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INFORMELLES TREFFEN DER FÜR DIE RAUMORDNUNG ZUSTÄNDIGEN MINISTER
DER EUROPÄISCHEN UNION (NOORDWIJK, 9. und 10. JUNI 1997)

EUROPÄISCHES
RAUMENTWICKLUNGSKONZEPT
(EUREK)

ERSTER OFFIZIELLER ENTWURF

Inhalt (Teil III)

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I. RAUMENTWICKLUNGSPOLITIK AUF EUROPÄISCHER EBENE 
II. RAUMWIRKSAME ENTWICKLUNGEN: DIE EUROPÄISCHE DIMENSION
III. POLITISCHE ZIELE UND OPTIONEN FÜR DEN EUROPÄISCHEN RAUM
III.A.

EIN AUSGEWOGENERES UND POLYZENTRISCHES STÄDTESYSTEM UND EINE NEUE BEZIEHUNG ZWISCHEN STADT UND LAND

III.A.1.

Komplementarität und Kooperation zwischen den Städten

III.A.2.

Dynamische, attraktive und wettbewerbsfähige Städte

III.A.3.

Nachhaltige Entwicklung der Städte

III.A.4.

Partnerschaft zwischen Stadt und Land

III.A.5.

Diversifikation der ländlichen Gebiete

III.B.

GLEICHER ZUGANG ZU INFRASTRUKTUR UND WISSEN

III.B.1.

Bessere Erreichbarkeit

III.B.2.

Effizientere und nachhaltige Nutzung der Infrastruktur

III.B.3.

Verbreitung von Innovationen und Wissen

III.C.

INTELLIGENTES MANAGEMENT UND ENTWICKLUNG DES NATUR- UND KULTURERBES

III.C.1.

Erhaltung und Entwicklung der Naturerbes

III.C.2.

Intelligentes Management der Wasserressourcen

III.C.3.

Erhaltung und kreatives Management der Kulturlandschaften Europas

III.C.4.

Erhaltung und kreatives Management des städtischen Kulturerbes

III.D.

EIN RAHMEN FÜR EINE INTEGRIERTE RAUMENTWICKLUNG

III.D.1.

Auf dem Weg zu einer Agenda der europäischen Raumentwicklung

III.D.2.

Auf dem Weg zu transnationalen Strategien

III.D.3.

Die regionale und lokale Ebene

III.D.4.

Schlußfolgerungen: die zentrale Rolle der Koordinierung

IV. UMSETZUNG DES EUROPÄISCHEN RAUMENTWICKLUNGS- KONZEPTS

 

TEIL III

III. Politische Ziele und Optionen für den europäischen Raum  

Die in Teil II aufgeführten raumrelevanten Entwicklungen erfordern eine breite Palette an politischen Antworten, an der viele Entscheidungsträger auf verschiedenen gebietskörperschaftlichen Ebenen beteiligt sind. Es ist nicht beabsichtigt, daß das EUREK zu all diesen Themen umfassende Politikvorschläge macht. Um effektiv zu sein, muß eine Politik klar und spezifisch orientiert sein, wobei sie jedoch die Beziehungen zwischen den verschiedenen räumlichen Aspekten zu berücksichtigen hat. Die weiter unten dargestellten Ziele und Politikoptionen, die sich auf die in Teil II herausgearbeiteten Themenbereiche beziehen, wurden daher dem folgenden Struktur- und Auswahlprozeß unterworfen.

Erstens basieren die Politikziele, wie im Leipziger EUREK-Dokument dargelegt, auf drei Leitprinzipien für raumentwicklungspolitische Maßnahmen in Europa:

· ein ausgewogenes und polyzentrisches Städtesystem und eine neue Beziehung von Stadt und Land,

· gleiche Zugangsmöglichkeiten zu Infrastruktur und Wissen,

· intelligentes Management und Entwicklung des natürlichen und kulturellen Erbes.

Für jeden dieser Bereiche wurde eine begrenzte Zahl von Schlüsselzielen ausgewählt. Um diese Ziele erreichen zu helfen, wurden darüber hinaus eine Reihe spezieller Politikoptionen erarbeitet. Diese Optionen sind räumlich differenziert. Mit anderen Worten, sie gelten für eine oder mehrere Teilgebiete des europäischen Raumes. Zu diesem Zeitpunkt ist es noch zu früh, den gesamten Anwendungsbereich festzulegen, d. h. eine erschöpfende Liste relevanter räumlicher Themen aufzustellen, die den einzelnen Option zugeordnet werden. Dennoch erscheint es zweckmäßig, ein erstes, vorläufiges Bild davon zu geben, wie der Anwendungsbereich des EUREK in Zukunft aussehen könnte. Dies beschränkt sich auf Hinweise und Veranschaulichungen, die nicht tatsächliche Politikvorschläge darstellen, sondern mögliche Elemente aufzeigen, die bei der Festlegung des Anwendungsbereichs der Optionen zu berücksichtigen sind.

· Die räumliche Dimension: Es wurden Ziele und Politikoptionen herausgearbeitet, denen die grundlegenden Ziele der Raumentwicklung zugrunde lagen, die die Fachpolitiken ergänzen und Elemente für einen stärker integrierten, multisektoralen Politikansatz auf europäischer Ebene darstellen.

· Die europäische Dimension: Wie die Probleme selbst müssen die Ziele und Politikoptionen kontinentalen, transnationalen, grenzüberschreitenden oder europaweiten interregionalen oder städteübergreifenden Zuschnitt haben.

· Interessen der Mitgliedstaaten: Sie spiegeln die politischen Prioritäten der Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission wider, wie sie auf vorangegangenen informellen Ministertreffen zum EUREK formuliert wurden.

· Durchführbarkeit der Implementation und mögliche Wirksamkeit: Die Auswahl der Politikoptionen erfolgte aufgrund ihrer potentiellen Wirkungen auf die Verringerung der räumlichen Ungleichgewichte und der Einfachheit ihrer möglichen Implementation.

Der Ansatz der Raumentwicklung muß über eine reine Analyse, wie die Fachpolitiken in ihrer Wirkung verstärkt und verbessert werden können, hinausgehen, indem eine räumliche Ausrichtung eingeführt wird. Darüber hinaus muß eine Grundlage für die Integration dieser thematischen Politikoptionen erarbeitet werden, damit diese in bestimmten transnationalen, grenzüberschreitenden oder anderen Gebieten mit gesamteuropäischer Bedeutung angewendet werden können. Für diese Gebiete müssen kohärente Raumentwicklungskonzepte entworfen werden, welche die relevanten Prinzipien sowie die Probleme und Möglichkeiten der Raumentwicklung enthalten. Diese Konzepte könnten die funktionellen Verbindungen zwischen den verschiedenen Teilräumen dieser Gebiete vertiefen und die Grundlage für einen multisektoralen Politikansatz darstellen. Der zusätzliche Wert einer integrierten Raumentwicklung besteht darin, eine Entwicklung zu fördern, die von höherer Qualität, nachhaltiger und zusammenhängender ist als im Falle unkoordinierter politischer Entscheidungen.

Zum Schluß von Teil III wird ein räumlicher Integrationsrahmen für die Politikoptionen vorgestellt. Dieser Rahmen unterscheidet zwischen zwei Arten integrierter Politik auf europäischer Ebene:

1. Geographisch: Die Politikoptionen beziehen sich auf Bereiche, die in nationale Grenzen überschreitenden Gebieten angegangen werden müssen. Bei dieser integrierten Anwendung gibt es zwei Ebenen:

· der ganze europäische Raum (insbesondere die Gemeinschaftsebene),

· große grenzüberschreitende europäische Gebiete, wie z. B. die Flußtäler, Bergregionen oder Meeresbuchten (transnationale Ebene).

Daneben stellen die Gebiete entlang der Grenzen ein weiteres mögliches Integrationsfeld von europäischer Bedeutung dar. In diesen Gebieten wird die integrierte Raumplanung immer noch durch mangelnde administrative Zusammenarbeit zwischen den regionalen und lokalen Behörden auf beiden Seiten der Grenze behindert.

2. Nicht-räumlich/interregional: Die Politikoptionen beziehen sich auf Probleme, die an vielen verschiedenen Orten in Europa bestehen, die aber im wesentlichen auf regionaler oder lokaler Ebenen behandelt werden müssen (z. B. Kooperation zwischen Städten).

Dieser Rahmen unterstreicht die Notwendigkeit für einen koordinierten Entscheidungsprozeß, der nicht nur horizontal ausgerichtet ist (zwischen den Fachpolitiken auf einer räumlichen Ebene), sondern auch vertikal (zwischen administrativen Ebenen).

III.A. Ein ausgewogeneres und polyzentrisches Städtesystem und eine neue Beziehung zwischen Stadt und Land  

Die Entwicklung von Europas Städten und deren Beziehungen untereinander sind der wichtigste Einflußfaktor für die räumliche Ausgewogenheit Europas. Der in der jüngsten Zeit eingetretene, große Wandel wurde in Teil II beschrieben: verschiedene Typen an Städtenetzen, das Auftreten von Städteclustern, der Wandel des ökonomischen Potentials der Städte und deren fortschreitende räumliche Expansion sowie die wachsende soziale Segregation und die sinkende urbane Lebensqualität. Auch die ländlichen Räume wandeln sich schnell und werden unterschiedlicher: Es gibt nicht mehr nur eine, sondern verschiedene Arten es ländlichen Raums. Ihre Beziehungen zu den Städten hat sich verändert, spezifische Siedlungsstrukturen entwickeln sich und die ländliche Wirtschaft muß einen fundamentalen Strukturwandel bewältigen.

Dieser Wandel des städtischen Systems und der Siedlungsstrukturen macht politische Maßnahmen notwendig. Diese können jedoch nicht aus einer bestimmten Fachpolitik abgeleitet werden, sondern stellen ein offensichtliches Anwendungsgebiet für eine querschnittsorientierte Planungsstrategie dar. Damit sollte hiermit auch ein Beitrag für die Implementation der Habitat-Agenda der UN geleistet werden.

Zusammenhalt kann nicht einfach dadurch erreicht werden, indem die interregionale Dimension berücksichtigt wird. Die Beziehungen zwischen den Städten sind ebenso wichtig. Ein Raumentwicklungskonzept, daß von einem einzigen städtischen Zentrum und einem "Restgebiet" ausgeht, ist nicht akzeptabel. Statt dessen ist die Entwicklung neuer Perspektiven für die Randgebiete notwendig, was durch eine stärker polyzentrisch ausgerichtete Struktur des Gebiets gefördert werden könnte. Auf transnationaler und regionaler Ebene machen Ungleichgewichte ähnlicher Art eine Politik erforderlich, die den Städten hilft, sich gegenseitig zu ergänzen, um sie dadurch wettbewerbsfähig zu erhalten. Eine intakte Umwelt und sozialer Wohlstand sind eine Grundlage für die ökonomische Lebensfähigkeit der Städte. Nur nachhaltige Städte werden wettbewerbsfähig sein.

Die Vitalität des städtischen Systems beruht daher auf seiner Ausgewogenheit, der wirtschaftlichen Dynamik der einzelnen Städte und ihrer nachhaltigen Entwicklung. Wie die grundlegenden Ziele des EUREK, auf die sie sich beziehen, stehen diese drei Ziele für das Städtesystem miteinander in wechselseitiger Beziehung.

Die Wechselwirkungen zwischen Stadt und Umland müssen neu überdacht, überflüssige städtische Expansion eingedämmt und eine neue Beziehung zwischen Stadt und Land definiert werden. Maßgeschneiderte Lösungen könnten dazu beitragen, die ländliche Wirtschaft zu diversifizieren, die heute mit neuen Herausforderungen konfrontiert ist. Dazu gehört auch der Ausbau neuer und höherwertiger Funktionen in denjenigen Städten, welche die schwächeren Knoten im europäischen Netz darstellen.

Zusammengefaßt sollte die Planungspolitik bestrebt sein, die Beziehung zwischen Stadt und Land und auch die interne Funktionsfähigkeit der Städte selbst zu verbessern. Dies würde auch die Aussichten für die Entwicklung ihres ländlichen Umlands verbessern.

III.A.1. Komplementarität und Kooperation zwischen den Städten  

Um eine größere Ausgewogenheit des städtischen Systems zu erreichen, ist von entscheidender Bedeutung, Wege und Verfahren zu erarbeiten, mit deren Hilfe Städte sich einander ergänzen und kooperieren. Die Möglichkeiten in dieser Hinsicht sind vielfältig: Städtecluster und regionale, transnationale oder gar europaweite Netze. Je nach Ausgangslage könnte eine Zusammenarbeit die Integration einzeln verfolgter Ziele oder einfach ein gemeinsamer inhaltlicher Ansatz bedeuten. Verschiedene Typen räumlicher Unausgewogenheit könnten angegangen werden, zum Beispiele die Polarisation um eine zentrale Metropole oder die Tendenz zu einer bandförmigen Raumentwicklung. Komplementarität zwischen Städten kann nicht erreicht werden, ohne daß auf verschiedenen räumlichen Ebenen funktionale und physische Verbindungen zwischen ihnen bestehen.

