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Autor Thema: Wenn wir erst mal alt sind, werden wir....  (Gelesen 3948 mal)
Romy
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« Antwort #45 am: 08.12.06, 08:02 »

Hallo Sigrid
das macht mich ganz traruig. Vor 15 Jahren klingelte (einen Tag vor Weihnachten) es bei meinem Bruder an der Tür. Er dachte es sei Brigitte seine Frau. Er und sein 5 jähriger Sohn warteten schon auf sie. Sie wollten zusammen den Christbaum schmücken und noch ein wenig basteln. Es stand nur die Polizei vor der Tür - Brigitte hatte einen tötlichen Selbstunfall. Zu schnell gefahren, ins schlingern gekommen und konnte dem entgegenkommenden Fahrzeug nicht mehr ausweichen. Zum Glück nahm sie niemand mit in den Tod.

Gestern waren wir in Thusis bei unserem Metzger. Wir mussten noch 3 Kühe verwursten. Bei ihm arbeitet aushilfsweise Gastro - ein Spanier. Gastro wohnt in Chur und hat zwei Jobs und viele Aushilfesjobs. Er arbeitet sozusagen fast rund um die Uhr und dies 7 Tage in der Woche. Unser Metzger nimmt ihn nur noch selten, weil er angst um ihn hat. Gastro will soviel wie möglich arbeiten um so schnell wie möglich nach Spanien zurück zu kehren und dann sein Leben gemütlich zu leben, nur noch geniessen, ohne zu arbeiten. Er ist jetzt 51 Jahre alt. Seine Familie sieht ihn kaum, er arbeitet und arbeitet ununterbrochen. Als unser Metzger ihn fragte was dann seine Frau davon hält meinte er: Wenn es ihr nicht passt, kann sie ja gehen. Er hat sich ein Ziel gesetzt - ich weiss nicht ob er es verwirklichen kann, und vorallem auch, ob da nicht zuviel auf der Strecke bleibt.

Mein Vater hat jahrelang geschufftet. Kaum einen Tag Ferien. Der Betrieb musste laufen. Fast jedes Wochenende eine Hochzeit, Taufe oder sonst ein grosses Essen. Durch die Woche noch viele Essen von den Baustellen rundum. Alles Geld wurde immer wieder in den Betrieb gesteckt. Eine grosse Kegelbahn musste her, die Backstube verschlang unmengen von Geld. Besonders die nichtsnutzigen Bäckersgesellen die wir hatten. Die Bäckerei warf kaum Gewinn ab und musste Querfinanziert werden vom Restaurant. Jetzt sind die Eltern pensioniert. Das Restaurant verpachtet, die Bäckerei still gelegt. Mein Vater bekam, kaum pensoniert, Krebs. Er ist jetzt im Rollstuhl und braucht viel Pflege. Meine Mutter sagt: So habe sie sich das Alter auch nicht vorgestellt. Sie wollten es doch dann auch noch ein bisschen geniessen. Das stimmt mich sehr nachdenklich.

Vor zwei Jahren waren wir an einem Kurs "Hofübergabe auf lange Sicht". Ich war sehr erstaund, wie die anderenLandwirte dieses "auf lange Sicht" interpretierten. Für uns war "auf lange Sicht" 4-8 Jahre, für die meisten aber 1-1/2 Jahr. Total traurig machte mich aber die Tatsache, dass viele Bauern darauf angewiesen sein werden, dass sie vom Sohn/Tochter das Wohnrecht bekommen. Sie können sich nicht einmal eine eigene Wohnung leisten. Wie bei meinen Eltern wurde immer alles gleich wieder in den Hof gesteckt.

