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Autor Thema: Wenn er erstmal eine Partnerin hat, dann....!  (Gelesen 7505 mal)
Mirjam
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« am: 07.03.08, 08:26 »

Hallo,

man möchte meinen, es gehört zur Familie & Betrieb, aber was ich meine, geht ganz klar um Betriebsperspektiven.

Dieser Tage habe ich mich mit einem Ausbilder unterhalten und kamen auf das Thema: Hofnachfolger und wann er aktiv wird/werden kann/werden darf.

Nach der Ausbildung - und eben ohne Partnerin (die häufig als Voraussetzung für eine Betriebsentwicklung gesehen wird) - kommt häufig: Erst mal keine großen Schritte.

Ausbau einer zweiten Wohnung für den Nachwuchs? Warum denn solange keine Freundin/Kinder in Sicht...

Hofübergabe? Wenn er doch keine Partnerin hat, die das mit ihm trägt und somit auch kein eigenes Einkommen da ist...

Beteiligung am Betrieb? Man kann ich doch zu einem kleinen Gehalt erstmal anstellen oder er sucht sich einen kleinen Nebenjob in der nahen Umgebung, bis....?

Ja - bis wann denn?  Bis er endlich "vollständig" ist mit Partner und Kinder und so wie es die Eltern vorgeben/vorgelebt haben?

Ich kenne durchaus junge Landwirte, die auch ohne Partnerin den Betrieb hochgezogen haben, weiterentwickelt, Bauaktivitäten, unternehmerische Selbstständigkeit und sich davon losgelöst haben, von einer Beziehung/möglichen Partnerin abhängig zu sein oder sich davon abhängig machen zu lassen.

Andersherum lese ich hier viel im Forum, das Jahre der "Unselbstständigkeit" ins Land gegangen sind, bis (endlich?) Partnerin da war ...

Wie seht ihr dies - die Tatsache, dass es heute nicht mehr selbstverständlich ist zwischen 20 - 30 zu heiraten, es viel mehr Singel-Landwirte gibt oder ggf. die Vorbildrolle der Eltern: Papa = Chef, Mama = hält ihm den Rücken frei, bleibt zu Hause - in der Zukunft nicht mehr greifen wird?

Werdet ihr eure Höfe auch an den Nachwuchs übergeben, wenn dieser alleine ist?

Startet euer Nachwuchs auch unternehmerische/selbstständige Aktivitäten OHNE Partnerin - oder läßt er sich wie gehabt im Hotel Mama versorgen?


sehr interessierte Grüsse

Mirjam
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fanni
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« Antwort #1 am: 07.03.08, 09:29 »

Sehr gutes Thema Mirjam!!!

ich stimme dir voll zu mit diesem.................BIS dann einmal, also dass eben vieles hinausgezögert wird.


ABER ich sehe auch einen Vorteil, wenn eben auch jüngere Betriebsleiter noch nicht die volle Last tragen, müssen/wollen:

- sie können diese "Freiheiten" auch sinnvoll für sich selber nutzen z.B. noch eine Ausbildung hintendranhängen, oder Berufserfahrungen im auserlandw. Bereich sammeln
- kenne einen der sehr gerne reist, also der ist mit seinem "kleinen" Gehalt sehr zufrieden und verbringt Monate im Ausland, weil er weiß daheim wird ihm der Rücken freigehalten.


Aber eins ist klar von der zukünftigen Partnerin hängt viel, aber nicht alles für den Betrieb ab.
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Herzliche Grüße von Fanni
H.B.
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« Antwort #2 am: 07.03.08, 09:33 »

Hallo Mirjam!

Hier hast du wieder mal was Interessantes angestoßen. Es klingt schon fast etwas ironisch mit einem fragenden "Gschmäckle"
Eigentlich sind diese Fragen Antworten. Eine dieser Antworten falsch, wird der Betrieb vor der übernächsten Generation eingestellt.


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"Idioten sterben beim Versuch, Weisheit zu erlangen."                   (Peter Tosh)
mary
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« Antwort #3 am: 07.03.08, 09:58 »

Hallo Mirjam,
wann sähe denn der Ausbilder den richtigen Zeitpunkt für die Hofübergabe?
Herzliche Grüsse
maria
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Mirjam
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« Antwort #4 am: 07.03.08, 10:17 »

Mary,  Wink ein Ausbilder ist nicht so vermessen, dass er pauschal einen Hofübergabetermin empfehlen könnte,

aber wann soll ein junge, engagierter Mensch den Anfangen selbstverantwortlicher Unternehmer zu werden - mit 45 erst bei Hofübergabe?

