18. November 2010

GAP: Bioland begrüßt Reformwillen der EU-Kommission

Agrarbudget kann nur durch echte Reformschritte gesichert werden
Mainz (agrar.de) – „Die Vorschläge der EU-Kommission zur Reform der EU-Agrarpolitik beschreiben richtige Zielsetzungen. EU-Parlament und Mitgliedstaaten müssen diese nun aufgreifen und konkrete Weichenstellungen für ein ausgewogenes Maß von Ökologie, Ökonomie und sozialen Belangen angehen“, kommentiert Bioland-Präsident Thomas Dosch den heute von EU-Kommissar Dacian Ciolos vorgelegten Vorschlag zur Reform der EU-Agrarpolitik. Agrarministerin Ilse Aigner sei nun in der Pflicht, die Chancen, die die Kommissionsvorschläge bieten, im Interesse der heimischen Betriebe aufzugreifen und konstruktive Beiträge zu deren Umsetzung zu liefern.

Angesichts niedriger Lebensmittelpreise seien landwirtschaftliche Betriebe auf eine faire Honorierung von Umweltleistungen angewiesen. Dass Kommissar Ciolos Direktzahlungen aus der 1. Säule der Agrarpolitik an Maßnahmen zum Umwelt-, Klima- und Tierschutz binden wolle, sei ein Schritt für mehr Akzeptanz von Steuerzahlungen an Bauernhöfe. Zu vermissen seien in dem Kommissionspapier jedoch klare Aussagen zur Stärkung der 2. Säule der Agrarpolitik, aus der Agrarumweltprogramme und Maßnahmen zur Entwicklung des ländlichen Raums finanziert werden.

Besonders wirksame Agrarumweltmaßnahmen sollten zukünftig mit hohen Kofinanzierungssätzen von 90 % durch die EU getragen werden. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass die EU-Kommission ihr Ziel, die Agrarpolitik insgesamt grüner, gerechter und global fair zu gestalten, nicht erreiche.

Bisher besteht zwischen der Finanzierung der pauschalen Direktzahlungen (1. Säule) und den zielgerichteten Fördermaßnahmen der 2. Säule ein gravierender Unterschied. Die Direktzahlungen der 1. Säule werden zu 100 % aus dem EU-Topf gewährt. Sehr sinnvolle Fördermaßnahmen wie die Förderung ökologischer Leistungen des Biolandbaus müssen dagegen von den Ländern kofinanziert werden und sind damit von deren Kassenlage abhängig. „Über höhere Kofinanzierungssätze bestünde in den Ländern der Anreiz, besonders effiziente Fördermaßnahmen prioritär anzubieten“, so Dosch.

BÖLW begrüßt Vorschläge zur Neuordnung der Agrarpolitik

Berlin (agrar.de) – Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) begrüßt die heute von EU-Kommissar Ciolos vorgelegten Vorschläge zur Neuausrichtung der Agrarpolitik ab 2014.

„Wenn Bäuerinnen und Bauern für Leistungen entlohnt werden, die sie für die Gesellschaft erbringen, dann müssen diese Leistungen auch den gesellschaftlichen Zielen entsprechen“, so Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des BÖLW. Die von Ciolos vorgeschlagene Verknüpfung der Direktzahlungen mit einer klima- und umweltfreundlichen Landwirtschaft sei daher ohne Alternative. Auch die Möglichkeit, die Mittel gerechter zu verteilen, sei nach Löwenstein ein wichtiges Signal, das von den Vorschlägen ausgehe. Löwenstein kritisierte jedoch die fehlende Stärkung der zweiten Säule, indem der Finanzierungsanteil der EU an den Agrarumweltprogrammen erhöht wird: „Es muss ausgeschlossen werden, dass aufgrund von Geldmangel der Mitgliedsstaaten für die Kofinanzierung der Programme die für die Allgemeinheit wichtigsten Maßnahmen nicht umgesetzt werden.“

„Da der Ökologische Landbau besonders viele soziale und ökologische Leistungen erbringt, deren Honorierung zudem besonders leicht zu administrieren ist, muss ihm eine Schlüsselstelle im Reformpaket eingeräumt werden“, fordert Löwenstein. Löwenstein fordert Ministerin Aigner auf, sich einer Politik des „Weiter wie bisher“ zu verweigern und für eine Agrarpolitik einzutreten, die zu einer umweltfreundlicheren Landwirtschaft führt.

