12. Januar 2009

DLG: Image der Landwirte deutlich verbessert

Themen: Bildung,Forschung,Lebensmittel,Umwelt,Wirtschaft — info @ 14:01

Hohe Erwartungen an die Landwirtschaft – Sehr differenzierte Einstellungen in Sachen Gentechnik
Frankfurt/Berlin (agrar.de) – Das Image wie auch das Bild der deutschen Landwirtschaft hat sich bei den Verbrauchern in den letzten Jahren in mehreren Punkten deutlich verbessert. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen, repräsentativen Umfrage vom November/Dezember 2008, die das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) durchführte.

Die Geschäftsführerin des Allensbacher Instituts, Prof. Dr. Renate Köcher, stellt die Ergebnisse jetzt im Rahmen der DLG-Wintertagung in Berlin vor. Die Verbesserungen beziehen sich sowohl auf die Einschätzungen zu den Qualitätsstandards als auch auf die Attribute Modernität, Fortschrittlichkeit und Innovationsoffenheit. „Dass Landwirte für neue Entwicklungen offen und umweltbewusst sind sowie sich für die Interessen der Verbraucher einsetzen und sich an den Prinzipien einer artgerechten Tierhaltung ausrichten, dieses Bild verstärkt sich in der Bevölkerung“, so formuliert sie es in ihrem Ergebnisbericht.

Allerdings habe die deutsche Bevölkerung nach den Aussagen von Professor Köcher „nach wie vor eine tiefe emotionale Zuneigung zu dem Bilderbuch-Bauernhof aus Kindertagen und revoltiert daher innerlich gegen die Transformation der Landwirtschaft“. Dies zeige sich auch an der nur begrenzten Bereitschaft, Veränderungen in der Landwirtschaft mitzutragen, selbst wenn dadurch die Lebensmittelpreise deutlich gesenkt werden könnten.

Hohe Erwartungen der Verbraucher an die Landwirtschaft

Der Verbraucher in Deutschland stelle hohe Anforderungen an die Landwirtschaft, so Professor Renate Köcher. Dies gelte insbesondere bei tierischen Erzeugnissen. Artgerechte Tierhaltung stehe an der Spitze der Erwartungen, noch vor Qualitätsgarantien der Sicherung der Ernährung in Deutschland und nachhaltigen Produktionsmethoden. 79 Prozent der gesamten Bevölkerung erwarten von der Landwirtschaft eine artgerechte Tierhaltung, 75 Prozent die Garantie der Qualität von Fleischprodukten, 73 Prozent, dass sie die Ernährung der Bevölkerung in Deutschland sichert, und 72 Prozent, dass sie bei der Produktion von Nahrungsmitteln auf Nachhaltigkeit setzt. Wichtig ist für den Verbraucher auch die Erhaltung des ländlichen Raums und der Dorfgemeinschaften.

Das Bild der Tierhaltung in der Öffentlichkeit verbessert sich

Trotz der hohen Erwartungen hat sich das Bild der Tierhaltung in der Öffentlichkeit in den letzten sechs Jahren deutlich hin zum Positiven entwickelt, stellt die Direktorin des Allensbach-Instituts fest. So seien mehr als die Hälfte der Bevölkerung überzeugt, dass sich die Tierhaltung in den letzten Jahren durch modernere Ställe, mehr Freilandflächen oder andere Maßnahmen deutlich verbessert habe. Insbesondere die ältere Bevölkerung ziehe diese positive Bilanz. 64 Prozent der über 60-Jährigen sehen deutliche Verbesserungen bei der Tierhaltung in Deutschland.

Gesundheit, Frische und Qualität stehen beim Verbraucher obenan

Gesundheit stehe bei den Verbrauchern bei den persönlichen Wünschen ganz obenan, sie gehöre zu „den grundlegenden Voraussetzungen für Lebensqualität“. Gesunde Lebensmittel sollen dies fördern helfen. Und die Landwirtschaft hat als Erzeuger für gute, gesunde und nach höchstem Qualitätsstandard produzierte Rohstoffe zu sorgen.

Der weit verbreitete Eindruck, der deutsche Verbraucher sei einseitig preisorientiert und wenig qualitätsbewusst, könne nach den vorliegenden Ergebnissen nicht bestätigt werden, erklärt Professor Renate Köcher. Zwar sei der Preis für die Mehrzahl ein wichtiges Kriterium, doch die Bedürfnisse der Verbraucher seien wesentlich heterogener und würden sowohl Qualitätsaspekte als auch Methoden der Nahrungsmittelproduktion und -verarbeitung einschließen. „Das Wichtigste ist den Verbrauchern die Frische der Produkte, weitaus mehr als der Preis“, so Professor Köcher. Eine große Rolle spielten auch die Heimat und die nähere Region, aus denen die Produkte kommen. „Hierin liegen für die Erzeuger große Chancen, gerade bei Gemüse und Obst.“

Was prägt das Bild der Landwirtschaft beim Verbraucher besonders stark?

