Ehrlich gesagt wäre mir lieber, er würde noch etwas herum reisen, sich die Welt ansehen. Solange er fort ist, kommen wir mit einem Lehrling gut zurecht. Aber wir müssen wissen was er will. Dann können wir uns richten. So malso, malso das geht nicht. Er kann ja auch sagen: He! heute mache ich frei. Das ist dann auch ok. Aber so halbpatzig, schliesslich bekommt er von uns gleich viel Lohn wie von dort wo er dann 10-12 Stunden arbeitet dafür. Er schiebt auch gerne Sachen die ihm nicht passen auf den Lehrling ab.
Was mir bei ihm besonders gefällt: Dass er so gerne in der Direktvermarkung arbeitet. Manchmal habe ich das Gefühl, er arbeitet hier sogar lieber als im Stall. Gerade jetzt beim Fleisch verpacken ist er mir eine grosse Hilfe. Ich muss halt nichts mehr erklähren - er weiss das halt einfach. Für mich ist es auch leichter als für meinen Mann. Er gibt sich wirklich Mühe, versucht alles mit ihm zu besprechen und will ihm auch immer wieder Verantwortung übergeben, aber irgendwie will er das einfach noch nicht.
Heute ist er abgereist. Er hat Instrukterprüfung in Davos. Danach kann er Skilehrer ausbilden, die Skischule Lenzerheide bezahlt ihm Kurs und Prüfung (es kostet über 2000sFr) dafür musste er sich verpflichten noch 2 Jahren in Lenzerheide Skischule zu geben. Er musste mit dem 6 Uhr Zug und hatte es vermutlich ziemlich eilig

alles stand offen, sogar die Türe nach draussen, es war eine Schweinekälte im Flur.
Aber ich habe dies schon bei einigen Lehrlingen erlebt. Die waren sehr gut hier auf dem Betrieb. Auch in der Schule und überhaupt. Doch kaum zu Hause, hörte man von den Eltern dasselbe Lied wie jetzt von uns. Meistens trennen sich dann die Wege bis der Sohn entgültig nach Hause kommt und übernimmt. Wir hatten mal ein Mädchen aus der Nähe von Bülach. Kaum zu Hause, suchte sich der Vater einen anderen Job auf der Gemeinde. Das geht super, sie schmeisst den Betrieb und er arbeitet 100% auswärts.

Rollentausch!
Wir setzen unseren Sohn überhaupt nicht unter Druck. Es kann ja auch sein, dass er bei der jetzigen Freundin bleibt und einmal ihren Elternhof im Unterland übernimmt. Es kann auch sein, dass er nach Amerika reist und sich dann dort etwas aufbaut. Es kann so vieles, wer weiss das schon vorher. Sicher ist es schön, wenn er einmal alles übernimmt, aber es gibt immer wieder Alternativen, für ihn wie für uns auch.