10. November 2010

UBA: ‚Kommission Landwirtschaft‘ gegründet

Themen: Bildung,GAP,Naturschutz,Umwelt,Verbände — info @ 10:11

9-köpfiges Expertenteam berät zu Umweltschutz und Landwirtschaft
Berlin (agrar.de) – Die Gründung einer „Kommission Landwirtschaft am Umweltbundesamt“ (KLU) soll den Umweltschutz in und mit der Landwirtschaft stärken. Leiter der KLU wird Lutz Ribbe, Direktor der Stiftung EURONATUR.

„Die Wirkungen der Landwirtschaft auf unser Klima, auf Gewässer und Böden verursachen nach wie vor große Umweltprobleme, die dringend angegangen werden müssen. Die Kommission Landwirtschaft soll das Umweltbundesamt mit konkreten Vorschlägen zu einer umweltgerechteren Landwirtschaft beraten. Zudem soll sie dazu beitragen, dem Umweltschutz in der bis 2013 anstehenden Reformrunde der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäschen Union (CAP – Common Agricultural Policy) mehr Gewicht zu verschaffen“, erklärte der Präsident des Umweltbundesamtes Jochen Flasbarth.

„Die gegenwärtigen Umweltprobleme der Landwirtschaft entstehen nicht dadurch, dass Landwirte gegen Gesetze verstoßen“, sagt Lutz Ribbe, „Sie sind vielmehr durch unzureichende rechtliche Vorgaben und falsche ökonomische Anreize bedingt“. Die Reform der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik müsse daher zu Korrekturen genutzt werden: Ziel müsse etwa sein, die Umweltauswirkungen der Landwirtschaft insgesamt deutlich zu reduzieren.

Als konkrete wichtige Ziele der KLU nennt Lutz Ribbe die Senkung der Ammoniakemissionen, welche die Eutrophierung sowie die Versauerung von Böden und Gewässern verstärken, sowie einen anspruchsvollen Gewässerschutz. Eine neue Herausforderung der Landwirtschaft stelle der Klimaschutz dar. Hier, ebenso wie bei den voran genannten Themen, gelte es, Maßnahmen zu konkretisieren und umzusetzen.

Als Mitglieder der Kommission hat UBA-Präsident Jochen Flasbarth Fachleute aus der Landwirtschaft und dem Umweltschutz gewinnen können: Annette Freibauer und Hiltrud Nieberg vom Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI), Kurt Hülsbergen von der Technischen Universität München, Heino von Meyer von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Ulrich Peterwitz von der Gelsenwasser AG, Wolfram Güthler vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit, Franz Makeschin von der Technischen Universität Dresden und Andreas Krug vom Bundesamt für Naturschutz.

Die Geschäftsstelle der KLU ist am Umweltbundesamt im Fachgebiet II 2.8 „Bodennutzung und -bewirtschaftung, Landwirtschaft“ unter der Leitung von Dr. Dietrich Schulz angesiedelt, Telefon: 0340 2103-2885, E-Mail: dietrich.schulz@uba.de.

NRW: Keine Energieholzplantagen im Wald

Themen: Förderung,Nordrhein-Westfalen,Wald — info @ 08:11

Düsseldorf (agrar.de) – Das Umweltministerium des Landes Nordrhein-Westfalen hat einen Erlass zur Anlage von Energieholzplantagen aufgehoben. Der Erlass der Vorgängerregierung regelte, dass die sogenannten Kurzumtriebsplantagen auch im Wald betrieben werden können.

„Wir wollen keine Holz-Plantagen im Wald. Sie entsprechen nicht dem Sinne des Waldes und dienen nicht dem Naturschutz“, sagte Umweltminister Johannes Remmel. Mit Änderung des Bundeswaldgesetzes sind Kurzumtriebsplantagen kein Wald mehr im Sinne des Gesetzes. Das bedeutet, dass bei der Anlage von Kurzumtriebsplantagen auf Waldflächen künftig eine Umwandlungsgenehmigung erforderlich ist. Für die Anlage von Kurzumtriebsplantagen auf landwirtschaftlichen Flächen ist weiterhin keine Erstaufforstungsgenehmigung erforderlich.

