25. November 2010

Mecklenburg-Vorpommern: Ergebnisse aus der Landwirtschaftszählung 2010

Schwerin (agrar.de) – Im Frühjahr fand mit der Landwirtschaftszählung 2010 nach mehr als zehn Jahren wieder eine umfassende statistische Bestandsaufnahme im Agrarbereich statt. Wichtige vorläufige Daten werden derzeit im Statistischen Amt Mecklenburg-Vorpommerns aufbereitet.

Zu den Agrarstrukturen liegen bereits ausgewählte wesentliche Ergebnisse vor.

Weniger Landwirtschaftsbetriebe

Vor allem wegen deutlicher Anhebung der Erfassungsgrenzen zur Entlastung der Auskunftspflichtigen ist die Anzahl der Betriebe von 5 432 im Jahr 2007, seit der letzten Agrarstrukturerhebung, auf nunmehr 4 725 zurückgegangen. Dadurch stieg die durchschnittliche Betriebsgröße von 250 Hektar auf 290 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche. Allein 342 Betriebe verfügen über eine Flächenausstattung von jeweils 1 000 Hektar und mehr.

Einzelunternehmen dominieren bei der Betriebszahl, juristische Personen bei der Fläche

Nach ihrer Rechtsform sind 65 Prozent der Betriebe Einzelunternehmen, 18 Prozent Personengesellschaften und 17 Prozent juristische Personen. 46 Prozent der Einzelunternehmen werden im Haupterwerb geführt, 54 Prozent im Nebenerwerb.
Von den insgesamt 1,353 Millionen Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche werden 41 Prozent von Betrieben der Rechtsform juristische Personen bewirtschaftet, 30 Prozent von Personengesellschaften und 29 Prozent von Einzelunternehmen.

Anzahl der Arbeitskräfte stabil geblieben

Die Gesamtzahl der Arbeitskräfte in den Betrieben, einschließlich der Saisonarbeitskräfte, blieb seit 2007 weitgehend stabil. Im Frühjahr 2010 waren in den Landwirtschaftsbetrieben 25 600 Arbeitskräfte tätig, darunter 6 160 Saisonkräfte. Damit verfügte jeder Betrieb über durchschnittlich rund vier ständig Beschäftigte. Unverändert niedrig ist der Arbeitskräftebesatz mit lediglich 1,3 Arbeitskräfteeinheiten (AKE) je 100 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche (zum Vergleich früheres Bundesgebiet 2007: 3,8 AKE).

Anteil des Eigenlandes an der Fläche spürbar erhöht

Das Eigentum an der Fläche hat an Bedeutung gewonnen. Somit verringerte sich der Anteil der Pachtflächen, und zwar in der Summe aller Betriebe, von 71 Prozent im Jahr 2007 auf 66 Prozent im Jahr 2010.

24. November 2010

Rasanter Strukturwandel in der Mühlenbranche

Bonn (agrar.de) – Mit der Vermahlung von rund 8,1 Mio. t Brotgetreide sind die Müllereien ein wichtiger Partner der Landwirtschaft. Wie der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) dazu mitteilt, werde ein Drittel der Weizen- und Roggenernte von Deutschen Mühlen zu Mehl veredelt. Der Umsatz der Mühlen liege bei etwa 1,8 Mrd. €.

Nur 5 % der Mahlerzeugnisse werden nach RLV-Angaben an den privaten Endverbraucher abgesetzt. 90 % des Inlandabsatzes der deutschen Mühlen gingen an Backbetriebe, die restlichen 5 % an Stärke- und Teigwarenhersteller. Die Konzentration auf der Abnehmerseite, insbesondere bei der Brotindustrie und im Lebensmitteleinzelhandel, habe die Mühlenbranche in den letzten Jahren unter einen erheblichen Wettbewerbsdruck gesetzt, hebt der RLV hervor.

Die jetzige Struktur der deutschen Mühlenwirtschaft sei das Ergebnis einer jahrzehntelangen Verdrängung. Habe es 1950/51 in Deutschland 18 935 Mühlen gegeben, seien es heute noch 308 Mühlen, die mindestens 500 t vermahlen. 41 große Mühlen mit einer Jahresvermahlung von 50 000 t und mehr hätte einen Anteil an der Gesamtvermarktung von 74 %.

