03. November 2010

Studie: Agrarbranche vor starkem Wachstumsschub

Marktstudie: Agribusiness in Deutschland hat die Krise unbeschadet überstanden – Bis 2013 Wachstum um fast 20 Prozent – Internationalisierung nimmt deutlich zu

Hannover (agrar.de) – Die Wirtschaftskrise brachte für das deutsche Agribusiness nur eine Verschnaufpause – nun stellt sich die Branche darauf ein, ihre Erfolgsgeschichte fortzuschreiben: Bis 2013 wird der Umsatz der zweitgrößten deutschen Branche voraussichtlich um 18 Prozent auf 246 Milliarden Euro steigen. Haupttreiber des Wachstums sind steigende Rohstoffpreise und ein steigender Nahrungsmittelbedarf infolge des Wachstums der Weltbevölkerung. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie „Agribusiness in Deutschland 2010“. Die Studie wurde von der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre des Agribusiness der Georg-August-Universität Göttingen erstellt und basiert auf einer Befragung von Top-Entscheidern aus 113 Unternehmen.

Die Wirtschaftskrise konnte der Branche kaum etwas anhaben: Der Umsatz ging im Krisenjahr 2009 nur um 0,2 Prozent zurück. Und bereits für das Jahr 2010 wird ein Anstieg um 2 Prozent auf 208 Milliarden Euro prognostiziert. Die kommenden Jahre sollen der Branche dann einen regelrechten Wachstumsschub bringen: Bis 2013 soll der Umsatz auf 246 Milliarden Euro steigen.

Mit mehr als 600 000 Beschäftigten in der Vorleistungsindustrie, in der eigentlichen Ernährungsindustrie vom Schlachthof über die Molkerei und Backwarenfabrik bis hin zum Tiefkühlmenü-Hersteller, im Erfassungs- und Großhandel, in der Bioenergie-Produktion und der Agrartechnikindustrie ist das Agribusiness Deutschlands zweitgrößter Wirtschaftszweig nach der Automobilindustrie.

Positiver Ausblick

Die Stimmung im deutschen Agribusiness hat sich gegenüber dem Vorjahr nochmals verbessert: Derzeit berichten 64 Prozent der befragten Unternehmen von einer guten oder sogar sehr guten Geschäftslage, 2009 lag der Anteil bei 59 Prozent. Nur 7 Prozent beschreiben ihre aktuelle Situation als „eher schlecht“ oder „schlecht“ – im Vorjahr lag der Anteil bei 11 Prozent. Auch der Blick in die Zukunft ist weitgehend ungetrübt. 59 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass sich ihre Geschäftslage in den kommenden zwölf Monaten verbessert, nur 9 Prozent rechnen mit schlechteren Zahlen.

Insgesamt scheint die Branche also die Wirtschaftskrise abgehakt zu haben. Und langfristig seien die Aussichten sehr positiv, erwartet Ludwig Theuvsen, Professor für Betriebswirtschaftslehre des Agribusiness an der Universität Göttingen. So werde der gesamte Wirtschaftszweig längerfristig vom steigenden Nahrungsmittelbedarf infolge der wachsenden Weltbevölkerung ebenso profitieren wie vom zunehmenden Wohlstand in Schwellen- und Entwicklungsländern, der die Nachfrage nach höherwertigen Lebensmitteln und tierischen Produkten steigen lasse.

Internationalisierung schreitet voran

Besonders große Wachstumschancen versprechen denn auch ausländische Märkte: Immerhin 73 Prozent der befragten Unternehmen gehen davon aus, dass die Internationalisierung der Märkte im Agribusiness zukünftig stark voranschreiten wird. „Immer mehr Unternehmer erkennen, dass der unternehmerische Erfolg zunehmend von einer erfolgreichen Erschließung internationaler Wachstumsmärkte abhängt, auch wenn der Heimatmarkt nach wie vor sehr wichtig bleiben wird“, konstatiert Christian Janze, Manager und Branchenexperte bei Ernst & Young.

Vor fünf Jahren erzielten die Befragten aus dem Agribusiness mit im Durchschnitt 28 Prozent noch einen relativ geringen Anteil ihres Umsatzes im Ausland, im vergangenen Jahr lag der Anteil bereits bei 36 Prozent. In fünf Jahren wird er – so die Prognose der Befragten – bereits im Durchschnitt bei 45 Prozent liegen.

