09. September 2010

Arealstatistik der Schweiz: Siedlungswachstum verlangsamt

Themen: Agrarstruktur,Schweiz,Statistik — info @ 10:09

Mehr Siedlungsflächen und Weiden, weniger Äcker
Neuchâtel (agrar.de) – Das Siedlungswachstum im Westen und Nordwesten der Schweiz hat sich von 12 Prozent in der Beobachtungsperiode 1982-1994 auf 9 Prozent in jener von 1994-2006 abgeschwächt. Auf die Schweiz hochgerechnet wurden in 12 Jahren auf 264 km² neue Siedlungen gebaut. Dies entspricht nahezu der Fläche des Kantons Nidwalden oder gut 0,6 Prozent der Landesfläche. Der Zuwachs geht vorwiegend auf Kosten von Landwirtschaftsflächen. Dies sind aktuelle Teilergebnisse der dritten Erhebung der Arealstatistik des Bundesamtes für Statistik (BFS), die neu auch die Kantone Zürich, Zug und Schaffhausen einschliessen.

In den bereits ausgewerteten 16 Kantonen hat die Siedlungsfläche innerhalb von 24 Jahren um 393 km² zugenommen. Ihr Anteil an der Gesamtfläche stieg damit von 8,8 Prozent auf 10,8 Prozent. Die neuen Siedlungsflächen waren früher zu 39 Prozent Ackerland, 28 Prozent Naturwiesen, 13 Prozent Obstbau, Rebbau, Gartenbau und 9 Prozent Weiden. 52 Prozent der neuen Siedlungsflächen sind Gebäudeareal (Gebäude und Umschwung), 17 Prozent Verkehrsflächen und 14 Prozent besondere Siedlungsflächen (Baustellen, Abbau, Deponie sowie Ver- und Entsorgungsanlagen).

Die Auswertungen der Arealstatistik sind inzwischen für 16 Kantone oder knapp die Hälfte der Schweiz im Westen und Nordwesten des Landes abgeschlossen. Sie erlauben statistisch gesicherte Aussagen zum Wandel der Bodennutzung und Bodenbedeckung über zwei Zeitintervalle (1982-1994 und 1994-2006).

Langsameres Siedlungswachstum

Die Abschwächung des Siedlungswachstums zwischen den Beobachtungsperiode 1982-1994 und 1994-2006 lässt sich in allen 16 Kantonen beobachten. Eine Ausnahme ist der Kanton Zürich, in dem der Zuwachs mit 8,9 Prozent in der ersten Periode bzw. 8,6 Prozent in der zweiten nahezu gleich geblieben ist. Deutlich abgeschwächt hat sich das Wachstum des Industrie- und Gewerbeareals (von 21,1% auf 8,1%), etwas weniger beim Gebäudeareal (von 16,7% auf 11,9%) und bei den Verkehrsflächen (von 8,6% auf 5,6)%. Ungebremst hoch blieb die flächenmässige Zunahme bei den Erholungs- und Grünanlagen mit gut 15 Prozent in beiden Perioden. Zum Wachstum der Erholungsanlagen haben insbesondere auch die Golfplätze beigetragen. Deren Fläche hat sich im zweiten Zeitintervall fast verdreifacht und beträgt nun 18,7 km².

Strukturwandel in der Landwirtschaft

Das Wachstum der Siedlung geht vor allem auf Kosten der Landwirtschaftsflächen, die in den vergangenen 24 Jahren im beobachteten Raum um 420 km² oder durchschnittlich 17,5 km² pro Jahr abnahmen. Ihr Anteil an der Gesamtfläche sank damit von 46 Prozent auf 44 Prozent. Entsprechend dem langsameren Siedlungszuwachs in der zweiten Beobachtungsperiode hat sich auch der Verlust von Landwirtschaftsflächen verlangsamt. Von 1982 bis 1994 betrug er 2,7 Prozent oder 20,8 km² pro Jahr und von 1994 bis 2006 noch 1,9 Prozent oder 14,2 km² pro Jahr. Begleitet war diese Entwicklung von Verschiebungen innerhalb der landwirtschaftlichen Nutzungskategorien: Die Umnutzung von Ackerland hat sich vom ersten zum zweiten Intervall gut verdoppelt (6,8 resp. 14,9 km² pro Jahr). Als Folge davon haben auch die Weiden im zweiten Intervall stärker zugenommen als im ersten (15,9 statt 9,0 km² pro Jahr). Die Zunahme des Weidegebietes und der Rückgang der gepflügten Fläche belegen eine Extensivierung der Landwirtschaft im Dauersiedlungsgebiet. Diese Entwicklung lässt sich auch auf neue Vorschriften zur artgerechten Viehhaltung mit vermehrtem Auslauf und Weidegang und den Trend zur Mutterkuh- und Pferdehaltung zurückführen.

Gut geschützte Waldfläche

Obwohl der Wald gut 28 Prozent der Gesamtfläche der Schweiz bedeckt, hat sich dessen Fläche wenig verändert. Grund dafür ist der strenge gesetzliche Schutz des Waldes seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Der bilanzierte Verlust von gut 9,0 km² durch neue Siedlungsflächen wurde durch den etwa gleichen Zuwachs auf Landwirtschaftsflächen in der Dauersiedlungszone wieder kompensiert. Dies zeigt eindrücklich die Wirkung des Waldgesetzes, das für bewilligte Rodungen (etwa für Nationalstrassen) eine Kompensation der Waldfläche durch Aufforstung verlangt. Die Waldfläche wächst vor allem in höheren Lagen auf Alpweiden, Gehölzen und verbuschten Flächen, wo die landwirtschaftliche Nutzung aus wirtschaftlichen Gründen oft aufgegeben wird.




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