19. November 2010

Bioland fordert Beibehaltung des Bundesprogramm Ökologischer Landbau

Themen: Biolandbau,Förderung,Forschung,Umwelt,Verbände — info @ 17:11

Mainz (agrar.de) – Mit einem Schreiben an Mitglieder des Deutschen Bundestages fordert Bioland Präsident Thomas Dosch die Abgeordneten dazu auf, das Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) in seiner bestehenden Form weiter zu führen.

Ein Beschluss des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages sieht eine Änderung der Zweckbestimmung des BÖL vor – „Zuschüsse zur Förderung des ökologischen Landbaus (Bundesprogramm „Ökolandbau“)“ in „Zuschüsse zur Förderung des ökologischen Landbaus und anderer nachhaltiger Formen der Landwirtschaft“. Der Beschluss sei jedoch auf Basis falscher Annahmen getroffen und nicht sachgerecht, so Dosch in seinem Schreiben.

Der Haushaltsausschuss hatte in seiner Bereinigungssitzung vergangene Woche beschlossen, mit den Mitteln des BÖL zukünftig auch konventionelle Wirtschaftsformen der Landwirtschaft zu fördern. Als
Grund wurde unter anderem genannt, dass das Programm in der Vergangenheit nicht ausreichend für Maßnahmen der ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft in Anspruch genommen worden sei und mit Programmänderungen nun ein „gleichberechtigtes Nebeneinander“ von konventioneller und ökologischer Landwirtschaft bezweckt werde. Nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft (BLE) wurde das Bundesprogramm jedoch in der Vergangenheit zu 90 bis 100 Prozent ausgeschöpft. Lediglich haushaltsrechtliche Vergabebestimmungen setzten der Mittelverwendung Grenzen.

Mit einer Öffnung des Programms werden die im Vergleich zu anderen Programmen (Nachwachsende Rohstoffe 53 Mio. jährlich, Bioökonomie 400 Mio. jährlich) ohnehin bescheidenen Mittel des Bundesprogramms Ökolandbau (16. Mio. Euro) de facto nicht mehr dem Ökolandbau in Gänze zur Verfügung stehen. Damit wird es zu einer Schwächung der wichtigen Forschung, Information und Bildung in diesem Bereich kommen. Damit verstößt die schwarz-gelbe Bundesregierung gegen ihren eigenen Koalitionsvertrag. Dort steht: „Wir wollen den ökologischen Landbau insbesondere im Bereich der Forschung fördern“. Von einem gleichberechtigten Nebeneinander aller landwirtschaftlichen Produktionsformen könne angesichts dieser Verhältnisse keine Rede sein. Das Gegenteil sei der Fall, so Dosch.

Hecken fördern Artenvielfalt bei Feldvögeln stärker als ökologischer Landbau

Göttinger Agrarökologen untersuchen Effizienz von agrarwirtschaftlichen Umweltmaßnahmen
Göttingen (agrar.de) – Sowohl freistehende Hecken als auch der ökologische Landbau fördern die Zahl der Feldvögel in einer Kulturlandschaft. Agrarökologen der Universität Göttingen sind der Frage nachgegangen, welche der beiden Maßnahmen die effektivere ist. Dabei wiesen sie einerseits nach, dass die ökologische Bewirtschaftung von Grün- und Ackerland einen positiven Einfluss auf die Artenvielfalt der Feldvögel hat. Andererseits leisten Hecken aber einen deutlich größeren Beitrag: Je länger die Hecke, umso mehr Feldvogelarten kommen in ihrer Umgebung vor. Die Ergebnisse der Studie sind nun in der Fachzeitschrift Biological Conservation erschienen.

„Wenn man die Länge einer Hecke von 50 Metern auf 250 Meter erhöht, steigt die Zahl der vorhandenen Feldvogelarten von zwei auf zehn“, so Dr. Péter Batáry, der zurzeit als ungarischer Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung an der Abteilung Agrarökologie der Universität Göttingen forscht.