Die Erhöhung der Komplementarität zwischen Städten bedeutet die Nutzung der Vorteile des wirtschaftlichen Wettbewerbs zwischen ihnen bei gleichzeitiger Überwindung der Nachteile des Wettbewerbs. Es ist möglich, eine Politik zu verfolgen, die eine effektive Zusammenarbeit zwischen Städten fördert, indem auf die gemeinsamen Interessen und dem Input aller Teilnehmer aufgebaut wird.

Der integrierende Charakter dieser Zusammenarbeit wird verstärkt, wenn sie auf die natürlichen Verbindungen aufgrund der räumlichen Nähe der betreffenden Gebiete aufbaut. Die in Teil II erwähnten, sich entwickelnden Städtecluster sollten weiter ausgebaut werden. Integrierte Strategien sind erforderlich, um diese städtischen Gruppierungen mit vielen Zentren enger zusammenzubringen und größere funktionale Komplementarität zu erreichen. Es bestehen jedoch eine Reihe von Faktoren, wie z. B. administrative Hemmnisse, die diese Entwicklung behindern. Trotz des sich entwickelnden Binnenmarktes sind die administrativen Strukturen ein großer Nachteil für die Grenzregionen. Die Anstrengungen auf europäischer Ebene zur Unterstützung der Integration von Städteclustern sollten sich daher besonders auf grenzüberschreitende Regionen konzentrieren.

Weiter voneinander entfernt liegende Städte erfordern eine andere Art der Zusammenarbeit: Vernetzung ("networking"). Dieser Ansatz ist eher thematisch orientiert, wobei damit jedoch auch ein Rahmen für die Beantwortung einer Reihe von Fragen gesetzt werden kann. Über den bloßen Erfahrungsaustausch hinausgehend ist es erforderlich, gemeinsame Ziele zu verfolgen und gemeinsame Projekte durchzuführen. Dazu gehört zum Beispiel die Kooperation von Universitäten und Forschungszentren, eine koordinierte Verkehrspolitik oder die gemeinsame Verwaltung von Datenbanken für kleinere Unternehmen.

Städtenetze können sowohl auf europäischer als auch auf transnationaler Ebene einen großen Beitrag dazu leisten, die Ungleichgewichte oder Funktionsstörungen der Städtesysteme auszugleichen. Sie können dazu beitragen, Lösungen für das schwierige Problem der Funktionsteilung zwischen mittelgroßen Städten und größeren Metropolregionen zu finden, welches je nach Region sehr unterschiedliche Ausprägungen aufweisen kann. In einigen Fällen wird das Ziel darin bestehen, eine zu große Polarisation in einem Ballungsraum zu vermeiden. In anderen Fällen soll der Niedergang weniger erfolgreicher Gebiete vermieden werden, die einige ihrer Funktionen an andere Städte verloren haben. Komplementaritäten können auch zwischen überlasteten Küstenstädten und im Niedergang befindlichen Binnenstädten bestehen: Die Belastung der Küstenregionen könnte vermindert werden, indem die Binnenstädte einen Entwicklungsschub erfahren.

Darüber hinaus sollte die Aufmerksamkeit auch den Stärken, Schwächen, Chancen und Gefahren der größeren Städte gelten. Dies sollte im Rahmen einer integrierten Entwicklungsstrategie geschehen, damit die Rolle der Städte als wirtschaftliche Triebkräfte für die regionale Wirtschaft optimiert wird.

Städtenetze könnten in Gebieten eingerichtet werden, die in bedeutenden Entwicklungskorridoren gelegen sind, um dort eine integrierte und nachhaltige Planung zu fördern. Obwohl diese Korridore transnational ausgerichtet sind, können sie dazu beitragen, den ganzen Kontinent zu strukturieren. Ein Netzwerk der größeren Metropolregionen in Europa würde darüber hinaus dazu beitragen, grundlegende Probleme wie die ungleichen Zugangsmöglichkeiten zu größeren Häfen und Flughäfen zu lösen (siehe Option III.B.1.b).

Die Bildung von Netzen kleinerer Städte in dünner besiedelten und wirtschaftlich schwächeren Regionen ist ebenfalls wichtig. In diesen Gebieten stellt das Poolen von Ressourcen häufig die einzige Möglichkeit dar, Größenordnungen im Hinblick auf Einrichtungen und Dienstleistungen zu erreichen, die durch einzelne Partnerstädte nicht allein aufgebaut werden könnten.

Die Vernetzung und komplementäre Entwicklung der Städte hat auch eine physische Dimension. Großstädte sind durch den Bau von Häfen, Flughäfen, Bahnhöfen für Hochgeschwindigkeitszüge etc. um eine sehr gut nationale und internationale Erreichbarkeit bemüht. Diese Infrastruktur weist jedoch nur einen begrenzten Nutzen auf, wenn sie nicht durch eine effizientes Verkehrssystem auf lokaler und regionaler Ebene ergänzt und eng verknüpft wird. Ein solches ergänzendes Verkehrssystem könnte die Vorteile einer wirtschaftlich attraktiven Großstadt für die sie umgebenden Kleinstädte steigern.

Netze zwischen Städten und Regionen sind auch über die Außengrenzen der Europäischen Union hinaus von Bedeutung. In Ost- und Mitteleuropa (einschließlich des Balkans) und in den Mittelmeerregionen ist die grenzüberschreitende Zusammenarbeit jedoch mit besonderen Schwierigkeiten verbunden, die auf wirtschaftlichen Ungleichgewichten (z. B. größere Unterschiede beim Lohnniveau) sowie in manchen Fällen auf politischen Instabilitäten beruhen. Die Stärkung der Wirtschaft und die Stabilisierung des politischen Systems der Nachbarstaaten der Europäischen Union ist daher ein wichtiges Ziel europäischer Politik. Eine intensivere Zusammenarbeit auf der Ebene der Städte und Regionen könnte beträchtlich zur Erreichung dieses Zieles beitragen.

 

Politikoptionen:

(a) Förderung von integrierten Raumentwicklungsstrategien für Städtecluster, besonders in grenzüberschreitenden Regionen.

(b) Kooperation in Form von Städtenetzen auf transnationaler und europäischer Ebene sowie in Form von Netzen kleinerer Städte in dünnbesiedelten ländlichen Regionen in einer Reihe von wirtschaftlich rückständigen Regionen.

(c) Verbesserung der Verbindungen zwischen den nationalen/internationalen Netzen einerseits und den regionalen/lokalen Netzen andererseits.

(d) Stärkung der Kooperation auf regionaler und lokaler Ebene mit den Städten in Ost- und Mitteleuropa und den Städten im Mittelmeergebiet.

III.A.2. Dynamische, attraktive und wettbewerbsfähige Städte  

Regionen können nur dann wettbewerbsfähig sein, wenn ihre Städte Motoren des wirtschaftlichen Wachstums sind. Der Wettbewerb, an dem sie teilnehmen, findet heute in einem immer globaleren und liberalisierteren wirtschaftlichen Umfeld statt. Dieser Wettbewerb könnte eine Polarisation zwischen den erfolgreichen oder weniger erfolgreichen Städten zur Folge haben. Kooperation allein würde nicht ausreichen, um dem zu begegnen. Es ist auch erforderlich, die endogene Entwicklung derjenigen Städte zu fördern, die auf die neuen Herausforderungen weniger gut vorbereitet sind. Andere Städte bedürfen besonderer Aufmerksamkeit hinsichtlich des entscheidenden Antriebs, den ihre Dynamik erzeugen kann: dazu gehören die "Gateway-Städte", die den Zugang zum Raum der Europäischen Union bilden (große Seehäfen, interkontinentale Flughäfen, Messe- und Ausstellungsstädte, kulturelle Zentren), sowie kleine Städte, die als Triebkraft für die Revitalisierung der niedergehenden ländlichen Regionen dienen können.

Zu den sogenannten "Gateway-Städten" gehören einige peripher gelegene Metropolregionen, die bewiesen haben, daß sie spezifische Vorteile nutzen können, wie zum Beispiel niedrige Arbeitskosten und besondere Beziehungen zu ehemaligen Kolonialgebieten oder benachbarten Nicht-Mitgliedstaaten. Der Ausbau ihrer strategischen europäischen Rolle als Gateway-Städte würde nicht nur dazu beitragen, daß sie ihre besonderen "Gateway"-Probleme besser bewältigen, sondern auch dazu, eine ausgewogenere wirtschaftliche Entwicklung der Europäische Union zu erzielen. Da dies zur Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union insgesamt und zur ausgewogenen räumlichen Entwicklung beiträgt, sollte es auch gefördert werden. Dabei sollte dafür Sorge getragen werden, daß auch das Umland der betreffenden Städte davon profitiert.

Einige Städte leiden unter dem geringen Erfolg bei der Anwerbung von mobilem Investitionskapital. Die mangelnde Attraktivität einer Stadt kann durch eine Reihe unterschiedlicher Faktoren erklärt werden, und zur Milderung spezifischer Problemlagen können einige Hilfsmaßnahmen durchgeführt werden. Dazu gehören die allgemeine und berufliche Bildung für die lokale Erwerbsbevölkerung, die Entwicklung der Innovationskapazitäten, verbesserte moderne Infrastruktur (wie der Zugang zum weltweiten Informationsnetz), öffentliche Einrichtungen und städtische Erholungsgebiete.

Viele dieser weniger attraktiven Städten weisen eine relativ schmale, von einem einzigen Wirtschaftszweig dominierte, wirtschaftliche Basis auf, deren Niedergang sich negativ auf die regionale Wirtschaft ausgebreitet hat. Ähnliche Prozesse können auch in anderen Regionen auftreten, angesichts der Gefahren, denen bisher prosperierende Wirtschaftszweige ausgesetzt sind. Zuweilen stagniert die städtische Wirtschaft, weil sie von einem undynamischen Wirtschaftszweig beherrscht wird, wie dem Dienstleistungsbereich ohne Unternehmensdienstleistungen. In allen Fällen wird deutlich, daß die Wettbewerbsfähigkeit der Ballungsräume von einer Politik zur Diversifizierung der ökonomischen Basis abhängt.

In einigen, vor allem ländlich strukturierten Gebieten der Europäischen Union sind die Städte nicht der Motor der regionalen Entwicklung. Die ökonomische Diversifikation, die in diesen ländlichen Gebieten erforderlich ist (siehe Ziel III.A.5), kann sich jedoch im Regelfall nicht auf die ländlichen Wirtschaftszweige im engen Sinne beschränken. Paradoxerweise beruhen die Zukunftsaussichten der ländlichen Räume auf den Städten, die als Ausgangspunkt für das Wirtschaftswachstum betrachtet werden sollten. Dieses basiert in erster Linie auf Unternehmen, die in jeder Region das Entwicklungspotential bilden.

Dieses Politikziel ist, wie besonders durch die Optionen (b), (c) und (d) ausgedrückt, darauf ausgerichtet, die Rolle der Städte als dynamische Zentren wirtschaftlicher Aktivitäten zu verbessern, wobei die Entwicklung der ländlichen Gebiete besonders hervorgehoben werden soll.

Politikoptionen:

(a) Ausbau der strategischen Rolle der Weltstädte und "Gateway-Städte" in Europa, mit einem besonderen Augenmerk auf die Randgebiete des europäischen Raumes.

(b) Steigerung der Attraktivität der Städte für mobiles Investitionskapital, besonders in den weniger begünstigten Gebieten.

(c) Diversifikation der wirtschaftlichen Basis der Städte, die stark von einem Wirtschaftszweig abhängig sind.

(d) Förderung der Wirtschaft in kleinen Städten der ländlichen Gebiete, in denen eine solide Grundlage für wirtschaftliche Entwicklung schwer aufzubauen ist.

III.A.3. Nachhaltige Entwicklung der Städte  

Das materielle und soziale Wohlergehen in den Städten ist ein wichtiger Faktor der wirtschaftlichen Entwicklung. Dies stellt eine weitere Begründung für ein integriertes Entwicklungsmodell einer nachhaltigen Stadt dar. Die Wege zu diesem Ziel sind jedoch in starkem Maße von den lokalen Bedingungen abhängig. Fünf Wesensmerkmale dieses Modells sind für das Raumentwicklungskonzept von besonderer Bedeutung: Kontrolle über die Expansion der Städte, die Mischung von Funktionen und gesellschaftlichen Gruppen (was besonders für große Städte gilt, in denen immer größere Gebiete vom Ausschluß bedroht sind), intelligentes Management des städtischen Ökosystems (besonders Wasser, Energie und Abfall), eine bessere Erreichbarkeit mit Verkehrsmitteln, die sowohl effektiv als auch umweltfreundlich sind sowie die Erhaltung und Entwicklung des Kulturerbes (siehe III.C.4).

Die nachhaltige Stadtentwicklung bietet viele Gelegenheiten "global zu denken und lokal zu handeln". Die UN-Konferenzen in Rio und Habitat II haben globale Maßnahmen angeregt, die auf nationaler und lokaler Ebene implementiert werden können. Dieses Thema muß von der europäische Politik (Umwelt-, Regional-, Sozial- und Wettbewerbspolitik) und von allen Mitgliedstaaten beachtet werden. Die in diesem Abschnitt genannten Politikoptionen, die mit der Habitat-Agenda und der Lokalen Agenda 21 in Zusammenhang stehen, können am besten durch eine multisektorale, integrierte Stadtentwicklungsstrategie ausgebaut und implementiert werden.