EU-Kommission legt Konzept für die Agrarpolitik nach 2013 vor

Brüssel (agrar.de) – Die Europäische Kommission hat heute eine Mitteilung mit dem Titel „Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) bis 2020: Nahrungsmittel, natürliche Ressourcen und ländliche Gebiete – die künftigen Herausforderungen“ veröffentlicht. Die Reform soll die Dynamik und Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Agrarsektors steigern und es ihm ermöglichen, wirkungsvoller zur Europa2020-Strategie für ein nachhaltiges, intelligentes und integratives Wachstum beizutragen. In der Mitteilung werden drei Reformoptionen dargestellt. Nach der Erörterung dieser Optionen wird die Kommission Mitte 2011 förmliche Rechtsvorschläge unterbreiten.

Bei seiner heutigen Präsentation der Mitteilung betonte der für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung zuständige EU-Kommissar Dacian Ciolo?, die GAP müsse „umweltfreundlicher, gerechter, effizienter und wirkungsvoller“ gestaltet werden. Er fuhr fort: „Die GAP geht nicht nur die Landwirte, sondern – als Verbraucher und Steuerzahler – alle Europäer an. Wir müssen unsere Politik daher in einer Weise konzipieren, die für die breite Öffentlichkeit verständlicher ist und die öffentlichen Vorteile deutlich macht, die die Landwirte für die Allgemeinheit erbringen. Die europäische Landwirtschaft muss nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ökologisch wettbewerbsfähig sein.“

Die Kommission hat in diesem Jahr bereits eine öffentliche Debatte und eine große Konferenz über die Zukunft der GAP veranstaltet. In den Beiträgen wurden mit breiter Mehrheit drei grundlegende Ziele der GAP genannt:

– Rentable Nahrungsmittelerzeugung (Bereitstellung von sicheren und ausreichenden Nahrungsmitteln, um vor dem Hintergrund des steigenden weltweiten Bedarfs, der Wirtschaftskrise und wesentlich stärkerer Marktschwankungen zur Ernährungssicherheit beizutragen);

– Nachhaltige Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen und Klimamaßnahmen (die Landwirte müssen häufig ökologische über wirtschaft­liche Erwägungen stellen, doch werden die entsprechenden Kosten vom Markt nicht vergütet);

– Erhaltung der räumlichen Ausgewogenheit und der Vielfalt der ländlichen Gebiete (die Landwirtschaft ist nach wie vor eine bedeutende wirtschaftliche und soziale Triebfeder in den ländlichen Gebieten und ein wichtiger Faktor, der zur Erhaltung eines lebendigen ländlichen Raums beiträgt).

In der Mitteilung wird untersucht, welche künftigen Instrumente sich am besten für die Verwirklichung dieser Ziele eignen würden. In Bezug auf die Direktzahlungen wird dargestellt, dass die Unterstützung anhand objektiver, gerechter und für den Steuerzahler leicht verständlicher Kriterien umverteilt, neu konzipiert und besser ausgerichtet werden muss. Diese Kriterien sollten sowohl wirtschaftlicher Art („Einkommensstützungselement“ der Direktzahlungen) als auch ökologischer Art (Berücksichtigung der von den Landwirten erbrachten öffentlichen Güter) sein, und die Unterstützung sollte gezielter aktiven Landwirten zugute kommen. Eine gerechtere Verteilung der Finanzmittel sollte auf wirtschaftlich und politisch vertret­bare Weise vorgenommen werden mit einem Übergang, so dass ein abrupter Wechsel vermieden wird.