Gruß Mirjam
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mary
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Baeuerin - Beruf mit Herz


« Antwort #5 am: 07.03.08, 10:30 »

Hallo Mirjam,
kann mir nicht vorstellen, dass eine Hofübergabe mit 45 der richtige Zeitpunkt sein soll- Grin,
aber gleich nach der Ausbildung ist es wie mit dem Führerschein, man kann und darf ein Auto fahren, aber erst mit der Zeit kommt die Erfahrung. Fahrfehler können sich fatal auswirken.
So sehe ich es auch  mit der Hofübergabe,
es braucht auch eine Fülle von Erfahrungen- selbständig werden beginnt schon viel früher- und um einen Hof führen zu können-
braucht es noch ein paar Reifungsschritte.
Besonders heute, wo mit betrieblichen Entscheidungen Grössenordnungen zu bewältigen sind, die auch gewaltig an die Substanz gehen können.
Herzliche Grüsse
maria


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Mirjam
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« Antwort #6 am: 07.03.08, 11:32 »

Hallo Mary,

mir gehts es nicht darum, wer wann welche Reifungsschritte abgeschlossen hat, sondern siehe Boxentitel, ob dies davon abhängig gemacht wird, dass jemand einen Partner hat.

Mirjam
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eifelrosi
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« Antwort #7 am: 07.03.08, 12:06 »

Hallo Mirjam,

das ist wirklich ein interessantes Thema, was Du da aufgegriffen hast.
In meinen Augen ist es falsch, eine Betriebsübergabe davon abhängig zu machen, ob er eine Partnerin hat. Es kann schließlich keiner voraussagen, ob eine Partnerschaft (aus welchen Gründen auch immer) ewig hält. Es bringt zwar für viele Betriebe Vorteile, wenn eine Partnerin mit einsteigt - egal ob als tatkräftige Mithelferin oder einfach als Stütze für den Nachfolger - aber es kann und darf doch kein ausschlaggebender Punkt für eine Übergabe sein. Es gibt inzwischen genug Betriebe (auch Viehbetriebe), die so umgestellt werden, dass auch ein Single in der Lage ist, den Betrieb zu führen.

Liebe Grüße
Roswitha
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Schön, dass es den BT gibt
steilufer
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« Antwort #8 am: 07.03.08, 12:59 »

Moin,

und wie ist es ,wenn eine Tochter den Betrieb bekommt?

Muß sie auch erst einen Partner haben oder darf sie schon alleine den elterlichen Hof führen?

In unserer weiteren Nachbarschaft gibt es diese Situation,dass die junge Frau,auch ohne Partner
bestimmt,wo es längs geht.
Aber die eigene Mutter versucht viel mitzumischen,was nicht immer in Frieden geht.
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Liebe Grüße

Karen von der Ostsee
Mirjam
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« Antwort #9 am: 07.03.08, 13:31 »

Hallo,

danke für das tolle Feedback. Eigentlich geht es nicht nur um die Hofübergabe die "sowieso irgendwann" (wann auch immer  Cool) vollzogen werden muss - sondern auch darum, ob der Betrieb auch "ohne Perspektive" Partner am Hof fortgeführt im Sinne von entwickelt wird,

ob Investitionen getätigt werden, die dann nur an "einer" AK hängen (darf man Investitionen davon abhängig machen, dass Partner/in mit Kinder da ist?)

ob noch Sinn in Betriebsentwicklung gesehen wird, wenn Partnerin und/auch Enkel fehlen?

eben um die Wartezeit wo alles "stillsteht", Investitionsstop (ausser Reparatur, Ersatzinvestition), kein Nebenzweit aufgebaut wird, keine (größeren) Veränderungen zugelassen werden.

Ich glaub halt es ist ein sozialer Bruch, dass dann der Nachwuchs andere Wege geht oder gehen muss als vorgelebt worden ist, damit manchmal "Vorbilder" fehlen für das "Hof-Führen allein" und dann so eine Unsicherheit, wie Mann oder - danke Karen - Frau damit umgeht.

Gruß Mirjam
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H.B.
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« Antwort #10 am: 07.03.08, 13:39 »

Hallo Mirjam,
kann mir nicht vorstellen, dass eine Hofübergabe mit 45 der richtige Zeitpunkt sein soll- Grin,
aber gleich nach der Ausbildung ist es wie mit dem Führerschein, man kann und darf ein Auto fahren, aber erst mit der Zeit kommt die Erfahrung. Fahrfehler können sich fatal auswirken.
So sehe ich es auch  mit der Hofübergabe,....



