Kategorie-Archiv: Politik

Das Geld anderer Leute …

Ab heute kann jeder im Internet nachlesen, wieviel welcher Nachbar (oder Verwandte) aus der Kasse der EU-Agrarförderung erhalten hat.

Nach langem Zögern veröffentlicht nun auch Deutschland erste Daten über die Zahlungen aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds (ELER), die Zahlen aus dem Europäischen Garantiefonds für die Landwirtschaft (EGFL) und dem Europäischen Fischereifonds (EFF) sollen folgen.

Andere EU-Länder kamen der Forderung im Rahmen der Europäische Transparenzinitiative (ETI) wesentlich zügiger nach. Deutschland veröffentlicht jetzt lediglich die Empfänger von Fördermitteln aus der sogenannten zweiten Säule der EU-Agrarpolitk. Aus diesem Topf werden Maßnahmen zur Entwicklung des ländlichen Raumes gefördert. Dazu gehören Agrarumweltmaßnahmen wie Vertragsnaturschutz, Förderung des Ökolandbaus oder Maßnahmen zur Zucht vom Aussterben bedrohter lokaler Haustierrassen. Ebenso dazu gehören Programme zur Flurbereinigung, Dorferneuerung oder zur Verbesserung von Marktstrukturen.

In Deutschland wurden bislang lediglich Listen der größten Beihilfeempfänger in Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg veröffentlicht. Ab heute kann bundesweit nach Subventionsempfängern gesucht werden. In der Suchmaske der BLE-Seite genügt die Angabe der eigenen Postleitzahl, um zu erfahren, wer im Jahr 2007 wieviel erhalten hat. Ob der BLE-Server das aushält? 😉

Bereits länger kann über die Webseite des Finanztransparenzsystems nach Empfängern von EU-Geldern gesucht werden. Interessant ist z.B. wieviel (und wem) die EU für Marketing und PR zahlt.

Milchlieferboykott gestartet

Mit Demonstrationen hat der BDM am Montag seinen Lieferboykott im Rahmen der ‚Milchpreisoffensive 2008‘ gestartet.

Und gleich am ersten Tag (heute) bemühen sich der Milchindustrie- und der Einzelhandels-Verband, den Bürgern klarzumachen, dass man sich keine Sorgen machen müsse, denn ein Lieferboykott sei aussichtslos.

Selbst Herrn Sonnleitner vom Bauernverband DBV – dem die vom BDM gewählten Maßnahmen bei eigenen Aktionen sicherlich recht wären – kommen Bedenken zum Welthunger und verschütteter Milch. Schon bevor überhaupt absehbar, erklärt der DBV, ‚die überwiegende Mehrheit der 100.000 Milcherzeuger steht einem unbegrenzten Lieferstreik reserviert gegenüber‘. Interessant, wie weit die Sorge um einen ‚Image-Schaden durch Milchvernichtung‘ (und die Abneigung gegen den BDM) gehen kann …

Im Norden würde kaum ein Milchbauer mitmachen, heißt es bereits in den Medien, bevor die Tankwagen ihren ersten Abhol-Zyklus gefahren sind.

Ob – und für wie lange – der Lieferstopp Erfolg zeigen wird ist derzeit ungewiss. Viel wird zunächst davon abhängen, ob sich auch die Milchviehhalter in den Nachbarländern (denen es nicht besser geht) ebenfalls zum Streik entschliessen.

BTW: Der BDM informiert auf einer eigenen Internet-Seite über den Verlauf des Lieferstreiks.

Hunger – und viele Rezepte

Das Thema ‚Hunger‘ steht – mal wieder – ganz oben auf der Tagesordung. Nur – wie lange?
Laut ‚Weltagrarbericht‚ und aktuellen Presseberichten gibt es verschiedenste Gründe und Misstände, die das Problem nahezu unlösbar erscheinen lassen:

– Intensive Veredlungslandwirtschaft im Norden
– Mangelnde Teilhabe des Südens am technologischen Forschritt
– Klimawandel / Flächenverlust zB durch Erosion / Desertifikation
– Bevölkerungswachstum
– Falsche Nutzung von Nahrungsmitteln (Bioenergie)
– Exportsubventionen / Weltmarktregeln
– Spekulanten / Multinationale Konzerne
– Markt-/Macht-Interessen und Kurzsichtigkeit der Politik

Die Bilanz des Weltagrarberichts ist nichts Neues. Und wie bereits in der Vergangenheit stockt man – nicht unumstritten – kurzfristig die Mittel des Welternährungsprogramms (WFP) auf. Für manche eher ein Zeichen, dass das Thema bzw. die wirklich wichtigen Ursachen wieder unter den Teppich kommen.
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KTG Agrar: kein heroischer Start

Seit Monaten stehen die Land- und Ernährungswirtschaft im Zentrum des heiß diskutierten Themas ‚Agrarrohstoffe‘, nicht nur an den Börsen. Steigende Preise bei Getreide, Milch und anderen tierischen Produkten wecken Anlegerphantasien.

Mit der KTG Agrar AG hat sich am 15.11. das erste Agrarunternehmen in Deutschland an die Börse gewagt. Die Erwartung und die Vorschusslorbeeren waren groß. Den Meldungen zufolge war die Aktie zum Börsenstart mehrfach überzeichnet.
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