09. Juli 2010

Tierhaltung in Süddeutschland vor gewaltigen Strukturwandel?

Bindlach/Bonn (agrar.de) – Die Tierhaltung in Süddeutschland steht vor einem gewaltigen Strukturwandel. In den kommenden Jahren wird eine Halbierung der Tierhalter und gleichzeitig eine Verdoppelung der durchschnittlichen Bestandszahlen je Betrieb erwartet – dies ist das Fazit, das der Vizepräsident des Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Christian Stockinger, in der diesjährigen Versammlung der Regionalgruppe Süd des Deutschen Verbandes Tiernahrung (DVT) zog.

Die Gesamtzahl der gehaltenen Nutztiere sah der Referent eher unverändert. Bei weiter steigenden Leistungen der Einzeltiere könne zumindest im Bereich der Milchproduktion mit kleinen Steigerungen der Gesamtproduktion gerechnet werden.

Diese Situation gäbe zwar keinen Anlass zu Euphorie, sei aber nach den düsteren Prognosen der vergangenen zwei Jahre deutlich aufgehellt. Auch eine vielfach genannte Verlagerung der Milchproduktion von Süd nach Nord sei generell nicht zu erwarten. Der Referent sieht daher durchaus auch im Süden der Republik Chancen für wachstumswillige Unternehmen der tierhaltenden Landwirtschaft.

Im Hinblick auf die spezifischen Produktionsprogramme unter anderem in der Milchproduktion bzw. der Molkereiwirtschaft im Süden – Beispiel Milch mit Kennzeichnung „ohne Gentechnik“ – sieht der Referent die Nutzung einer Zeiterscheinung für eine gezielte Nischenproduktion, die allerdings das Potenzial habe, größere Marktanteile zu erreichen als andere Nischenproduktionen. Dies hänge von der Befindlichkeit der Käufer ab. Endgültig verabschieden müsse man sich allerdings von der alten Lehrmeinung, dass Agrargüter „inferiore Güter“ seien, die immer nachgefragt würden, egal wie hoch ihr Preis sei. Die vergangenen drei bis vier Jahre mit ihren enormen, nachfragebedingten Preisschwankungen haben das Gegenteil bewiesen. Die Preiselastizität auch für Lebensmittel sei gegeben.

Nach einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes haben bundesweit gut 3 900 Milcherzeuger die Produktion in den letzten zwölf Monaten (Mai 2009 – Mai 2010) eingestellt, womit sich die Zahl der Milchkuhhalter um 4,0 % auf knapp 93 500 verringerte. Der Bestand an Milchkühen wurde im gleichen Zeitraum um 0,5 % auf knapp 4,2 Millionen Tiere reduziert.




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