Länder oder Regionen, die den Trend zur weiteren Expansion der Städte kontrollieren konnten, indem sie das Konzept der "kompakten Stadt" umgesetzt haben, sollten diese Politik fortsetzen. Anderswo muß die Expansion wie in den Vorstädten und in vielen Küstengebieten im Rahmen einer sorgfältigen Standort- und Siedlungspolitik minimiert werden.

In den Städten der weniger begünstigten Regionen der Europäischen Union ist die Infrastruktur (Umwelt, Kommunikation, Verkehr) oft unzureichend, veraltet oder unpassend. Diese Ausgangslage trägt zur Last dieser Städte bei, was die Gefahr in sich birgt, daß Möglichkeiten für eine Weiterentwicklung verpaßt werden. Dieses Problem sollte durch ein Raumentwicklungskonzept angegangen werden.

Die Zukunft unserer Städte hängt von der Bekämpfung wachsender Armut, sozialer Ausgrenzung und der Begrenzung sich vermindernder städtischer Funktionen ab. Dies könnte dadurch gelöst werden, indem der Wiederaufbau vernachlässigter Gebiete und Industriebrachen gefördert wird, sowie ein ausgewogenes Angebot von preiswerten, qualitativ hochwertigen Wohnungen in den Stadtgebieten gesichert wird. Durch Funktionsmischung sollte allen Bürgern ein angemessener Zugang zu den Basisdienstleistungen und -einrichtungen, Freiflächen, allgemeiner und beruflicher Bildung und Gesundheitsversorgung ermöglicht werden.

Eine intelligentes Management des städtischen Ökosystems ist von außerordentlicher Bedeutung. Ein integrierter Ansatz mit geschlossenen Kreisläufen natürlicher Ressourcen, Energie und Abfall muß verfolgt werden, um die Belastungen für die Umwelt zu verringern. Durch diesen Ansatz könnte die Abfallerzeugung und der Verbrauch natürlicher Ressourcen eingeschränkt (besonders von Ressourcen, die nicht erneuerbar sind oder sich nur langsam regenerieren), und die Luft-, Boden- und Wasserverschmutzung reduziert werden. Die Ausweitung der Naturräume in den Städten, die Erhaltung der Artenvielfalt und gemeinsame Energiesysteme für Haushalte und Industrie sind Beispiele für Maßnahmen, die zu einer intelligenten Umweltpolitik gehören sollten.

Das Wachstum der Mobilität in den Städten verschlechtert aufgrund der dadurch geschaffenen Belastung paradoxerweise ihre Erreichbarkeit. Da die Erreichbarkeit wesentlichen Einfluß auf die Lebensqualität, die Umwelt und die Wirtschaftskraft hat, muß sie durch eine Standortpolitik gefördert werden, die in Übereinstimmung mit der Flächennutzungsplanung und der Verkehrsplanung steht. Das Ziel sollte darin bestehen, die Expansion der Städte einzudämmen und einen integrierten Ansatz der Mobilität anzuregen. Dadurch wird die Abhängigkeit vom Privatauto verringert und andere Verkehrsarten gefördert (öffentliche Verkehrsmittel, Fahrräder, Fußgänger).

Politikoptionen:

(a) Erfahrungsaustausch über und Unterstützung von wirksamen Methoden für die Reduzierung der städtischen Expansion, Verringerung des starken Siedlungsdrucks in bestimmten Küstenregionen,

(b) Verbesserung der Wirtschafts-, Umwelt- und Dienstleistungsinfrastruktur einschließlich wichtiger Grundfunktionen in den Städten weniger begünstigter Regionen,

(c) Förderung umfassender Stadtentwicklungskonzepte, die auf soziale und funktionale Diversität abzielen, vor allem im Hinblick auf die Bekämpfung der sozialen Ausgrenzung und die Umnutzung bereits bebauter Flächen,

(d) Förderung des intelligenten Managements städtischer Ökosysteme, unter anderem Schutz und Entwicklung städtischer Freiräume und Grüngürtel,

(e) Förderung einer nachhaltigen Erreichbarkeit in Ballungsräumen durch adäquate Standortpolitik und Flächennutzungsplanung.

III.A.4. Partnerschaft zwischen Stadt und Land  

Die wirtschaftliche Integration und der technologische Wandel in Europa haben eine größere Differenzierung der ländlichen Gebiete zu Folge. Die relative Bedeutung der Landwirtschaft unterscheidet sich sehr stark von Region zu Region im Hinblick auf ländliche Wirtschaft oder der Größe der genutzten Fläche. Raumentwicklungsstrategien in ländlichen Gebieten müssen an den lokalen Bedingungen und Bedürfnissen anknüpfen. In zwei Typen von ländlichen Gebieten sind die Veränderungen besonders weitreichend: Regionen, die durch das Wirtschaftswachstum neuen Belastungsarten unterworfen sind und Regionen, die vom Niedergang der Landwirtschaft betroffen sind. In beiden Fällen muß die Entwicklung dieser Gebiete auf einer Neubewertung der Partnerschaft zwischen Stadt und Land beruhen.

Die Expansion der Städte und die Verbreitung der städtischen Lebensweise haben eine Gebietsstruktur zur Folge, die "urbagrar" genannt werden könnte. Diese Gebiete liegen häufig in der Nähe von größeren Metropolregionen. Die Trennlinie zwischen Stadt und Land wird immer unschärfer und sind einer Reihe von Belastungen ausgesetzt: schnelles Wachstum der Zahl der Erst- oder Zweitwohnsitze, neue Freizeitaktivitäten, Flächen für die Verarbeitung oder Lagerung von Abfällen etc. Andere Gebiete wie Gebirgs- oder Küstenregionen leiden unter Belastungen durch den Tourismus. Häufig basiert die Landwirtschaft nicht mehr auf dem Boden, sondern wird zur Industrie. Beispiele sind die großen Agrarkonzerne und die industrielle Massentierzucht. In allen Gebieten sollten Flächennutzungsplanung und umweltpolitische Maßnahmen für die Neuausrichtung der Raumentwicklung eine wichtige Rolle spielen. Zur Erhaltung der Lebensqualität sollten unter anderem folgende Maßnahmen ergriffen werden: (Neu-) Ansiedlung bestimmter bodenbezogener Landwirtschaftsbetriebe, Diversifikation der Landwirtschaft, Bekämpfung der Bodenverschmutzung und Wiederherstellung des Landschaftsbilds (siehe II.C.3.).

In zahlreichen ländlichen Gebieten, vor allem in den abgelegenen Regionen, ist die Landwirtschaft nicht dazu in der Lage, dem internationalen Wettbewerb standzuhalten. Ihre Bedeutung geht stark zurück, oder sie verschwindet sogar, Flächen werden aufgegeben und die Bevölkerung verringert sich und altert. Die wirtschaftliche Revitalisierung dieser Regionen stellt ein besonderes Problem dar, weil die Verfügbarkeit von Arbeit und die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen ebenfalls sinkt. Es ist nicht zu erwarten, daß solche Regionen allein auf der Grundlage ihrer eigenen Ressourcen ihre Wirtschaft beleben. Folglich muß (zumindest für eine Übergangsperiode) in ihren Städten ein angemessenes Niveau an Basisdienstleistungen aufrechterhalten werden.

Wenn die Basisdienstleistungen aufgrund Nachfragemangels verschwänden, würde sich der Niedergang beschleunigen.

Die Entwicklung der endogenen Ressourcen findet in diesen Regionen wahrscheinlich weniger im primären als im sekundären und tertiären Sektor statt (zum Beispiel sanfter Tourismus und Handwerk). Das bedeutet, daß die Lebensfähigkeit dieser Gebiete in der Zukunft in steigendem Maße von der Erholung der Wirtschaft in den Städten abhängt und nicht von der Erhaltung eines schrumpfenden Agrarsektors.

Bei der Diversifizierung der wirtschaftlichen Basis der ländlichen Gebiete sollten Komplementarität und nachhaltige Entwicklung besonders beachtet werden. Einer guten und ausgewogenen Mischung von strukturbestimmenden Funktionen sollte in den ländlichen Gebieten ein besonderes Augenmerk gelten. Dabei sollte das Schwergewicht auf der Förderung alternativer Wirtschaftszweige wie Tourismus und Erholung liegen, wobei jedoch vermieden werden sollte, diese Bereich zu dominant werden zu lassen.

Politikoptionen

(a) Unterstützung von Strategien zur (Neu-) Ansiedlung von Unternehmen sowie Umweltmaßnahmen in unter Druck stehenden ländlichen Gebieten.

(b) Erhaltung eines Mindestniveaus bei den Dienstleistungen in kleinen und mittleren Städten in ländlichen Gebieten, die von Niedergang oder völliger Aufgabe betroffen sind.

(c) Förderung der endogenen Entwicklung in diesen Gebieten.

III.A.5. Diversifikation der ländlichen Gebiete  

In vielen ländlichen Gebieten spielt die Landwirtschaft weiterhin eine bedeutende Rolle für die Wirtschaft und beansprucht die meisten Flächen. Zwei Entwicklungen sind zu erwarten: Hochproduktive Agrarproduktion kann auf den offenen Märkten konkurrieren, während die landwirtschaftlichen Bereiche, deren Produkte nicht konkurrenzfähig sind, einen Strukturwandel durchlaufen müssen. In beiden Fällen wird "Diversifikation" der Schlüsselbegriff für die Raumentwicklung sein, was nicht nur für die landwirtschaftliche Produktion gilt, sondern in den weniger effizienten Regionen auch für die gesamte Wirtschaft. Besonders in produktiven Regionen sind agri-umweltpolitische Maßnahmen erforderlich. Eine besonders interessante Diversifikationsmöglichkeit für ländliche Regionen liegt im Potential erneuerbarer Energiequellen.

Die Entwicklung hochproduktiver landwirtschaftlicher Gebiete verursacht gegenwärtig keine größeren wirtschaftlichen Probleme. Im Zuge der Reform der Gemeinschaftlichen Agrarpolitik müssen weitreichende Umweltmaßnahmen durchgeführt werden. Die Bekämpfung der negativen Auswirkungen intensiver Produktionsmethoden muß besonders mittels Wiederherstellung der Biodiversität und Verringerung der Verschmutzung ein besonderer Schwerpunkt sein. In Gebieten mit intensiver Viehzucht könnte die Extensivierung notwendig sein, um einen ausgewogenen Nahrungskreislauf wiederherzustellen. In all diesen Fällen könnte aus Umweltgründen die Diversifikation der Produktion nötig sein.

Landwirtschaftlich geprägte Regionen mit traditionellen, weniger spezialisierten Produktionsstrukturen müssen sich erfolgreich der Herausforderung des internationalen Wettbewerbs stellen. Es existieren Möglichkeiten für die Umstrukturierung der Landwirtschaft, zum Beispiel durch die Entwicklung von qualitativ hochwertigen lokalen Produkten, vorausgesetzt die entsprechenden Vermarktungsmöglichkeiten werden geschaffen. Es sollte jedoch darüber hinaus eine allgemeine Diversifikation der Wirtschaft in diesen Regionen gefördert werden, wie zum Beispiel in den Bereichen Forstwirtschaft und Umwelttourismus. In den Städten dieser Regionen bieten sich auch Möglichkeiten im sekundären und tertiären Sektor wie Forschung und technologische Entwicklung an.

In ganz Europa besteht in den ländlichen Regionen ein beträchtliches Potential für erneuerbare Energien: Solarenergie, Windenergie, Wasserkraft und Gezeitenenergie, Energie aus Biomasse und aus städtischen Abfällen in der Nähe großer Städte (Methanerzeugung). Dies eröffnet interessante Perspektiven für die wirtschaftliche Diversifikation und eine umweltfreundliche Energieerzeugung. Dieses Potential sollte für eine effiziente Nutzung der Ressourcen in der Weise genutzt werden, wie es die klimatischen, landschaftlichen und anderen Merkmale der Regionen erlauben. Ein weiterer Schritt zu einer effizienteren Nutzung der lokalen Energiequellen wäre die Einspeisung von überschüssiger Energie in die größeren Energienetze.

Politikoptionen

(a) Diversifikation der Wirtschaft in vorwiegend agrarischen Gebieten mit schwacher Produktionsstruktur.

(b) Sicherung einer nachhaltige Landwirtschaft, Umweltmaßnahmen und Diversifizierung der agrarischen Flächennutzung in hochproduktiven Agrargebieten.

(c) Ausschöpfung des Potentials für erneuerbare Energien in ländlichen Gebieten unter Berücksichtigung der lokalen Bedingungen, besonders des Kultur- und Naturerbes.

III.B. Gleicher Zugang zu Infrastruktur und Wissen  

Wie in Teil II beschrieben, ist die Bewegung von Menschen, Gütern und Informationen auf dem europäischen Kontinent von einer Tendenz zur Konzentration und Polarisation gekennzeichnet. Die Liberalisierung der Märkte für Verkehr und Telekommunikation und der wachsende Wettbewerb verstärken diese Entwicklung. Wenn keine korrigierenden Maßnahmen getroffen werden, werden die Eigentümer der Infrastruktur und Betreiber der Netze dazu geneigt sein, sich auf die gewinnträchtigsten Bereiche zu konzentrieren, wodurch die Marginalisierung von Regionen mit geringeren Anforderungen an Mobilität und Kommunikation vergrößert wird. Eine solche Entwicklung würde den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt untergraben.