Gleichzeitig untersuchte Dr. Batáry, in welcher Art von Landschaft das Anpflanzen von Hecken die größte Bedeutung hat. Dabei konnte er den positiven Effekt in diesem Ausmaß nur für Hecken in „ausgeräumten“ Landschaften nachweisen, in denen weniger als 17 Prozent des Bodens naturbelassen sind. In naturnahen und strukturell komplexen Landschaften mit wenig Landbau ist die Artenvielfalt von vornherein sehr hoch. Hier haben lokale Maßnahmen des Umweltmanagements nur eine geringe Effizienz. „Diese Ergebnisse zeigen, dass bei agrarwirtschaftlichem Umwelt- und Naturschutz die Bedeutung der Landschaftsstruktur viel stärker als bisher berücksichtigt werden muss. Entgegen der landläufigen Meinung lohnen sich lokale Maßnahmen in ‚ausgeräumten‘ Landschaften viel mehr als in naturbelassenen“, betont Prof. Dr. Teja Tscharntke, Leiter der Abteilung Agrarökologie der Universität Göttingen.

Darüber hinaus spielen auch artspezifische Besonderheiten eine Rolle. So fanden die Wissenschaftler heraus, dass sich die Dichte von am Boden brütenden Feldvögeln wie der Feldlerche in einer Landschaft mit ökologischem Anbau verdoppelt. Dr. Batáry kommt deshalb zu dem Schluss: „Beide Maßnahmen – Hecken wie Öko-Landbau – leisten einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Feldvögel, von denen viele Arten bedroht sind.“

Originalveröffentlichung: Péter Batáry, Theda Matthiesen, Teja Tscharntke. Landscape-moderated importance of hedges in conserving farmland bird diversity of organic vs. conventional croplands and grasslands. Biological Conservation 143: 2020-2027 (2010).

Umfrage: Anleger übertrumpfen Bauern beim Kauf von Ackerland

Finanzinvestoren haben Landwirte als wichtigste Käufergruppe abgelöst / Angst vor Inflation als Triebkraft / Großer Optimimus bei Preisentwicklung
Frankfurt (agrar.de) – Immer mehr Kapitalanleger erwerben Ackerland. Mittlerweile haben Finanzinvestoren sogar die Landwirte als wichtigste Käufergruppe überholt. Das zeigt eine Umfrage, die das Anlegermagazin ‚Börse Online‚ mit der Branchenvereinigung Immobilienverband Deutschland unter 70 Fachmaklern durchgeführt hat.

Demnach machen Kapitalanleger mittlerweile 85 Prozent der Käufer aus, die Bauern rangieren mit 60 Prozent auf dem zweiten Platz. Mit weitem Abstand folgen die Erzeuger alternativer Energien (20 Prozent), private Investoren (15 Prozent) und Fonds (zehn Prozent).

Die Untersuchung zeigt auch, warum Anleger auf Ackerland setzen. 85 Prozent der Käufer nennen Angst vor Inflation als Grund, 75 Prozent suchen nach einem Sachwert, und jeweils 40 Prozent wollen vom Boom bei Agrarrohstoffen profitieren oder ihr Portfolio diversifizieren. Die Makler selbst setzen auf steigende Bodenpreise. 50 Prozent der Befragten beurteilen die künftige Preisentwicklung als gut, 40 Prozent sogar als sehr gut, und lediglich zehn Prozent als mittel.

BfN stellt Studie zur naturverträglichen Landnutzung vor

Bonn (agrar.de) – Naturverträgliche Formen der Landnutzung besitzen ein enormes Potential für den Klimaschutz. Das ist eine der wesentlichen Aussagen einer Studie der Leibniz-Universität Hannover, die vom Bundesamt für Naturschutz heute in Bonn vorgestellt wurde. “Diese Synergien von Klima- und Naturschutz in der Land- und Forstwirtschaft müssen künftig stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit wie auch der politischen Entscheidungsträger transportiert werden. Es ist an der Zeit, dass die Klima-, Agrar- und Naturschutzpolitik in einem Guss betrieben wird und entsprechend die Förderprogramme auch gezielt aufeinander abgestimmt werden“, sagte die Präsidentin des BfN, Prof. Beate Jessel.

