18. November 2010

Oxfam zur EU-Agrarpolitik: Folgen für arme Länder nicht bedacht

Berlin (agrar.de). – Die Reform der EU-Agrarpolitik nach 2013 sieht den vermehrten Einsatz Umwelt und Ressourcen schonender Anbaumethoden vor. Das hat die EU-Kommission am Donnerstag angekündigt. „Eine grünere EU-Agrarpolitik ist zwar generell entwicklungsfreundlicher“, begrüßte Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale die neue Linie der Kommission. Allerdings würden die Auswirkungen der EU-Agrarpolitik auf arme Länder mit keinem Wort erwähnt.

„Agrarkommissar Dacian Ciolos hat seine entwicklungspolitischen Hausaufgaben nicht gemacht“, kritisierte Wiggerthale. Der Außenministerrat der EU habe bereits am 17. November 2009 festgehalten, dass die EU-Kommission einen Schwerpunkt auf die Auswirkungen der EU-Agrarpolitik auf arme Länder legen solle, um Hunger wirksam zu bekämpfen. „Die EU-Kommission ignoriert den Beschluss des Außenministerrates“, sagte Wiggerthale. Die Verlautbarungen zur Politik-Kohärenz seien damit wertlos. „Es fehlen ein klares Bekenntnis zur Abschaffung der Exportsubventionen und eine Strategie zur Eindämmung von Produktionsüberschüssen.“

Die Überschüsse auf dem europäischen Milch-, Schweinefleisch- und Geflügelmarkt drückten die Weltmarktpreise und forcierten den Zollabbau in armen Ländern für europäische Agrarprodukte, so Oxfam. „Die EU nimmt trotz knapp einer Milliarde Hungernder die negativen Auswirkungen ihrer Agrarexportpolitik weiterhin billigend in Kauf“, kritisiert Wiggerthale. Gleichzeitig erzeuge die gestiegene Fleischproduktion vermehrt Importe von Soja-Futtergetreide aus Südamerika. Die Folge: Konflikte um Anbauflächen, Verdrängung von Kleinbauern und Indigenen sowie Abholzung des Regenwaldes – was zum Klimawandel beitrage.




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