Das Problem kann nicht allein dadurch gelöst werden, daß mehr Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden. Dies ist in schlecht ausgestatteten Regionen zwar sicherlich nötig, der Bau neuer Infrastruktur allein kann jedoch nicht als eine angemessene Lösung betrachtet werden. Das könnte sich sogar als unakzeptabel erweisen, wenn dies nur eine Reaktion auf die Belastungen wäre, die gegenwärtig durch den Straßenverkehr verursacht werden. Die doppelte Anforderung der Nachhaltigkeit und der zweckmäßigen Verwaltung der öffentlichen Mittel erhöht die Bedeutung multimodaler Lösungen und anderen Arten, die bestehende Infrastruktur effizienter zu nutzen.

Maßnahmen müssen ergriffen werden, um die "Tunneleffekte" und "Pumpeffekte" zu bekämpfen, zwei Gefahren, die in Teil II beschrieben wurden. Investitionen in intelligente Lösungen sind von größter Bedeutung, denn ohne solche neuen Wege bedeutet auch die beste Infrastruktur mehr Schaden als Nutzen für die benachteiligten Regionen. Diese ist eine wesentliche Bedingung für echte Wettbewerbsfähigkeit in ganz Europa und kann nur erreicht werden, wenn den wichtigen Herausforderungen begegnet wird: Der Trend zur einer stärkeren Diensleistungsorientierung als Folge der Informationsgesellschaft, die Fähigkeit zu Innovationen als entscheidenden Faktor für die Entwicklung und die Notwendigkeit eines deutlichen Anstiegs des allgemeinen Bildungs- und Qualifikationsniveaus in der Erwerbsbevölkerung.

Zusammengefaßt besteht die Notwendigkeit einer Kombination von besserer Erreichbarkeit der Regionen und einer effizienten und nachhaltigen Nutzung der Infrastruktur, was mit einer möglichst weiten Verbreitung von Wissen und Innovationskapazitäten verbunden ist.

III.B.1. Bessere Erreichbarkeit  

Obwohl dieses Thema die gesamte Gemeinschaft betrifft, geht eine verbesserte Erreichbarkeit über die Vervollständigung der großen transeuropäischen Netze hinaus. Zu den Prioritäten für ergänzende Raumentwicklungsmaßnahmen sollten auch die Entwicklung von sekundären Verbindungen und die Bereitstellung allgemeiner Grundversorgung im Telekommunikationssektor gehören.

Die räumliche Unausgewogenheit in Europa kann nicht verringert werden, ohne daß eine deutliche Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur und -dienste in denjenigen Regionen erreicht werden, in denen die mangelnde Erreichbarkeit das Haupthindernis für wirtschaftliche Entwicklung darstellt. Dazu gehören in erster Linie periphere oder ultraperiphere Regionen, aber auch andere Regionen, die unter relativer Isolation leiden. Unter diesen Regionen verlangen diejenigen mit speziellen geographischen Nachteilen, vor allem die Inseln und abgelegensten Regionen, besondere Aufmerksamkeit. Für die Vervollständigung der wichtigen transeuropäischen Netze müssen klare Prioritäten festgelegt werden. Wenn die transeuropäischen Netze nur teilweise fertiggestellt werden, besteht die Gefahr, daß nur die gewinnträchtigsten Bereiche ausgewählt werden. Eine allgemeine Entwicklungsstrategie ist daher unabdingbar.

Die Verbesserung der Erreichbarkeit von Regionen kann nicht nur aus innereuropäischer Sicht gesehen werden: Es gibt auch eine interkontinentale Perspektive. Die Offenheit der europäischen Häfen und Flughäfen zum Rest der Welt ist ungleich und die Disparitäten im Hinblick auf die Marktanteile nehmen tendenziell zu. Einer Verringerung dieser Disparitäten durch entsprechende Anpassungen im Luftverkehr und die Einrichtung eines europäischen Netzwerks der größeren Seehäfen wäre für alle Regionen von Interesse, sowohl für die abgelegenen als auch für die zentral gelegenen Regionen, in denen die Hauptursache für die wachsende Überlastung das unausgewogene Verkehrsaufkommen ist.

Die wichtigen transeuropäischen Netze sind nur grobmaschig über den europäischen Raum verteilt. Innerhalb der Maschen besteht bei den sekundären Verbindungen ein Investitionsmangel, da die Vervollständigung der größeren Netze Priorität hat. Um einen nicht hinnehmbaren Rückgang der Qualität der Dienste in Gebieten zu vermeiden, die nicht direkt an die Netze angebunden sind, müssen besondere Anstrengungen unternommen werden, um eine gleichmäßigere Erreichbarkeit zu verwirklichen. Das kann durch Modernisierung der regionalen Verkehrsdienste geschehen, wobei die Technik den spezifischen lokalen Bedingungen angepaßt sein sollte (konventionelles Schienennetz, Busse, Regionalflughäfen etc.).

Eine immer größere Informationsmenge strömt in Echtzeit durch die Telekommunikationsnetze. Bei diesen spielen die Entfernungen zu abgelegenen Regionen eine geringere Rolle als bei Verkehrsnetzen. Trotzdem kann auch in den Ländern, die sich der neuen Herausforderungen durch die Informationsgesellschaft stellen, die geringe Größe der Märkte und die niedrige Bevölkerungsdichte zur Anwendung niedriger technischer Standards und zu extrem hohen Gebühren führen. In vielen Bereichen (Telearbeit, Telebildung, Telemedizin usw.) stellt die Bereitstellung von qualitativ hochwertigen Diensten zu erschwinglichen Preisen (sogenannte "allgemeine Grundversorgung") ein Schlüsselfaktor für die Entwicklung dar. Gleiche Preise für alle Bürger sollten daher für die Bereitstellung der Dienste eine Grundbedingung sein und sollten dann in die Verträge eingeschlossen werden, wenn privaten Betreibern Konzessionen erteilt werden.

Politikoptionen

(a) Verbesserung der Infrastruktur, auch bei Boden- und Luftverkehr in abgeschiedenen, peripheren, ultraperipheren und anderen abgelegenen Regionen,

(b) Förderung einer ausgewogeneren interkontinentalen Erreichbarkeit der größeren Häfen und Flughäfen,

(c) Verbesserung der Erreichbarkeit in Gebieten ohne direkten Zugang zu den größeren Netzen durch einen effizienten regionalen öffentlichen Verkehr,

(d) Verbesserung des Zugangs zu Telekommunikationseinrichtungen und die Anpassung der Tarife, so daß sie mit der Bereitstellung der allgemeinen "Grundversorgung" in dünn besiedelten Regionen und ökonomisch benachteiligten Regionen vereinbar sind.

III.B.2. Effizientere und nachhaltige Nutzung der Infrastruktur  

Das gegenwärtige Wachstum des Personen- und Güterverkehrs schädigt die Umwelt und verringert die Effizienz des Verkehrs selbst. Diese Schäden können durch folgende Maßnahmen gemildert werden: Beeinflussung der Standorte für wirtschaftliche Aktivitäten sowie der Bevölkerungsbewegungen, bessere Auslastung bestehender Infrastruktur, Förderung des multimodalen Verkehrs und die koordinierte Entwicklung von Infrastruktur und Diensten. Gleichzeitig sollte der weitere Ausbau des Straßennetzes vermieden werden, wenn das Angebot bereits mehr als ausreichend ist. Das erfordert Strategien, die die Verkehrs-, Umwelt- und Regionalpolitik integrieren.

Regionalplanung kann einen wertvollen Beitrag zur nachhaltigen Mobilität leisten, indem sie die Nachfrage nach Mobilität beeinflußt. Die Integration von Verkehrspolitik und Flächennutzungsplanung kann eine entsprechende Standortwahl für Aktivitäten bewirken, die mit Transporten bzw. Reisen verbunden sind. Das gilt besonders für große Ballungsräume, in denen die Abhängigkeit der Haushalte vom Privatauto deutlich verringert werden könnte.

Bei einer Vielzahl von Straßen vor allem im Zentrum Europas, aber auch einiger Küstenverbindungen, hat die Überlastung eine Niveau erreicht, das besondere Maßnahmen wie die Erhebung von Straßenbenutzungsgebühren erfordert. Zusammen mit anderen Maßnahmen wie Standortpolitik, bessere Internalisierung der externen Kosten und die gezielte Entwicklung alternativer Infrastruktur kann dieses Vorgehen sich als hilfreich erweisen. Eine Voraussetzung ist jedoch, daß eine Koordination der Maßnahmen im Rahmen einer integrierten verkehrspolitischen Strategie stattfindet.

Der Erfolg dieser Strategien hängt vor allem von der Förderung von multimodalen Systemen aller Arten ab. Der durch sie bewirkte Nutzen kann nicht durch sofortigen wirtschaftlichen Erfolg gemessen werden, aber auf lange Sicht können sie unnötige Verkehrsströme verringern und der Umwelt nützen. Die vorgeschlagenen Strategien werden sich je nach Potentialen und Beschränkungen aufgrund der geographischen Situation unterscheiden. Hinsichtlich der Schiffahrt gibt es eine Reihe von Möglichkeiten bei der Küsten- und Binnenschiffahrt. Der Bau neuer Wasserstraßen wie Kanäle (z. B. der Rhein-Rhone-Kanal) und die Verwendung neuer Techniken (z. B. kombinierte See- und Binnenschiffahrt) eröffnen neue Möglichkeiten. Der Schienenverkehr verfügt über eine großes Potential. Hier wird der Erfolg davon abhängen, ob eine Modernisierung stattfindet (besonders in Mitteleuropa), und ob Probleme wie die Inkompatibilitäten der Netze und unterschiedlichen Reisegeschwindigkeiten im Personen- und Frachtverkehr (was häufig eine Trennung der Infrastruktur nach sich zieht) gelöst werden können. Beim Personenverkehr werden in dünn besiedelten Regionen regionale Flugverbindungen oft den Zugverbindungen vorgezogen. Demgegenüber ist in dicht besiedelten Regionen die Substitution der Kurzstreckenflüge durch Hochgeschwindigkeitszüge ein wichtiges Ziel.

Solche Ziele können nur erreicht werden, wenn eine koordinierte Infrastrukturpolitik durchgeführt wird, im Rahmen derer wichtige multimodale Verbindungen zu bauen sind. Die für die Häfen und Flughäfen verantwortlichen Behörden und die Betreiber der verschiedenen Netze werden ihre Politiken und Aktivitäten anpassen und mit einer integrierten Strategie in Übereinstimmung bringen müssen. Verschiedene Synergien und potentielle Komplementaritäten zwischen verschiedenen Verkehrsarten müssen in Vorteile verwandelt werden, statt sie durch unnötigen Wettbewerb zu verspielen. Ein wichtiges Element von integrierten Strategien sind geeignete Standorte für Verladestationen und multimodale Terminals. Die Lösung besteht oft darin, bestehende Infrastrukturen gemeinsam zu nutzen, um Überkapazitäten zu vermeiden: Beispielsweise könnten zwei benachbarte größere Häfen eine Schienenverbindung nutzen statt zwei getrennte zu bauen. In einer grenzüberschreitenden Region könnte ein einziger, gemeinsam genutzter Flughafen ausreichen wie, beispielsweise in der Region Basel-Mühlhausen-Freiburg.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Komplementarität von Verkehrssystemen sind die Verbindungen zwischen nationalen, regionalen und lokalen Diensten. Dies ist besonders in dünn besiedelten Regionen von Bedeutung, in denen immer noch Verbindungen fehlen, seien sie physischer Art oder Dienstleistungen. Effiziente Verbindungen zwischen den Netzen sind auf verschiedenen Ebenen von Bedeutung: Zum Beispiel könnte ein neuer regionaler Transportdienst zwischen zwei Kleinstädten ihre Erreichbarkeit auf transnationaler Ebene erhöhen. Regionale Initiativen könnten den nationalen Behörden und Netzbetreibern dabei helfen, ihre Kapazitäten und Pläne anzupassen, indem die lokalen Bedürfnisse berücksichtigt werden.

Politikoptionen

(a) Standortpolitik zur Verringerung der Abhängigkeit vom Privatauto sowie Förderung multimodaler Verkehrssysteme.

(b) Verringerung des Straßenverkehrsaufkommens auf überlasteten Verkehrsachsen, beispielsweise durch Straßenbenutzungsgebühren und die Anrechnung der Umweltkosten des Straßenverkehrs.

(c) Förderung des multimodalen und kombinierten Verkehrs in den Euro-Korridoren, unter anderem durch Ausschöpfung der Möglichkeiten für die Küstenschiffahrt in den europäischen Häfen.

(d) Gemeinsame Nutzung und koordiniertes Management der Infrastruktur, wenn der Wettbewerb zu Überkapazitäten führt.

(e) Verbesserung der Verbindungen zwischen Verkehrsdiensten auf nationaler und regionaler Ebene, besonders in dünn besiedelten Regionen.