Die Studie untersuchte den Einfluss veränderter Landnutzung auf Klimawandel und Biodiversität: Während Land- und Forstwirtschaft in Deutschland von den Auswirkungen des Klimawandels in Zukunft noch stärker betroffen sein werden, tragen Landnutzung sowie Landnutzungsänderungen selbst in relevantem Maße zur Klimaerwärmung bei. Beispielsweise übersteigen Treibhausgasemissionen aus landwirtschaftlich genutzten Moorstandorten (in Höhe von ca. 30% der landwirtschaftlichen Gesamtemissionen) deutlich die gegenwärtigen Reduktionsverpflichtungen der in Deutschland am Emissionshandel teilnehmenden Energie- und Industrieunternehmen. „Ziel einer künftigen Landnutzung muss es daher sein, die Treibhausgasbilanz zu verbessern, die Anpassungsfähigkeit von Ökosystemen zu stärken und dabei gleichzeitig die biologische Vielfalt in der Kulturlandschaft zu sichern“, erläuterte Prof. Jessel. Dies verlangt Änderungen in den Bewirtschaftungsweisen hin zu einer nachhaltigeren Land- und Forstwirtschaft. Sehr sinnvoll in Bezug zum Klima- und Naturschutz sind etwa:

– der Schutz von wertvollem Grünland,
– die Renaturierung von entwässerten Mooren, Feuchtgebieten und Auen,
– der ökologische Landbau sowie
– eine naturverträgliche Waldwirtschaft.

Eine wichtige Voraussetzung für den Ausbau einer Landnutzung, die das Klima schützt und die biologische Vielfalt fördert, sind sinnvolle und effektive Fördermechanismen und Steuerungsinstrumente. Zentraler Ansatzpunkt hierfür muss eine dem Leitgedanken „öffentliches Geld für öffentliche Güter“ folgende EU-Agrarpolitik nach 2013 bilden. „Wir erwarten eine deutlich verbesserte Honorierung von Natur- und Umweltleistungen gerade solcher Landbewirtschaftungsformen, die Synergieeffekte für die biologische Vielfalt und den Klimaschutz, aber auch für Gewässer und Boden aufweisen“, sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel.

Die Veröffentlichung Heft Nr. 94 „Der Einfluss veränderter Landnutzungen auf Klimawandel und Biodiversität“ ist erhältlich beim Landwirtschaftsverlag.

18. November 2010

NABU begrüßt Kommissionsvorschlag zur EU-Agrarreform

Themen: Agrarrecht,EU,Förderung,GAP,Naturschutz,Verbände — info @ 18:11

Berlin (agrar.de) – Der NABU hat den heute vorgelegten Vorschlag der Europäischen Kommission zur Reform der EU-Agrarpolitik als wichtigen Schritt in die richtige Richtung begrüßt.

„Die Kommission hat die Zeichen der Zeit erkannt und setzt auf eine deutlich stärkere Ausrichtung der Agrarsubventionen an Kriterien des Umwelt- und Klimaschutzes“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Im Gegensatz zur deutschen Bundesregierung habe Brüssel damit anerkannt, dass es keine Alternative zu einer grundlegenden Reform gebe. Die EU-Kommission schlägt in ihrer Mitteilung vor, die künftige Förderung besser an gesellschaftlichen Zielen zu orientieren und die Subventionen an konkrete Umweltauflagen zu koppeln. Die Vorschläge waren bereits im Vorfeld auf Widerstand bei Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner und der Mehrzahl ihrer Kollegen in den Bundesländern gestoßen.

Nach Auffassung des NABU stellt die Mitteilung der EU-Kommission eine Abkehr vom bisherigen „Gießkannenprinzip“ der Agrarsubventionen dar. Zwar lasse das Papier ein klares Bekenntnis zu einer
Neuausrichtung der Agrarpolitik nach dem Prinzip „Geld gegen Leistung“ vermissen, die Verknüpfung der Direktzahlungen mit Kriterien wie Grünlandschutz oder ökologische Flächenstilllegung sowie eine stärkere Fokussierung der ländlichen Entwicklung auf Umwelt- und Klimaschutz seien jedoch eine wichtige Grundlage für eine zukunftsfähigere Landwirtschaft.