Maria, glaubst du, als Beifahrer lernt ers schneller oder besser?
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Mirjam
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« Antwort #11 am: 07.03.08, 13:47 »

H.B.

ich hab schon Fälle erlebt, das wurde dem Junior die Reife am Hof nicht zugesprochen, aber hoppla, als ers sich dann überlegte und in die freie Wirtschaft ging, traute ihm der Chef dort Mitarbeiter zu führen zu und eine Menge Geld & Entscheidungsbefugnis in der Hand zu halten.

Oder wenn ein Elternteil stirbt - verunglückt - wie auch immer: Plötzlich ist der Nachwuchs dann "reif" genug?

Nein, ich glaube, diese Diskussion ist eher die Diskussion: "Wann bin ich reif genug, dass ich den Hof mir abgeben traue" und hat mehr mit den Eltern denn mit der Situation der jüngeren zu tun. Gestern hab ich wieder rausgehört, dieses hadern mit den Entscheidungen "der jungen", dabei sind diese gestandene ~ 40 Jahre...!

Gruß Mirjam



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H.B.
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« Antwort #12 am: 07.03.08, 14:05 »

Gestern hab ich wieder rausgehört, dieses hadern mit den Entscheidungen "der jungen", dabei sind diese gestandene ~ 40 Jahre...!

Leider sind die dann selbst im Alter, wenns normal gelaufen wäre, eine anstehende Übergabe vorzubereiten, was wieder zu meinem vorletzten Beitrag führt
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"Idioten sterben beim Versuch, Weisheit zu erlangen."                   (Peter Tosh)
ansabe
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Ich nehme mir die Zeit, die ich brauche!


« Antwort #13 am: 07.03.08, 14:49 »

Das Problem liegt oft an den Eltern, wie weit habe ich meine Kinder selbständig erzogen. Wie weit sind sie freie Entscheidungen gewohnt, wie weit dürfen sie schon Verantwortung übernehmen. Wie weit gebe ich als Eltern die Entscheidung und Verantwortung ab. Wie kann ich loslassen.
Kinder, die das von klein ab schon kennen, werden sich auch nicht hinhalten lassen. Sie gehen ihren Weg, entweder auf den Betrieb oder ohne Betrieb. Ob ohne oder mit Partner!
Bei uns wird das Problem eher kommen, will einer den Betrieb überhaupt im Nebenerwerb weiterführen und wenn, wollen wir die Entscheidungen mit ca. 55 Jahren oder eher schon abgeben?  Huh
Wenn eine oder einer von den Kindern zu Hause bleiben möchte, wird es aber darauf wohl hinauslaufen! Ich finde es sehr wichtig, dass sie ihre Zukunft selbst gestalten können.  Wink
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Viele liebe Grüsse
ansabe
Jan
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« Antwort #14 am: 07.03.08, 15:13 »

Das Problem liegt oft an den Eltern, wie weit habe ich meine Kinder selbständig erzogen. Wie weit sind sie freie Entscheidungen gewohnt, wie weit dürfen sie schon Verantwortung übernehmen. Wie weit gebe ich als Eltern die Entscheidung und Verantwortung ab. Wie kann ich loslassen.
...

Das ist ein gravierender Punkt. In wie weit werden die Söhne und Töchter auf eine Betriebsübernahme vorbereitet? Ich habe den Betrieb mit 28 Jahren übernommen und hätte ihn ohne weiteres auch schon früher führen können. Mein Vater hat den Betrieb im Zuerwerb geführt, was immer mehr zum Nebenerwerb wurde, als ich mit 18 nach Hause kam. Dadurch war er oft nicht da, wenn Entscheidungen im Tagesgeschäft gefällt werden mussten. Oft kam er (er war Leistungsprüfer beim LKV) erst kurz vor Mittag nach Hause und da waren schon eine Menge Entscheidungen für den Tag getroffen worden. Er hat auch gelernt (lernen müssen) meinen Entscheidungen zu vertrauen. Ich bin es also früh gewohnt geworden selbstständig zu handeln.
Ob ich eine Partnerin hab, oder nicht, hat nie eine Rolle gespielt.

Auf der anderen Seite kenne ich einen Betrieb, da hat der Junior das vorgeschriebene Fremdlehrjahr gemacht und ist sonst immer unter der Fuchtel von Papa geblieben. Wenn ich ehrlich sein soll, bin ich mir nicht sicher (und da bin ich nicht allein), ob er wirklich den Betrieb leiten könnte, wenn Papa von heut auf morgen ausfallen sollte.
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