III.B.3. Verbreitung von Innovationen und Wissen  

Für die Wettbewerbsfähigkeit von ganz Europa als Ganzes ist der Zugang zu Wissen wahrscheinlich noch wichtiger als der Zugang zu Infrastruktur. Benachteiligte Regionen müssen dazu in der Lage sein, den Herausforderungen der Informationsgesellschaft zu begegnen, indem ihre Potentiale für Innovationen und die Ausschöpfung neuer wirtschaftlicher Chancen verbessert werden. Die Bürgerinnen und Bürger müssen ihr Bewußtsein für diese Chancen schärfen; die Regierungen müssen bestrebt sein, eine bessere Eingliederung der Bildungs- und Forschungseinrichtungen in die Wirtschaft zu erreichen und das allgemeine Bildungs- und Qualifikationsniveau zu heben.

Die Verbreitung der neuen Informationstechnologien in den Regionen bedeutet nicht nur die Bereitstellung von allgemeiner Grundversorgung (siehe III.B.1.), sondern auch die Bekämpfung der Gefahr qualitativ minderwertiger Dienste oder höherer Gebühren in abgelegenen Gebieten. Wie das Beispiel der skandinavischen Länder zeigt, ist eine geringe Bevölkerungsdichte kein unüberwindbares Hindernis für die Einrichtung und breite Nutzung von qualitativ hochwertigen Telekommunikationsdiensten. Ein fortschrittlicher Weg besteht darin, das Bewußtsein für die Herausforderungen und den möglichen Nutzen zu schärfen, die mit der Informationsgesellschaft verbunden sind. Regionen, welche die Wichtigkeit der Herausforderungen nicht ganz erfassen, werden keine Investoren anziehen und könnten sich selbst in einer Randposition wiederfinden. In solchen Regionen könnten Aufklärungskampagnen gestartet werden; daneben sollte die Ausbildung in den verschiedenen Technikbereichen, die mit der Sammlung, dem Management und der Übertragung von Informationen verbunden sind, gefördert werden.

Diese Techniken sind jedoch kein Wundermittel. In den wohlhabendsten Regionen scheint sich eine stärker handels- und dienstleistungsorientierte Wirtschaft zu entwickeln: eine neue internationale Arbeitsteilung tritt hervor sich, wobei der Kern des Arbeitsmarktes von Personen mit konzentriertem Wissen und hohen Qualifikationen gebildet wird. Dieses Marktsegment ist relativ geschlossen, und Geringqualifizierte haben keinen Zugang. Das zweite Marktsegment wird in hohem Maße von der Leistungskraft des hochqualifizierten internationalen Segments abhängen, und da das zweite Segment von Gütern und Dienstleistungen mit geringerer Wertschöpfung gekennzeichnet ist, werden die Löhne hier niedriger sein. Eine solche Arbeitsteilung würde eine Herausforderung für den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt darstellen und verdeutlicht die Notwendigkeit, besonders in den peripheren Regionen in die Informationsgesellschaft zu investieren.

In diesem Zusammenhang ist die Einrichtung von Bildungs- und Forschungseinrichtungen von großer Bedeutung. Die räumliche Verteilung der Universitäten in Europa läßt es als weniger wichtig erscheinen neue zu bauen, als die Leistungen der Universitäten miteinander zu vergleichen. Wenn Universitäten unzureichend zur Entwicklung der Innovationskapazitäten ihrer Region beitragen, sollte eine besonderer Schwerpunkt darauf gelegt werden, die Verbindungen zu den Unternehmen und zur Industrie zu stärken. Anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung und die Einrichtung neuer Technologie- und Gewerbezentren sowie andere Innovationszentren sind Beispiele für mögliche Strategien.

Die Verbreitung des Wissens sollte sich nicht auf einige begünstigte Regionen beschränken. Die wirtschaftliche Attraktivität von Regionen hängt vom Qualifikationsniveau der ganzen Erwerbsbevölkerung ab. Lebenslanges Lernen und bessere berufliche Qualifikationen stellen wichtige Investitionen in das Humankapital dar. In den vergangenen Jahren haben die Kohäsionsländer in dieser Hinsicht stark aufgeholt, vor allem bei der Bekämpfung des Analphabetentums. Aber die Anstrengungen zur Hebung des allgemeinen Bildungsniveaus der Erwerbsbevölkerung müssen jedoch unvermindert fortgesetzt werden.

Politikoptionen

(a) Verbesserter Zugang zu Informationstechnologien und Schärfung des Bewußtseins für neue Herausforderungen und den möglichen Nutzen der Informationsgesellschaft in denjenigen Regionen, in denen sie sich noch nicht durchgesetzt hat.

(b) Unterstützung der Einrichtung von Technologiezentren und Verbesserung der Verbindungen zwischen höherer Bildung, anwendungsorientierter Forschung und Entwicklung, Innovationszentren, Industrie und Wirtschaft in Regionen, die der Entwicklung hinterherhinken.

(c) Erreichung eines Mindestniveaus im Hinblick auf den Zugang zu höherer Bildung und Forschungs- und Innovationszentren in abgelegenen oder dünn besiedelten Gebieten.

(d) Erhöhung des allgemeinen Niveaus bei Bildung und beruflichen Qualifikationen als Teil einer integrierten Entwicklungsstrategie in denjenigen Regionen mit diesbezüglich niedrigem Niveau.

III.C. Intelligentes Management und Entwicklung des Natur- und Kulturerbes  

Europa verfügt über ein beträchtliches Naturpotential von großer Diversität, das an vielerorts von menschlichen Aktivitäten bedroht wird. Der Wert der Naturressourcen rechtfertigt häufig die Erhaltung durch strenge Schutzmaßnahmen. Aus pragmatischer Sicht ist es im allgemeinen jedoch angemessener, die evolutionären Aspekte des Naturerbes und der Gesellschaft zu berücksichtigen und einen positiveren Entwicklungsansatz zu verfolgen. Für die Gesellschaft ist es von großer Bedeutung, mit der Natur in Kontakt zu bleiben, sie umsichtig zu behandeln und sie den zukünftigen Generationen als ein wertvolles Vermögen zu übergeben.

Von den natürlichen Ressourcen verdient das Wasser besondere Aufmerksamkeit durch die für die Raumentwicklung in Europa verantwortlichen Behörden. Der strategische Wert des Wassers als knappe Ressource ist häufig verdeutlicht worden. Insbesondere die Politik für das Oberflächen- und Grundwasser sollte auf einer tatsächlichen Kooperation zwischen den Regionen in den betreffenden transnationalen Gebieten beruhen, vor allem was die größeren Flußtäler und die Grundwasservorkommen betrifft.

Europas Kulturerbe ist durch großen Reichtum und Vielfalt ein Vermögen von weltweiter Bedeutung und ein Ausdruck der europäischen Identität. Es dehnt sich über den ganzen Kontinent aus und reicht von agrarischen Landschaften bis zu historischen Stadtzentren. Es bildet einen Teil der alltäglichen Lebensumwelt der Europäer und trägt zur Lebensqualität bei. Strenge Schutzmaßnahmen, beispielsweise als Denkmäler, können nur einen kleinen Teil dieses Erbes schützen. Um es noch einmal in Erinnerung zu rufen, das Ideal der nachhaltigen Entwicklung verlangt einen kreativeren Ansatz, der es erlaubt, den zukünftigen Generationen ein Kulturerbe zu übergeben, dem die Errungenschaften des heutigen Zeitalters hinzugefügt sind. Es besteht die Notwendigkeit eines "kreativen Managements" der städtischen und agrarischen Landschaften, indem die allgemeine Kohärenz gefördert wird und der in vielen

Regionen bestehende Trend zur Vernachlässigung, Beschädigung oder Zerstörung umgekehrt wird.

Das Kultur- und Naturerbe stellt darüber hinaus ein einzigartiges wirtschaftliches Vermögen von wachsender Bedeutung dar. Das verstärkt die Notwendigkeit des Schutzes, des vorsichtigen Managements und der Entwicklung. Insbesondere wurde erkannt, daß die Umweltqualität der Städte und der sie umgebenden Gebiete ein zunehmend wichtigerer Standortfaktor für mobiles Investitionskapital ist. Bei der Standortwahl von Unternehmen (vor allem derjenigen mit hochqualifizierten Arbeitnehmern) wird immer häufiger die Lebens- und Umweltqualität berücksichtigt, was sowohl das Vorhandensein von gut erhaltenem Natur- und Kulturerbe als auch die schnelle Erreichbarkeit betrifft.

Kulturelle und landschaftliche Sehenswürdigkeiten sind in den vergangenen Jahrzehnten zu einem wichtigen Faktor für eine dynamische Entwicklung der Tourismusindustrie geworden. Bei Urlaub und Freizeit ist derzeit ein Trend zur aktiveren Gestaltung zu beobachten. Die gegenwärtigen Entwicklungsmöglichkeiten für die Regionen mit Natur- oder Kulturvermögen werden noch nicht ausgeschöpft. Jede Entwicklung bedarf jedoch der sorgfältigen Abwägung zwischen der Zahl der Touristen und der Aufnahme- bzw. Durchlaufkapazitäten der Sehenswürdigkeiten, damit die Qualität des Erbes nicht verringert wird.

Zusammengefaßt sollte dem Management und der Entwicklung des Naturpotentials, der Wasserressourcen und den städtischen und ländlichen Landschaften größeres Augenmerk gewidmet werden. Das Natur- und Kulturerbe muß bei der zukünftigen Raumentwicklungspolitik beachtet und vollständig berücksichtigt werden.

III.C.1. Erhaltung und Entwicklung der Naturerbes  

Das Naturerbe erfordert spezifische Maßnahmen, die auf die regionalen Merkmale und Verhältnisse zugeschnitten sind. Drei Haupttypen von Gebieten können unterschieden werden: Naturschutzgebiete, sensible, aber ungeschützte Gebiete und agrarische Kulturlandschaften. Paradoxerweise kann der natürliche Reichtum nicht nur durch die Menschen und deren Eigentum gefährdet werden, sondern auch durch die Natur selbst. Die Raumplanung kann bei der Beherrschung der möglichen Risiken eine wichtige Rolle spielen.

Das Hauptziel der Erhaltung besteht darin, die spezifischen lokalen Faktoren bei allen Politiken mit räumlichen Wirkungen zu berücksichtigen. Das scheint der einzige effektive Weg beim Umgang mit der weiterhin abnehmenden Biodiversität zu sein. In den vergangenen Jahren hat die Fläche der Schutzgebiete zugenommen, sie reicht jedoch noch nicht aus und ist in Form von "Schutzinseln" stark zersplittert. Um eine ausreichende Vernetzung herzustellen, muß das Natura 2000-Umweltnetzwerk vorangetrieben werden, das im Rahmen der Habitat-Richtlinie eingerichtet wurde. Das Netz wird geographisch differenziert sein: Flächen mit einer Bedeutung für die ganze Gemeinschaft (unter anderem die Flächen, die von wandernden Arten besucht werden) müssen mit anderen Flächen von (trans-) nationalem, regionalem und lokalem Interesse verbunden werden. Konzertierte Erhaltungsstrategien für die Teilgebiete eines Netzes müssen entworfen werden. Besondere Aufmerksamkeit muß den verbindenden landschaftlichen Merkmalen, wie Hecken, Feuchtgebieten, Talsohlen, Wälder und Schafweiden gelten, denn diese sind für die Verbreitung, die weitere Ausbreitung und den genetischen Austausch der natürlichen Flora und Fauna von entscheidender Bedeutung. Darüber hinaus sollten an den Grenzen dieser Gebiete Pufferzonen eingerichtet werden.

Verschiedene Typen von nicht geschützten Gebieten mit hoher Biodiversität sind für Umwelteinflüsse besonders anfällig, zum Beispiel Gebirge, Küstenregionen und Inseln. Sie sind oft den Belastungen durch Städte, Tourismus oder einer abnehmenden Bevölkerung ausgesetzt. In diesen Gebieten muß eine geeignete Politik verfolgt werden, die dafür Sorge trägt, daß Flächennutzungen und Schutzmaßnahmen durchgesetzt werden, die mit verbesserten Lebensbedingungen für die Bevölkerung im Einklang stehen.

Ehrgeizige Erhaltungsmaßnahmen in geschützten oder sensiblen Gebieten dürfen kein Alibi für die Vernachlässigung anderer ländlicher Gebiete sein. Schutzgebiete sind niemals vollständig isoliert. Sie sind zudem Gefährdungen durch angrenzende oder weiter entfernt liegende ländliche Gebiete ausgesetzt, die große Umweltschäden verursachen können. Das Naturpotential der ländlichen Gebiete als Ganzes ist von Bedeutung und verdient deshalb im Hinblick darauf vergrößert zu werden, die wirtschaftliche Entwicklung zu stimulieren, die Naturressourcen zu regenerieren und die Lebensqualität zu verbessern. Diese Politikoption steht mit den Optionen zur Diversifizierung der ländlichen Gebiete im Zusammenhang (siehe III.A.5). Dies erfordert ein intelligentes Management auch in bezug auf die optimale Nutzung des europäischen Waldes.