Der NABU appellierte an Ministerin Aigner, ihre Blockadehaltung aufzugeben und die Initiative der EU als Chance für den ländlichen Raum konstruktiv zu nutzen. „Die Koalition aus Besitzstandswahrern in Politik und Bauernverband schadet massiv dem Umwelt- und Naturschutz und gefährdet die gesellschaftliche Akzeptanz der Landwirtschaft“, sagte NABU-Agrarexperte Florian Schöne. Wenn es in den kommenden Monaten nicht gelinge, die EU-Agrarpolitik für die Zeit nach 2013 auf eine nachhaltigere Basis zu stellen, sei ein zunehmender Artenschwund in der Kulturlandschaft
zu befürchten.

DBV: Grünes Wachstum statt „Greening“ fördern!

Verband kritisch zu den Plänen der EU-Kommission für die GAP 2014 bis 2020
Berlin (agrar.de) – Der Deutsche Bauernverband (DBV) fordert, bei der anstehenden Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) einen besseren Gleichklang zwischen den Anforderungen einer marktorientierten Landwirtschaft und den öffentlichen Leistungen der Landwirte im Umwelt- und Klimaschutz zu schaffen.

In dem heute vorgelegten Bericht zur EU-Agrarpolitik bis 2020 werden diese beiden Ziele von der EU-Kommission jedoch in einen unnötigen Widerspruch zueinander gestellt, wenn sie von einem zusätzlichen „Greening“ spricht. Die EU-Agrarpolitik hat sich seit 1992 über verschiedene Reformschritte hinweg grundlegend gewandelt. Sie berücksichtigt heute Markterfordernisse und Umweltgesichtspunkte gleichermaßen. Die Vorschläge der EU-Kommission bis 2020 bringen für die deutschen Bauern auf diesem Weg mehr Rückschritt als Fortschritt. Sie lassen die notwendige Kontinuität der europäischen Reformschritte vermissen.

Die Herausforderungen einer Ernährungssicherung für 500 Millionen EU-Verbraucher, des Klimawandels und einer zukunftsfähigen Energieversorgung lassen sich nur mit einer modernen und effizienten Landwirtschaft meistern. Statt ein solches „grünes Wachstum“ der Landwirtschaft mit Nachdruck zu fördern, verzettelt sich die EU-Kommission in Vorschlägen, die vor allem zu neuerlichem bürokratischem Aufwand für die Bauern führen würden. Das Eintreten der EU-Kommission für eine starke erste und zweite Säule der GAP wird vom DBV unterstützt. Eine entkoppelte Flächenprämie als einkommenswirksamer Direktausgleich für die gesellschaftlichen Leistungen der Landwirte und für die höheren Standards im Vergleich zum Weltmarkt bleibt notwendig.

Überlegungen zur Einführung von Obergrenzen für Flächenzahlungen lehnt der DBV genauso entschieden ab wie eine Verunsicherung der Nebenerwerbslandwirte durch eine Neudefinition des „aktiven Landwirtes“ Der DBV weist darauf hin, dass in Deutschland mit dem schrittweisen Umstieg zu einer regional einheitlichen Flächenprämie für Acker und Grünland bis 2013 bereits die weitreichendste Umsetzung der letzten EU-Agrarreform innerhalb der gesamten EU stattfindet. Die EU-Kommission versäumt es in ihrem Bericht, gegenüber den 27 Mitgliedstaaten auf mehr Einheitlichkeit der Europäischen Agrarpolitik zu drängen.

