24. September 2010

Baden-Württemberg: Zahl der Betriebe geht auf 45 000 zurück

Brenner: Verbleibende Betriebe werden größer – Bedeutung der Pachtflächen steigt – Erste Eckdaten ausgewertet

Stuttgart (agrar.de) – Über 10 Jahre nach der der letzten Landwirtschaftszählung begann im Frühjahr 2010 wieder eine große und umfassende Inventur in der Landwirtschaft, die Landwirtschaftszählung 2010. Über 50 000 land- und forstwirtschaftliche Betriebe im Land erhielten einen umfangreichen Fragebogen, mit dem vielfältige Daten zur Agrarstruktur erhoben wurden. Aus den vorab aufbereiteten Angaben repräsentativ ausgewählter Betriebe kann nun eine erste und vorläufige Bestandsaufnahme zur Situation der Landwirtschaft im Land gezogen werden. Dies sagte die Präsidentin des Statistischen Landesamtes, Dr. Carmina Brenner, heute vor der Presse.

Strukturwandel hält an – weniger, aber größere Betriebe

Als erstes Fazit der Landwirtschaftszählung lässt sich festhalten: der Strukturwandel setzt sich fort. Die Zahl der Betriebe geht weiter zurück und die verbleibenden Betriebe werden immer größer. Im Vergleich mit der letzten Landwirtschaftszählung 1999 zeigt sich, dass die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Baden-Württemberg innerhalb von elf Jahren beachtlich um rund ein Viertel oder 16 000 (?26,4 Prozent) zurück gegangen ist. Nach derzeitigem Stand gibt es in Baden-Württemberg noch rund 45 000 landwirtschaftliche Betriebe. Die durchschnittliche Größe eines Betriebes beläuft sich im Jahr 2010 auf knapp 32 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche (ha LF). Das sind rund 45 Fußballfelder. Gegenüber der durchschnittlichen Größe vergleichbar abgegrenzter Betriebe im Jahr 1999 (24 ha LF) entspricht dies einer Zunahme um immerhin ein Drittel.

Bedeutung der Pachtflächen weiter gestiegen

Der Strukturwandel vollzieht sich in erheblichem Umfang über den Pachtweg. Dabei wird die Fläche von Betrieben, die aufgegeben werden oder sich verkleinern, von den verbleibenden Betrieben übernommen. In der Regel erfolgt dies durch Pachtung, bei der durch Zahlung eines Pachtentgelts an den Grundstückseigentümer die jährlichen Nutzungsrechte an der Fläche erworben werden. Die Bedeutung des Pachtmarkts für das flächenmäßige Wachstum der Betriebe wird an der Entwicklung der Pachtquote, also des Anteils der gepachteten Fläche an der insgesamt bewirtschafteten Fläche, deutlich. Im Jahr 1999 bezifferte sich die Pachtquote auf 55,4 Prozent, im Jahr 2010 beträgt der Anteil der Pachtflächen nach vorläufigen Berechnungen bereits 60,3 Prozent.

Pachtpreise im Landesmittel moderat gestiegen

Der im Durchschnitt aller Qualitäten, Lagen und Nutzungsarten des Landes bezahlte Pachtpreis beziffert sich im Jahr 2010 auf 198 Euro je Hektar. Im Jahr 1999 – damals wurden die Pachtentgelte noch in DM ermittelt – betrug das durchschnittliche Pachtentgelt 336 DM (172 Euro) je Hektar. Dies entspricht einem moderaten jährlichen Anstieg von etwa 1,3 Prozent. Das ist weniger als zum Beispiel der Anstieg der Verbraucherpreise. Am aktuellen Rand deutet sich jedoch eine Beschleunigung der Pachtpreisentwicklung an. Neben dem Gesamtpachtentgelt wurde im Rahmen der Landwirtschaftszählung auch das Pachtentgelt der aktuell oder in den letzten zwei Jahren neu vereinbarten Pachtungen erfragt. Der Abstand zwischen dem im Durchschnitt gezahlten Pachtentgelt und dem Pachtentgelt für Neupachtungen liegt 2010 mit 60 Euro deutlich höher als im Jahr 1999 mit 20 Euro je Hektar.

Gut die Hälfte der Betriebe mit ungewisser oder negativer Nachfolgeperspektive

Nimmt man die Einschätzung der Betriebsinhaber zur Hofnachfolgesituation als Maßstab für die Bewertung der künftigen Perspektiven, dann werden diese 2010 negativer beurteilt als ein Jahrzehnt zuvor. Im Rahmen der Landwirtschaftszählung 2010 wurden, ebenso wie im Jahr 1999, die Inhaber von landwirtschaftlichen Betrieben der Rechtsform Einzelunternehmen ab einem Alter von 45 Jahren und mehr zur Einschätzung der Hofnachfolgesituation befragt. Die Antwortmöglichkeiten waren »ja – es gibt einen Hofnachfolger«, »nein – es gibt keinen Hofnachfolger« und »ungewiss«. Unter den befragten Betriebsinhabern zeigt sich in dem Zeitraum eine deutliche Verschiebung. Zwar antwortete in beiden Jahren die größte Gruppe mit »ungewiss«, die stärkste Veränderung ist jedoch bei den Betrieben ohne Hofnachfolge zu verzeichnen. Im Jahr 1999 war nur etwa jeder fünfte ältere Betriebsinhaber ohne Hofnachfolger(-in), in 2010 trifft dies schon auf mehr als jeden dritten Betrieb zu. Bezogen auf alle landwirtschaftlichen Familieneinzelunternehmen gibt es im Jahr 2010 in fast einem Viertel von ihnen keine Person, die den Betrieb zu gegebener Zeit fortführen wird, 1999 war nur etwas mehr als jeder zehnte Betrieb in einer ähnlichen Situation. Weitgehend unbeeindruckt zeigt sich allein die Quote der Betriebe mit gesicherter Hofnachfolge, die in beiden Jahren annähernd gleich hoch ist.




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