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Mogelpackung
"Ökoei"
Mehr Salmonellen, mehr Arzneimittel, höhere Umweltbelastung!
Prächtig bunte Hähne und freudig gackernde Hennen scharren munter im
Hühnerhof. So wünschten sich viele Konsumenten die Produktion von Eiern in der
alternativen Legehennenhaltung. Bei diesen artgerechten Haltungsbedingungen dürfte die
Anwendung von Arzneimitteln nicht notwendig sein. Die Umwelt wird geschont! Rückstände?
Salmonellen? Kein Thema!!! Was kann es Schöneres geben? Und so haben Boden - und
Freilandeier in der Bundesrepublik einen Marktanteil von etwa 14% (ZMP, 1996) erobert.
Wirklich glückliche Hühner?
Keine Frage, die Käfighaltung ist nicht tiergerecht, wenig Platz, ein artgerechtes
Verhalten ist nicht möglich. Auf der anderen Seite lassen sich Käfigbatterien nach jedem
Ausstallen gründlich desinfizieren, die Ställe sind klimatisiert. Da der Kot durch Roste
fällt und regelmäßig aus dem Stall gebracht wird, kommen die Tiere nur wenig in Kontakt
mit ihren Ausscheidungen.
Mahnende Stimmen, die seit vielen Jahren vor den Problemen und Risiken einer Boden -
und Auslaufhaltung warnten, wurden und werden von vielen alternativen Geflügelhaltern
ignoriert. In dieser Haltungsform unterliegen die Hühner einer erhöhten hygienischen
Belastung, da ein ständiger Kontakt mit der Einstreu und dem darin enthaltenden Kot
besteht. In den Bodenhaltungen ist eine laufende Kotentfernung ebenso ausgeschlossen wie
in der Auslaufhaltung. Zugluft, Nässe (Regen, Schnee) und Unterkühlung (Herbst, Winter),
Stressfaktoren, die insbesondere in der Auslaufhaltung praktisch unvermeidbar sind,
bewirken bei den Tieren eine reduzierte Abwehrfähigkeit gegen Krankheitserreger. Da bei
erkrankten Tieren ein längerwährender Kontakt mit den über die Exkremente
ausgeschiedenen Krankheitserregern besteht, reinfizieren sich die Tiere laufend (Siegmann,
1993).
Mit Durchfallkot durchweichte Einstreu oder ein regennasser Auslauf läßt die Haut
aufweichen, Krankheitserreger können in die Haut eindringen. Hieraus resultiert die
Notwendigkeit, daß Arzneimittel im Vergleich zur Erkrankungen in der Legebatterie
deutlich länger und häufiger eingesetzt werden müssen (Woernle, 1982; Heider u. Ma.,
1992; Grashorn, 1993). Der Medikamenteneinsatzes in der Boden und Auslaufhaltung kann sich
um das Sechsfache steigern (Woernle, 1982), so daß derartige Haltungssysteme von
Fachleuten als "medikamentenabhängig" zeichnet werden (Tüller, 1996).
Freilandhaltung mit Risiko
Ein unkalkulierbares Risiko für den Geflügelhalter in der Freilandhaltung ist neben
der Bedrohung durch Raubtiere (Füchse, Raubvögel) der Eintrag von Krankheitserregern wie
Salmonellen, Pasteurellen, Wurmeiern, Toxoplasmen und Coccidien (einzellige Parasiten)
durch Tauben, Möwen, Wassergeflügel, Spatzen, Regenwürmern, Käfern, Schnecken, Katzen,
Ratten und Mäusen (Boch u. Supperer, 1983; Böhm, 1993). Als typische Erkrankungen der
Bodenhaltung werden Botulismus, Hautentzündungen, Salmonellosen, Fußballengeschwüre,
Parasitosen und Bindehautentzündungen durch hohe Ammoniakgehalte (Drost u. Ma., 1995) in
Stallbodennähe beschrieben (Heider u. Ma., 1992; Grashorn, 1993; Ellendorf, 1997). Da es
unmöglich ist, den Auslauf zu desinfizieren (Hoop, 1995), muß jederzeit mit dem
Aufflackern dieser Erkrankungen bzw. mit einer Reinfektion z.B. mit Salmonellen gerechnet
werden (Müller u. Ma., 1994).