Wir haben uns schon vor ein paar Jahren ein kleines Häuschen gekauft - ohne Sicht zum Hof  Grin. Im Moment lebt eine Freundin von uns dort. Der Zins hilft uns die Bankschulden abzubezahlen und immer wieder etwas am Haus zu machen. Letzte Weihnachten kam eine neue Küche hinein. Nächstes Jahr möchten wir besser isolieren. Die Fenster und Türen sind auch alle schon neu und eine Bodensondeheizung haben wir vor vier Jahren installiert. Ich bin jetzt 49 Jahre alt. Aber dieses Häuschen gibt mir Sicherheit für mein Alter. Ich freue mich sogar auf den Tag da wir einziehen werden. Ich versuche auch jetzt nicht nur die Arbeit zu sehen. Immer wieder eine Auszeit zu nehmen zusammen mit meinem Mann und den Kids. Wir wissen ja nicht was auf uns zukommt. Geniessen wir also lieber das heute - morgen werden wir dann sehen.
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Romy

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annama
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" Alles zu beleben ist der Zweck des Lebens "


« Antwort #46 am: 08.12.06, 09:28 »

Hallo Romy ,

du schreibst mir aus der Seele.

Wenn ich so zurück denke , ging es uns genau so wie deinen Eltern. In den ersten Jahren als wir den Betrieb von den Eltern übernommen haben ,kannte wir nur " Beten und Arbeiten , Alte und Kranke Familieneangehörige.
Es war  eine lange traurige  Zeit , in der  unsere junge Familie auf vieles verzichten mußte .
Sie hat uns zusammen geschweißt und wir haben den Glauben an das Gute nie verloren.
Mit 36 J. belegte ich den Kurs zur ländl.Hauswirtschafts-Meisterin ,den ich auch bestanden habe und ab da ging es Bergauf. Die erste Auszubildende machte unserer Familie große Freude und mein Göga und ich konnten das erste Mal einen gemeinsam Urlaub unternehmen ....es war ein Traum.
Durch diesen lernte man wiederum nette Menschen kennen und durch einen Zufall haben wir die alte Hofstelle aufgegeben , haben es gewagt nochmal ganz von Vorne anzufangen und kauften einen Aussiededler -Hof 120 km weg von der Heimat.
Mit viel Elan und Kraft haben wir unser Können in den Aufbau des neuen Betriebes gesteckt und konnten den Hof an unsern Sohn übergeben.
Nun sind wir schon 2 Jahre in Rente .....aber das traurige daran ist, dass mein Göga durch eine neue Hüfte und andere OP's heute nicht mehr in der Lage ist mit mir gemeinsam in Urlaub zu fahren.Langes sitzen im Auto , gehen und stehen fällt ihm sehr schwer und deshalb bleibt er lieber zu Hause.
 Mir tut es sehr leid ,dass wir nun nichts mehr gemeinsam im Rentenalter unternehmen können worauf wir uns ein ganzes Leben lang gefreut haben.

Deshalb an Alle wartet nicht ab bis es zuspät ist.
Genießt das Heute ...wer weiß was der neue Tag bringen wird.











« Letzte Änderung: 08.12.06, 09:32 von annama » Gespeichert

Gerade wenn eine Frau meint ihre Arbeit sei getan
wird sie Grossmutter

Liebe Grüsse annama
Romy
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« Antwort #47 am: 08.12.06, 09:57 »

Aber gäll Annama, wenn du mal Lust hast ohne deinen Göga zu verreisen, kommst du zu mir.
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Romy

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Irmgard3
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« Antwort #48 am: 08.12.06, 10:13 »

Klar, alleine oder mit Bekannten und Freunden verreisen geht natürlich auch. Aber ich kann mir vorstellen, wie bei Annama, wenn man das ganze Leben mit einem Ehemann partnerschaftlich gelebt und gearbeitet hat, dann wäre es wohl der größte Wunsch, die Rentenzeit auch mit eben diesem Menschen auch auf  Reisen zu erleben. Anders macht es nur halb so viel Spaß.

Irmgard
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Lebe, wie du, wenn du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben.
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Romy
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« Antwort #49 am: 08.12.06, 17:38 »

Das kenne ich auch von meiner Mutter her. Sie ist ja auch noch rüstig, aber ohne ihn geht sie nirgends
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Romy

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