11. November 2008

BDM fordert 500 Mio.-Rettungspaket für Milcherzeuger

Themen: Handel,Milch,Verbände — info @ 11:11

Freising (agrar.de) – Nach der katastrophalen Entscheidung des Bundesrats alle vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) geforderten mengenwirksamen Maßnahmen abzulehnen, nimmt der BDM nun aus Verantwortung seinen Milcherzeugern gegenüber, den Staat in die Pflicht und fordert ein Rettungspaket für die Milcherzeuger. Der BDM wollte immer die Angebotsmenge in Eigenverantwortung flexibel an die Nachfrage anpassen und so für ausgeglichene Marktverhältnisse sorgen. Dies hätte den Staat nichts gekostet und wurde den Milcherzeuger dennoch verwehrt. Damit müssen nun diejenigen, die das zu verantworten haben, die finanziellen Folgen tragen.

Die Finanzkrise hat auch für die Milcherzeuger massive Auswirkungen: Das Kaufverhalten der Kunden der exportwilligen Molkereien ist deutlich eingeschränkt. Die Zahlungsfähigkeit der Abnehmer in den deutschen Exportländern ist in vielen Fällen in Frage gestellt. Auch Bankbürgschaften sind z. T. schon nicht mehr sicher.
Nicht nur die gegenwärtige Situation, auch die Zukunftsperspektiven für die Milchbranche sind desaströs. Der Preis für frei verfügbare Milch (Spotmarktpreis) ist derzeit schon auf unter 20 Cent/kg Milch gesunken. Der Kieler Rohstoffwert liegt bei 23,14 Cent/kg Milch. Nach Branchenaussagen wird dieses Milchmarkttief mindestens bis weit in die zweite Hälfte des Jahres 2009 reichen.

Der BDM wird auch weiterhin seine marktwirtschaftlich ausgerichtete Linie und Strategie verfolgen. Nun sind jedoch aufgrund der Verweigerungshaltung von Politik, Milchindustrie und Bauernverband durchgreifende Sofortmaßnahmen nötig, wenn nicht eine ganze Branche gegen die Wand fahren soll. Es ist nun keine Zeit mehr, darauf zu warten, bis die Politik die notwendige Einsicht erlangt, dass nur der marktwirtschaftliche Weg des BDM geeignet ist, die Probleme auf dem Milchmarkt nachhaltig zu lösen. Alles, was von anderer Seite bereits vorgeschlagen wurde (Milchfonds, Molkereifusionen) hat keinerlei Marktwirkung.

Der BDM fordert deshalb ein länderübergreifendes Rettungspaket, mit dem europaweit sofort 5 % Milch vom Markt genommen werden muss.

Die Inhalte des europaweiten Rettungspakets im Einzelnen:
• Bereits vorhandene Übermengen müssen markt- bzw. preisunschädlich vom Markt genommen werden.
• Weitere Übermengen müssen durch einen freiwilligen Lieferverzicht in Höhe von 5% gegen öffentlich finanzierte Entschädigung verhindert werden.
• An die Molkereien richtet sich die Forderung, statt über Übermengen zu klagen sich selbst zu beschränken und nur die Quotenmenge bei den Erzeugern abzuholen.

Intervention und Exportbeihilfen hält der BDM für ein weit weniger geeignetes Instrumentarium zur Marktbereinigung.
Das Rettungspaket des BDM hat gegenüber Intervention und Exportbeihilfen einige wesentliche Vorteile:
• Der Weltmarktpreis gerät dadurch nicht unter Druck.
• Es wirkt marktbereinigend und weniger marktverzerrend – gerade auch durch die europäische Dimension des Rettungspakets.
• Die finanzielle Hilfe kommt direkt auf den Höfen an.
• Das Signal des Lieferverzichts ist gleichzeitig ein Signal an den Handel, dass weniger Milch zur Verfügung stehen wird.
• Der vor- und nachgelagerte Bereich profitiert davon, wenn die Milcherzeuger wirtschaftlich überleben können.
• Diese Maßnahmen sind schnell wirksam und ressourcenschonend, da nicht benötigte Mengen erst gar nicht produziert werden.
• Die Milcherzeuger zeigen mit diesem Paket weiterhin, dass sie daran mitwirken wollen, dass Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht kommen.
• Die Erzeugerstrukturen in Drittländern werden nicht durch gedumpte Milch zerstört.

Das finanzielle Volumen des benötigten Rettungspakets beträgt alleine in Deutschland etwa 500 Mio. Euro.

Mit diesem finanziellen Volumen wird deutlich, welche katastrophalen Auswirkungen eine verfehlte Milchmarktpolitik auf deutscher und europäischer Ebene hat. Der BDM weist nochmals darauf hin, dass dieses Rettungspaket nicht notwendig gewesen wäre, wenn man die Menge flexibel an den Markt angepasst hätte.

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