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Autor Thema: Beruf behalten oder voll mit einsteigen?  (Gelesen 1320 mal)
domspätzle
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Beiträge: 27



« am: 12.03.07, 19:10 »

Beruf behalten oder voll mit einsteigen?
Das ist eine Frage die ich mir Stelle. Nicht nur aus dem Grund das unsere beiden Berufe sehr unterschiedlich sind.
Landwirt/Assistentin der Geschäftsleitung in einem großen Unternehmen. 2500 Schweine hüten oder der Geschäftsleitung den Dackel machen und Herausforderungen meistern?
Pro für LW - Verdienst, ich sehe was ich gearbeitet/geleistet habe, Zeit frei einteilbar, eigener Herr
Contra für LW - teilweise harte Knochenarbeit, Perspektiven zur Konkurrenzfähigkeit schwierig, schlecht einzuschätzen.

Dann potenzielle Schwiegereltern+Großeltern im Haus, wie kann ich es alles recht machen aber gleichzeitig so das ich auch mit der Situation zufrieden bin. Ich koche/backe z. B. sehr gerne für alle.
Wie kann man die Mutter des Sohnes davon überzeugen das mein den Sohn über alles liebt und ihn der Mutter zwar nie wegnimmt, aber die Freundin des Sohnes jetzt ein fester Bestandteil im Leben des Sohnes ist.

Ich freu mich auf zahlreiche konstruktive Antworten. Wink
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H.B.
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« Antwort #1 am: 12.03.07, 20:26 »



Hallo Domspätzle,

ich würd erst mal sehen, ob du unbedingt schon gebraucht wirst, denn die haben die Arbeit ja bisher auch erledigt.
Das kommt natürlich auch auf alle anderen Faktoren an, und was dir, wenn du ehrlich zu dir selbst bist am liebsten ist.
Es ist auch zu empfehlen, den Umstieg etwas "gleiten" zu lassen. Eine getrennte Haustüre/Küche ist von Vorteil, eher sogar ein muß.
Wenn du dich rar machst, bist du auch rar. Die SM wird dich die ganze Zeit messen, ob du gleich gut bist wie sie selbst (auch die netteste). Bist du in ihren Augen schlechter, schimpft sie dich, bist du besser, eifert sie.
Aber Andere wissen sicher auch noch was, drum hör ich jetzt mal auf...........


MfG H.B.
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"Idioten sterben beim Versuch, Weisheit zu erlangen."                   (Peter Tosh)
freilandrose
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Nur Geduld, mit der Zeit wird aus Gras - Milch


« Antwort #2 am: 12.03.07, 20:30 »

Hallo H.B.

Du scheinst Dich ja in der Richtung sehr gut auszukennen.
Habe Deinen Beitrag mit einem Schmunzeln im Gesicht gelesen.

Ich kann dazu keinen Kommentar abgeben, da ich vom 1. Tag an selbst die Chefin war und bis zum heutigen Tage geblieben bin Grin.
Ich hatte nie ne Schwiegermutter, auch keine Mutter im Nacken.

Auch ich bin am Anfang unserer Ehe noch arbeiten gegangen, als das 1. Kind dann da war, ging ich noch halbtags und irgendwann hat auch das mal aufgehört.
Frau kann ja nicht überall gleichzeitig sein, wenn man einen landw. Betrieb zu führen hat.
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Liebe Grüsse
Freilandrose
Baumeule
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brave Mädchen kommen in den Himmel - böse überall hin


« Antwort #3 am: 12.03.07, 22:13 »

Hallo Domspätzle

Sei einigen Jahren bin ich SM einer sehr netten Schwiegertochter, die schon seit 1999 zusammen mit meinem Sohn bei uns im Haus wohnt. Die beiden haben eine eigene komplette Wohnung. Meine ST war bis vor einem Jahr noch voll berufstätig, da wir sie als Arbeitskraft im Betrieb eigentlich nicht brauchen. Seit im Mai unsere Enkelin geboren wurde ist sie zu Hause, denkt aber jetzt schon darüber nach, vielleicht in Teilzeit wieder in ihren Beruf einzusteigen.

Wie sehr dein Mann deine Arbeitskraft auf dem Hof braucht, und wie sehr du dich damit anfreunden kannst, Vollzeit auf dem Hof zu arbeiten und ob das Einkommen vom Betrieb für alle reicht, müsst ihr selber entscheiden. Wenn seine Eltern noch mit im Betrieb sind, werden auch sie ein gewisses Einkommen brauchen. Wenn noch Großeltern da sind, sind bestimmt auch noch Altenteilslasten zu tragen. Das alles will wohl bedacht sein.



Hallo HB, für dich scheinen Schwiegermütter ja ganz besondere Menschen zu sein, die nur verurteilen oder eifersüchtig sein können. Schade, dass du unsereins (die auch mal Schwiegertöchter waren) keine Chance gibst, einfach auch normale Frauen zu sein, die auch das Wörtchen Toleranz kennen, und die vielleicht auch noch andere Interessen haben als Schwiegertöchter zu piesaken.