Eine Reihe von Erkrankungen wie die Geflügeltuberkulose (Woernle, 1982), Cholera
(Pasteurella multocida, fakultativ humanpathogen) und Rotlauf treten nur noch in der
Auslaufhaltung auf (Morgenstern u. Lobsiger, 1994). Durch die erhöhte
Krankheitsanfälligkeit sind Auslaufhaltungen auch ein Infektionsrisiko für
Wildvogelpopulationen.
Kannibalismus
Deutlich häufiger als in der Intensivhaltung werden Kannibalismus und Federpicken
beobachtet (Siegmann, 1993). Um Kannibalismus vorzubeugen, werden den Hennen in
Bodenhaltung der Schnabel gekürzt, was wiederum von Tierschützern heftigst kritisiert
wird. Erst kürzlich (DGS 1 / 97 S. 27) wurde über eine Auslaufhaltung von 5000 Hennen
berichtet, bei der durch den Verzicht auf das Schnabelkürzen täglich 60 - 70 Hennen
durch Kannibalismus zu Tode kommen. Als Auslöser werden unter anderem Juckreiz und
Hauterkrankungen genannt, die in der Auslauf - und Bodenhaltung deutlich häufiger
auftreten als in intensiven Haltungssystemen (Morgenstern u. Ma., 1995). Die oft
komplizierte Gestaltung alternativer Haltungssysteme erschwert die Bekämpfung von Milben.
Die fehlende Erfahrung der Besitzer in neuen, kleinen Beständen kann auch eine Rolle
spielen (Morgenstern u. Lobsiger, 1994). Der Verzicht auf Tiermehl (vegetarische
Ernährung) bei der Fütterung von Legehennen in der Schweiz, hat zu einem sprunghaften
Anstieg von Kannibalismusfällen geführt (Morgenstern, 1996).
"Hühnermüdigkeit"
Trotz sorgfältiger Pflege des Auslaufes droht "Hühnermüdigkeit", die
durch Wechsel des Auslaufes und Arzneimitteleinsatz, der dann zwangsläufig zu
Arzneimittelrückständen in Eiern führt, gemindert werden kann (Siegmann, 1992). Unter
Praxisbedingungen werden nach mehrjähriger Nutzung einer Auslaufhaltung trotz intensivem
Arzneimitteleinsatzes Tierverluste von mehr als 30 % (!) berichtet (Tüller, 1996).
Wissenschaftler aus der Schweiz, wo die Käfighaltung seit den 01.01.92 verboten ist,
berichten von einer Verdreifachung der Tierverluste im Auslauf (Morgenstern, 1996). Auch
Biobetriebe sind vor Atemwegsinfektionen, Coccidien und Tierverlusten nicht gefeit. So
beklagte man (Zollitsch u. Ma., 1995) auf der 3. Wissenschaftstagung zum ökologischen
Landbau im Januar 1995 in Kiel Tierverluste durch Coccidien von bis zu 50% (!) und den
"nicht richtliniengemäßen" Einsatz von Coccidiostatica bei Bio - Hühnern.
Wirklich umweltfreundlich ?
Auch bei der Umweltfreundlichkeit sind Zweifel angebracht. Durch das ständige Scharren
in der Einstreu und im Auslauf wird das Bodenmaterial ständig umgeschichtet,
Luftsauerstoff kann hinzutreten, Ammoniak entweicht, da der Kot im Auslauf sehr feucht
(Regen) ist und so eine Diffusion des Ammoniak erleichtert wird. Nach neueren
Untersuchungen erhöht sich im Vergleich zur Batteriehaltung in der Bodenhaltung die
Stickstoffemissionen um das Vierfache (Odenburg, 1990). Ein beachtlicher Teil dieser
Stickstoffverluste geht als Lachgas in die Atmosphäre, wo es die Ozonschicht schädigt.
Schadgase, Pilze, Bakterien und Endotoxine, Schadstoffe, die für Allergien und Bronchitis
bei Arbeitern und Anwohnern von Geflügelhaltungen verantwortlich gemacht werden, treten
in Bodenhaltung in deutlich höheren Konzentrationen auf (Drost u. Ma., 1995, Tabelle 1,
Ellendorf, 1997).
