Hallo,
Vielleicht sollte man ab und zu einfach mal die Verhältnisse bedenken. Selbst wenn ALLE Bauern irgendwo demonstrieren würden, wäre das lächerlich wenig im Vergleich zum Anteil der Bevölkerung, der immer noch billige Lebensmittel haben will. Und
Ohne Arbeitsplätze ist der ländliche Raum verloren, da helfen auch die momentanen Lippenbekenntnisse über die Wichtigkeit der Landwirtschaft aus der Politk nichts mehr.
Im Moment ernährt ein Bauer, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, ca 180 Arbeiter. Wenn die alle Arbeit haben, Steuern und Sozialbeiträge zahlen, dann ist das bißchen Geld für die paar arbeitslosen Landwirte lässig über. Die Arbeitsplätze in der Landwirtschaft sind doch schon lange vor denen in der Industrie abgeschafft worden, nannte sich damals Mechanisierung. Melkmaschine, Rübenhacke & Spritze statt Melker und Landarbeiter, das waren über 90% aller Stellen bis schließlich "jeder nur noch für sich selber" arbeitete. In der Industrie passiert das ganze halt nur etwas später, aber ausgerechnet von der Landwirtschaft aus zu meinen, man müsse die selbe kostensparende Mechanisierung in den Industrie- und Handwerksbetrieben nun anfeinden, finde ich schon sehr inkonsequent.
Abgesehen davon gibt es in den allermeisten landwirtschaftlich genutzten Gebieten weder Rohstoffe noch nennenswert Arbeitskräfte (je km¹ dünn besiedelte Gebiete) , wer soll denn da Arbeitsplätze schaffen und vor allem wovon?
Wenn man mit Erfolg demonstrieren will, dann ist das erste und wichtigste, meiner Meinung nach, das man den Leuten vermittelt, worum es geht - nur dann hat man Chancen. Und das geht nicht (nur) mit Krakehlen, sondern mit Berichten, Zeitungen, Kursen, Seminaren, Information auf den Verpackungen, Schildern in den Feldern, all solche Sachen. Ich seh's schon vor mir, so eine "richtige Bauerndemo" - *achtung satire* mit dem Hintern auf einem Schlepper für zwei Arbeiter-Jahresgehälter sitzend, für einen Monat ALG II Klamotten am Leib, und dann Verständnis beim Verbraucher erwarten ... *satire aus*
Grüße
Brigitta
PS: und ich weiß schon, das die Arbeitsplätze in der Landwirtschaft "nun mal kapitalintensiv" sind. Darum gehts nicht. Es geht darum, dem Verbraucher/Staat/Wähler begreiflich zu machen, warum er diese kapitalintensiven Privatbetriebe im Vergleich zu "billigen Industriearbeitsplätzen" bevorzugt behandeln soll.