alles besser weiss, zweitens alles hervorragend macht, und drittens noch trinkt sobald er kann und luegt dass die Balken sich biegen. Heute war wieder mal so ein schrecklicher Tag, mein Mann und ich sollten was dringendes besprechen,er stuermt ins Buero rein, schreit uns an, wir sollen endlich kommen er muesse mit dem Traktor aufs Feld rechen gehen, wie wir ihm dies gesagt hatten. Meine Antwort wir besprechen noch kurz bis ans Ende und dann kommen wir, er schreit weiter. Anschliessend haben wir gesagt er soll Feierabend machen wir erledigen dies selbst dann ein weiteres mal nach 2 Stunden eine Besprechung er besoffen und schreit und macht uns Vorwuerfe etc. wir haben gesagt das beste ist wir trennen uns und er geht seinen Weg. Er ja kein Problem .... drei Stunden spaeter kommt er ins Farmerhaus, sagt zu mir (mein Mann ist schon am pressen), ich haette Angst vor ihm er koenne mir eins hauen dass ich nicht mehr aufstehen werde.... Naja meine antwort kein Problem mach was du nicht lassen kannst, dann war Ruehe bis zum naechsten Anfall. Nach ca. einer Stunde ist er ins Haus rueber gegangen und hat dort mit meinem Sohn gestritten. (Mein Sohn hat ihm gesagt, dass er endlich mit der sauferei aufhoeren soll, denn wenn er nichts sauft, dann geht alles gut mit ihm. mein Sohn hat ihn auch aus der Schweiz gebracht, es sind Kollegen.). Nun steht er auf dem Deck und besauft sich sinnlos, sprechen kann man nicht mit ihm, nur das eine er moechte nicht gehen er wolle bleiben und sich bessern.

Seine Lebensgeschichte, 32 Jahre alt, ehemaliger Drogenabhaengiger, Wohnung gekuendigt in der Schweiz, Schulden ca. 20 000 Fr. und will hier zu sich finden und sein Leben neu organisieren und anschliessend wieder zureuck.

Wir haben ein sehr grosses Herz, doch was zu weit ist geht zu weit, hat mir dann die Stundenabrechnung gegeben damit ich abrechnen kann, dort hat er mich noch um mehr als 50 Stunden beschissen, (hat Stunden aufgeschrieben an Tagen an denen er frei hatte, super).

Was haben die Leute hier fuer eine Situation wenn sie bei uns arbeiten
Stundenlohn ab $ 10.00 je nach Arbeit
Kost und Logie gratis, steht ein ganzes Haus zur Verfuegung zu Kost und Logie gehoert auch die gewaschene Waesche sowie saemtliches Duschmittel, Zahnpaste etc.
Auto stehen immer zur Verfuegung, das heisst wir bezahlen den Benzin sowie saemtlicher Unterhalt und die Jungs koennen diese nur gebrauchen. Telefon Natel wird zur Verfugung gestellt fuer Telefone in Canada
Telefongespraeche in die Schweiz werden nach Telefonrechnung aufgelistet und bezahlt
Versicherungen etc. werden von uns getragen
Wenn sie Ferienreisen unternehmen, steht ein Wohnmobil zur Verfuegung, dort muessen sie den Anteil Versicherung bezahlen wird nach Tagen des Gebrauchs berechnet sowie den Benzin und den kleinen Unterhalt auf der Reise. Pflicht ist es eine Haftpflichtversicherung zu haben diese geht zu Lasten des Lenkers.

Ach es ist so zum....haareraufen, wir haben es sonst so gut, sind alle wie eine grosse Familie er ist sonst auch ein so lieber Mann, doch diese Situationen geben mir zu denken.

Sorry meine lieben Forumfrauen, dass ich nun mal geheult habe, aber bin einfach ein bisschen ratlos was wir wirklich machen sollen.

Immer wenn du die Maenner brauchst sind sie nicht da, meiner am pressen, der Sohn am maehen und ich ja sollte schon sooooo lange auch weg sein, die Oma hat Angst wenn er so spinnt und denkt er kommt rueber in unser Haus, denn Tueren abschliessen das kennen und koennen wir gar nicht, naja sie schlaeft nun, und ich werde noch ein bisschen warten dann losgehen. Vielleicht kommt mir eine gute Idee wenn ich so alleine im Feld bin, mit meinen Rundballen, den Kojoten sowie auch vielleich noch dem Fuchslein.