Tabelle 1: Luftgetragene Schadstoffe und Keime in unterschiedlichen Legehennenhaltungen
(Drost u. Ma., 1995).
|
Boden / Volierenhaltung |
Käfighaltung |
Steigerung um
das .....fache |
| Staub, mg / m3 |
8,9 - 16,9 |
1,9 |
4,7 - 8,9 |
| Pilze, KBE* / m3 |
7500 - 75000 |
2700 |
2,8 - 27,8 |
| Bakterien KBE* / m3 |
280.000 1 Mio |
56000 |
5,0 17,9 |
| Endotoxine, ng / m3 |
361 - 367 |
19 |
19,0 - 19,3 |
| Ammoniak, mg / m3 |
12,9 - 32,3 |
3,2 |
4,0 - 10,1 |
| Kohlendioxyd, mg / m3 |
1649 - 3075 |
1681 |
1,0 - 1,8 |
* KBE = koloniebildende Einheiten
In der Auslaufhaltung sind die Exkremente der Hühner gänzlich unkontrollierbar. Da
die Tiere auch bei größerem Flächenangebot ihren Kot nicht gleichmäßig über den
Auslauf verteilen, finden sich insbesondere in Stallnähe (Siegmann, 1992) Areale, die
völlig kotverätzt sind. Von hier aus versickert der Kot im Boden und gefährdet so das
Grundwasser oder gelangt mit dem nächsten Regen im nächsten Bächlein (Meierhans u.
Menzi, 1995). Auch bei Mastschweinen in Weidehaltung wird ein Eintrag von Phosphaten und
Stickstoffverbindungen in tiefere Bodenschichten beobachtet (Brandt, 1995). Hingegen kann
der Gesetzgeber über die Düngeverordnung die Ausbringung des Kotes in der Intensiv - und
Bodenhaltung regulieren.
Mehr Futter und Exkremente pro Ei
Durch die ausgiebige Bewegung und ungeregelte Stalltemperaturen entsteht in der
Auslaufhaltung pro produziertem Ei ein Futtermehrbedarf von etwa 20% (Grashorn, 1993;
Tüller, 1996) und hieraus resultierend ein Mehrbedarf an Fremdenergie z.B. für die
Futterherstellung und einen um 20% erhöhten Flächenbedarf für die notwendige
Mehrproduktion an Futter. Die niedrige Leistung schlägt sich auch in relativ höheren
Stickstoff - und Phosphoremissionen in Kot nieder, was die Ökobilanz zusätzlich belastet
(Grashorn, 1993). Der Aufwuchs (Gras, Kraut) im Auslauf, der durch die Überdümgung durch
den Hühnerkot in seiner Zusammensetzung verändert oder mehr oder weniger volständig
weggeätzt wird, hat für die Ernährung der Tiere keine Bedeutung. Käfer und
Regenwürmer, die auf dem Speiseplan stehen sind eher ein Gesundheitsrisiko (siehe oben)
als kalkulierbare Proteinquelle für die Tiere.
Flächenverbrauch
Stünde jeder Legehenne entsprechend der geplanten EU - Ökoverordnung 10
Quadratmeter Auslauf zur Verfügung, ließe sich der Krankheitsdruck etwas senken. Aber
auf alle deutschen Hennen hochgerechnet, wären Schleswig - Holstein, Niedersachsen,
Mecklenburg - Vorpommern und Hamburg ein riesiger Hühnerhof. Hierzu kämen noch
Ackerflächen für den Getreide - und Futteranbau. Da im ökologischen Landbau z.B. beim
Weizen im Vergleich zum konventionellen Landbau mit um 40% geringeren Hektaerträgen
gerechnet werden muß, entstünde durch die ökologisch bewirtschafteten Ackerflächen ein
entsprechend größerer Flächenverbrauch. Aber wohin mit den Menschen, Wäldern,
Naherholungsgebieten, schützenswerten Feuchtbiotopen? Wo in Zukunft Industriegüter,
nachwachsende Rohstoffe und andere Lebensmittel produzieren? Absurd! Realitätsfern!
Besserer Geschmack?
Bei einem Eiertestessen, welches vom WDR und der Landwirtschaftskammer Rheinland
veranstaltet wurde, schnitten Käfigeier im Vergleich zu Eiern aus der Auslaufhaltung
geschmacklich und bei den Kriterien Schalenqualität, Dotterfarbe und Beschaffenheit des
Eiklars deutlich besser ab. Offensichtlich hat die Haltungsform kaum einen Einfluß auf
Qualität und Geschmack (DGS, 1995).
