Ernte für die Taliban?

Rekord-Mohnernte spült Geld in Taliban-Kassen‘ titel die WELT berichtet von einer ‘rekordverdächtige Mohnernte’, die die Bauern in diesem Jahr in Afghanistan einfahren werden, um damit die Kassen der aufständischen Taliban zu füllen. Die US-Amerikaner und die Briten seien ratlos. Möglich werde die Drogenproduktion durch korrupte Beamte.

Glaubt man Zahlen der UN, so ist der Anbau von Mohn in Afghanistan seit der Besetzung/Befreiung (im Herbst 2001) kontinuierlich angestiegen. Die Taliban hatten Medienberichten zufolge den Anbau von Schlafmohn zuvor massiv bekämpft. Hier die Hektar-Zahlen seit 1995:

1995: 54.000 ha
1996: 57.000 ha
1997: 58.000 ha
1998: 64.000 ha
1999: 91.000 ha
2000: 82.000 ha
2001: 8.000 ha
2002: 74.000 ha
2003: 80.000 ha
2005: 104.000 ha
2006: 150.000 ha
2007: 193.000 ha

Etwa 93 Prozent der Weltproduktion von Opium stammen aus Afghanistan. 2006 hatte die Opiumernte einen Umfang von über 7.000 Tonnen (2005: 4.100 Tonnen), 2007 soll die Erntemenge ca. 8.200 Tonnen betragen. Der Marktwert dieser Menge in Heroin läge in New York nach Schätzungen von Insidern bei weit über einhundert Milliarden Dollar.

Zum Vergleich: Der Staatshaushalt Afghanistans hatte 2005 insgesamt Einnahmen in Höhe von 876 Millionen Dollar und Ausgaben von 457.3 Millionen Dollar.

Die Drogenbekämpfer in den USA stellen nach eigenen Angaben 449 Millionen Dollar zur Verfügung, um die Mohnbauern dazu zu bewegen, auf ihren Feldern andere Pflanzen zu kultivieren. Die Briten fördern mit 60 Millionen Dollar den Anbau von Minze, Weizen, Chili und Baumwolle. Die britische DailyMail zweifelt allerdings an den Bemühungen (Britain is protecting the biggest heroin crop of all time) und auch Berichte darüber, daß Amerikas Kämpfer als Junkies aus Afghanistan zurückkehren, läßt wenig auf eine nachhaltige Bekämpfung dieses Drogenmarktes hoffen.

Aktuell wird auch ein Vorschlag vom Generalsekretär der FDP, Niebel, diskutiert. Er schlägt vor, dass staatliche Stellen – auch mit Geldern aus Deutschland – die gesamte Ernte aufkaufen sollten. Der Ruf nach staatlicher Regulierung ist – zumindest aus dem ‘liberalen Lager’ – eher ungewöhnlich und dürfte (siehe EU) letztendlich eher eine Ermunterung für die afghanischen Bauern sein, noch mehr Opium anzubauen.

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