Kurzumtriebsplantagen, die vor Aufhebung des Erlasses angelegt worden sind und für die öffentlich-rechtliche Verträge zur Anlage und Bewirtschaftung abgeschlossen worden sind, genießen Bestandsschutz. Sie werden weiterhin nach Maßgabe der vertraglichen Vereinbarung behandelt. Insgesamt wurden seit 2007 auf Kyrillflächen Kurzumtriebsplantagen in einer Gesamtgröße von etwa 80 Hektar angelegt.

Hessen: Waldzustandsbericht vorgestellt

Themen: Hessen,Statistik,Umwelt,Wald,Waldbericht — info @ 08:11

Positiver Trend setzt sich fort / Sorge wegen Kronenverlichtung von alten Eichen im Rhein-Main-Gebiet
Königstein (agrar.de) – Der Zustand des hessischen Waldes hat sich weiter verbessert. „Der positive Trend hält an. Der hessische Wald ist in einem guten Zustand“, sagte Umweltministerin Lucia Puttrich bei der Vorstellung des Waldzustandsberichts bei Königstein im Taunus. Die mittlere Kronenverlichtung habe sich von 23 auf 22 Prozent in diesem Jahr verbessert. „Das ist ein wesentlicher Indikator, um die Vitalität der Bäume zu bewerten“ erläutete die Ministerin. Darüber hinaus hätten für den Wald günstigere Witterungsbedingungen zu einem guten Wachstum beigetragen. „Während wir uns über die überdurchschnittlichen Niederschläge im Sommer gegrämt haben, hat der Wald davon sehr profitiert“, sagte Puttrich. Die Auswirkungen des Trockenjahres 2003 seien jetzt überwunden.

Die positive Entwicklung insgesamt werde auch durch die äußerst geringe Absterberate von nur 0,1 Prozent unterstrichen. Bei der Buche liegt die Absterberate sogar noch unter 0,1 Prozent. „Wir sehen das als ein deutliches Zeichen für eine stabile ökologische Situation. Schließlich prägt die Buche Hessens Wälder“, so Puttrich.

Lucia Puttrich unterstrich, dass der Wald ein Wirtschaftsfaktor, ein Erholungsgebiet und von großer Bedeutung für den Naturschutz gleichermaßen sei. „42 Prozent der Fläche Hessens ist von Wald bedeckt. Das sind mehr als 880.000 Hektar. Allein diese Zahlen zeigen, welchen Wert wir auf die Stabilität und gute Entwicklung des Waldes legen müssen“, so Puttrich.

Besonders im Fokus steht der Waldboden. „Wir haben allein in diesem Jahr 13.200 Hektar Wald gekalkt. Dafür wurden insgesamt 2,5 Millionen Euro ausgegeben, davon sind 2 Millionen Euro Landesmittel“, so Puttrich. Die Bodenschutzkalkung sei ein wichtiger Beitrag zur Stabilisierung der Waldböden, sagte die Ministerin. „Der Kalk hilft, den Boden zu entsauern. Das stärkt das Wurzelwachstum und es fühlen sich wichtige Bodenorganismen wie Regenwürmer wieder wohler“, so Puttrich.

Die Bodenzustandserhebung in hessischen Wäldern liefert wichtige Informationen über den Zustand und die Entwicklung der Böden. „Auch wenn die Auswertung noch läuft, lässt sich sagen, dass sich die Waldböden in Hessen in den vergangenen 20 Jahren in den oberen Schichten leicht erholt haben“, sagte Ministerin Puttrich. Und weiter: „Die Kalkung hat sich als eine wirksame Maßnahme zum Schutz des Bodens erwiesen und wird von uns deshalb weiter fortgeführt.“ Im Verhältnis zum Nutzen für den Boden, werde das Waldökosystem durch die Kalkung nur wenig beeinträchtigt.