Die Natur trägt nicht nur zum Wohlstand der Menschen bei. Naturkatastrophen können auch beträchtliche Schäden anrichten. Oft ist es unmöglich sie zu vermeiden, doch menschliche Eingriffe können ihre Effekte verstärken. Während menschliche Aktivitäten nicht für Erdbeben und Unwetter verantwortlich gemacht werden können, haben sie in einigen Fällen beträchtlichen Einfluß, wie bei Hochwasser, Trockenheit, Bränden, Erdrutschen, Erosionen und Wüstenbildung. Die Raumplanung und besonders die physische Planung kann eine wichtige Rolle im Hinblick darauf spielen, die Bevölkerung und die Ressourcen zu schützen sowie präventive Strategien und Risikomanagement durchzuführen. In allen Fällen, in denen der Mensch zum Problem beiträgt, muß das Ziel darin bestehen, die Öffentlichkeit aufzuklären und das Verhalten in die Richtung auf eine größerer Nachhaltigkeit anzuleiten.

Politikoptionen

(a) Weiterentwicklung der europäischen Naturraumvernetzung, Verbindung von Schutzgebieten von regionaler, nationaler, transnationaler und gemeinschaftsweiter Bedeutung sowie Nutzung der landschaftlichen Besonderheiten.

(b) Angemessenes Management von umweltsensiblen Gebieten mit hoher Biodiversität und Verringerung der Belastungen durch menschliche Aktivitäten in diesen Gebieten.

(c) Entwicklung von Strategien, durch die die wirtschaftliche Entwicklung mit dem verantwortlichen Umgang mit dem Naturerbe in den anderen ländlichen Gebieten in Einklang gebracht wird.

(d) Entwicklung von regionalen und transnationalen Strategien für das Risikomanagement in Gebieten, die für Naturkatastrophen anfällig sind.

III.C.2. Intelligentes Management der Wasserressourcen  

Wasser ist eine lebenswichtige Ressource für Haushalte, Landwirtschaft, Natur, Industrie, Erholung, Energiegewinnung und Verkehr. In Europa wird oft das Vorhandensein im Überfluß als selbstverständlich angesehen. Die Schwierigkeiten bei der Wasserversorgung werden sich jedoch wahrscheinlich in Zukunft sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht vergrößern. Durch anhaltende Verschmutzung, Übernutzung und schlechtes Management hat die Qualität der Wasserressourcen abgenommen, wobei sich das Ausmaß dieses Problems von Region zu Region unterscheidet. Da die Wasserströme keine Grenzen kennen, haben die Probleme häufig transnationalen Charakter. Es ist daher erforderlich, beim Management der Wasserressourcen, wie in größeren Flußtäler, beim Hochwasserschutz, bei der Vorbeugung gegen Trockenheit, sowie beim Schutz des Grundwassers und der Feuchtgebiete, zu kooperieren.

Wasserschutzpolitik und Wasserressourcenmanagement sind zu einer Notwendigkeit geworden. Sowohl die Politik hinsichtlich der Oberflächengewässer als auch hinsichtlich des Grundwassers muß mit der Raumplanung verknüpft werden. Vorbeugen ist besser als Heilen: Präventive Maßnahmen zur Verringerung der Abwässer, der Übernutzung und Verschmutzung sollten End-of-pipe-Technologien vorgezogen werden. Eine entsprechende Flächennutzungsplanung kann einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung der Wasserqualität leisten. Das Quantitätsmanagement ist einer der wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen. Da Flußtäler und Grundwasservorkommen gemeinsam genutzte Ressourcen darstellen, sind in grenzüberschreitenden und transnationalen Regionen gemeinsame Raumentwicklungsstrategien notwendig.

Wasser kann auch eine Bedrohung darstellen. Die in Bezug auf Naturkatastrophen genannten Punkte (III.C.1) gelten auch für die Hochwasserpolitik in den großen Flußtälern: Die Raumplanung kann vor allem auf transnationaler Ebene einen wichtigen Beitrag für den Schutz der Menschen und die Verringerung des Risikos leisten. Eines der Hauptziele des INTERREG IIc-Programms beispielsweise ist die Vorbeugung gegen Hochwasser.

Die Nachfrage nach Wasser steigt vor allem als Folge des wachsenden Verbrauchs der Haushalte, der Landwirtschaft und des Tourismus weiterhin an. In den Mittelmeergebieten ist das Problem besonders akut. Die Programme zur Bekämpfung von Trockenheit, wie spezielle Programme im Rahmen von INTERREG IIc, müssen darauf ausgerichtet werden, die Nachfrage nach Wasser zu begrenzen und die Effizienz der Wasserversorgungssysteme und bei der Nutzung zu erhöhen. Die Raumplanung im Hinblick auf Aktivitäten mit hoher Nachfrage nach Wasser kann diesbezüglich wertvolle Beiträge leisten. Diese Probleme bedürfen einer breit angelegten öffentlichen Diskussion, da nur durch die öffentliche Beteiligung an der Problemlösung eine nachhaltige Nutzung der Wasserressourcen gewährleistet werden kann.

Die Übernutzung des Grundwassers und Entwässerungsprojekte haben große Teile von Feuchtbiotopen zerstört. Einige Feuchtgebiete sind vollständig verschwunden. Feuchtgebiete sind, was ihren biologischen Wert und ihre natürlichen Reinigungs- und Regulierungsfunktionen betrifft, eine wertvolle Ressource. Ihre Erhaltung und Wiederherstellung hat hohe Priorität.

Politikoptionen

(a) Integrierte Strategien für das Management der Wasserressourcen und des Hochwasserrisikos (besonders) in transnationalen Einflußbereichen der großen Flüsse.

(b) Verbesserung des Gleichgewichts zwischen Wasserversorgung und -nachfrage in Gebieten, welche der Gefahr von Trockenheit ausgesetzt sind.

(c) Konzertiertes Management für größere, vor allem küstennahe und transnationale Wasservorkommen.

(d) Erhaltung und Wiederherstellung von großen Feuchtgebieten, die durch zu starke Wasserentnahme oder durch Umleitung von Zuflüssen gefährdet sind.

III.C.3. Erhaltung und kreatives Management der Kulturlandschaften Europas  

Die Vielfalt der Kulturlandschaften in Europa ist ein kostbares Erbe. Sie stellen eine sichtbare regionale Identität dar und sind ein Abbild der Geschichte und der Ausdruck der menschlichen Interaktion mit der Natur. Bemühungen zur Erhaltung der regionalen Landschaften und ihrer Schönheit behindern nicht die wirtschaftliche Entwicklung. Im Gegenteil, diese Landschaften können als ökonomischer Anreiz dienen: schöne Landschaften sind eine bemerkenswerte Sehenswürdigkeit für Touristen und ziehen häufig Investitionen an. Dieses vielfältige Erbe erfordert ein vernünftiges Management, daß die örtlichen Bedingungen berücksichtigt. In vielen Fällen ist der Schutz von Stätten mit spezieller Bedeutung notwendig; in anderen Fällen leiden die Landschaften unter Vernachlässigung und müssen wiederhergestellt werden. Häufig sind die Bemühungen zur weiteren Kultivierung der Agrarflächen ein wichtiger Schritt zur Vorbeugung von Flächenbrachen.

Ein allgemeines Merkmal der meisten europäischen Landschaften ist ihre Geschichte des beständigen Wandels. Ein kleine Zahl von Gebieten sollte als einzigartiges Beispiel für historische Regionalkultur geschützt werden, zum Beispiel die Agrarlandschaften der "Bocage" entlang der Atlantikküste. Aber auch charakteristische Elemente, die für ältere Landschaftstypen kennzeichnend sind, sollten geschützt werden. Das alte System "offener Felder" mit typischen Dörfern von großem historischem Wert sollte in seinem charakteristischen Erscheinungsbild erhalten werden. Historische Straßen, die mehrere Ländern durchqueren, wie die Pilgerstraße nach Compostella oder die italienische "Via Francigena" sind in gleicher Weise erhaltenswert wie auch bedeutende Schlachtfelder.

In einigen Gebieten ist der Schutz der Landschaft vor allem darauf ausgerichtet, kulturelle Werte zu erhalten. Es gibt jedoch auch ökologische Gründe (die Erhaltung von Hecken in Agrarlandschaften fördert die Biodiversität) und ökonomische Gründe (die Bemühungen zur Erhaltung der "dehesas" in Spanien trägt zum endogenen wirtschaftlichen Potential der betroffenen Regionen bei). In all diesen Fällen würde die Erhaltungspolitik viel größere Gebiete betreffen, als bisher durch die Programme zum Schutz des Kulturerbes abgedeckt werden.

In der großen Mehrzahl der Fälle sollten die Landschaften kreativ entwickelt werden anstatt sie einfach in der gegenwärtigen Verfassung zu erhalten. Derzeit gibt es viele, unkoordinierte Maßnahmen, deren Ergebnisse rein zufällig sind oder häufig die Stärke unterschiedlicher Interessengruppen widerspiegeln. Oft werden neue wirtschaftliche Aktivitäten und große Wohngebiete geplant und gebaut, ohne ästhetische Aspekte zu berücksichtigen. Infrastruktureinrichtungen, neue Typen von Agrar- und Forstwirtschaft sowie Tourismuszentren sind oft ungünstig angesiedelt und stehen nicht im Einklang mit ihrer Umgebung. Neue Entwicklungen müssen in Landschaften stattfinden, aber auf eine positive und ergänzende Weise. Die Landschaftspolitik ist zu schwach und zu sehr vom Prinzip des "Laissez-faire" gekennzeichnet. Eine starke, kreative Landschaftspolitik muß in vielen Gebieten Europas erst noch entworfen werden. Dabei sollte sie auf einer integrierten Strategie beruhen, offen für neue Entwicklungen sein und sich auf die Förderung eines kohärenten und harmonischen Umfelds für die Menschen konzentrieren.

Schließlich gibt es Fälle, in denen das Fehlen menschlicher Aktivitäten den Verfall großflächiger regionaler Landschaften verursacht, besonders wenn traditionelle Anbaumethoden im Verschwinden begriffen sind. Die Aufgabe von Flächen in sensiblen ökologischen Gebieten, zum Beispiel in Gebirgs- und Küstenregionen, kann für die Umwelt ernste Folgen haben. Die Reaktion auf diese Probleme sollten ähnlich sein wie oben beschrieben worden ist: Erhaltung möglichst großer Teile der kultivierten Landschaft, um die Entwicklung zu stimulieren, und die Verfolgung einer Gesamtstrategie mit dem Schwerpunkt auf der Umstrukturierung der Landschaften. Dies kann beispielsweise bedeuten, Teile der Kulturlandschaften für den Tourismus zu erhalten, sowie aufgegebene Flächen in Wald umzuwandeln, um eine vollständige Versteppung zu vermeiden.

Politikoptionen

(a) Langfristige Erhaltung und Management von Landschaften mit kultureller und historischer Bedeutung durch eine vernünftige Flächennutzungsplanung.

(b) Kreative Wiederherstellung der Landschaften, die durch verschiedene menschliche Aktivitäten in Mitleidenschaft gezogen wurden.

(c) Erhaltung charakteristischer Landschaften in Gebieten, die durch die Aufgabe der Flächen durch die Landwirtschaft bedroht sind.

III.C.4. Erhaltung und kreatives Management des städtischen Kulturerbes  

Der Reichtum des städtischen Erbes in Europa ist nicht weniger eindrucksvoll als die Vielfalt seiner ländlichen Landschaften. Das städtische Erbe ist für die Verbreitung der europäischen Kultur über die ganze Welt von großer Bedeutung; es stellt einen symbolischen Wert dar, der seine Gefährdung selbst erzeugt. Beträchtliche Investitionen sind notwendig, um die außergewöhnlichen historischen Strukturen zu schützen. Das Stadtbild sollte dabei auf der Grundlage einer schlüssigen Strategie, die nicht nur von der Vergangenheit dominiert wird, neu gestaltet werden.

In vielen europäischen Städten befinden sich ausgedehnte Gebäudekomplexe von großem historischem Wert, die langsam zu verfallen drohen. Obwohl beträchtliche Mittel für die Pflege und Restaurierung aufgewendet werden, hält dieser Trend weiter an. Um irreparablen Verlusten dort vorzubeugen, wo dies möglich ist, müssen proaktive Erhaltungsprogramme eingerichtet werden. Diejenigen Staaten, welche die Konvention von Granada vom 3. Oktober 1985 zum Schutz des architektonischen Erbes in Europa unterzeichnet haben, sind die Verpflichtung zu einem evolutionären Ansatz eingegangen, d. h. das Erbe zu schützen, seine Pflege zu sichern und dabei den Bedürfnissen der modernen Gesellschaft zu entsprechen. Damit haben sie sich zur sogenannten "integrierten Konservierung" verpflichtet.

Das städtische Erbe Europas beruht nicht nur auf der außergewöhnlichen Architektur. Europas Städte repräsentieren Orte intensiven sozialen Lebens und kultureller Veranstaltungen. Die Lebensweise in den europäischen Städten sollte in ihrer Gesamtheit als Teil des Kulturerbes betrachtet und in ihrer Integrität erhalten werden. Viele europäische Städte sind großem Druck durch Kommerzialisierung und kulturelle Uniformierung ausgesetzt, die Individualität und Identität zerstören. Dazu gehören Gebäude- und Bodenspekulationen, der Bau von überdimensionierten Infrastrukturprojekten und die Anpassung an den Massentourismus. Häufig wird dadurch die Struktur des sozialen Lebens in den Städten zerstört. Eine angemessene Reaktion auf diese Belastungen sind Entwicklungsstrategien, die unter anderem Bebauungspläne und Flächennutzungspläne umfassen.