Eine Möglichkeit bestünde in der Gewährung einer Zahlung zur Grundsicherung der Einkommen (möglicherweise eine einheitliche Zahlung je Region, jedoch kein für die gesamte EU geltender Pauschalsatz, Zugrundelegung neuer Kriterien, Festsetzung einer bestimmten Obergrenze), zuzüglich einer obligatorischen Umweltzahlung für zusätzliche (jährliche), über die Basisanforderungen der Cross-Compliance hinausgehende Maßnahmen (z. B. Gründecke, Fruchtfolge, Dauergrünland oder ökologische Flächenstilllegung), zuzüglich einer Zahlung für besondere natürliche Einschränkungen (auf EU-Ebene festgelegt mit ergänzenden, über die Maßnahmen zur Entwicklung des ländlichen Raums gezahlten Beträgen), zuzüglich der Möglich­keit einer begrenzten „gekoppelten“ Zahlung für besonders empfindliche Formen der Landwirtschaft (vergleichbar der derzeitigen mit dem GAP-Gesundheitscheck [Artikel 68] eingeführten Möglichkeit). Eine einfache, besondere Stützungsregelung sollte die Wettbewerbsfähigkeit kleiner landwirtschaftlicher Betriebe steigern, Bürokratie abbauen und zur Lebensfähigkeit der ländlichen Gebiete beitragen.

Bei den marktbezogenen Maßnahmen (z. B. öffentliche Intervention und Beihilfen für die private Lagerhaltung) könnten Rationalisierungen und Vereinfachungen vorgenommen und neue Elemente zur Verbesserung der Funktionsweise der Lebensmittelversorgungskette eingeführt werden. Diese Mechanismen waren die traditionellen Instrumente der GAP, wurden aber im Zuge mehrerer Reformen, die die Landwirtschaft der EU stärker am Markt ausgerichtet haben, in einem solchen Maße auf die Funktion eines Sicherheitsnetzes zurückgeführt, dass die öffentlichen Lagerbestände praktisch verschwunden sind. Während im Jahr 1991 noch 92 % der GAP-Ausgaben auf marktbezogene Maßnahmen entfielen, betrug dieser Anteil im Jahr 2009 gerade noch 7 %.

Die Politik zur Entwicklung des ländlichen Raums hat die ökologische und soziale Nachhaltigkeit des Agrarsektors und der ländlichen Gebiete gefördert, doch wird mit Nachdruck gefordert, die Themen Umwelt, Klimawandel und Innovation horizontal in alle Programme einzubeziehen. Außerdem wird auf die Bedeutung von Direktverkäufen, lokalen Märkten sowie auf die Bedürfnisse von Junglandwirten und Marktneulingen hingewiesen. Das LEADER-Konzept wird noch stärker integriert. Um die Effizienz zu steigern, wird der Übergang zu einem stärker ergebnisbasierten Ansatz – möglicherweise mit quantifizierten Zielen – ins Spiel gebracht. Als neues Element der künftigen Politik zur ländlichen Entwicklung sollte ein Instrumentarium für das Risikomanagement eingeführt werden, damit besser auf Marktunsicher­heiten und Einkommensschwankungen reagiert werden kann. Die Mitgliedstaaten sollten über Möglichkeiten verfügen, um Produktions- und Einkommensrisiken zu begegnen, mit einer Palette, die von einem neuen WTO-kompatiblen Instrument zur Einkommensstabilisierung bis zur verstärkten Förderung von Versicherungs­instrumenten und Investmentfonds reicht. Wie bei den Direktzahlungen sollte eine neue Mittelverteilung anhand objektiver Kriterien erfolgen, wobei ein abrupter Wechsel vom derzeitigen System zu vermeiden ist.

