10. November 2010

Hessen: Waldzustandsbericht vorgestellt

Themen: Hessen,Statistik,Umwelt,Wald,Waldbericht — info @ 08:11

Positiver Trend setzt sich fort / Sorge wegen Kronenverlichtung von alten Eichen im Rhein-Main-Gebiet
Königstein (agrar.de) – Der Zustand des hessischen Waldes hat sich weiter verbessert. „Der positive Trend hält an. Der hessische Wald ist in einem guten Zustand“, sagte Umweltministerin Lucia Puttrich bei der Vorstellung des Waldzustandsberichts bei Königstein im Taunus. Die mittlere Kronenverlichtung habe sich von 23 auf 22 Prozent in diesem Jahr verbessert. „Das ist ein wesentlicher Indikator, um die Vitalität der Bäume zu bewerten“ erläutete die Ministerin. Darüber hinaus hätten für den Wald günstigere Witterungsbedingungen zu einem guten Wachstum beigetragen. „Während wir uns über die überdurchschnittlichen Niederschläge im Sommer gegrämt haben, hat der Wald davon sehr profitiert“, sagte Puttrich. Die Auswirkungen des Trockenjahres 2003 seien jetzt überwunden.

Die positive Entwicklung insgesamt werde auch durch die äußerst geringe Absterberate von nur 0,1 Prozent unterstrichen. Bei der Buche liegt die Absterberate sogar noch unter 0,1 Prozent. „Wir sehen das als ein deutliches Zeichen für eine stabile ökologische Situation. Schließlich prägt die Buche Hessens Wälder“, so Puttrich.

Lucia Puttrich unterstrich, dass der Wald ein Wirtschaftsfaktor, ein Erholungsgebiet und von großer Bedeutung für den Naturschutz gleichermaßen sei. „42 Prozent der Fläche Hessens ist von Wald bedeckt. Das sind mehr als 880.000 Hektar. Allein diese Zahlen zeigen, welchen Wert wir auf die Stabilität und gute Entwicklung des Waldes legen müssen“, so Puttrich.

Besonders im Fokus steht der Waldboden. „Wir haben allein in diesem Jahr 13.200 Hektar Wald gekalkt. Dafür wurden insgesamt 2,5 Millionen Euro ausgegeben, davon sind 2 Millionen Euro Landesmittel“, so Puttrich. Die Bodenschutzkalkung sei ein wichtiger Beitrag zur Stabilisierung der Waldböden, sagte die Ministerin. „Der Kalk hilft, den Boden zu entsauern. Das stärkt das Wurzelwachstum und es fühlen sich wichtige Bodenorganismen wie Regenwürmer wieder wohler“, so Puttrich.

Die Bodenzustandserhebung in hessischen Wäldern liefert wichtige Informationen über den Zustand und die Entwicklung der Böden. „Auch wenn die Auswertung noch läuft, lässt sich sagen, dass sich die Waldböden in Hessen in den vergangenen 20 Jahren in den oberen Schichten leicht erholt haben“, sagte Ministerin Puttrich. Und weiter: „Die Kalkung hat sich als eine wirksame Maßnahme zum Schutz des Bodens erwiesen und wird von uns deshalb weiter fortgeführt.“ Im Verhältnis zum Nutzen für den Boden, werde das Waldökosystem durch die Kalkung nur wenig beeinträchtigt.

Traditionell wird die Waldzustanderhebung im Sommer durchgeführt. Sie findet auf einem für die hessischen Wälder repräsentativen 8 auf 8 Kilometer großen Dauerbeobachtungsnetz statt. Dies umfasst die Erhebung des Kronenzustandes auf 139 Flächen. „Um das den Wald im Rhein-Main-Gebiet und seine Besonderheiten besser abzubilden, haben wir auch in diesem Jahr zusätzlich ein Erhebungsraster von 4 auf 4 Kilometer im Rhein-Main-Gebiet dazu genommen und so rund 1.200 Bäume extra erfasst“, so Puttrich. Das Ergebnis sei auch hier leicht besser als im Vorjahr. Sorge bereite dem Umweltministerium allerdings die Kronenverlichtung der jüngeren Bäume und der älteren Eichen in der Rhein-Main-Ebene. „Bei diesen Bäumen im Rhein-Main-Gebiet haben wir nach wie vor eine deutlich höhere Kronenverlichtung als im Landesdurchschnitt.“

Insgesamt sei die Entwicklung des hessischen Waldes erfreulich. „Das darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die Verhältnisse in unserem Waldökosystem fragil sind“, so die Ministerin. Leicht könnten Klimaänderungen und eine veränderte Niederschlagsverteilung zu Problemen führen. „In Hessen sind wir auf einem guten Weg. Die Maßnahmen zur Luftreinhaltung und die Bodenschutzkalkungen zeigen positive Effekte“, sagte die Ministerin und betonte, dass diese Maßnahmen weiter fortgesetzt würden. „Der Wald ist in Hessen in guten Händen“, lobte die Ministerin abschließend. Die gute Arbeit werde von der Forstverwaltung ebenso aber von den vielen Kommunen und privaten Waldbesitzern und nicht zuletzt von Bürgerinnen und Bürgern geleistet.

Weitere Ergebnisse im Detail:
– Die ältere Buche (über 60 Jahre) weist eine mittlere Kronenverlichtung von 28 % auf, ein erheblicher Rückgang nachdem dieser Wert im Vorjahr noch bei 33 % lag.
– Der mittlere Blattverlust der älteren Eiche liegt in diesem Jahr bei 27 % und ist damit um 3 %-Punkte schlechter als 2009 (24 %).
– Bei der älteren Fichte wurde mit 27 % mittlerer Nadelverlust ein günstigerer Kronenzustand festgestellt (2009: 30 %).
– Die mittlere Kronenverlichtung bei der älteren Kiefer nahm geringfügig auf 25 % zu (2009: 24 %).
– Bei den jüngeren Bäumen (bis 60 Jahre) aller Baumarten ging die Kronenverlichtung um 1 %-Punkt auf 10 % leicht zurück. Die Ergebnisse der jüngeren Bäume bei den einzelnen Hauptbaumarten liegen jeweils im Trend der älteren Bäume.
– Das Ausbleiben der Buchenmast in diesem Jahr hat maßgeblich zum besseren Zustand der älteren Buchenkronen beigetragen. Die Blüte und die anschließende Fruchtbildung belasteten den Stoffhaushalt im vergangenen Jahr – als 97 % der älteren Buchen fruktifizierten – noch erheblich.
– Aufgrund der günstigen Witterungssituation war der Befall durch Borkenkäfer an der Fichte in diesem Jahr insgesamt auf einem geringen Schadniveau.
– Nach dem Rückgang der Fraßschäden durch Eichenwickler und Frostspanner (beides Schmetterlinge – Raupenfraß) in den Jahren 2008 und 2009 hat sich das sofortige Wiederauftreten dieser Fraßgesellschaft negativ auf den Kronenzustand der Eiche ausgewirkt. Die Fraßintensität war nur schwach ausgeprägt, aber zum ersten Mal im Beobachtungszeitraum gab es keine mehrjährige Erholungsphase für die Eiche zwischen den Massenvermehrungen.




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