Hallo Reserl,
ich habe noch nicht verstanden weshalb die Bekannte verzweifelt ist, bei einem Sohn, der offensichtlich nicht einfach etwas wegschmeißen will, sondern eine genaue Vorstellung hat, was er machen möchte.
Ist es nicht möglich, daß trotz guter Noten, anfänglichem Spaß, er entdeckt, daß in dieser Arbeit seine Zukunft nicht liegt?
Er erlebt, daß die Vorstellung vom Beruf und die Realität doch nicht übereinstimmen?
Mein ältester Sohn (inzwischen 38 Jahre), war im Alter von 17 Jahren felsenfest entschlossen die Realschule abzubrechen und hat sich eine Lehrstelle als Bäcker gesucht. Ich war nicht begeistert von diesem Vorgehen, habe ihn allerdings gelassen.
Die Begeisterung ließ mit zunehmender Realität in diesem Beruf nach.
Ich habe das sehr wohl bemerkt, es dauerte nur 6 Wochen, dann wollte er wieder auf die Realschule.
Er hat dann noch die FOS absolviert und ist als Sozialpädagoge tätig.
Wenn wir über den Ausflug in die Bäckerlehre reden, sagt er noch heute, wie wichtig diese Zeit für ihn war, um zu erkennen, was er auf keinen Fall tun will.
Weshalb darf der junge Mann nicht umkehren, wenn er eine Erfahrung gemacht hat und feststellt, es ist nicht mein Weg.
Vielleicht war es noch nie sein Weg.
Ich finde es wichtig etwas durchzuhalten, aber nicht zu jedem Preis.
Ich wünsche mir, daß sich viel mehr Menschen trauen, einen Weg, den sie eingeschlagen und für nicht gut befunden haben, verlassen können, ohne sich als Drückeberger oder Versager fühlen zu müssen.
Gruß Aymankatze
Das
Sich-irren Können
müsste
eine Tugend werden.
Das Eingeständnis des Irrtums
müsste
zu einem der höchsten moralischen Güter werden.
(Wolfgang Singer)