Moderne und innovative Bauten sollten nicht grundsätzlich als Störungen betrachtet werden, sondern statt dessen als potentielle Beiträge zum städtischen Erbe. In vielen Fällen erweisen sich jedoch beste architektonische Konstruktionen als isolierte Errungenschaften, die häufig von anderen Entwicklungen begleitet werden, welche die Qualität der städtischen Umwelt nicht bereichern, sondern verschlechtern. Nur selten stehen neu geschaffene Gebäudegruppen in harmonischer Übereinstimmung mit einem zeitgemäßen Stadtbild. In den Städten wie auch auf dem Land ist das Gesamtbild häufig ein Ergebnis zufälliger und unkoordinierter Maßnahmen. Nur langsam entwickelt sich eine Politik des kreativen Managements im Hinblick auf das Stadtbild. Diese ist vor allem in denjenigen Städten notwendig, in denen der Verfall sowohl der visuellen Reize als auch der baulichen Substanz ein Stadium erreicht haben, das die Menschen davon abhält, dort zu leben und zu investieren.

Politikoptionen

(a) Proaktive Strategien für die integrierte Erhaltung in Gebieten, in denen das Kulturerbe verfällt oder vom Verfall bedroht ist.

(b) Entwicklung von Strategien zur Kontrolle der Belastungen des städtischen Kulturerbes, die durch den Tourismus, Gebäude- und Bodenspekulation und dem Bau von Infrastruktur hervorgerufen werden.

(c) Kreative Umstrukturierung zusammenhängender Gebäudekomplexe in Städten, deren Stadtbild vom Verfall betroffen ist.

III.D. Ein Rahmen für eine integrierte Raumentwicklung  

In diesem Kapitel wird ein Rahmen für die integrierte Anwendung der aus räumlicher Perspektive abgeleiteten Politikoptionen vorgestellt. Der tatsächliche Inhalt der integrierten Raumentwicklungsstrategien ist natürlich eine Aufgabe für die nationalen, regionalen und lokalen Gebietskörperschaften, die in einer späteren Phase an der Entscheidungsfindung beteiligt werden. Der in diesem Kapitel vorgestellte Rahmen ist deshalb als Vorschlag zur Diskussion zu betrachten, der weiterer Ausarbeitungen bedarf.

Die Raumentwicklung ist nicht auf den eher thematisch ausgerichteten Ansatz beschränkt, wie er in den Abschnitten A, B und C beschrieben wurde. Er bedarf darüber hinaus einer Integration und stärkeren Koordination auf räumlicher Basis - was dem Hauptbeitrag der Raumentwicklung darstellt.

Das Wesen der integrierten Raumentwicklung besteht darin, ausgewählte thematische Optionen im Sinne einer kohärente Raumentwicklungsstrategie für die zukünftige Entwicklung von bestimmten Gebieten des europäischen Raumes miteinander zu kombinieren, bei denen nationale Grenzen und andere administrative Hürden immer noch beträchtliche Hindernisse bedeuten. Somit findet eine räumliche Integration statt.

Diese Strategien könnten als Bezugsrahmen für die Implementation der multisektoralen Politiken für die jeweiligen Gebiete dienen, womit eine horizontale Koordination geleistet wird.

Die in den Abschnitten A bis C genannten Politikoptionen unterscheiden sich im Hinblick auf ihren räumlichen Fokus und den Bereich ihrer Anwendung. Bei der Anwendung einer integrierten Raumentwicklungsstrategie in Europa werden wiederum drei Ebenen unterschieden:

· die europäische Ebene,

· die transnationale Ebene,

· die regionale/lokale Ebene.

Auf den verschiedenen Ebenen sind unterschiedliche Kombinationen von Politikoptionen anzuwenden. Nur wenn sich ergänzende Politiken auf allen diesen Ebenen durchgeführt werden, ist eine positive Entwicklung des betreffenden Gebietes gewährleistet, und damit die vertikale Koordination gesichert.

Die transnationale Ebene ist für die vollständige Integration der raumentwicklungspolitischen Optionen von zentraler Bedeutung. Auf dieser Ebene können klare Raumentwicklungsstrategien aufgestellt werden, die sowohl die Elemente der europäischen "Raumagenda" als auch die Elemente von Politikoptionen, die auf regionaler und lokaler Ebene in den verschiedenen Teilen des Gesamtgebiets durchgeführt werden, umsetzen. Diese integrierten transnationalen Strategien können nach ihrer Vollendung eine unterstützende Rolle in Form von Leitlinien spielen: zum einen für die Differenzierung der gemeinschaftlichen Fachpolitiken in den verschiedenen Regionen der Europäischen Union, zum anderen für die Koordinierung dieser Gemeinschaftspolitiken und den entsprechenden nationalen Politiken.

III.D.1. Auf dem Weg zu einer Agenda der europäischen Raumentwicklung  

Die Notwendigkeit der Politikkoordination wird auf europäischer Ebene bereits erkannt, besonders im Hinblick auf die Umwelt-, Verkehrs-, Landwirtschafts-, Sozial- und Regionalpolitik. Dies sind genau diejenigen Politikbereiche, die für die Raumentwicklung die größte Bedeutung haben und bei den genannten Politikoptionen am deutlichsten erkennbar sind. Die Aufgabe besteht nunmehr darin, das Prinzip der Koordination in der Politik weiterzuentwickeln und ihm eine stärkere räumlich orientierte Ausrichtung zu geben. Für die europäische Ebene bedeutet dies, den räumlichen Zusammenhalt des gesamten Gebiets der Europäischen Union weiter zu stärken.

Die mögliche Implementation bestimmter Politikoptionen hängt wesentlich von der Kooperation auf europäischer Ebene ab: Städtenetze (auf dieser Ebene), die Entwicklung der "Gateway-Städte", ausgewogenere interkontinentale Erreichbarkeit der wichtigen Häfen und

Flughäfen, gleiche Zugangsmöglichkeiten zu Telekommunikationseinrichtungen, multimodale europäische Korridore sowie die Entwicklung eines europäischen Naturraumnetzes. Es existieren jedoch eindeutige räumliche Beziehungen zwischen den verschiedenen Politikbereichen. Diese können sich einerseits gegenseitig unterstützen: Die strategische Rolle der "Gateway-Städte" läßt sich beispielsweise gut mit der Förderung von Städtenetzen und Kooperationen auf europäischer Ebene verbinden. Andererseits bestehen Konfliktpotentiale: Die Einrichtung von Naturraumnetzen auf europäischer Ebenen kann im Widerspruch zum Bau von Infrastruktur stehen, selbst wenn sie zum Zweck des multimodalen Ausbaus vorgenommen wird.

Wenn die Gemeinschaftspolitiken als Ausgangspunkt genommen und ein besonderes Augenmerk auf die Beziehungen zwischen den Politikoptionen gelegt wird, könnte eine Grundlage für die Koordinierung der Raumentwicklung auf europäischer Ebene geschaffen werden: beispielsweise eine den Bedürfnissen der Städte angepaßte europäische Verkehrspolitik, die Entwicklung moderner Kommunikationsinfrastruktur in wirtschaftlich schwachen ländlichen Regionen oder eine an den Schutz von Gebieten mit hoher Biodiversität angepaßte Agrarpolitik. Diese eindeutigen räumlichen Beziehungen verdeutlichen das Potential für eine integrierte Raumentwicklungspolitik auf europäischer Ebene. Die möglichen Hauptelement dieser Agenda werden im folgenden aufgeführt:

· Eine größere räumliche Ausgewogenheit / wirtschaftlicher und sozialer Zusammenhalt: Angesichts der besonderen Merkmale des europäischen Raumes können sich beide Ziele gegenseitig verstärken. Der wirtschaftliche und soziale Zusammenhalt bleibt für die Europäische Union weiterhin ein grundlegendes Ziel und sollte starken Einfluß auf Konzeption und Implementation der europäischen Raumentwicklungsagenda haben.

· Eine ausgewogene urbane und regionale Wettbewerbsfähigkeit: Dies wäre das Endergebnis eines integrierten Ansatzes bei den Städtenetzen und der Entwicklung von Komplementarität und Kooperation zwischen den Städten. Im Prinzip sollten alle Städte zum wirtschaftlichen Wachstum Europas beitragen. Das bedeutet das Streben nach einer einheitlicheren Städtehierarchie mit klar definierten regionalen, nationalen und internationalen Funktionen für die Städte.

· Bessere Erreichbarkeit: Auch wenn es weder möglich noch wünschenswert zu sein scheint, den gleichen Grad der Erreichbarkeit in der ganzen Europäischen Union zu garantieren, besonders was die sensiblen oder geschützten Gebiete betrifft, so sind Verbesserungen besonders in den peripheren Regionen von grundlegender Bedeutung. Der Erfolg wird von Europas Fähigkeit abhängen, die verschiedenen Partner zusammenzubringen (Regionen und Städte, die betreffenden Ministerien, Verkehrsunternehmen usw.) und die verschiedenen Verkehrsarten auf kohärente Weise zu kombinieren. Ein anderes wichtiges Thema, dem die integrierte Raumentwicklungsstrategie ihre Aufmerksamkeit widmen sollte, ist die Notwendigkeit, in die allgemeine und berufliche Ausbildung zu investieren, wobei die sogenannten "Tunnel-" und "Pumpeffekte" zu vermeiden sind.

· Stärkung der Grenzregionen der Europäischen Union und ihrer Städte: Bei den Politiken zur Entwicklung der "Gateway-Städte", der multimodale Infrastruktur für die europäischen Korridore, der gleichen Zugangsmöglichkeiten für die Telekommunikationseinrichtungen und der interkontinentalen Erreichbarkeit könnte ein Schwerpunkt darauf gelegt werden, die Grenzregionen und ihre Städte auf ihre Rolle für den Erweiterungsprozeß und die Entwicklung guter räumlicher Beziehungen zu den Nicht-Mitgliedstaaten vorzubereiten.

· Die Entwicklung von Euro-Korridoren: Diese könnten als konzeptionelles Werkzeug für die Integration folgender Politiken dienen: Multimodalität, Kooperation der Städte, Verbesserung der Infrastruktur und des Verkehrs in den peripherer gelegenen Gebieten, Verringerung der Überlastung, interkontinentale Erreichbarkeit etc. Diese Korridore könnten den Zusammenhalt des europäischen Raumes beträchtlich stärken. Die Zahl der möglichen Korridore ist groß. Im Kasten sind nur einige Beispiele aufgeführt worden. Einige Korridore, besonders in dichter besiedelten Regionen, befinden sich bereits in der Entwicklung. In anderen Gebieten des europäischen Raumes können solche Korridore entwickelt und mit bestehenden verbunden werden. Wichtige fehlende Bindegliede und sekundäre Netze müssen ermittelt werden.

Beispiele für bestehende multimodale Euro-Korridore

· Transmanche-London-Glasgow;

· Paris-Strasbourg-Stuttgart-München-Wien-Budapest;

· Amsterdam-Brüssel-Paris;

· Brüssel-Köln-Hannover-Berlin-Posen-Warschau;

· Rotterdam-Ruhr-Rhein-Main-Stuttgart-München;

· München-Hamburg-Kopenhagen-Stockholm;

· Transalpine Verbindung Rom-Mailand-Zürich/München;

 

Beispiele für Euro-Korridore mit Entwicklungspotential

· Lissabon-Madrid-Barcelona-Rhonetal;

· Dublin-Manchester-London-Transmanch;

· Rotterdam-Hannover-Berlin;

· Hamburg-Berlin-Posen-Warschau;

· Helsinki-St.Petersburg;

· Helsinki-Tallinn;

· Athen-Rom;

· Mailand-Venedig-Wien-Budapest-Kiew;

· Bologna-Mailand-Lyon;

· Patras-Brindisi-Verona-München;

· Madrid-Bordeaux/Toulouse;

· Hamburg-Arhus-Oslo.

· Erhaltung und Entwicklung der Biodiversität in Europa: Die erfolgreiche Entwicklung eines europäischen Naturraumnetzes hängt von konzertierten, räumlich ausgerichteten Bemühungen der verschiedenen Gemeinschaftspolitiken ab. Viele wildlebende Tierarten, vor allem Vögel, nutzen im Verlauf des Jahres den ganzen Kontinent als ihren Lebensraum. Die Beziehungen zwischen den Elementen der Netze wie Feuchtgebiete, Nationalparks, bestimmte Inseln, Küstenregionen, Wattenmeere und bestimmte ländliche Regionen müssen erfaßt und auf europäischer Ebenen koordiniert werden.

Vieles wird bei der Implementation dieser integrierten Agenda letztlich davon abhängen, ob räumlich integrierte transnationale Strategien entwickelt werden können.