Traditionell wird die Waldzustanderhebung im Sommer durchgeführt. Sie findet auf einem für die hessischen Wälder repräsentativen 8 auf 8 Kilometer großen Dauerbeobachtungsnetz statt. Dies umfasst die Erhebung des Kronenzustandes auf 139 Flächen. „Um das den Wald im Rhein-Main-Gebiet und seine Besonderheiten besser abzubilden, haben wir auch in diesem Jahr zusätzlich ein Erhebungsraster von 4 auf 4 Kilometer im Rhein-Main-Gebiet dazu genommen und so rund 1.200 Bäume extra erfasst“, so Puttrich. Das Ergebnis sei auch hier leicht besser als im Vorjahr. Sorge bereite dem Umweltministerium allerdings die Kronenverlichtung der jüngeren Bäume und der älteren Eichen in der Rhein-Main-Ebene. „Bei diesen Bäumen im Rhein-Main-Gebiet haben wir nach wie vor eine deutlich höhere Kronenverlichtung als im Landesdurchschnitt.“

Insgesamt sei die Entwicklung des hessischen Waldes erfreulich. „Das darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die Verhältnisse in unserem Waldökosystem fragil sind“, so die Ministerin. Leicht könnten Klimaänderungen und eine veränderte Niederschlagsverteilung zu Problemen führen. „In Hessen sind wir auf einem guten Weg. Die Maßnahmen zur Luftreinhaltung und die Bodenschutzkalkungen zeigen positive Effekte“, sagte die Ministerin und betonte, dass diese Maßnahmen weiter fortgesetzt würden. „Der Wald ist in Hessen in guten Händen“, lobte die Ministerin abschließend. Die gute Arbeit werde von der Forstverwaltung ebenso aber von den vielen Kommunen und privaten Waldbesitzern und nicht zuletzt von Bürgerinnen und Bürgern geleistet.

Weitere Ergebnisse im Detail:
– Die ältere Buche (über 60 Jahre) weist eine mittlere Kronenverlichtung von 28 % auf, ein erheblicher Rückgang nachdem dieser Wert im Vorjahr noch bei 33 % lag.
– Der mittlere Blattverlust der älteren Eiche liegt in diesem Jahr bei 27 % und ist damit um 3 %-Punkte schlechter als 2009 (24 %).
– Bei der älteren Fichte wurde mit 27 % mittlerer Nadelverlust ein günstigerer Kronenzustand festgestellt (2009: 30 %).
– Die mittlere Kronenverlichtung bei der älteren Kiefer nahm geringfügig auf 25 % zu (2009: 24 %).
– Bei den jüngeren Bäumen (bis 60 Jahre) aller Baumarten ging die Kronenverlichtung um 1 %-Punkt auf 10 % leicht zurück. Die Ergebnisse der jüngeren Bäume bei den einzelnen Hauptbaumarten liegen jeweils im Trend der älteren Bäume.
– Das Ausbleiben der Buchenmast in diesem Jahr hat maßgeblich zum besseren Zustand der älteren Buchenkronen beigetragen. Die Blüte und die anschließende Fruchtbildung belasteten den Stoffhaushalt im vergangenen Jahr – als 97 % der älteren Buchen fruktifizierten – noch erheblich.
– Aufgrund der günstigen Witterungssituation war der Befall durch Borkenkäfer an der Fichte in diesem Jahr insgesamt auf einem geringen Schadniveau.
– Nach dem Rückgang der Fraßschäden durch Eichenwickler und Frostspanner (beides Schmetterlinge – Raupenfraß) in den Jahren 2008 und 2009 hat sich das sofortige Wiederauftreten dieser Fraßgesellschaft negativ auf den Kronenzustand der Eiche ausgewirkt. Die Fraßintensität war nur schwach ausgeprägt, aber zum ersten Mal im Beobachtungszeitraum gab es keine mehrjährige Erholungsphase für die Eiche zwischen den Massenvermehrungen.

09. November 2010

Linke: Antrag gegen Landnahme in Entwicklungsländern

Berlin (agrar.de) – Die Bundestagsfraktion Die Linke will großflächige Landnahmen und Spekulationen mit Land oder Agrarproduktion in Entwicklungsländern eindämmen. In einem Antrag (PDF) fordert sie die Bundesregierung auf, dafür Sorge zu tragen, dass die Durchsetzung des Menschenrechts auf Nahrung vor den Interessen von Investoren Vorrang hat. Großflächige Landnahme in den Ländern des Südens sollte nach Ansicht der Fraktion nicht weiter eine Gefahr für die ”Ernährungssouveränität“ der Menschen darstellen.

