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Autor Thema: Kleegras  (Gelesen 2108 mal)
Ossi22
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Milcherzeuger in Ostwestfalen


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« am: 25.06.07, 08:47 »

Hallo !

Wer von Euch baut Kleegrasgemisch an ? Einjährig / Mehrjährig ?
Was ist zu beachten ?
Ist es für Silagezwecke zu empfehlen ?
Ist eine nennenswerte Einsparung von Soja in der Fütterung möglich ?
Ist bei Erstaussaat in der Fruchtfolge etwas zu beachten ? ( Impfung des Bodens für die Knöllchenbakterien ? )
Ist ein Vergleich zu machen zwischen reinem Feldgras und Kleegras  ?
Hat es auch schon jemand versucht und ist aus welchen Gründen wieder abgesprungen ?

Viele Fragen , viele Grüße
Henrik
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Dirk
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« Antwort #1 am: 25.06.07, 23:47 »

Hallo Henrik,

zwar bau ich kein Kleegras an, hab aber ja mal in einer Firma gearbeitet, die mit entsprechendem Saatgut handelt. Auf der Homepage kann man sich die Sortimentsliste anschauen, da ist einiges zum Anbau beschrieben. Ist zwar grauenhaft formuliert und nur aus verschiedensten Quellen zusammengestückelt, aber insgesamt ganz passend und schlüssig. Nach der Beschreibung sind die verschieden Mischungen aufgeführt, die mein merkwürdiger Ex-Chef verkauft. In der Fülle und noch dazu fast ausschließlich als Bio-Saatgut ist das Angebot wohl einzigartig in Deutschland.

Impfen brauchst du nicht, es sei denn, du willst auch Luzerne in der Micschung haben. Die Bakterien für den Klee sind meist überall vorhanden. Ob du Soja einsparen kannst, dazu kann ich nichts sagen. Kleegras wird ja meist von Biobetrieben angebaut und die füttern eh wenig oder gar kein Soja, weil ja eh nahe zu nichts gentechnikfreies mehr zu kriegen ist. Da werden eher Lupinen, Ackerbohnen oder sowas eingesetzt.
Mein Bio-Lehrbetrieb setzt fast ausschließlich Kleegrassilage ein, dazu noch etwas Maissilage und Mehl aus Getreide und Leguminosen (meist Lupinen oder Erbsen, je nachdem, was grad zu bekommen ist). Die Kühe sind (meistens) topgesund und geben an die 7000l MIlch, was für nen Biobetrieb und den Input schon ganz prima ist.

Für den Boden und die Nachfrüchte ist ein mehrjähriger Kleegrasbestand mit das Beste, was ihm passieren kann. Du hast die Bodenruhe, der Klee sammelt fleißig Stickstoff, die Durchwurzelung ist super und wenn du 3-4 Schnitte machst, hast du noch ne gute Unkrautbekämpfung. Nicht zuletzt ist Kleegras bei nahezu jedem Biobetrieb Standard in der Fruchtfolge.

Hier noch der Link zu meiner Ex-Firma: http://www.camena-samen.de/  Der unterste Menüpunkt bringt dich zur Produktliste. Als Ansprechpartner für Vermehrung steht da übrigens immer noch mein Nme, stimmt aber definitiv nimmer.

Gruß

Dirk
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Ossi22
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Milcherzeuger in Ostwestfalen


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« Antwort #2 am: 02.07.07, 19:30 »

Hi Dirk !

Danke für die umfassende Antwort !
Es scheinen hier leider keine Kleegrasanbauer im Forum zu sein , schade !
Eine Frage hätte ich noch an Dich , sofern Du Zahlen dazu hast :
die Erträge im Vergleich - Kleegras - Ackergras - Weidegras   
und mir fällt gerade noch eine Frage ein:
Bei mehrjährigen Ackergras ( zumindest im konventionellen Bereich ) wird die Ertragsleistung immer geringer.
Wie würdest Du das Kleegras beschreiben , hat es eine dauerhaftere Ertragsleistung ?

