31. Oktober 2008

Baringdorf: Beim Pflanzenschutz geht Gesundheitsschutz vor

Themen: Agrarrecht,Biolandbau,EU,Pflanzenschutz,Verbände — info @ 09:10

Brüssel/Hamm (agrar.de) – „Als Bauer aus Nordrhein-Westfalen trage ich zur Ernährung der Menschen in der Region bei. Als Biobauer arbeite ich ganz ohne Pestizide“, erklärt Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf, stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung im EU Parlament. „Die derzeitige Kampagne des Bauernverbandes, der im Gleichklang mit der chemischen Industrie einen Ernährungsnotstand heraufbeschwört, wenn das Europäische Parlament nun in zweiter Lesung die Position des Agrarrates verstärken will, halte ich daher für weit überzogen.“

„Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments haben im Oktober 2007 in erster Lesung verschiedene Aspekte der Ernährungssicherung, des Gesundheitsschutzes und des Umweltschutzes abgewogen. Dabei sind klare Mehrheiten entstanden. Nächste Woche wird diese Position in leicht geänderter Form vom zuständigen Ausschuss in zweiter Lesung bestätigt werden, es sei denn die Pestizidlobby setzt sich noch in letzter Sekunde mit ihrer Panikmache durch“, so der Grüne Europaabgeordnete. „Das Parlament hat sich nicht etwa dafür ausgesprochen, die Verwendung chemischer Pflanzenschutzmittel zu verbieten, sondern lediglich strengere Kriterien als bisher für die Zulassung dieser Mittel anzulegen. Damit werden die gefährlichsten Wirkstoffe, z.B. jene die Krebs erzeugen oder die Fortpflanzung oder das Hormonsystem schädigen können, gegen 2016 endlich vom Markt verschwinden. Dabei handelt es sich um weniger als 10% der existierenden Wirkstoffe im konventionellen Anbau und nicht etwa um 85% wie von der Pestizidlobby behauptet. Mit Öko-Anbau hat dies nichts zu tun – es ist kein radikaler, aber ein vernünftiger Schritt in Richtung nachhaltigere Landbewirtschaftung und gesündere Lebensmittel. Pflanzenschutzmittel sind aus Prinzip dazu angelegt, auf bestimmte Organismen giftig zu wirken. Es muss daher ausgeschlossen werden, dass ihre Verwendung beispielsweise zu Krebs beim Menschen oder zu massenhaftem Bienensterben führt. Eine Landwirtschaft, die von der Verwendung krebserzeugender Stoffe abhängt, hat keine Zukunft.“

„Die Bäuerinnen und Bauern und die Öffentlichkeit dürfen sich jetzt nicht irre machen lassen von den Horrorszenarien, die die chemische Industrie mit falschen und veralteten Zahlen wider besseres Wissen verbreitet. Es drohen keine Ernteausfälle und Hungersnöte, nur weil der Pflanzenschutzindustrie etwas genauer auf die Finger geschaut wird. Eventuell wird nur das Geschäft für die Pestizidhersteller etwas unbequemer, aber die Industrie wird sicher in der Lage sein, sich mit neuen Produkten der Gesetzeslage anzupassen.“

„Eine Beurteilung zur Lage der Landwirtschaft in meiner Region: Die Bäuerinnen und Bauern in Nordrhein-Westfalen wurden Anfang Oktober vom Präsidenten des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, Franz-Josef Möllers, und von ihrem Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg dazu ermuntert, auf biologischen Landbau umzustellen. Laut einer vom Landwirtschaftsminister vorgestellten Studie müsste die Fläche für den Öko-Anbau in NRW bis 2012 um 80 Prozent erhöht werden, um alle Wünsche der Kunden nach heimischer Öko-Ware zu erfüllen. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher wollen Lebensmittel, die ganz ohne Pestizide hergestellt werden. Für die Bäuerinnen und Bauern ergibt sich daraus, auch ganz ohne Ideologie, eine echte Einkommensalternative – durch den Zugang zu höherpreisigen Qualitätsmärkten.“

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