Unter anderem verlangen die Abgeordneten, dass die Bundesregierung eine Kommission einberuft und unterstützt, die ein deutsches Modell eines Investitionsabkommens ausarbeitet. Dieses solle als Grundlage für die neuen bilateralen Investitionsschutzverträge der EU dienen, die aktuell im Entwurf vorliegen. Zudem solle die Regierung Auslandsinvestitionen deutscher Unternehmen und Finanzinvestitionen in großflächigen Landkauf oder in Landpacht ab 30 Jahren Laufzeit in den Ländern des Südens nicht durch öffentliche Kredite, Bürgschaften oder andere öffentliche Förderungen absichern oder unterstützen.

In weiteren Punkten fordert die Fraktion, dass die Bundesregierung ihre Partnerländer in der Entwicklungszusammenarbeit bei Landreformen und dem Erhalt beziehungsweise Ausbau einer kleinbäuerlichen Landwirtschaft unterstützt und das Thema der großflächigen Landnahme in all ihren relevanten Positions- und Strategiepapieren ausführlich behandelt.

In der Begründung des Antrags heißt es, dass Agrarland in Entwicklungsländern längst zum Spekulationsobjekt geworden sei. Dies führe zur Konzentration von Landbesitz und der Ausbreitung von Monokulturen. In der Folge werde die versierte kleinbäuerliche Landwirtschaft verdrängt. Kleinbäuerinnen und Kleinbauern würden oft von ihrem Land vertrieben, ohne eine Entschädigung zu erhalten.

Europäische Gerichtshof: Namensnennung bei Veröffentlichung von Agrarsubventionen unverhältnismäßig

Themen: Agrarrecht,EU,Förderung,GAP,Internet — info @ 16:11

Luxemburg (agrar.de) – Die Namen der Empfänger von EU-Agrarbeihilfen dürfen nicht länger veröffentlicht werden. Das entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH). Er sieht in der bisherigen Veröffentlichungspraxis eine Verletzung des Datenschutzes und erklärte die entsprechende EU-Verordnung deshalb für ungültig. (Az: C-92/09), (PM – PDF)

Die Veröffentlichung der EU-Agrarsubventionen geht auf eine „Transparenzinitiative“ der Europäischen Union aus dem Jahr 2005 zurück.

Dazu das Gericht: „Die Verpflichtung zur Veröffentlichung der Namen natürlicher Personen, die Empfänger einer solchen Beihilfe sind, und der genauen Beträge, die sie erhalten haben, ist im Hinblick auf das Ziel der Transparenz eine unverhältnismäßige Maßnahme.“

In Deutschland wurden die Daten von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) auf einer eigenen Internet-Seite veröffentlicht. Sie ermöglichte eine gezielte Suche nach Namen, Postleitzahlen oder nach der Höhe der Empfänger von EGFL- und ELER-Mittel. Deutsche Gerichte kamen zu unterschiedlichen Urteilen bezüglich der Rechtmäßigkeit dieser Veröffentlichung. Das Verwaltungsgericht Wiesbaden hatte schließlich zwei Klagen von Landwirten an das EuGH weitergeleitet.

06. November 2010

NABU: Stopp des Artensterbens bis 2020 nur mit naturverträglicher Landwirtschaft

Themen: Biolandbau,Naturschutz,Umwelt,Verbände — info @ 15:11

Tschimpke: Bisherige Subventionspolitik schadet Umwelt und Klima
Lübeck (agrar.de) – Aus Sicht des NABU ist ein Kurswechsel in der Agrarpolitik dringend erforderlich, um in den kommenden zehn Jahren tatsächliche Erfolge im Artenschutz zu erreichen. Die Landwirtschaft gilt als Hauptverursacher des Rückgangs heimischer Tiere und Pflanzen. Mit Blick auf die Ergebnisse der jüngsten Weltnaturschutzkonferenz in Nagoya appellierte NABU-Präsident Olaf Tschimpke an Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner, sich bei der anstehenden EU-Agrarreform für anspruchsvolle Umweltauflagen für Landwirte einzusetzen.

Die internationale Staatengemeinschaft habe sich letzte Woche zu einem Stopp des Artensterbens, einem
vollständigen Abbau umweltschädlicher Subventionen sowie einer flächendeckend nachhaltigen Landwirtschaft bis zum Jahr 2020 verpflichtet. Die aktuelle Agrarpolitik führe jedoch immer noch dazu,
dass große Agrarbetriebe in ausgeräumten Landschaften Millionenbeträge vom Steuerzahler für eine nicht nachhaltige Wirtschaftsweise erhalten.