Gruß Henrik
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Matze
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« Antwort #3 am: 02.07.07, 22:57 »

Bin Bioackerbauer, viehlos und hatte Kleegras bis vor 5 Jahren in der Fruchtfolge. Grasanteil etwa 30 bis 40 %. Wurde vorallem eingesetzt um den Bestand schnell dicht werden zu lassen, Unkrautunterdrückung und um Stickstoff aus den Kleewurzeln zu binden während der Vegetation. Bin nun bei nur Kleeaussaat angelangt. Das Risiko von Krankheitsübertragungen vom Gras zum Getreide war mir zu hoch, Schwarzbeinigkeit und der Grasanteil wächst mit jedem Mulchen ,weil der Klee den häufigeren Schnitt nicht so gut wie das Gras verträgt. Will ja aber gerade Stickstoff aus dem Klee haben und nicht immer mehr Gras. Als Viehhaltender Betrieb bietet das Kleegras reichlich Futter und bringt auch mehr Struktur in das Futter als nur Klee.
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Erja
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Bt macht Spaß!


« Antwort #4 am: 04.07.07, 13:56 »

Hi,

wir bauen reine Luzerne an - zur Grünfütterung und fürs Silo.
Ich hab jetzt keine Zahlen, aber ich denke, es ist ein *billiges* Futter - Saatgut ist zwar teuer, aber die Luzerne bleibt bei uns 3-4 Jahre stehen, wird ca. 4mal im Jahr gemäht und ist vor allem auch in den trockenen Jahren dank sehr tiefer Wurzeln fleißig am wachsen  Wink!
Sie sollte halt zum optimalen Zeitpunkt gemäht werden, sonst wird sie hart und bitter und die Kühe mögen sie dann nimmer so gern - unsre fängt jetzt an zu blühen (2. Schnitt) - aber es ist grad kein Silowetter  Sad.

Wieviel Soja sie verdrängt, weiß ich nicht, aber einiges kann man sicher einsparen.

Liebe Grüße
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mary
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Baeuerin - Beruf mit Herz


« Antwort #5 am: 04.07.07, 20:43 »

Hallo Erja,
kann dir nur zustimmen, wir sind mit unserer Luzerne auch sehr zufrieden, haben allerdings noch einen Kleeanteil dabei, wenn es trocken wird, dann kommt mehr Luzerne, wenn es ein feuchteres Jahr ist, dann gibts mehr Klee.
Es kommt sehr viel Masse zusammen, macht wenig Arbeit und ist ausser Saatgut wirklich preiswert.
Einmal lassen wir die Luzerne blühen und machen daraus Rundballen, zu jüngerer Grassilage gefüttert- machen wir damit die Kühe glücklich.
Angeblich würde das Rohprotein in der Luzerne auch bei älterem Aufwuchs von der Kuh gut verwertet werden können.
In trockenen Jahren hat uns die Luzerne die Futtergrundlage um einiges verbessert.
Wenn man die Futterberge sieht, die daherwachsen, da geht einem so richtig das Herz auf.
Herzl. Grüsse
maria
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Dirk
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« Antwort #6 am: 07.07.07, 01:30 »

Hallo Henrik,

Zahlen zu Erträgen habe ich leider nicht, dazu kann ich nichts sagen.

Die Leistung wird auch im Kleegras mit der Zeit nachlassen, aber man kann die Ausdauer eigentlich recht gut über die Mischungszusammensetzung steuern. Wenn hohe Anteile kurzlebiger Gräser (Welsches oder Einjähriges Weidelgras) drin sind, läßt die Leistung meist schon im zweiten JAhr spürbar nach. Mischungen mit Deutschem Weidelgras sind deutlich ausdauernder. Lieschgras noch mehr. Einer der Vermehrungsbetriebe, die ich betreute, hat einen Lieschgrasbestand 6 mal beerntet, das war schon extrem gut. Und das bei einer Fläche, die regelmäßig von Weihnachten bis Ostern stellenweise unter Wasser stand.

Wichtig wäre noch, das Kleegras nur verhalten zu düngen, denn bei zuviel N zieht sich der Klee zurück und bringt nicht mehr soviel Masse.

Gruß
Dirk
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phil
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« Antwort #7 am: 07.07.07, 08:15 »

Es gibt viele Milchbetriebe in Nordamerika, die bauen nur Mais und Luzerne.Wenn ich kein Dauergrünland und die Arbeitskräfte zum erweitern hätte würd ich es auch machen.
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Wahres Wort ist nicht schön-schönes Wort ist nicht wahr!(Konfuzius)
Samy
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« Antwort #8 am: 17.06.08, 09:47 »

Hallo,

habe mal eine Frage zur Saat von Kleegras.

Weiß jemand,wo ich Saatgut von Wildklee herbekomme?

