24. Juli 2008

ISN: Schweine- und Ferkelpreismisere treibt besonders Sauenhalter zur Betriebsaufgabe

Trend zur Schweinemastregion in Nordwestdeutschland verstärkt – Niedersachen: 13 Prozent weniger Ferkelerzeuger – NRW: 14,6 Prozent weniger nicht trächtige Jungsauen und 7,4 Prozent Betriebsaufgaben – jedes zweite deutsche Schwein steht in NRW und Niedersachsen – deutsche Ferkelerzeugung gefährdet
Damme (agrar.de) – Wie die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) unter Bezug auf die vorläufigen Ergebnisse der Viehbestandserhebung aus dem Mai 2008 des Landesbetriebs für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen (LSKN) sowie des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen (LDS NRW) berichtet, zeichne sich in der nordwestdeutschen Veredlungsregion ein verstärkter Trend zur Schweinemast ab. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen (NRW) stehen zurzeit mit zusammen 14,6 Mio. Schweinen über die Hälfte aller in Deutschland gehaltenen Schweine. In Niedersachsen werden durchschnittlich 622 Schweine pro Betrieb und in NRW 539 Schweine pro Betrieb gehalten.

Schweinemäster und reine Kombibetriebe spüren zurzeit – trotz gestiegener Futtermittelpreise – den wirtschaftlichen Druck nicht so stark, wie die Sauen haltenden Betriebe. Die Ferkelerzeuger erfahren zurzeit einen schmerzhaften Strukturwandel, was die aktuellen Viehzählungsergebnisse anschaulich belegen.

In Niedersachsen wurden im Mai insgesamt 8.185.953 Schweine gehalten. Darin enthalten sind 601.033 Zuchtschweine. Die Zahl der niedersächsischen Betriebe mit Schweinehaltung ging im Vergleich zur Vorjahreszählung um 8,1 Prozent bzw. um 1.164 Betriebe auf insgesamt 14.324 Betriebe zurück. Die Ferkelerzeugung ist von diesem Rückgang sogar überproportional betroffen. So betreffen 2/3 aller Betriebsaufgaben ausschließlich die Sauenhalter. Deren Zahl reduzierte sich um 765 Betriebe bzw. 12,9 Prozent auf 5.162 Betriebe.

Insgesamt verzeichnete Niedersachsen im Mai dieses Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf den gesamten Schweinebestand bezogen einen Rückgang von 0,2 Prozent bzw. 15.753 Schweinen. In Niedersachsen setzt sich der Strukturwandel hin zur Schweinemast weiter fort. Während die Mastschweine im Vergleichszeitraum zugenommen haben, wurde diese durch die Entwicklung bei den Ferkelerzeugern mehr als überkompensiert. Denn die Zuchtschweinebestände sind um 36.243 Tiere bzw. 12,9 Prozent auf 601.033 Sauen und Eber zurückgegangen.

Und so ähnlich sieht es in NRW aus, wenngleich der Schweinebestand dort noch einen moderaten Zuwachs von 1,2 Prozent bzw. um 73.734 Tiere auf insgesamt 6.431.813 Schweine verzeichnen kann. Die Zahl der Betriebe mit Schweinehaltung ging gegenüber dem Mai des Vorjahres um 7,4 Prozent bzw. um 950 Betriebe auf insgesamt 11.931 Betriebe zurück. Fast die Hälfte der aufgebenden Betriebe waren Sauenhalter. Deren Zahl reduzierte sich um 401 Betriebe bzw. 8 Prozent auf 4.630 Betriebe. Tendenziell steigen auch in NRW verhältnismäßig mehr Ferkelerzeuger als Mäster aus.

Der nordrhein-westfälische Zuchtschweinebestand ging insgesamt um 4 Prozent von 516.669 Tieren auf nunmehr 495.994 Sauen und Eber zurück. Zu beachten ist, dass der Bestand an nicht trächtigen Jungsauen sogar um 14,6 Prozent rückläufig ist, was sich bald auf dem Ferkelmarkt niederschlagen dürfte. Angesichts der dramatischen Rückgänge in der nordwestdeutschen Ferkelerzeugung ist mittelfristig auch eine rückläufige Schweinefleischerzeugung zu erwarten.

Damit befindet sich die nordwestdeutsche Veredlungsregion in einer vergleichbaren Situation wie die europäischen Wettberber, die es zum Teil noch schlimmer trifft. So weisen die aktuellen Viehzählungsergebnisse vom April 2008 in anderen EU-Staaten sogar einen noch ausgeprägteren Rückgang bei den Sauenbeständen aus, als er in Deutschland zu verzeichnen ist: Er betrug in Polen knapp 20Prozent, in Rumänien 16Prozent und sogar die Niederlande verzeichneten einen Rückgang von fast 7Prozent.

In Deutschland wird mittlerweile jedes fünfte Schwein – ob als Ferkel oder Schlachtschwein – importiert und dieser „Modetrend“ gefährdet die heimische Ferkelerzeugung. Denn in den vergangenen Jahren ist die deutsche Schweinehaltung mehr und mehr von holländischen und dänischen Ferkelerzeugern abhängig geworden.

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