„Ackerbewirtschaftung auf riesigen Schlägen ohne Ressourcenschutz, massiv mit Gülle versorgte, artenarme Wiesen oder klimafeindlicher Grünlandumbruch mit enorm hohen Kohlendioxid-Emissionen – das alles wird mit europäischen Direktzahlungen in Millionenhöhe finanziert“, sagte Tschimpke anlässlich der Bundesvertreterversammlung des Verbandes in Lübeck. In fast allen Landschaften Deutschlands würden
somit rund sechs Milliarden Euro jährlich für eine vielfach naturfeindliche oder sogar naturschädigende Landwirtschaft ausgegeben.

„Die Landwirtschaft muss einen deutlich stärkeren Beitrag zum Natur- und Klimaschutz leisten. Sie soll in Zukunft nicht nur Nahrungsmittel und nachwachsende Rohstoffe erzeugen, sondern gleichwertig Wasserqualität, Klimaschutz und Artenvielfalt erhalten und verbessern. Die Gesellschaft hat ein Anrecht darauf, für ihre Steuergelder auch Leistungen im Ressourcenschutz zu erhalten“, so der NABU-Präsident.

Auch in Schleswig-Holstein ist die intensive Landwirtschaft massiv für den Artenschwund verantwortlich. Der NABU-Landesvorsitzende Hermann Schultz forderte von der Landesregierung klare rechtliche Festlegungen in der Naturschutzgesetzgebung und einen verstärkten Einsatz auf Bundesebene, um etwa das in großem Stil von der Agrogas-Nutzung bedrohte Grünland zu sichern und die flächendeckende Ausbreitung des Maisanbaus zu stoppen. Wenig hilfreich sei, dass der Bauernverband immer noch den Zusammenhang zwischen der Nutzungsintensivierung und dem Artenrückgang leugne, zumal die
Landwirtschaft 70 Prozent der Landesfläche ausmache.

Schultz: „Das politisch gewollte reine Prinzip der Freiwilligkeit zum Erreichen von Naturschutzzielen ist auch in der Landwirtschaft gescheitert. In Schleswig-Holstein erwarten die Bürgerinnen und Bürger, dass für die rund 340 Millionen Euro Direktzahlungen der EU an die schleswig-holsteinischen Landwirtschaft diese zu
entsprechenden Gegenleistungen zur Sicherung des Naturerbes auf ihren Flächen verpflichtet werden.“

Rund 200 Delegierte des NABU trafen sich in Lübeck. Sie diskutierten verbandsinterne Fragen, zogen Bilanz der Aktivitäten im Jahr des 111-jährigen Verbandsjubiläums und befassten sich mit aktuellen Themen der Umweltpolitik, darunter umstrittene Verkehrsprojekte wie Stuttgart 21 und die Fehmarnbeltquerung sowie dem vom NABU kritisierten Energiekonzept der Bundesregierung mit längeren Kernkraftwerkslaufzeiten.

Globale Umweltprobleme: Landwirtschaft spielt Schlüsselrolle

Themen: Biolandbau,International,Umwelt,Verbände — info @ 09:11

Untätigkeit der Politik trotz dramatischer Lage – BÖLW ruft zu politischem Handeln auf
Berlin (agrar.de) – Bei Biodiversität, Stickstoff-Kreislauf und Klimawandel haben wir die Grenzen dessen, was menschliches Leben auf Dauer ermöglicht, bereits deutlich überschritten. „Dieser Tatsache müssen sich Politik und Gesellschaft gleichermaßen stellen. Für die Landwirtschaft bedeutet das: Dem Öko-Landbau als nachgewiesenermaßen nachhaltigem System der Landbewirtschaftung den Vorrang einzuräumen, die Anforderungen an Tierschutzstandards deutlich anzuheben und an kritischen Schlüsselfaktoren wie Stickstoffüberschüssen und aus Übersee eingeführten Eiweißfuttermitteln anzusetzen.“ So lautet das Fazit, das Vorstandsvorsitzender Felix Prinz zu Löwenstein auf der Herbsttagung des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft zog, die sich dem Thema Recht auf Nahrung und Belastungsgrenzen des Erdökosystems widmete.