Danke fuers lesen hoffe ihr versteht meine Situation ein bisschen.

Einen ganz schoenen Tag
Liebe Gruesse Tormenta
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Benita2
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« Antwort #1 am: 09.07.08, 09:48 »

Hallo Tormenta,
..... es ist immer das Gleiche mit den Drogenabhängigen.
Wie konntest du dich auf sowas einlassen, ....... den bringt du so schnell nicht wieder los.
Du bist Opfer deines großen Herzens geworden, hast immer an das Gute im Menschen geglaubt!
Du tust mir wirklich leid, .... ich würde mich auch vor so einem Typ fürchten.
Einen Rat kann man in so einem Fall gar nicht geben.

Benita!
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Viele. liebe Grüße von Benita!
Ingrid2
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« Antwort #2 am: 09.07.08, 14:40 »

Ach Benita, jetzt scher mal nicht gleich alle über einen Kamm! Da gibts solche und solche.

Tormenta hat einfach Pech - und war natürlich zu gutmütig. Aber Fehler machen wir ja auch alle - es hätte auch gutgehen können. Immerhin hat ihr Sohn ja den jungen Mann mitgebracht aus der Schweiz - da würd ich mich auch darauf einlassen.

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Landmama
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« Antwort #3 am: 09.07.08, 16:14 »

oh das große Herz....dass kenne ich auch Wink

hab nem Fliesenleger fast 4000 € Abschlag bezahlt ( hat mir ne Story aufgdreht und ich hatte so Mitleid ) nun kommt er seit letzten Freitag nimmer.....
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passivM
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« Antwort #4 am: 14.07.08, 18:22 »

Wenn einer betrunken ist,
DARF man ihn gar nicht beschäftigen.
Wenn da was passiert, kann einen das um Haus und Hof bringen  Shocked

lieben Gruß
Anna
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Liebe Grüße
aus dem schönen Mecklenburg-Vorpommern
Tormenta
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« Antwort #5 am: 15.07.08, 07:35 »

Meine Lieben
Endlich Zeit euch zu sagen wie es weitergegangen ist. Habe mit seinem Vater und Bruder in der Schweiz telefoniert, dort volle Unterstuetzung erhalten, die helfen und stehen hinter uns. Am naechsten Tag am morgen kam er zu meiner Mutter und hat nach mir gefragt, ihre Antwort Moni ist am pressen, also musste er warten, dann suchte er das Gespraech, wir haben ueber die Situation diskutiert, Loesungen vereinbart und nochmals einen gemeinsamen Start vorgenommen. Die Losungen sind, kein Alkahol, das Haus wird regelmaessig von uns kontrolliert, er erhaelt nur noch Taschengeld, und muss die Quittungen zeigen, damit wir sehen was er gekauft hat, dann durfte er bis am Sonntag als Strafe nicht arbeiten, musste sich Gedanken ueber sich und sein Verhalten machen. Ihr koennt euch nicht vorstellen, im Moment sind wir gleucklich, er ist ganz normal, hat nichts getrunken und ist einfach weider der alte den wir immer geliebt haben. Wir hoffen dass es so bleibt und wir noch eine gute Zeit gemeinsam verbringen koennen. Er will von seinem Problem loskommen und sieht ein, dass er nur noch diese eine Chance hat, sonst ist es aus, auch in vielen anderen Sachen, denn sein Vater gibt ihm auch keine neue Chance also weiss er dass nun wirklich kurz vor zwoelf ist.
Schoenen Tag
Tormenta
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winnipooh69
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« Antwort #6 am: 15.07.08, 10:13 »

Servus meine Liebe,
ich wünsche es Dir das es so bleiben möge. Manchmal gesschehen doch mal Wunder aber meist nicht...Nur von kurzer Dauer!
Denke da er ja eine Arbeitserlaubnis hat - würde ich Ihm beim nächsten Mal ein Rückflugticket kaufen und nach Hause schicken...vielleicht kann ihm ja dort auch mal wieder geholfen werden.

Liebe Grüsse und Alles Gute!
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Ingrid2
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« Antwort #7 am: 15.07.08, 21:47 »

Hallo Tormenta,
das freut mich für euch. Vielleicht hat er ja wirklich seine letzte Chance erkannt. Ich finde es jedenfalls prima, daß ihr euch so einbringt, der Junge hat wirklich Glück.

