NOCH ist der Milchstreik (viele nennen ihn lieber den Milchlieferboykott) nicht beendet. Doch einiges ist bereits erreicht: der Berufsstand tritt geschlossen für die Forderung nach besseren Preisen auf, Gespräche mit Molkereien und Handel finden statt, erste Angebote und Zusagen wurden gemacht.
Die den Streik begleitende öffentliche Diskussion in den verschiedenen Internetforen (wie hier im BT-Forum) ermöglichte Auseinandersetzung, Rechtfertigung, Solidarisierung und erlaubte genauso, sich 'nur' etwas von der Seele zu schreiben. Insider wie auch Außenstehende konnten hier die sehr verschiedenen Einstellungen z.B. bzgl. der ethisch/moralischen Beweggründe, am Streik teilzunehmen oder eben auch nicht, kennenlernen.
Ich möchte mit diesem Thema anregen, sich bereits jetzt - und über den Streit hinaus - Gedanken zu machen und auszutauschen, was danach kommt. Hier einige kleine Anregungen dazu:
EntspannungNach dieser unruhigen und aufwühlenden Zeit ist es unerläßlich, wieder 'runter zu kommen' bzw. das Tief verlassen, in das einige der Streik verbracht hat.
BelohnungFür viele mag der faire Milchpreis, für den gerade gekämpft wird, Belohnung genug sein. Die Anerkennung der eigenen Arbeit durch einen gerechten Lohn ist aber nicht alles: Tut Euch was Gutes! Gönnt Euch einen Tag ganz ohne Quoten, Blockaden und Debatten! Milch-Eis statt Milchpreis!!
GenugtuungIch bin sicher, das es am Ende für uns alle Grund zur Freude geben wird. Das (bald) Erreichte darf uns stolz machen, dabei gewesen zu sein. Auch wer sich, aus welchen Gründen auch immer, dem Streik nicht anschließen konnte und dies standhaft verteidigt hat, kann ebenfalls stolz auf sich sein.
Und: Genugtuung ist auch die Größe, den nicht-streikenden Nachbarn am Erfolg teilhaben zu sehen.
VersöhnungEhepartner, Familien, Generationen, Berufkollegen und Nachbarn in den Dorfgemeinschaften haben (bald) eine unruhige Zeit hinter sich. Für die, die der Milchbykott entzweit (liefern/nichtliefern) hat wird es wichtig sein, wieder zueinander zu finden, damit die Ehe, das Mit- oder Nebeneinander wieder funktioniert. Auch wenn 'hängen bleibt', dass der Andere anderer Meinung war: ALLE werden gebraucht, damit der Alltag wieder einkehren kann!
Mit 'Versöhnung' müssen sich auch die Verbände beschäftigen, die trotz verschiedener Einstellung letzlich gemeinsam für den Erfolg der Sache kämpfen.
Zurück in den Alltag? Wars das?NEIN! Sicher: der Streik geht in die Geschichte ein! Er hat etwas bewegt, wird aber grundlegende Strukturen und deren Auswirkungen auf die Landwirtschaft nicht verändern. Der Kampf um den Milchpreis ist EIN Aspekt im einem umfangreichen Szenario von
Zukunftsfragen für die bäuerliche Familienlandwirtschaft in Deutschland. SIE produziert die Lebensmittel, erhält die Kulturlandschaft und bildet/stärkt den Ländlichen Raum. IHRE Zukunft (angesichts eines nur scheinbar unaufhaltsamen Strukturwandels) gehört weiterhin (gesamt!)gesellschaftlich diskutiert und vehement thematisiert.
(Und der BT ist mE ein sehr guter Platz dafür!) Rückblickend läßt sich bereits jetzt erkennen, dass der Lieferboykott bewiesen hat: Wir KÖNNEN etwas tun! Wir KÖNNEN etwas ändern! Die Zeit der Einmischung und Mitgestaltung endet also nicht mit dem Milchlieferboykott! Sie hat gerade erst angefangen!
Wie Ihr da seid - ich bin sehr stolz auf Euch!
Macht weiter so!
Vielen Dank sagt
der Hausmeister