LG Elisabeth
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Freya
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no guts, no glory !


« Antwort #4 am: 12.03.07, 23:11 »

Hallo Domspätzle,

ich kann dir mal erzählen, wie das bei mir so gelaufen ist. Ich bin wesentlich älter als Du und hatte mit LW nie was zu tun. Mein halbes Leben habe ich an Flughäfen gearbeitet und war erfolgreich in meinem Beruf. Zuletzt machte ich Reisen ins Ausland. Als ich meinen jetzigen Mann kennen lernte, wußte ich zunächst nicht, dass er Bauer ist.

 Unsere Freundschaft festigte sich aber trotzdem und es dauerte fast ein Jahr, bis er mich endlich mal mit zu sich nach Hause nahm und mir seinen Hof, das Vieh, Äcker, Wiesen und Wald zeigte. Von nun an verbrachte ich den größten Teil meiner Freizeit bei ihm, denn alleine zu Hause sitzen und auf ihn warten, bis er Abends mal Zeit hatte, das wollte ich auch nicht. Ich war auf dem Hof immer nur "zu Besuch", habe nie dort übernachtet aber überall mitgeholfen, wo ich konnte und mich interessiert. Nach 5 Jahren reifte in uns der Entschluß, dass wir noch ein Kind haben wollten und so machten wir Pläne, die man so macht, wenn man heiraten will.

Irgendwann war ich dann tatsächlich schwanger  Grin und wir heirateten. In meinem Beruf habe ich bis zum Beginn des Mutterschaftsurlaubs gearbeitet. Auf den Hof gezogen und meine eigene Wohnung geräumt habe ich erst, als mein Sohn schon 3 Monate alt war.  Wink

Dann lebte ich auf dem Hof mit meinem Baby und meinem Mann und der SM. Bald übernahm ich die Melkarbeit abends. Morgens ging es nicht, so lange ich noch stillte. Weil meine SM aber wegen einer Hüft-OP längere Zeit abwesend war, war das Melken, die Kühe und Kälber bald mein Ressort und mir gefiel das. Ich war einige Wochen allein auf dem Hof mit Mann, Baby und den Tieren. Und ich habe es geschafft !!!  Shocked
Trotzdem habe ich das ganze erste Jahr immer wieder überlegt, wie ich da jetzt rauskomme aus dem Schlamassel, den ich mir da eingebrockt hatte.  Cool Cool
Bis zu dem Tag, als ich wieder von meiner Firma zur Weihnachtsfeier eingeladen wurde.  Shocked
Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen, für wen und was ich mir jahrelang die Beine ausgerissen hatte, nächtelang Präsentationen und Angebote ausgefertigt habe. Von einem 8 Stunden Tag konnte bei mir nie die Rede sein, eine dritte Fremdsprache gelernt ........ und dann wurde mir auf einmal klar, dass meine Arbeit durch jeden anderen Kollegen genauso weiterlaufen konnte, wie ich es angefangen hatte. Ich bin also beliebig austauschbar gewesen. Und Anerkennung Huh Schulterklopfen Huh ...... meine Begeisterung die ich für die Firma und meinen Job eingebracht habe Huh ....für was eigentlich hab ich mich so engagiert ?

Ab sofort genoss ich es sehr, das Baby den ganzen Tag bei mir zu haben und trotzdem meine Arbeit auf UNSEREM Betrieb machen zu können und so zu UNSEREM Familieneinkommen einen nicht unwesentlichen Beitrag zu leisten. Andere "junge" Mütter müssen vielleicht ihr Kind schon bald zu einer Tagesmutter geben, weil sie auf ihren Verdienst angewiesen sind. Bei uns war es möglich mein Kind immer dabei zu haben oder mit Babyfon in der Nähe ( oder im Kinderwagen vor der Stalltür ). Und dann gab es eine Oma und einen Vater, die fast immer anwesend waren.

So habe ich die ersten 3 Jahre meiner Ehe auf dem Hof ganz gut rum gekriegt. Dann kam doch tatsächlich meine Fírma wieder auf mich zu, ob ich nicht vielleicht ein paar Stunden arbeiten könnte .... ? Obwohl ich es mir damals noch nicht vorstellen konnte ,wie das gehen soll, bin ich heilfroh, dass ich nach 3 Jahren Erziehungsurlaub wieder angefangen habe. Erstens gibt es Geld dafür,  Grin ich komme wieder mit alten und neuen Kollegen zusammen. Es ist eine Arbeit, die ich wie im Traum beherrsche und Kind und Hof kommen auch nicht zu kurz. Ich arbeite an 3 Tagen in der Woche und bin von 12 Uhr bis 18 Uhr außer Haus. Das ermöglicht mir morgens und abends zu melken und so lange meine SM für uns kocht und auch sonst noch viel hilft, ziehen wir alle an einem Strang ; so lange kann ich in "meine" Arbeit fahren.