Ingrid
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züsi
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« Antwort #8 am: 15.07.08, 22:03 »

hallo tormenta,

ich muss dir sagen, wir hatten vor x jahren auch so einen fall, einen 'ehemals' drogenabhängigen angestellten.
er war ein wirklich netter kerl und hat gut gearbeitet - wenn er clean war. aber eben, es ging eine weile gut,
dann ging er in die stadt in den ausgang, hatte entweder eine schlägerei, war natürlich total besoffen, oder
die polizei oder der spital hat angerufen, dann konnten wir ihn wieder abholen. dann ging es eine weile,mehr schlecht als recht, ich war immer wie auf nadeln weil man ja nie wusste ob und in welchem zustand er heimkommt.
dann nahm er sich wieder gute vorsätze und eine zeitlang war alles wieder ok - bis zum nächsten absturz.

weil die kinder dann grösser wurden haben wir uns von ihm getrennt, es war mir einfach nicht wohl dabei mit
einem drögeler und heranwachsenden kindern. er hat sich irgendwie durchgeschlagen, sogar geheiratet und
kinder gehabt aber am schluss ist er wieder bei den drogen gelandet, es ist irgendwie schon traurig.

ich wünsche dir viel glück mit diesem angestellten aber wenns nicht geht kannst du auch nichts machen.

gruss susanne
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Tormenta
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« Antwort #9 am: 15.07.08, 22:35 »

Hallo Zuesi

Ja eine Zeitlang geht es gut, dann kommt wieder ein Hammer, leider ist dies so. Hatte bereits in der Schweiz drei Drogenabhaengige die jeder einzelne mehrere Jahre in unserer Familie verbrachten. Alle drei haben es geschafft, der eine hat sogar die Rueti mit 5,7 abgeschlossen und die zwei anderen denen geht es auch gut. War fuer unsere Familie immer eine Herausforderung, meine Jungs lernten somit mit diesen Problemen umzugehen, ist sicher mit ein Grund dass beide nie was von Alkahol etc. gehalten haben und auch halten. Die drei Jungs mit denen haben wir heute noch Kontakt und das stellt einem immer wieder auf. Ja man muss mit denen eine ganz strikte Linie fahren, auch wenn es sich um erwachsenen Maenner handelt, man muss so konsequent sein wie mit einem heranwachsenden Kind, sonst verkaufen sie dich . Wir hoffen, dass er es wirklich nun schafft, hoffen darf man immer und aufgeben, naja das ueberlassen wir den andern.

Danke vielmals fuer die Anteilnahme und einen ganz schoenen Abend
Tormenta
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Tormenta
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« Antwort #10 am: 17.08.08, 06:24 »

Ein paar Wochen spaeter, heute fuehle ich mich um 100 kg leichter. Mein Sohn war dem Mitarbeiter auf dem Rueckweg von Toronto nach Medicine Hat (3100 km), nach 1300 km hat unser Mitarbeiter meinen Sohn angegriffen und geschlagen. Die Hoelle war los, Gottsei dank helfen hier in Kanada die Leute auf der Strasse bei solchen Situationen. Mein Sohn war nicht mehr gewillt mit dem im selben Camper zu fahren, also gab er ihm $ 200.00 damit er mit dem Bus heimfahren kann, gesagt getan er hat nach langen Diskussionen via Natel, und mit Hilfe der Tankwaerter vor Ort das Wohnmobil verlassen und seine Sachen gepackt. Mein Sohn vollkommen durch den Wind, wollte einfach nur  noch bis nach Regina kommen, denn dort trifft er auf einen Freund unserer Familie und kann dann die letsten 600 km mit diesem heimfahren. Mein Sohn fuhr an einem Tag 1100 km ist ohne essen und trinken nach 12 Stunden in Regina angekommen. Der Mitarbeiter fuhr mit dem Bus zu uns ins Dorf, hat mir heute von dort angerufen und mitgeteilt dass er nun heimkomme und ich ihn abholen kann. Meine Antwort, ja wir holen dich dann hast du zwei Stunden Zeit zum packen anschliessend fahren wir dich in die Stadt und das wars dann. (Wollte diskutieren), nein gesagt getan, abgeholt in der Stadt, wollte im Auto wieder sprechen, nein es ist aus, keine Entschuldigungen nichts mehr, auf dem Hof hat er dann alles gepackt und ich fuhr in wieder in die Stadt. Situation sein Vater und der Bruder wollen nicht helfen, dass er in die Schweiz fliegen kann (sei Ticket ist auf den 27.9. ausgestellt), sie sagen er habe schon soviel Schulden bei Ihnen dass sie dies nicht mehr interessieren. Also weshalb soll es dann uns interessieren, nein auch uns ist es nun egal, also wir werden die Summe die er uns noch schuldet einfordern und dann die Geschichte endgueltig abhacken.