„Wir müssen alle Ansätze danach bewerten, wie groß ihr Beitrag zum Schutz der natürlichen Ressourcen und zur Versorgung einer wachsenden Weltbevölkerung ist und radikale Maßnahmen ergreifen, um die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen wirksam zu beenden“, so Löwenstein. „Nur wenn sich auf diese Weise die Preise den tatsächlichen Kosten annähern, kommen wir zu einem Ernährungsstil, den unsere Erde auf Dauer aushält.“ „Auch die Forschung muss sich an ihrem Beitrag zur Lösung der globalen Probleme messen lassen und darf sich nicht nur auf die einseitigen Empfehlungen eines fast ausschließlich mit agrarindustriellen Vertretern besetzten Bioökonomierates stützen“, ergänzte Alexander Gerber, Geschäftsführer des BÖLW.

Wie sehr das Erdökosystem in Gefahr ist und wie sehr nicht nur die Ernährung, sondern auch das Überleben der Menschheit in Frage steht, machte Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, in erschreckender Weise deutlich. Anhand einer Studie zu planetaren Belastungsgrenzen zeigte er auf, dass die größten Bedrohungen derzeit vom Klimawandel, vom Verlust der Biodiversität und von der Überdüngung der Erde mit Stickstoff ausgehen. Und: Aufgrund der Trägheit des Erdökosystems müssen schnelle Veränderungen folgen, um beispielsweise den Klimawandel aufzuhalten und innerhalb der Grenze von 2 Grad Temperaturerhöhung zu bleiben. „Machen wir weiter wie bisher, könnte die Erhöhung deutlich mehr als drei Grad noch innerhalb dieses Jahrhunderts betragen. Dies würde das Gesicht der Erde aller Wahrscheinlichkeit nach langfristig ändern: Abschmelzen der Eiskappen und Gletscher, Verschiebung der großen Zirkulationssysteme mit der Folge regionaler Trockenheiten und Überschwemmungen, Auftauen von Permafrostböden, Anstieg des Meeresspiegels, Versauerung und Verarmung der Ozeane, Verlust wertvoller Lebensräume“, erläuterte Schellnhuber. All dies verschärft das Problem der Ernährungssicherung für die Menschen. Aber: Durch geänderte politische Weichenstellung und eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten ließen sich diese Auswirkungen deutlich verringern, eine Umkehr sei jetzt noch möglich, mahnte Schellnhuber. Prof. Schellnhuber hält es für sinnvoll, die Wirkungen des Öko-Landbaus in Modellrechnungen aufzunehmen.

05. November 2010

Martinstag ist Zahltag

Bonn (agrar.de) – Am Fest des heiligen St. Martin, am 11. November, zahlen die Landwirte, die nicht nur auf Eigentumsflächen, sondern auch auf Pachtflächen wirtschaften, traditionell den Pachtzins an die Grundstückseigentümer. War in früheren Zeiten an diesem Tag der Zehnte fällig, der in Form von Naturalien an den Grundherrn entrichtet werden musste, werden landwirtschaftliche Grundstücke heute fast ausschließlich gegen einen jährlich zu zahlenden Geldbetrag verpachtet.

Dabei gewinnt die Zupachtung von Agrarflächen in der deutschen Landwirtschaft weiter an Bedeutung. Wie der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) dazu mitteilt, ist der Anteil der Pachtflächen an der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche im früheren Bundesgebiet von 42,5 % im Jahre 1998 auf 53,63 % im Jahre 2007 angestiegen.

Im Durchschnitt des früheren Bundesgebietes sind die Pachten im letzten Jahrzehnt leicht teurer geworden. Von einem niedrigen Niveau ausgehend fiel der Anstieg der Pachtpreise in Ostdeutschland wesentlich stärker aus. Die für Neupachten gezahlten Preise in den neuen Ländern lagen 2007 mit 129 € je ha bei etwa der Hälfte des Pachtpreisniveaus in Westdeutschland (279 € je ha). Die Höchstpachtpreise werden nach Angaben des RLV in Nordrhein-Westfalen gezahlt. Mit 374 € je ha Ackerland und 198 € je ha Grünland lag der Pachtpreis im Durchschnitt fast viermal so hoch wie in Brandenburg, wo mit 100 €/ha Ackerland und 67 €/ha Grünland die niedrigsten Pachten gezahlt werden mussten.