Raiffeisen zur EU-Agrarpolitik: Vorschläge erfüllen nicht die gesetzten Erwartungen

Berlin (agrar.de) – Die heute von EU-Kommissar Dacian Ciolos vorgelegte Mitteilung mit verschiedenen allgemein gehaltenen Überlegungen zur Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2013 konzentriert sich wie erwartet auf das Thema Direktzahlungen. Nach den ausführlichen Diskussionen über die großen Herausforderungen für die Agrarwirtschaft und die Märkte – Ernährungssicherung, Ressourcenschutz und Klimawandel – wirken die aufgezeigten Politikoptionen recht begrenzt.

„Wir begrüßen die Bestrebungen der EU-Kommission, die Wettbewerbsfähigkeit der Land- und Ernährungswirtschaft durch Innovationen und Umstrukturierung, nachhaltige Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen sowie eine ausgeglichene territoriale Entwicklung der ländlichen Räume zu fördern. Doch diese Ziele können nur erreicht werden, wenn alle Betriebsformen einschließlich der Agrargenossenschaften gleich behandelt werden“, so Manfred Nüssel, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), in einer ersten Stellungnahme.

„Die Tatsache, dass die Kommission erneut eine Obergrenze für die an große Einzelbetriebe gewährten Direktzahlungen in die Diskussion einbringt, ist völlig unverständlich. Die als Mehrfamilienbetriebe geführten Agrargenossenschaften, die eine wichtige ökonomische und soziale Funktion in den oftmals strukturschwachen Regionen Ostdeutschlands erfüllen, würden erneut einseitig und in einer mit dem Selbstverständnis der Direktzahlungen nicht zu vereinbarenden Form belastet“, so Nüssel. Dass die Kommission in diesem Zusammenhang das Arbeitskräftekriterium berücksichtigen will, macht zumindest
deutlich, dass sie das wichtige Beschäftigungspotential dieser Unternehmensform mittlerweile erkannt hat. Der vorgeschlagene Ansatz erscheint aber in der Praxis kaum durchführbar.

Die Europäische Kommission präferiert ganz offensichtlich das Modell der innerhalb eines Mitgliedstaats oder einer Region für alle Landwirte einheitlichen, entkoppelten Grundprämie, die um eine „gegrünte Komponente“ als Ausgleich für besondere Umweltleistungen ergänzt werden soll. Aus Sicht des DRV entsteht hier die Gefahr weiter wachsender Bürokratie. Darüber hinaus gibt es bei der Umsetzung der Agrarreform von 2003 nach wie vor erheblichen Nachholbedarf in anderen EU-Staaten. Deutschland hat als einziges Land bereits den Weg einer regional einheitlichen Prämie, die Grünland gleichberechtigt einschließt, beschritten. Diese
Vorreiterrolle Deutschlands muss bei den weiteren Beratungen auf europäischer Ebene anerkannt werden.

Als sachgerecht bewertet DRV-Präsident Nüssel Überlegungen, die Sicherheitsnetze im Marktordnungsbereich beizubehalten, diese weiter zu verbessern und zu vereinfachen. Damit wird der eingeschlagene Weg einer Liberalisierung der Agrarmärkte grundsätzlich bestätigt, zugleich aber auch die Notwendigkeit des Erhalts eines Sicherheitsnetzes betont. „Hier werden die richtigen politischen Konsequenzen aus den Erfahrungen der Marktsituation vor allem bei Milch in den letzten beiden Jahren gezogen. Diese grundsätzlichen Überlegungen müssen aber mit konkreten Vorschlägen untermauert werden, bevor eine abschließende Bewertung erfolgen kann“, betont Nüssel.

Zwingende Voraussetzung für die zielgerichtete Weiterentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik bleibt eine dauerhafte finanzielle Absicherung im Rahmen des EU-Haushalts für die Periode 2014 – 2020.