Sind Ökoeier gesünder?
Nach Untersuchungen des Institutes für Kleintierzucht in Celle ist der
Verschmutzungsgrad bei Eischalen aus der Freilandhaltung etwa fünfmal so hoch wie bei
Eiern aus der Käfighaltung. Noch krasser ist der hygienische Unterschied bei den
Keimzahlen: Während Käfigeier mit bis zu 240 coliformen Keimen behaftet sind, erreichen
Eier aus der Bodenhaltung 4,7 Millionen Keime. Freilandeier gelangten in dieser
Untersuchung mit bis zu 8,2 Millionen coliformen Keimen pro Ei unangefochten auf den
Spitzenplatz. Eine hohe Keimbesiedelung der Schalenoberfläche führt auch zu einer
Keimbesiedlung von Eiweiß und Dotter (Matthes, 1983, Tabelle 1).
Tabelle 2: Häufigkeit der Kontamination von Hühnereiern aus Auslauf-, Boden- und
Bodenhaltung mit Schmutzkeimen wie Escherichia coli, Proteus u. a. (Matthes, 1983)
|
Auslaufhaltung |
Bodenhaltung |
Käfighaltung |
| Schalenoberfläche |
53,0% |
28,1% |
11,3% |
Innere Eischale
(Keimpenetration) |
5,0% |
2,5% |
0,0% |
| Eidotter |
3,1% |
0,6% |
0,0% |
Dies belegt, daß die Bevorzugung von Eiern aus Freiland - und
Bodenhaltung aus Hygiene - und Gesundheitsgründen nicht haltbar ist. Prof. Siegmann
(1992) vom Institut für Geflügel der tierärztlichen Hochschule Hannover urteilt in
einem Fachbuch: "Der Käufer von Freilandeiern erhält für einen höheren Preis eine
lebensmittelhygienisch schlechtere Qualität". Die Bodenhaltung wirkt sich im Bezug
auf die Salmonellenbekämpfung nachteilig aus. Rund zwei Drittel der wegen
Salmonellenbefall gereinigten und desinfizierten Betriebe (in der Schweiz) mußten bei der
Schlußkontrolle bemängelt werden, da immer noch Salmonellen gefunden wurden. Alte
Ställe lassen sich kaum mit vernünftigem Aufwand desinfizieren (Hoop, 1995).
Wie sicher sind Ökoeier?
Das die beliebten Ökoeier zumeist in Kleinbetrieben unter 250 Tieren produziert
werden, unterliegen diese Betriebe in der Bundesrepublik nicht der Hühner - Salmonellen -
Verordnung. Somit entfallen für diese Kleinbetriebe die Impfpflicht gegen Salmonellen
nach § 2, die betriebseigenen Kontrollen nach § 3, die Mitteilungspflicht an die
Behörden nach § 4, die amtlichen Untersuchungen nach § 5 und die behördlichen Schutz -
und Hygienemaßnahmen nach §§ 6 - 10 nach der Hühner - Salmonellen - Verordnung. Somit
sind kleine Auslaufhaltungen Risikohaltungen! Nach einer Schweizer Untersuchungen stellen
einmal mit Salmonellen infizierte Freilandlegehennen eine andauernde
Verbrauchergefährdung da, da diese Tiere die Infektion nicht überwinden und immer wieder
Eier legen, die mit Salmonellen belastet sind. Insbesondere bei "verlegten
Eiern", die erst nach einigen Tagen gefunden werden, kommt es insbesondere bei warmem
Sommerwetter zu einer Massenvermehrung von Salmonellen (Müller u. Ma., 1994), die dann
auch in das Eiinnere gelangen können.
Arzneimittelrecycling
Weitere Probleme ergeben sich dadurch, daß Arzneimittel mit dem Kot oder auch
direkt in die Einstreu oder den Auslauf gelangen. Mit dem Scharren und Picken nehmen die
Hühner Arzneimittelreste wieder auf. So können Arzneimittelrückstände noch nach Wochen
nachgewiesen werden (Woernle, 1984; Friedrich, 1985; TGD Bayern, 1986 u. 1988; Hafez u.
Ma., 1988, Tabelle 2). Es treten auch Rückstände bei Tieren auf, die nicht einer
Behandlung unterworfen wurden, da diese Tiere ebenso ungewollt Arzneimittelreste aus der
Einstreu aufnehmen.