GRÜNE: Privatisierung von Agrarflächen in Ostdeutschland aussetzen

Berlin (agrar.de) – Zur Diskussion über die Privatisierung von Agrarflächen in Ostdeutschland erklärt Cornelia Behm, Sprecherin für Ländliche Entwicklung von Bündnis 90/Die Grünen:
‚Wir fordern die Bundesregierung auf, den Verkauf von Agrarflächen der BVVG mit sofortiger Wirkung auszusetzen und die Privatisierungsgrundsätze vor einer Wiederaufnahme der Verkäufe grundlegend zu überarbeiten. Von diesem Verkaufsmoratorium sollten lediglich der begünstigte Erwerb gemäß EALG, die auf arbeitsintensive Bewirtschaftungsformen beschränkten Ausschreibungen und der Direkterwerb von Betrieben, die nicht mehr als 50 Hektar Land bewirtschaften ausgenommen werden.

Dieser Verkaufsstopp ist notwendig, um zu verhindern, dass die Privatisierung von BVVG-Flächen zu einer weiteren Konzentration der landwirtschaftlichen Nutzflächen in immer größeren Betrieben und zur Entstehung eines neuen Großgrundbesitzes bisher ungekannten Ausmaßes in Ostdeutschland beiträgt. Der Einstieg von Großinvestoren in den Bodenerwerb und in bestehende Betriebe ist eine neue Dimension, die bei der Entwicklung der Privatisierungsgrundsätze bisher nicht berücksichtigt wurde. Dieser Agrar-Strukturwandel nach dem Motto „Bauernland in Bonzenhand“ stößt in der Öffentlichkeit und bei vielen Landwirten auf immer stärkere Ablehnung. Das kann die Bundesregierung nicht einfach ignorieren. Sie muss daher die Reißleine ziehen und den Verkauf der verbliebenen Agrarflächen aussetzen und grundlegend neu konzipieren. Ziel muss es dabei sein, den Strukturwandel zu immer größeren Betrieben zu begrenzen und arbeitsintensive Betriebe zu stärken. Zu diesen gehören Gartenbau-, Futterbau-, Veredelungs- und Ökobetriebe.‘

03. November 2010

Schweiz: Biobauern steigen vor allem aus finanziellen Gründen aus

Bern (agrar.de) – Zwischen 1990 und 2005 stieg die Zahl der Biobetriebe in der Schweiz, seit 2005 kehren viele Bauern der Bioproduktion den Rücken. Die Hauptgründe dafür sind vor allem finanzieller Natur. Das zeige eine jetzt publizierte Umfrage der Forschungsanstalt Agroscope ART in Tänikon, berichtet der Landwirtschaftlicher Informationsdienst (LID.

Zu geringe Mehrpreise für Bioprodukte, zu teure oder schwer verfügbare Biofuttermittel, zu geringe Direktzahlungen oder häufig ändernde und verschärfte Richtlinien veranlassen Biobauern am häufigsten zum Ausstieg. 14 Prozent der derzeitigen Biobauern denken laut der Umfrage über einen Ausstieg aus dem Biolandbau nach. Sie sind der Auffassung, die Umstellung auf die Bioproduktion habe keine Verbesserung des Betriebsergebnisses gebracht. Laut der umfangreichen Studie sind fast die Hälfte der aussteigewilligen Betriebe Milchviehbetriebe. Diese machen bei den biotreuen Betrieben nur knapp ein Viertel aus.

Im Jahr 2005 gab es in der Schweiz 6420 Biobetriebe, 6114 davon produzierten nach den Knospe-Richtlinien der Bio Suisse. Im letzten Jahr gab es noch 5935 Biobetriebe und 5499 Knospe-Betriebe. Die Bio Suisse will mit einer Bio-Offensive auf diese Entwicklung reagieren: Mit Beratung und Bildung, mit einer Revision der Richtlinien und verbessertem Beschaffungsmarketing soll der Biolandbau wieder attraktiver werden.

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