Ihr koennt mir glauben, fuehle mich befreit, gluecklich und ruhig wie schon lage nicht mehr.

Schade diese Geschichte hat kein Happyend, aber auch damit muss man umgehen koennen.

Befreite Gruesse
Tormenta
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winnipooh69
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« Antwort #11 am: 17.08.08, 08:03 »

Servus Tormenta,

schön das Ihr diesmal so konsequent gewesen seit. Ich hoffe das bleibt Diesmal. Gute Mitarbeiter findest Du immer mal - kann aber vielleicht dauern, aber besser so als anders...und einfach jemanden Angreifen...geht gar nicht egal was war.
Ich wünsche Dir eine gute Erholungsphase und geniesse die Befreiung!

Liebe herzliche Grüsse zu Dir  Kiss
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Stephan
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« Antwort #12 am: 19.08.08, 16:39 »

Hallo,
ich würde gerne ein bischen von meinen Erfahrungen in Bezug auf Alkohol erzählen. Mich selber betrifft das Gott sei Dank nicht, da ich nur wenig Alkohol trinken kann, bevor mir schlecht wird. Ein langjähriger Bekannter ist inzwischen, nach einer Entziehungskur, ein trockener Alkoholiker, wobei trocken sich nicht nur auf Alkohol bezieht, sondern auch auf Medikamentenmissbrauch.
Von ihm weiß ich, dass er die großen Mengen von Alkohl nicht deswegen getrunken hat, weil er ihm so gut geschmeckt hat, sondern weil er die Wirkung des Akohol gebraucht hat, um seine Ängste und Sorgen in Schach zu halten.
Viele Jahre war er bei einem Psychiater, der ihm immer wieder gesagt hat, dass er erst vom Alkohol loskommen muß, bevor er seine eigentlichen Sorgen loswerden kann. Er war zwar ab und zu aggresiv in seinen Äußerungen, aber nie gewaltätig.
Die Entscheidung endlich zu einer Drogenberatungsstelle zu gehen und sich für eine Entzugstherapie anzumelden, traf er erst, als er merkte, dass er nicht mehr viele Jahre leben würde, wenn er so weiter machen würde.

Dieses oder letztes Jahr hatte ich eine Dokumentation gesehen über einen Chefarzt einer Suchtklinik in Berlin, der selber Alkoholiker war, aber erst vor kurzem selber eine Therapie machte. Er hatte sehr große Erfolge bei der Behandlung von Patienten, was wohl auf seine eigenen Erfahrungen zurückzuführen war: Er wußte genau was in einem Drogenabhängigen vorging und konnte ihm so das richtige sagen.

Es hilft glaube ich nicht viel einem Drogenabhängigen zu sagen, dass er mit den Drogen aufhören soll, weil diese schlecht für ihn sind. Genausowenig hilft es jemandem, der Angst vor Spinnen oder Angst vor dem Fliegen hat, zu sagen, dass Spinnen völlig ungefährlich und Fliegen eines der sichersten Transportmittel ist.