III.D.2. Auf dem Weg zu transnationalen Strategien  

Transnationale Gebiete sind geographisch zusammenhängende Einheiten, welche die Grenzen mehrerer Länder überschreiten. Vor allem auf transnationaler Ebene kann die Integration der Politikziele und Optionen zu Raumentwicklungsstrategien und Aktionsprogrammen bereits bewerkstelligt werden. Die nachfolgend genannten Beispiele betreffen Probleme, die auf transnationaler Ebene angegangen werden müssen: Entwicklung eines ökologischen Netzwerks, Risikomanagement in von Naturkatastrophen bedrohten Gebieten, Wasserversorgung, Verbesserung der Lage kleiner Städten in ländlichen Gebieten, Wiederherstellung von Landschaften und multimodaler Verkehr, Verbesserung der Infrastruktur und der Verkehrsdienstleistungen in rückständigeren Regionen. Transnationale Strategien, die diese Politiken integrieren, könnten eine "Scharnierfunktion" zwischen den sich ergänzenden Politiken auf europäischer und regionaler/lokaler Ebenen ausüben. Die transnationale Ebene ist diejenige Ebene, auf der sich viele räumliche Probleme mit europäischer Bedeutung manifestieren und auf der die Grundlage für regionale und städtische Kooperation über die nationalen Grenzen hinweg gefunden werden kann.

Das Prinzip des integrierten Ansatzes auf dieser Ebene wurde bereits positiv aufgenommen und befindet sich im Rahmen des INTERREG IIc-Programms in der Anwendung. Diese Initiative zeigt, daß in den Mitgliedstaaten und den Regionen bereits die politische Bereitschaft besteht, bei der Einrichtung und Durchführung von Programmen zusammenzuarbeiten. Das kann als erstes Experiment auf dem Weg zur Entwicklung einer integrierten transnationalen Raumentwicklungsstrategie angesehen werden. Die Mitgliedstaaten planen die Zusammenarbeit - in einigen Fällen auch mit externen Partnern (siehe Karte) - in sieben großen transnationalen Kooperationsgebieten. Im Hinblick auf die Ostsee findet eine Kooperation bereits auf der Basis eines starken politischen Rückhalts statt (VASAB 2010, Konferenz in Visby, Erklärung von Stockholm). Darüber hinaus sind im Rahmen der Pilotprojekte nach Art. 10 des EFRE weitere vier Kooperationsgebiete vorgesehen.

Kein transnationales Gebiet für integrierte Strategien in Europa wird ein für allemal festgelegt. Im Rahmen von Europa 2000 (+) und INTERREG IIc wurden gewisse transnationale Gebiete der Europäischen Union und ihrer unmittelbaren Nachbarn nur vorgeschlagen. Sie wurden auf der Grundlage gemeinsamer Chancen und Gefahren sowie aufgrund der politischen Bereitschaft der Mitgliedstaaten und Regionen zur Kooperation bei den dort anstehenden und ausgewählten räumlichen Problemen festgelegt. Die Gebietsabgrenzung ist weder endgültig noch statisch.

Die Größe der transnationalen Gebiete muß ihrer Form nach flexibel und in erster Linie durch die Geographie bestimmt sein. Wie die Größe der Länder ist auch die Größe der transnationalen Gebiete unterschiedlich. Darüber hinaus liegen die in bezug auf die physische und soziale Geographie bedeutsamen Faktoren auch denjenigen gemeinsamen räumlichen Chancen und Problemen zugrunde, welche die Ausgangspunkte für die integrierten Strategien auf transnationaler Ebene bilden.

Von größerer Bedeutung für die Abgrenzung der transnationalen Gebiete ist der politische Inhalt der Strategien für die betreffenden Gebiete. Aufgrund der tatsächlichen Probleme und der Ausrichtung der integrierten Strategien werden letztlich die transnationalen Gebiete abgegrenzt. Dies kann nur durch die nationalen und regionalen Behörden geschehen, die an der Kooperation beteiligt sind. Auch ist es gut vorstellbar, daß die tatsächlichen Strategiegebiete sich entsprechend der jeweiligen thematischen Ausrichtung der Maßnahmen unterscheiden. Die tatsächliche Abgrenzung der transnationalen Gebiete für die Maßnahmen beispielsweise zur Förderung des Dienstleistungsniveaus für die endogene Entwicklung oder zur Diversifikation der Wirtschaft in den ländlichen Gebieten könnte sich von der Abgrenzung unterscheiden, die für eine koordinierte Infrastrukturpolitik gewählt wird.

Diese räumliche und politische Flexibilität könnte beträchtliche Überschneidungen zwischen den transnationalen Strategiegebieten nach sich ziehen, was nicht nur möglich ist, sondern auch wünschenswert wäre.

Das Ergebnis dieses politischen Integrationsprozesses auf transnationaler Ebene wird sicherlich zeigen, daß die Konflikte und Synergien zwischen den Problemen und Maßnahmen sich je nach Gebiet unterscheiden. Zum Beispiel:

· Die Raumentwicklung im Einzugsbereich von Flüssen in vorwiegend urbanen Regionen mit schwacher Wirtschaft sollte die wirtschaftlichen Möglichkeiten sowohl der älteren Industriestädte als auch der Kleinstädte fördern, ein System multimodaler Terminals aufbauen, das Flußbett als Ökosystem entwickeln, die Hochwasserkapazitäten des Flußbettes erhöhen, ohne die menschlichen Aktivitäten zu gefährden, der Wasserverschmutzung vorbeugen und typische Flußlandschaften entwickeln.

· Raumentwicklung in sehr dicht besiedelten Gebieten der überwiegend urbanen Regionen mit starker Wirtschaft sollte die räumlichen Nachteile durch intensiven grenzüberschreitenden Wettbewerb um mobiles Investitionskapital zwischen Regionen und lokalen Gebietskörperschaften zu überwinden helfen, die Einrichtung von Industriegebieten und den Bau von Infrastruktur koordinieren, effiziente Verkehrssysteme einrichten und Freiräume sichern.

· Raumentwicklung in Gebirgsregionen sollte Umweltschutzmaßnahmen in die Entwicklungspolitik integrieren, eine nachhaltige Infrastruktur bereitstellen, eine angemessene Entwicklung kleiner Siedlungen sichern, die Nutzung der erneuerbaren Energiequellen in das Landschaftsbild integrieren.

· Raumentwicklung in Meeresbuchten sollte das integrierte Management der Küstenregionen und Inseln unterstützen, Komplementarität und Kooperation zwischen den Städten (besonders Häfen) fördern, See- und Kommunikationsverbindungen in die räumliche Entwicklung integrieren, eine ausgewogenere Entwicklung zwischen Küstenregionen und ihren Binnenregionen fördern und die nachhaltige Entwicklung sensibler Gebiete unterstützen.

Wenn die integrierten Raumentwicklungsstrategien für die transnationalen Gebiete durchgeführt werden, wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach die Notwendigkeit ergeben, die gemeinschaftlichen Fachpolitiken je nach Teilgebiet der Europäischen Union zu variieren.

III.D.3. Die regionale und lokale Ebene  

Die Gemeinwesen und Behörden auf regionaler und lokaler Ebene gehören zu den Schlüsselakteuren im Bereich der europäischen Raumplanung. Viele Politikoptionen, die Kooperationen auf europäischer und besonders transnationaler Ebene erfordern, bedürfen der ergänzenden Durchführung der Politik auf regionaler und lokaler Ebenen, von Kleinstädten in ländlichen Gebieten bis hin zu großen Metropolregionen.

Auf diesen Ebenen existieren im europäischen Zusammenhang zwei Integrationsbereiche:

· die Entwicklung grenzüberschreitender Raumentwicklungsstrategien,

· die interregionale Kooperation in Bereichen der Raumentwicklung, die räumlich getrennten Regionen gemeinsam sind.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit: Seit der Schaffung von INTERREG im Jahre 1989 sind grenzüberschreitende Gebiete von der Europäischen Union dabei unterstützt worden, sich an die neue Lage nach der Schaffung des gemeinsamen Binnenmarktes anzupassen. Einige dieser Regionen nutzen die Vorteile grenzüberschreitender Projekte durch Raumentwicklungskonzepte für grenzüberschreitende Gebiete wie beispielsweise MHAL: Maastricht (NL)-Hasselt (B/Fl.)-Aachen (D)-Lüttich (B./Wall.) und Saar-Lor-Lux. Verschiedene Politikoptionen sind für grenzüberschreitende Gebiete von besonderer Bedeutung wie folgende Beispiele zeigen: die Kooperation zwischen Städteclustern, die Verbesserung der Beziehungen zwischen dem regionalen öffentlichen Verkehr und Hauptverkehrsnetzen sowie eine Umweltschutzpolitik für sensible Gebiete. Diese Optionen sind miteinander verknüpft und würden von einem integrierten Ansatz profitieren. Das EUREK beabsichtigt, die Einrichtung weiterer solcher integrierter Kooperationen anzuregen, welche die oben genannten Politikoptionen miteinander verbinden. Weitere Beispiele hierzu können auch an den Außengrenzen der Europäischen Union angetroffen werden, wie z. B. die deutsch-polnische Zusammenarbeit.

Interregionale Zusammenarbeit: Viele Politikoptionen beziehen sich auf Aufgaben der regionalen und lokalen Ebene, erfordern aber eine Kooperation auf transnationaler oder gar europäischer Ebene. Es ist eine der grundlegenden Annahmen des EUREK, daß durch die Beschreibungen der gegenwärtigen und zukünftigen räumlichen Situation die regionalen und lokalen Gemeinwesen und Behörden dazu angeregt werden, die von ihnen gewünschte Stellung in der räumlichen Struktur im Europa von morgen zu vertreten. Im folgenden werden die politischen Optionen von gemeinsamen Interesse gesammelt und formuliert, die eine Bottom-up-Bewertung und integrierte Maßnahmen vor allem auf regionaler oder lokaler Ebene erfordern.

Maßnahmen auf regionaler Ebene, die die genannten Politikoptionen unterstützen würden, wären beispielsweise auf folgende Ziele ausgerichtet:

· Verbesserung der Erreichbarkeit durch Verbindungen der regionalen Verkehrssysteme mit den nationalen/internationalen Knotenpunkten,

· Aktionsprogramme für die Erhaltung von Siedlungen in ländlichen Gebieten, die von Bevölkerungsabnahme und Flächenstillegungen betroffen sind,

· Entwicklungsstrategien für eine nachhaltige Entwicklung von Landschaften und Bewertung des landschaftlichen Potentials zur Ausschöpfung erneuerbarer Energien,

· Beiträge zu einer koordinierten Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur,

· grenzüberschreitende Entwicklung von Landschaften und Ökosystemen mit regionaler und europäischer Bedeutung,

· koordinierte Flächennutzungspläne unter Einbeziehung eines intelligenten Managements der Wasserressourcen,

· Programme zur Erhaltung und Erweiterung des gemeinsamen Kulturerbes,

Maßnahmen auf lokaler Ebene, die die genannten Politikoptionen unterstützen würden, wären beispielsweise auf folgende Ziele ausgerichtet:

· gemeinsame Strategien zur wirtschaftlichen Diversifikation, die auf die Entwicklung von Städteclustern und Städtenetzen ausgerichtet sind,

· Aufnahme von Planungskonzepten für eine nachhaltige Stadt, darunter die Förderung von multimodalen Verkehrskonzepten und die Verringerung des Reisebedarfs,

· städtische und ländliche Partnerschaften zur nachhaltigen Ausschöpfung der Möglichkeiten für innovative Raumentwicklungsstrategien für die Städte und ihr ländliches Umland,

· Aktionsprogramme zum Schutz und zur Erhaltung des städtischen Erbes und Förderung qualitativ hochwertiger Architektur.

III.D.4. Schlußfolgerungen: die zentrale Rolle der Koordinierung  

Die Elemente des Rahmens für die integrierte europäische Raumentwicklungspolitik, die oben vorgestellt wurden, hängen von einer schlüssigen Koordinierung ab. Der Ansatz sollte als System betrachtet werden, wie es in Abbildung III.1 dargestellt ist. In diesem System wird die transnationale Ebene als die für Integration geeignetste Ebene angesehen. Die transnationale Kooperation kann in hervorragender Weise dazu beitragen, die Mitgliedstaaten, die Regionen, die lokalen Behörden und andere Akteure zusammenzuführen und die Leitlinien, Ziele und Optionen des EUREK für die Raumentwicklungspolitik in Raumentwicklungsstrategien umzusetzen. Die Implementation der integrierten Politikagenda auf europäischer Ebene, die transnationalen Strategien und die Prioritäten der Regionen und lokalen Behörden erfordern sowohl eine vertikale Koordination der Politiken zwischen verschiedenen administrativen Ebenen als auch eine horizontale Politikkoordination zwischen der Raumordnungspolitik und den Fachpolitiken.

Vor allem die vertikale Koordination ist ein wesentliches Element des EUREK-Ansatzes zur Politikentwicklung und -implementation. Nur durch entsprechende Koordination wird der Ansatz der Raumentwicklung genug Überzeugungskraft entwickeln, um die Fachpolitiken auf allen Ebenen beeinflussen zu können.

Abb. III.1: Integrationssystem

 

RAUMENTWICKLUNGSPOLITIK AUF EUROPÄISCHER EBENE 
RAUMWIRKSAME ENTWICKLUNGEN: DIE EUROPÄISCHE DIMENSION
UMSETZUNG DES EUROPÄISCHEN RAUMENTWICKLUNGS- KONZEPTS

  

 

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