In der Mittelung werden drei Optionen für die künftige Ausrichtung der GAP dargestellt, mit der die großen Herausforderungen gemeistert werden sollen: 1) Behebung der dringendsten Mängel der GAP durch schrittweise Änderungen, 2) Gestaltung einer umweltfreundlicheren, gerechteren, effizienteren und wirkungsvolleren GAP, 3) Schwerpunktverlagerung weg von marktbezogenen Maßnahmen und Einkommensstützung hin zu Umwelt- und Klimazielen. Bei allen drei Optionen sieht die Kommission die Beibehaltung des derzeitigen Systems mit zwei Säulen vor: einer ersten Säule (Direktzahlungen und markt­bezogene Maßnahmen mit klaren, auf EU-Ebene festgelegten Regeln) und einer zweiten Säule (mehrjährige Maßnahmen zur Entwicklung des ländlichen Raums, wobei die verschiedenen Möglichkeiten auf EU-Ebene festgelegt werden, die Entscheidung aber, welche Regelungen letztlich angewendet werden, den Mitglied­staaten oder Regionen im Rahmen einer gemeinsamen Verwaltung überlassen bleibt). Ein weiteres gemeinsames Element aller drei Optionen ist, dass der künftigen Direktzahlungsregelung keine historischen Referenzzeiträume, sondern objektive Kriterien zugrunde gelegt werden sollten.

„Die derzeitige Regelung enthält für die EU-15-Mitgliedstaaten andere Bestimmungen als für die EU-12, was nach 2013 nicht so bleiben darf“, erklärte Kommissar Ciolo? heute. Auch für die Zuweisung der Mittel für die Entwicklung des ländlichen Raums werden objektivere Kriterien benötigt.
Politikoptionen der GAP 2020

Oxfam zur EU-Agrarpolitik: Folgen für arme Länder nicht bedacht

Berlin (agrar.de). – Die Reform der EU-Agrarpolitik nach 2013 sieht den vermehrten Einsatz Umwelt und Ressourcen schonender Anbaumethoden vor. Das hat die EU-Kommission am Donnerstag angekündigt. „Eine grünere EU-Agrarpolitik ist zwar generell entwicklungsfreundlicher“, begrüßte Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale die neue Linie der Kommission. Allerdings würden die Auswirkungen der EU-Agrarpolitik auf arme Länder mit keinem Wort erwähnt.

„Agrarkommissar Dacian Ciolos hat seine entwicklungspolitischen Hausaufgaben nicht gemacht“, kritisierte Wiggerthale. Der Außenministerrat der EU habe bereits am 17. November 2009 festgehalten, dass die EU-Kommission einen Schwerpunkt auf die Auswirkungen der EU-Agrarpolitik auf arme Länder legen solle, um Hunger wirksam zu bekämpfen. „Die EU-Kommission ignoriert den Beschluss des Außenministerrates“, sagte Wiggerthale. Die Verlautbarungen zur Politik-Kohärenz seien damit wertlos. „Es fehlen ein klares Bekenntnis zur Abschaffung der Exportsubventionen und eine Strategie zur Eindämmung von Produktionsüberschüssen.“

Die Überschüsse auf dem europäischen Milch-, Schweinefleisch- und Geflügelmarkt drückten die Weltmarktpreise und forcierten den Zollabbau in armen Ländern für europäische Agrarprodukte, so Oxfam. „Die EU nimmt trotz knapp einer Milliarde Hungernder die negativen Auswirkungen ihrer Agrarexportpolitik weiterhin billigend in Kauf“, kritisiert Wiggerthale. Gleichzeitig erzeuge die gestiegene Fleischproduktion vermehrt Importe von Soja-Futtergetreide aus Südamerika. Die Folge: Konflikte um Anbauflächen, Verdrängung von Kleinbauern und Indigenen sowie Abholzung des Regenwaldes – was zum Klimawandel beitrage.

EU-Agrarpolitik: BUND und EuroNatur begrüßen Stärkung von Tier- und Naturschutz

Themen: Agrarrecht,EU,Förderung,GAP,Umwelt,Verbände — info @ 10:11

Berlin (agrar.de) – Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Naturschutzstiftung EuroNatur begrüßten die heute in Brüssel vorgelegten Vorschläge der EU-Kommission zur Neugestaltung der Agrarpolitik. Für den BUND-Vorsitzenden Hubert Weiger ist der Plan zur Neuordnung der Agrarsubventionen „ein mutiger, wichtiger und richtiger Schritt für mehr Umwelt- und Tierschutz in der Landwirtschaft“.