Wenn auch der Heimatmarkt für die meisten Unternehmen der wichtigste bleibt, so richten sie doch den Blick zunehmend auch auf die europäischen Nachbarn, nicht nur im Westen, sondern immer mehr auch im Osten. 57 Prozent der befragten Unternehmen erwarten deshalb, dass die Bedeutung der Länder Mittel- und Osteuropas innerhalb der kommenden Jahre zunimmt, immerhin noch 35 Prozent sehen wachsende Chancen in Russland.

„Die allgemeine Neigung zum ,Go East’ ist verständlich, nicht zuletzt wegen der räumlichen Nähe“, meint Janze. „Aber die Unternehmen sollten aufpassen, dass sie die Entwicklungen in anderen wichtigen Wachstumsregionen wie Indien und China nicht verpassen.“

„Die erfolgreiche Erschließung neuer geographischer Märkte ist eine der entscheidenden Herausforderung der Zukunft“, ergänzt Theuvsen. Dabei gehe es nicht nur um die Erschließung neuer Absatzmärkte, sondern auch um die Besetzung strategischer Positionen, die Nutzung günstigerer Beschaffungskosten und die Sicherung der Rohstoffbasis.

Studie „Agribusiness in Deutschland 2010“ (PDF-Datei, 717 KB, 64 Seiten)

Milchquotenbörse: Quotenpreis sinkt auf historisches Tief

Berlin (agrar.de) – Die Milchquotenpreise sind bei der 32. Milchbörse am 2. November 2010 auf ein historisches Tief gesunken. Der Deutsche Bauernverband (DBV) ermittelte einen gewogenen Durchschnittspreis für Deutschland von 7 Cent je Kilogramm. Dieser stellt damit den niedrigsten Quotenpreis seit Einführung der Börse im Jahr 2000 dar. Im Vergleich zum letzten Handelstermin reduzierte sich der Quotenpreis um 4 Cent. Für den Übertragungsbereich West wurde ein Handelspreis von 8 Cent je Kilogramm ermittelt. Im Vergleich zum Julitermin ist er um 4 Cent gefallen. Der Handelspreis für den Übertragungsbereich Ost lag wie schon beim Börsentermin im Juli bei 3 Cent je Kilogramm.

Der DBV sieht den Rückgang der Quotenpreise als ein deutliches Zeichen im Hinblick auf das Ende der Quotenregelung am 31. März 2015. Aufgrund der jetzt nicht veräußerbaren Angebotsmengen erwartet der DBV auch beim nächsten Börsentermin im April 2011 sinkende Quotenpreise. Die Quotenwanderung in den jeweiligen Übertragungsbereichen zeigt, dass die Milchquoten zunehmend in die Grünlandregionen wandern.

Das Gesamtangebot von Milchquoten erreichte bei der 32. Milchbörse mit mehr als 421 Millionen Kilogramm ein Rekordhoch seit Börseneinführung. Mit rund 254 Millionen Kilogramm wurde etwas mehr als die Hälfte des Angebotes nachgefragt. Insgesamt wurden rund 245 Millionen Kilogramm Milchquote gehandelt. Die Anzahl der Anbieter war mit 5.320 die fünfthöchste seit 2000. Davon waren lediglich rund 61 Prozent erfolgreich. Hingegen konnten von 4.294 Nachfragern nahezu alle (99,9 Prozent) erfolgreich Quote kaufen.

Die Auswertung der Zu- und -Abgänge an Milchquoten der einzelnen Übertragungsstellen des Übertragungsbereiches West zeigt, wie schon bei den letzten Handelsterminen, eine deutliche Quotenwanderung nach Niedersachsen/Schleswig-Holstein (ca. 22 Millionen Kilogramm). Aber auch Nordrhein-Westfalen (ca. 4 Millionen Kilogramm) und Rheinland-Pfalz/Saarland (ca. 1,4 Millionen Kilogramm) konnten ein leichtes Plus verbuchen. Im Übertragungsbereich Ost hat erneut eine deutliche Quotenwanderung in Richtung Mecklenburg-Vorpommern stattgefunden (ca. 8,4 Millionen Kilogramm). Aber auch Thüringen konnte Quote hinzugewinnen (ca. 3,5 Millionen Kilogramm).

Milchquotenbörse – aktuelle Preise (DBV)

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