BBV: Grünes Wachstum statt Rückschritt

Müller: Vorschläge der EU-Kommission zur EU-Agrarpolitik nach 2013 bedeuten Einkommenskürzungen und mehr Bürokratie für Bauern
München (agrar.de) – Agrarkommissar Dr. Dacian Ciolo? hat heute seine erste offizielle Mitteilung zur künftigen europäischen Agrarpolitik (GAP) von 2014 bis 2020 vorgestellt. Im Wesentlichen waren seine Überlegungen schon vor rund einem Monat durchgesickert. „Die über 113.000 Bauernfamilien in Bayern vermissen klare Linien für eine stabile Fortentwicklung der EU-Agrarpolitik“, erklärt Hans Müller, Generalsekretär des Bayerischen Bauernverbandes. Um ökonomisch, sozial und ökologisch gesund aufgestellt zu sein, bräuchten die Betriebe ein „grünes Wachstum, aber nicht noch mehr Bürokratie und auch keine geschwächte EU-Agrarpolitik“. Die GAP über 2013 hinaus müsse mehr Wertschöpfung für die Bauern und damit für den ländlichen Raum ermöglichen. Die über 700.000 Arbeitsplätze, die die bayerische Landwirtschaft mit dem vor- und nachgelagerten Bereich sichert, dürften nicht durch Brüche gefährdet werden. Die Vorschläge der EU-Kommission bedeuteten für die bayerischen Bauern einen Rückschritt. „Die EU-Kommission verzettele sich mit ihren Plänen, anstatt einen zukunftsorientierten, schlüssigen Baukasten für die Gemeinsame Agrarpolitik bis 2020 vorzulegen“, sagt Müller.

Die Vorschläge der EU-Kommission würden die bisherige Förderung der benachteiligten Regionen und Berggebiete schwächen. Echte Ansatzpunkte für spürbare Vereinfachungen, die den Alltag der Bauernfamilien entlasten, seien nicht zu erkennen. „Mehr Bürokratie heißt höhere Kosten und weniger Einkommen für die Bauern“, sagt Müller. Zudem verunsichere die EU-Kommission mit einer vorgeschlagenen Neudefinition des „aktiven Landwirtes“ die 63.000 Nebenerwerbslandwirte in Bayern, ob sie in Zukunft noch mit Unterstützung aus Brüssel rechnen könnten.

Verkannt werde von der EU-Kommission, dass gerade in Deutschland schon seit 2005 eine grünere EU-Agrarpolitik umgesetzt werde. EU-Direktzahlungen würden in Deutschland auch für Grünland, Kleegras oder Leguminosen gewährt. Dadurch werden die wertvollen Umwelt- und Klimaschutzleistungen dieser Flächen honoriert. In anderen Staaten wie Österreich, Italien, Frankreich oder Niederlande gingen solche Flächen bei den Direktzahlungen leer aus. Die bayerischen und deutschen Bauern seien hier rund zehn Jahre voraus. Die vordringliche Priorität der EU-Kommission müsse es ein, die Ausgestaltung der Direktzahlungen der EU-Agrarpolitik in den 27 Mitgliedstaaten zu vereinheitlichen.

Die EU-Agrarpolitik habe sich über verschiedene Reformschritte seit 1992 grundlegend gewandelt. Sie habe sich an Marktsignale und internationalen Erfordernissen angepasst. Das Eintreten der EU-Kommission für eine starke erste und zweite Säule der GAP werde grundsätzlich von den Bauern anerkannt. Die EU-Direktzahlungen als Ausgleich für die gesellschaftlichen Leistungen der Landwirte und für die höheren Standards im Verbraucher- und Umweltschutz sowie in der Tierhaltung im Vergleich zu Ländern außerhalb der EU gelte es fortzuführen. „Die 500 Millionen EU-Bürger wollen mit sicheren Lebensmitteln der europäischen Landwirtschaft versorgt werden und nicht von Importen abhängig werden“, sagt Müller. Dafür brauche es eine EU-Agrarpolitik, die die Bauern stärkt. Die Vorschläge der EU-Kommission gäben dafür zu wenig her. Die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts – Ernährungssicherung, Klimawandel und eine zukunftsfähige Energieversorgung – ließen sich nur mit einer modernen und effizienten Landwirtschaft meistern. Mut mache den Bauern die hohe Wertschätzung der Landwirte in der Gesellschaft. Umfragen zufolge seien die Bauern nach den Ärzten und Lehrern die drittangesehenste Berufsgruppe.

Texte, Tabellen und Grafiken des BBV zur GAP: Sonderausgabe „EU-Agrarpolitik“

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