Der Ansatz der Kommission, Direktzahlungen stärker an Umweltleistungen zu binden werde den derzeit zunehmenden Konflikt zwischen Agrarproduktion und Umweltschutz entschärfen. Dies könne innerhalb der Bevölkerung wieder zu mehr Akzeptanz der EU-Agrarpolitik führen. Weiger forderte die Bundesregierung auf, die Kommissionspläne zu unterstützen. Er wies auch darauf hin, dass bei der anstehenden Agrarreform das Europaparlament Mitentscheidungsrecht habe. Sein Verband werde alle deutschen Europaabgeordneten persönlich auffordern, die ökologisch und sozial sinnvollen Brüsseler Reformpläne zu unterstützen.

Für den agrarpolitischen Sprecher des BUND, Jochen Dettmer, sind die Vorschläge aus Brüssel ein „faires Angebot von Politik und Gesellschaft an die Landwirtschaft“. Jeder einzelne Landwirt könne künftig entscheiden, ob er Gelder für gesellschaftlich gewünschte Leistungen, die sich bisher nicht in den Marktpreisen widerspiegelten, annehmen wolle oder nicht. Konsequent umgesetzt würden die Brüsseler Vorschläge eine naturverträgliche bäuerliche Landwirtschaft im Gegensatz zur derzeit rasant zunehmenden
Agrarindustrie fördern. „Das haben wir uns seit langem gewünscht“, sagte Dettmer, der selbst einen Bauernhof bewirtschaftet.

„Mit den Kommissionsvorschlägen erfolgt die richtige Weichenstellung für eine bessere und gerechtere Verwendung der Agrargelder“, so Lutz Ribbe, naturschutzpolitischer Direktor von EuroNatur. „Nur auf diese Weise lassen sich die vielen Steuergelder für die Landwirtschaft langfristig überhaupt noch legitimieren.“

Ribbe wies darauf hin, dass Agrarpolitik nicht nur in der Verteilung der derzeit 58 Milliarden Euro bestehe. In den EU-Verträgen sei als Ziel der Agrarpolitik auch die Stabilisierung der Märkte genannt. In den Reformvorschlägen fehlten jedoch bisher Maßnahmen gegen überhöhte Produktionsmengen bei Milch und Fleisch. Die Überproduktion ermögliche Industrie und Handel, gegenüber den Bauern die Preise zu drücken. Eindrucksvollstes Beispiel dafür sei der Milchpreis, der die Kosten der Landwirte nicht mehr decke. Mit
einer Neuordnung der Subventionen allein könne dieses Problem nicht gelöst werden. Deshalb sei man nun auf die von Agrarkommissar Dacian Ciolos angekündigten Vorschläge zur besseren Marktregulierung
gespannt.

„Agrarkommissar Ciolos hat die Zeichen der Zeit erkannt“, sagte Ribbe. „Zusammen mit Umweltkommissar Janez Potocnik und Klimakommissarin Connie Hedegaard hat er sich auf den Weg gemacht, Landwirtschafts- und Nachhaltigkeitspolitik wieder zu versöhnen.“

Biogas: „Das EEG muss entrümpelt werden“

Themen: Agrarrecht,Biogas,Energie,Förderung,Mais,Verbände — info @ 09:11

Hannover (agrar.de) – Niedersachsen ist führend in der Biogastechnologie und bei der Energieerzeugung aus Biogas. Die von Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) geäußerten Absichten, die Förderung von neuen Biogasanlagen drastisch zu kürzen, ist daher bei Niedersachsens Landwirten auf ein sehr geteiltes Echo gestoßen. „Die Niedersächsische Landwirtschaft ist in der Lage, einen nachhaltigen Beitrag zur Erreichung der Ziele im Energiekonzept der Bundesregierung im Hinblick auf die Biomasse zu leisten“, sagt Hermann Grupe, Vorsitzender im Landvolk-Ausschuss für erneuerbare Energien. Die Biogaserzeugung könne auch in Zukunft ein stabilisierender Faktor für die Einkommenssicherung der landwirtschaftlichen Betriebe in schwankenden Märkten sein und einen bedeutenden Beitrag zur Wertschöpfung im ländlichen Raum leisten.