Generell hätten nach den Angaben von Frau Köcher weite Teile der Bevölkerung Mühe, sich die Landwirtschaft als modernen Wirtschaftszweig vorzustellen, der von Rationalisierung, Innovationen und modernen Produktionsmethoden wie auch von einem tiefgreifenden Strukturwandel gekennzeichnet sei. „Das Bild von der deutschen Landwirtschaft prägen vor allem die Vorstellungen, dass sie die nähere Region mit frischen Lebensmitteln versorgt, wichtig für die Erhaltung des ländlichen Raums und der Dorfgemeinschaften ist und gesunde Lebensmittel produziert“, so eine grundsätzliche Feststellung.

Das Bild von der Landwirtschaft werde erheblich davon beeinflusst, ob Kontakte zu den in der Landwirtschaft Beschäftigten bestehen und damit die eigenen Vorstellungen nicht nur auf Schulwissen, Medienberichten und Hörensagen beruhen. „Personen mit persönlichen Kontakten zu in der Landwirtschaft Beschäftigten haben ein deutlich positiveres Bild von der Landwirtschaft als diejenigen, die sich nur über Medien und Hörensagen ein Bild machen“, konstatiert Frau Professor Köcher.

Positives Nahbild von der Landwirtschaft

Gerade auch bei den Einschätzungen zur Tierhaltung treffe diese Feststellung zu, dass diejenigen, die Landwirte kennen und Kontakt mit ihnen haben, positiver über Tierhalter urteilen. Für diese hätten die Landwirte zudem eine hohe berufliche Qualifikation, seien gute Unternehmer und starke Persönlichkeiten. Für Personen, die Landwirte persönlich kennen, zähle die Landwirtschaft zu den modernen Wirtschaftszweigen. Diese Tatsache verdeutliche, welche Chancen in der zunehmenden Verbreitung der Direktvermarktung oder des Absatzes über die Wochenmärkte für die weitere Verbesserung des Nahbildes von der Landwirtschaft liegen, betont Professor Renate Köcher.

Bemerkenswert: Sehr differenzierte Einstellungen zur Gentechnik bei Themen Lebensmittel, Nahrungsmittelknappheit und Energieproduktion

Während der Einsatz der Gentechnologie für die Entwicklung von Medikamenten von der Gesellschaft weit überwiegend positiv bewertet wird, werde der Einsatz in der Landwirtschaft kritisch gesehen, stellt Professor Renate Köcher in ihrem Bericht fest. Als bemerkenswert bezeichnete sie die Antworten auf entsprechende Fragen, die auf klare „differenzierte Einstellungen“ hinweisen. So würde knapp die Hälfte der Befragten die Nutzung von Gentechnik zur Entwicklung von Getreidesorten zum Anbau und zur Verbesserung der Versorgung in kargen Gegenden der Dritten Welt gutheißen. Ähnlich verhalte es sich bei der Züchtung von Pflanzen zur Deckung des Energiebedarfs durch Biomasse. Auch hierbei würde mit 46 Prozent fast die Hälfte der Bevölkerung positiv zum Einsatz von Gentechnik in der Züchtung stehen.

Deutlich anders falle die Reaktion dagegen aus, wenn es um die Optimierung bzw. Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion gehe, die für die Nahrungsmittelversorgung in Deutschland gedacht sei. So würden nur 27 Prozent den Einsatz der Gentechnologie zur Immunisierung von Pflanzen gegen Krankheiten und Schädlinge unterstützen und nur 18 Prozent zur Erhöhung der Ernteerträge. Am kritischsten werde der Einsatz der Gentechnologie zur Erhöhung der Milchleistung von Kühen gesehen. 81 Prozent würden dies ablehnen.

Professor Renate Köcher erklärt diese Haltung in der Bevölkerung damit, dass eine Überflussgesellschaft, die aus einem derart breiten Angebot an Nahrungsmitteln auswählen könne wie die deutsche, „sich zwangsläufig wenig von einer Erhöhung der Ernteerträge verspricht“. Zugleich seien die weltweite Entwicklung des Nahrungsmittelbedarfs angesichts der stark wachsenden Weltbevölkerung und eventuelle Nahrungsmittelknappheiten für die große Mehrheit der Bevölkerung kein Thema. „Die Feststellungen der FAO über den weltweit stark steigenden Nahrungsmittelbedarf in den kommenden Jahren sind zwei Dritteln der Bevölkerung völlig unbekannt“, ist ihre abschließende Begründung für die stark differenzierten Einschätzungen zur grünen Gentechnik.




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