Leider erst letztes Jahr bin ich, Dank einem Buch von Franz Alt (der ehemalige Moderator des SWR) auf die Bücher der Schriftstellerin Alice Miller aufmerksam geworden. Das Buch "Das Drama des begabten Kindes" soll laut einer Verkäuferin in einem Buchladen, das Standardwerk für Erstsemester der Psychologie sein, obwohl ich in einem Forum das nicht so bestätigt fand.
In diesem Buch geht es, genau wie in zwei ihrer anderen Bücher ("Am Anfang war Erziehung", "Du sollst nicht merken"), um das Thema Gewalt in der Erziehung und ihre Folgen für die Betroffenen und auch für andere Menschen.
Es wird der Kreislauf der Gewalt beschrieben: Eltern erfahren in ihrer Kindheit Gewalt in physischer oder, genauso wichig (!), auch psychischer Form und geben dies dann normalerweise an ihre Kinder weiter.
Erwachsene versuchen quasi durch ihr Verhalten das auszudrücken, was ihnen in ihrer Kindheit widerfahren ist. Als kleine Kinder waren sie zum einen zu klein, um sich richtig bemerkbar zu machen, wenn ihnen Verletzungen zugefügt wurden, weil sie noch nicht sprechen konnten oder sie haben aus Angst geschwiegen, weil Kinder ja, um überleben zu können (Schutz und Nahrung), ihre Eltern nicht verärgern dürfen.

Viel wichtiger als materielle Hilfen ist für einen Drogenabhängigen wohl etwas, was nicht unbedingt immer in ausreichendem Maße vorhanden ist/sein kann:
Zeit und Geduld.
Vielen Menschen geht es gut/besser, wenn man ihnen zuhört, vor allem wenn es  um ihre Sorgen, Ängste und Nöte geht.
Im speziellen Fall des Mitarbeiters, der sich, trotz gegenteiliger Leistugen, für den besten gehalten hat, ist es wohl so gewesen, dass ihm zum einen die eigenen Eltern nur selten zugehört haben und auch wohl viel mehr gesagt haben, was er alles falsch macht und was er alles besser machen könnte. Aber es geht nicht nur um die Eltern alleine. Es würde oft reichen, wenn Kinder wenigstens einen einzigen Ansprechpartner hätte, (egal ob Oma,Kindergärtnerin, Nachbar, Lehrer, etc.) der Verständnis zeigt und ihnen zuhört.
Dazu wird das Beispiel Franz Kafka wird in den Büchern von Alice Miller auch erläutert.
Ich habe einmal mehrere Bücher von Franz Kafka geschenkt bekommen ("Der Prozeß", "Das Schloß", etc.). Aber ich habe es bis heute nicht geschafft auch nur eines davon fertig zu lesen. Frank Kafka gibt mit seinem merkwürdigen Erzählstil quasi wieder, dass er nie richtig von seiner Umgebung verstanden wurde (seine Eltern hatten ein Geschäft und nur wenig Zeit sich um ihren Sohn zu kümmern). Erst als seine Schwester älter wurde, hatte er endlich einen Menschen mit dem er reden konnte, aber da war er selber schon ein fast erwachsener Jugendlicher.

Ich habe selber auch einen Nachbarn, von dem ich weiß, dass er viel Prügel von seinem Vater bekam, der schon längere Zeit arbeitslos ist und viel trinkt. Letztes Jahr habe ich den Kontakt abgebrochen, weil ich das war er gesagt hat, nicht mehr mit anhören konnte. Das war allerdings noch bevor ich die Bücher gelesen hatte.
Wahrscheinlich kann ein Sozialarbeiter wesentlich besser helfen als der Durchschnittsbürger. Noch besser wäre aber sicher eine Psychotherapie, die allerdings natürlich ziemlich teuer ist und wo es in Deutschland auch entsprechende Wartezeiten gibt. Aber das sind ja alles Maßnahmen wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.
D.h. je früher man sich um die (alle (!)) Kinder kümmert (Zuwendung, Liebe, Geduld, Zuhören, etc.), desto besser.

Vor zwei oder drei Jahren wurde in einer Kleinstadt ein Landstreicher von mehreren Jugendlichen zu Tode geprügelt. Es waren Jugendliche aller Schichten beteiligt.
Ein älterer Mann, der dazu auf der Straße interviewt wurde, zitierte eine Weisheit der Indianer (ich gebe sie sinngemäß wieder): Die Erziehung der Kinder ist die Sache des ganzen Dorfes. Aber das ist mit immer größer werdenden Städten natürlich nicht mehr so einfach.
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Tormenta
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« Antwort #13 am: 19.08.08, 23:46 »

Was die Buecher von Alice Miller betrifft kann ich dir nur zustimmen. Diese Buecher sind bei mir immer im Einsatz sprich neben dem Bett und immer wieder lese ich darin oder schlage was nach.

Gruss
Tormenta
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