Er sieht aber auch die Probleme bei der Biogaserzeugung: „In einigen Regionen Niedersachsens, insbesondere in den norddeutschen Veredelungsregionen, ist es zu einer deutlichen Ausweitung des Maisanbaus zur Biogasproduktion gekommen“, sagt Grupe. Die Ursache sieht er in der Kombinationsmöglichkeit von Güllebonus und dem Bonus für Nachwachsende Rohstoffe (NaWaRo). Außerdem sei es erlaubt, jedes Satelliten-Blockheizkraftwerk (BHKW) als eigenständige Anlage zu definieren und damit die im Erneuerbare Energiengesetz (EEG) vorgesehene Größendegression zu umgehen. Das habe in vielen Fällen zu der jetzt beklagten „Überförderung“ geführt. „In der Folge ist es zu drastischen Überhitzungen bei den Pachtpreisen und damit auch zu Konflikten mit anderen Betriebszweigen wie der Milchviehhaltung gekommen“, beschreibt Grupe die Situation.

Ein völliges Umschwenken bei der Förderung von Biogasanlagen hält er jedoch nicht für nötig. „Es wäre völlig falsch, wenn die Politik jetzt das Kind mit dem Bade ausschütten würde“, warnt der Landwirt. Mit einer Kehrtwende, wie vor einigen Jahren bei den Reinkraftstoffen, würde die Chance einer sehr effizienten Produktion regenerativer Energien durch Biogas verbaut. Das EEG müsse allerdings entrümpelt und das Vergütungssystem stark vereinfacht werden. Grupe fordert, die Möglichkeiten, den NaWaRo-Bonus durch eine Verquickung mit anderen Boni zu erhöhen, zu beschneiden, um eine Überförderung zu vermeiden. Daneben macht er sich für eine eigene Regelung für eine sinnvolle Mehrfachnutzung von Gülle und anderen Reststoffen stark. Gerade in Milchviehregionen biete Biogas die Chance, in Verbindung mit einer effizienten regenerativen Energieproduktion eine Reduzierung klimawirksamer Methanausgasungen zu erreichen. Und schließlich regt er die gesonderte Förderung von Wärmenetzen an, beispielsweise im Marktanreizprogramm.

RLV: EU-Kommission lässt deutsche Bauern im Regen stehen

Themen: Agrarrecht,EU,Förderung,GAP,Verbände — info @ 09:11

Rheinische Landwirte befürchten ungerechte Umverteilung der Ausgleichszahlungen
Bonn (agrar.de) – „Die EU-Kommission lässt bei der anstehenden Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) einen Gleichklang zwischen den Anforderungen einer marktorientierten Landwirtschaft und den Leistungen für Umwelt- und Klimaschutz vermissen“, kommentiert Friedhelm Decker, Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV) den heute veröffentlichten Vorschlag der EU-Kommission zur Weiterentwicklung der EU-Agrarpolitik bis 2020.

Insbesondere das „Greening“ der Direktzahlungen mit der Einführung neuer Prämienkomponenten, die an die Einhaltung relevanter Umweltanforderungen gebunden sind, bremse die dringend erforderliche Weiterentwicklung der hiesigen Landwirtschaft. „Die Herausforderungen der Welternährung, des Klimawandels und einer zukunftsfähigen Energieversorgung lassen sich nur mit einer modernen und effizienten Landwirtschaft meistern“, betont Decker.

In Deutschland sei im Gegensatz zu vielen anderen EU-Mitgliedstaaten im Jahr 2005 ein „Grünes Agrarmodell“ eingeführt worden. „Als Ausgleich für vielfältige Umwelt- und Verbraucherschutzleistungen wurde ein Flächenprämiensystem auf den Weg gebracht“, erklärt der RLV-Präsident. Während die anderen Mitgliedstaaten bisher nur halbherzig die „Grünen Herausforderungen“ angenommen hätten, sei dies für rheinische Bauern gelebte Praxis.