Samy
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Samy
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Baeuerin - Beruf mit Herz


« Antwort #9 am: 17.06.08, 10:35 »

Hallo Samy,
noch nicht, aber ich bin auch auf der Suche nach verschiedenen Kleearten und nach Wiesenluzerne, da werd ich auch um Wildklee fragen. An welche Mengen Saatgut hättest du gedacht?
Problem dieser Pflanzen ist, dass sie bei der üblichen Nutzung nicht lange im Bestand bleiben.
Wir haben  Luzernekleegras, lassen es einmal im Jahr zur Blüte kommen, in nassen Jahren ist fast keine Luzerne zu sehen, in trockenen Jahren fast nur Luzerne.
5 Schnitte hält nur der Weißklee aus.
Herzliche Grüsse
maria
 

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Samy
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Ein Augenblick Geduld kann viel Unglück verhindern


« Antwort #10 am: 18.06.08, 08:25 »

Wir wissen um das "Problem" mit den häufigen Schnitten und würden auch einen jährliche Untersaat in Kauf nehmen. Eventuell lassen wir auch einige Flächen erst blühen.
Wir möchten unsere Grassilage weiter verbessern. Zur Zeit haben wir es geschafft von Soja und Wisanraps weg zu kommen.
Selbst wenn wir die Trockenkosten und den erhöhten Fahraufwand großzügig berechnen, kommen wir immernoch auf ca. 8000,00 Euro Ersparnis.


Samy
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Samy
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« Antwort #11 am: 18.06.08, 09:43 »

Hallo Samy,
wir haben vor 5 Jahren mit Untersaaten begonnen, der Erfolg hielt sich in Grenzen. Jetzt weiß ich, dass z.B. Wiesenluzerne im Herbst ausgebracht werden müsste, wir haben sie immer im Frühjahr verteilt, da kommt sie dann nicht gegen das Gras an.
Die theoretischen Grundlagen des Grünlandes hätte ich jetzt ziemlich intus, jetzt muss sich erst zeigen, ob es dann in der Praxis ebenso erfolgreich umzusetzen ist. Auf 10 Parzellen hab ich mit verschiedenen Bodenhilfs- und Pflanzenstärkungsmittel einschl. Gülle für die Projektarbeit ausprobiert, welche Wirkung damit erzielt werden kann.
Mein Ziel, die Verbesserung des Grünlandes über den Boden zu versuchen- die Wurzelmasse der Pflanzen zu verbesseren, damit den Kreislauf von hinten anfangen.
Bei der Luzerne haben wir gesehen, dass die ihre Inhaltsstoffe auch als blühende Pflanze nicht verliert, das wäre doch super, wenn man im Grünland auch so weit käme, dass weniger Schnitthäufigkeit zu einer höheren statt einer geringern Futterwertqualität kommen könnte. Deshalb hab ich jetzt unsere ganzen Wiesen im Groben  ausgezählt, was da alles keucht und fleucht und möchte mit ein paar Parzellen schauen, wie ein höherer Humusgehalt zu erreichen wäre. Wenn es stimmt, dass die Pflanzen auch Bodenanzeiger sind, dann sehe ich ein paar unserer Wiesen als Patienten an und bei denen zeigt mir der Grasbestand sehr klar, dass hier was passieren muss.
Keine eiweißhaltigen Futtermittel mehr zukaufen müssen, einen dichten Grasbestand, die Verbesserung des Hofdüngers, so in die Richtung werden wir versuchen weiterzumachen.
Vielleicht vertschüsst sich dann noch die gemeine Rispe- das wäre für mich schon ein grosser Erfolg.
Herzl. Grüsse
maria



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Samy
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Ein Augenblick Geduld kann viel Unglück verhindern


« Antwort #12 am: 19.06.08, 07:54 »

Hallo Maria,

das mit dem Aussaatzeitpunkt für Lurerne ist interessant. Werde es gleich mal meinem Vater erzählen.
Habt Ihr bei Klee ähnliche Erfahrungen, was den richtigen Zeitpunkt der Saat angeht.
Mit den Pflanzen als Bodenanzeiger ist das so eine Sache.
Wir haben Wiesen die seit fast 10 Jahren als extensive Weide genutzt werden.
Da ist nichts gemacht worden. Rinder drauf,die ihre Flaten absetzen und 2 mal im Jahr die nicht gefressenen Pflanzen mulchen.
Wir haben eine strake Zunahme von Brennesseln. Die sollen ja Stickstoffanzeiger sein. Wer können keine hohen N-Werte feststellen. Shocked
Also gibt es noch andere Mechanismen. Die Zeigerpflanzen sind mit Vorsicht zu betrachten.


Samy

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Samy
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