25. September 2008

BÖLW: Koexistenz funktioniert nicht

Themen: Biolandbau,EU,Gentechnik,Verbände — info @ 19:09

Verband fordert Koalition auf, sich zur Schaffung verbindlicher gentechnikfreier Regionen zu bekennen
Berlin (agrar.de) – Am heutigen Donnerstag wird im Bundestag ein Antrag eingebracht, mit dem die Bundesregierung aufgefordert werden soll, sich in Brüssel dafür einzusetzen, dass künftig regionale Gentechnik-Anbauverbote in Deutschland möglich sind. Der Antrag der Grünen entspricht ausdrücklich gleich lautenden Forderungen der CSU im bayrischen Wahlkampf sowie einem Antrag der SPD, der bislang von der Union im Bundestag verhindert wurde.

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) fordert die Koalitionsfraktionen auf, dem vorliegenden Antrag ohne weitere Verzögerungen zuzustimmen und nannte dafür handfeste Gründe:

„Wir müssen zunehmend die Erfahrung sammeln, dass die Koexistenz mit der Agro-Gentechnik nicht funktioniert, obwohl der Anbau in Europa noch gar nicht wirklich begonnen hat“, berichtet Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des BÖLW. „Das gilt für die konventionelle genauso wie für die Öko-Lebensmittelwirtschaft.“

Die Lebensmittelüberwachungsbehörden berichten immer wieder von GVO-Funden in Lebensmitteln. Der Lebensmittelwirtschaft entstehen durch die zunehmende Gentechnik-Präsenz hohe Kosten für die notwendigen GVO-Analysen.

Auch der Skandal um den aus den USA stammenden GV-Reis LL601, der ohne jede Prüfung und Zulassung im europäischen Lebensmittelhandel in großer Breite auftauchte, habe gezeigt, dass eine Eingrenzung von GVO-Produkten kaum möglich ist, wenn diese in die Umwelt ausgebracht sind.

„Am besten wäre es deshalb, wenn Europa auf den Anbau genmanipulierter Pflanzen gänzlich verzichtet. Im Gegensatz zu anderen Weltregionen haben wir dazu heute noch die Chance.“ Löwenstein fordert: „So lange das aber nicht geschieht, braucht es dringend die im vorliegenden Antrag der Grünen dargestellte und von SPD und CSU geforderte Möglichkeit für einzelne Regionen Europas den Anbau auszuschließen.“ Den momentanen Zeitpunkt bezeichnete Löwenstein als denkbar günstig für eine solche Initiative. EU-Mitglieder wie Frankreich, Italien und Polen würden einen solchen Vorstoß jetzt unterstützen.

Die heute bekannt gewordene Absicht, dass die konventionell erzeugte „Landliebe Milch“ künftig das „ohne Gentechnik“-Label tragen wird, begrüßt der BÖLW. Damit geht ein Signal an Molkereien und Landwirte, Gentechnik im Futtertrog auszuschließen. „Das tut Not, denn nur wo keine Gentechnik genutzt wird, gibt es keine Koexistenzprobleme“, so Löwenstein.

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