Das angestrebte Greening und die geplante Umverteilung der begrenzten EU-Finanzmittel zwischen den Mitgliedstaaten könnten dazu führen, dass ein rheinischer Landwirt weniger Geld für gleiche oder höhere Umwelterfordernisse erhält als Berufskollegen in anderen Mitgliedstaaten. „Statt einer stärkeren Wettbewerbsfähigkeit steht am Ende eine einseitige Benachteiligung der deutschen Landwirte – ohne einen Mehrwert für die Umwelt“, kritisiert Decker. „Die EU lässt unsere Bauern im Regen stehen!“ Sie habe es in ihrem Bericht versäumt, gegenüber den 27 Mitgliedstaaten auf die Verwirklichung der früheren Reformschritte mit dem Ziel einer einheitlichen Umsetzung der Agrarpolitik in allen Mitgliedstaaten zu drängen.

17. November 2010

Mehr Milchmarkt im Internet

Themen: Bildung,Internet,Milch,Statistik,Wirtschaft — info @ 10:11

Bonn (agrar.de) – Die Marktinformationen der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen im Internet unter www.agrarmarkt-nrw.de bieten seit Kurzem in einer neuen Rubrik umfangreiche Informationen rund um den Milchmarkt.

Milchbauern und Marktpartner finden hier mit wenigen Mausklicks aktuelle Daten über die erzeugten Milchmengen, Milchpreise und Preise für wichtige Futtermittel für Milchvieh. Jeden Monat gibt es einen Vergleich der Auszahlungspreise der Molkereien, an die nordrhein-westfälische Landwirte liefern und eine Übersicht über die Entwicklung dieser Preise in den vergangenen Monaten. Wöchentlich aktualisiert werden die Preise in Deutschland und in den Niederlanden für Spotmilch, das ist Rohmilch, die kurzfristig von einzelnen Molkereien nicht benötigt und über größere Entfernungen an andere Molkereien verkauft wird. Für Biobauern gibt es eine eigene Tabelle mit den Milchauszahlungspreisen für Biomilch.

www.agrarmarkt-nrw.de ist ein Internetangebot der Landwirtschaftlichen Zeitschrift Rheinland. Die dort genannten Preise werden von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen zusammengestellt und täglich aktualisiert.

15. November 2010

Österreich: Rückläufige Obstproduktion

Themen: Erntebericht,Obst,Österreich,Statistik — info @ 16:11

Apfelernte stellt wieder Hauptanteil
Wien (agrar.de) – Die diesjährige Obstproduktion aus Erwerbsanlagen belief sich auf 237.700 Tonnen und lag damit deutlich unter der des Vorjahres (-10%). Im Vergleich zum langjährigen Mittel kann dennoch von einer Durchschnittsernte gesprochen werden (+/- 0%). Der Hauptanteil der Gesamterntemenge entfiel laut Statistik Austria auf Kernobst (86%), der Anteil von Beerenobst lag bei 9% und von Steinobst bei 5%.

In Erwerbsobstanlagen wurden 205.600 Tonnen an Kernobst produziert (-12% gegenüber 2009), wovon der Großteil auf Äpfel entfiel (96%). Diese stellten eine Erntemenge von 197.400 Tonnen (-12% gegenüber 2009), was etwas unter dem Zehnjahresmittel lag (-2%). Die heimische Hauptobstart, der Winterapfel, erreichte eine Produktion von 194.600 Tonnen (-12% gegenüber 2009) und machte damit über 80% der gesamten in Erwerbsanlagen erzeugten Obstmenge aus. Auf Birnen entfielen 8.200 Tonnen (-5% gegenüber 2009).

Die Steinobsternte aus gewerbsmäßigem Anbau betrug 11.500 Tonnen und lag damit um 12% unter der im Vorjahr produzierten Menge. An Marillen wurden lediglich 3.400 Tonnen geerntet, was einem Rückgang von 42% zum Vorjahr entsprach. Zwetschgen erzielten – trotz Flächenreduktion – eine Produktionsmenge von 3.800 Tonnen (+9% gegenüber 2009). Trotz ungünstiger Witterungsbedingungen konnte bei Kirschen gegenüber dem geringen Vorjahresergebnis eine Erntemenge von 2.000 Tonnen (+72% gegenüber 2009) verzeichnet werden, wofür auch Flächenausweitungen in der Steiermark und in Oberösterreich verantwortlich zeichneten.