Mein Sohn wird in diesem Monat 12 Jahr alt und so lange bin ich jetzt schon hier. Meine Position als Bäuerin hier ist gut gefestigt. Das soll nicht heißen, dass es nur alles eitel Sonnenschein ist, mit SM und mit mir als "Außenseiter". Aber ich habe einen Sohn und einen potentiellen Hoferben. Das bekräftigt meine Position hier ungemein. Außerdem geht das eine nicht ohne das andere. Also ist Rücksichtnahme und Toleranz gegeben und das funktioniert eigentlich ganz gut.

Inzwischen kann ich ganz ehrlich sagen, ich möchte nicht mehr zurück in mein altes Leben. Ich bin zufrieden und sehe meine Aufgabe darin, unseren Betrieb mit meinem Mann zusammen zu erhalten und auszubauen, dass er etwas darstellt, was mein Sohn vielleicht mal weiter führen möchte, wenn er will.  Wink
Außerdem macht mir die Arbeit mit den Kühen (meistens) viel Spaß und ich genieße es, mir für "die eigene Tasche" die Beine auszureißen und das hat Priorität. Die Familie und der Betrieb.

Ach so... Wink  in meinem früheren Leben war ich Verkehrsfachwirtin und viele Jahre bei der Lufthansa  im Ausland. Jetzt bin ich Kuhbäuerin und meine Kühe sind mein Kapital und die Kälber unsere Zukunft. Cheesy   Ich habe meinen Hafen gefunden und bin an Land gegangen ....
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liebe Grüße
Freya
Luetten
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« Antwort #5 am: 13.03.07, 09:49 »

Hallo Freya deine kleine Geschichte setzt ein strahlen auf mein Gesicht, so wie dir geht es mir auch natürlich mit ein paar kleinen abweichungen vor allen Dingen gefällt mir deine Einstellung zum "wir" und zu eurem Sohn sehr gut Smiley Danke für den schönen Beitrag.
LG Petra
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Man sollte nie mit vollem Mund über Bauern schimpfen!
fanni
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« Antwort #6 am: 13.03.07, 10:31 »

Hallo Domspätzle,

wenn es irgendwie geht, dann krall dich fest und bleib beruflich am Ball. Würd ich dir sehr raten, und Freyas Beispiel zeigt ja, dass es möglich ist.

Fanni
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Herzliche Grüße von Fanni
H.B.
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« Antwort #7 am: 13.03.07, 13:30 »

Ja caroline,
so gut gings/gehts meiner Frau auch. Meine Eltern/Schwiegereltern wohnen 100km weg...
Aber Eltern/Schwiegereltern auf dem Hof können auch ein Segen sein, unter gegenseitiger Anerkennung.

-> siehe Freyas Beitrag, das lässt sich lesen wie ein Roman......

Aber der überwiegende Teil ist einfach so, wie in meinem Beitrag oben, leider.

Dieee Weiber......... Grin.

mfg H.B.

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"Idioten sterben beim Versuch, Weisheit zu erlangen."                   (Peter Tosh)
Janey
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« Antwort #8 am: 30.04.07, 22:49 »

Hallo Domspätzle,

als eine, die auch nach "Einheirat" in einen LW-Betrieb noch 100% außerlandwirtschaftlich weiterarbeitet, will ich mich jetzt auch mal zu Wort melden. Mein Job wird gut bezahlt, ich arbeite in einer verantwortungsvollen Leitungsposition im öffentlichen Dienst, und das gibt mir einfach Sicherheit. Wer kann heute noch mit Gewißheit sagen, wie es mit der Landwirtschaft weitergeht, egal ob Schweinebauern, Kuhbauern, Ackerbauern etc.?

Noch kriegt GöGa es hin, den Betrieb einigermaßen allein zu führen (SV ist am Jahresanfang gestorben, SM ist weit über 70, sonst kein mitarbeitendes Familienmitglied da außer mir), aber immer öfter bedeutet das auch Streß (vor allem für mich, wenn es abends, wenn ich nach 18.00 nach Hause komme, noch heißt: "Kannst du mal eben schnell helfen? Es muß noch gemolken werden" - oder ähnliches. Ab und zu springt ein guter Freund ein und hilft bei Arbeiten, die einer einfach nicht allein kann. Wie es zukünftig weitergehen wird, weiß ich nicht. Die Zeit wirds bringen.
Ich werde jedenfalls weiter arbeiten gehen. Ob ich später mal reduziere und nur noch Teilzeit arbeite, kann ich immer noch entscheiden.

Für mich ist einfach wichtig, daß ich neben der LW noch etwas "Eigenes" habe. Daß ich außerdem mithelfe und GöGa unterstütze, wo ich kann, ist für mich selbstverständlich. Ich bin der Meinung, dass man sich als Partnerin eines LW nicht völlig ausklinken kann.

Wie Du Dich letztendlich entscheidest, hängt sicherlich von vielen Faktoren ab. Ich würde Dir raten: Probier's erstmal aus, ohne gleich den Job hinzuschmeißen (das kannst Du später immer noch).

Viel Glück wünscht Dir
Janey

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