Da die Wartezeiten für Arzneimittel durch Versuche an Batteriehennen festgelegt
wurden, dürften die Arzneimittelwartezeiten in der Boden - und Auslaufhaltung durch den
"Recyclingeffekt" völlig unzureichend sein und müssen für diese Haltungsform
neu festgelegt werden. Ob Antibiotikarückstände in Lebensmitteln (Eiern) in der
Darmflora des Konsumenten resistente Bakterien erzeugen können, ist bisher nicht
eindeutig belegt. Einige wenige Versuche mit Versuchspersonen und Versuchstieren brachten
bisher keine eindeutigen Ergebnisse (Löscher, 1996). Wenn Parasiten und Krankheitserreger
immer wieder mit Arzneimittelmengen, die unterhalb einer therapeutisch wirksamen
Konzentration liegen, in Kontakt kommen, ist eine Resistenzbildung bei Bakterien
(Salmonellen), Würmern und Coccidien vorprogrammiert (Löscher u. Ma., 1994).
Tabelle 3: Unterschiede in der Dauer der Ausscheidung von Arzneimittelrückständen
über das Ei bei Legehennen in Käfig- bzw. Bodenhaltung (Hafez u. Ma., 1988; Friedrich u.
Ma., 1985: TGD Bayern, unveröffentlchte Daten, 1986 u. 1988).
Wirkstoff,
Konzentration |
Behandlungsdauer |
Nachweisdauer von Arzneimittel-
rücktänden im Ei in Tagen nach
Behandlungsende |
| Käfig |
Boden |
Meticlorpindol
102 mg / kg Futter |
14 Tage
(14.-16. Woche) |
nicht nachweisbar |
28 nach Legebeginn |
Meticlorpindol
2 mg / kg Futter |
29 Tage |
2 |
4 |
Nicarbazin
129 mg / kg Futter |
6 Tage |
28 |
über 60 |
Nicarbazin
2 mg / kg Futter |
29 Tage |
16 |
über 60 |
Tetracyclin
500 mg / l Wasser |
7 Tage |
26 |
37 |
Enrofloxacin
50 mg / l Wasser |
4 Tage |
8 |
über 46 |
Reinen Wein einschenken!
Da viele Bundesbürger völlig vom Landleben entfremdet sind und eine Vorstellung
von Landwirtschaft haben, die eher an "science fiktion" oder
"Disneyland" erinnert, sind viele von ihnen der Mogelpackung von den
"gesunden Eiern von glücklichen Hühnern" aufgesessen. Freilandeier werden
mystifiziert und gelten als "gesund. Um dieser Logik zu folgen, wird - oft in
Unkenntnis der tatsächlichen Risiken - auf einfachste Hygienemaßnahmen verzichtet, die
sich über Generationen aus der Erfahrung mit Lebensmittelrisiken entwickelt haben. Eine
seriöse Verbraucherberatung muß auf bestehende Rückstands - und Hygienerisiken
hinweisen, so daß sich insbesondere empfindliche und infektionsgefährdete Risikogruppen,
die ganz bewußt die "gesunden Freilandeier" bevorzugen (Rheumatiker,
Diabetiker, Transplantierte, alte Menschen, HIV-Infizierte, Kleinkinder), durch einen
hygienischen Umgang mit Eiern schützen können.
Fazit: Kompromisse bei der Hennenhaltung und ein reduzierter Eierkonsum sind
unausweichlich. Ob aber die vielen kleinen Hennenhalter die hohen Investitionskosten in
eine technisch komplizierte und aufwendige Volierenhaltung verkraften können, ist mehr
als fraglich. Der Konsument muß in Zukunft aus Gründen des Tierschutzes eine
qualifizierte Versorgung der Tiere mit modernen Arzneimitteln und eine damit verbundene
höhere Belastung mit Rückständen akzeptieren. Unkalkulierbar aber ist das
Verbraucherverhalten. Er dürfte bei sinkenden Realeinkommen und mehr als 4 Millionen
Arbeitslosen eher das 19 - Pfennig - Ei von Aldi kaufen. Läßt sich der Verbraucher in
absehbarer Zeit ändern? Karl Marx ist schon einmal gescheitert.
Literatur beim Autor. |