Die Beerenobstproduktion aus Intensivkulturen belief sich auf 20.400 Tonnen und lag damit klar über dem Vorjahreswert (+11%). Besonders für Ananas-Erdbeeren wurde mit 16.400 Tonnen (+8% gegenüber 2009) eine hohe Erntemenge gemeldet, die 10% über dem langjährigen Durchschnitt lag. Himbeeren erreichten ebenfalls Erntezuwächse auf 1.200 t (+5% gegenüber 2009), dies allerdings nur dank erheblicher Flächenausweitung (+13%).

10. November 2010

RLV: Sinkende Einkommen in allen Bereichen

2009/2010 war kein gutes Jahr für die Bauern in Nordrhein-Westfalen – Viele Betriebe spüren jedoch wieder Aufwind
Bonn (agrar.de) – Der diesjährige Bericht über die ersten Ergebnisse buchführender landwirtschaftlicher Betriebe in Nordrhein-Westfalen zeigt keine erfreulichen Zahlen. Wie der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) dazu mitteilt, hätte die Auswertung der Betriebsergebnisse von 951 identischen Haupterwerbsbetrieben durch die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen die Prognose von Januar bestätigt: Der gravierende Preisverfall bei Milch, Getreide und Raps sowie rückläufige Erlöse bei Ferkeln und Mastschweinen prägten die Einnahmeseite der Betriebe 2009/2010. Insgesamt gingen die Gewinne deutlich zurück.

Nach den Berechnungen der Landwirtschaftskammer sei im Durchschnitt der 67 ha großen, von 1,7 AK bewirtschafteten Betriebe ein Unternehmensergebnis von 43 500 € erzielt worden, berichtet der RLV weiter. Das seien 15,8 % weniger als im noch guten Vorjahr. Je nach Spezialisierung hätten sich die Gewinne in den Gruppen Ackerbau-, Futterbau-, Veredlung und Verbund zwar unterschiedlich entwickelt, im Vergleich zu den letzten Jahren seien aber alle Gruppen sehr eng zusammengerückt, keine Gruppe hebe sich erheblich ab, betont der RLV. Die Veredlungsbetriebe – als die Besten des Vorjahres – konnten ihre Spitzenposition zwar mit 46 656 € je Unternehmen knapp behaupten, mussten aber mit einem Minus von 25,9 % die größten Einbußen verkraften. Überraschend doch noch relativ glimpflich davon gekommen seien Milchvieh- und sonstige Futterbaubetriebe, die mit einem Minus von gut 12 % den geringsten Einbruch zu verkraften gehabt hätten und insgesamt auf ein Betriebsergebnis von 45 206 € je Unternehmen kämen. Schlusslichter seien in diesem Jahr die spezialisierten Ackerbaubetriebe, die bei einem Minus von 15,7 % ein Betriebsergebnis von 40 727 € erzielten.

Insgesamt – das betont der RLV – hätte in keiner einzigen Betriebsform 2009/2010 ein annähernd ausreichender Gewinn erzielt werden können. Die Faustformel von mindestens 60 000 € Gewinn als Zielgröße für einen wachstumsfähigen Betrieb sei nur von sehr erfolgreich wirtschaftenden Betrieben überschritten worden.

Für das neue Wirtschaftsjahr stehen nach Angaben des RLV die Vorzeichen zumindest teilweise günstig. Die Ernte 2010 sei zwar sehr unterschiedlich ausgefallen, Einbußen in Ertrag und Qualität könnten aber wahrscheinlich durch die überdurchschnittlichen Preisen bei Getreide und Raps ausgeglichen werden. Auch die Milchpreise zeigten sich derzeit einigermaßen erholt, die Produktion sei wieder rentabel. Anders sehe es in der Veredlung aus, wo Ferkel- und Mastschweinepreise derzeit viel zu niedrig notierten, beklagt der RLV.

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