28. Februar 2008

Österreich: Starke Weinernte 2007

Themen: Erntebericht,Österreich,Statistik,Wein — info @ 10:02

Wien (agrar.de) – Nach der mit Stichtag 30. November durchgeführten Weinernteerhebung konnte im Jahr 2007 auf einer Fläche von 44.200 ha (+1 Prozent zu 2006) eine Weinernte von 2.628.000 hl eingebracht werden. Dieses Ergebnis lag laut Statistik Austria um 16 Prozent über jenem des Vorjahres und um 6 Prozent über dem Ernteschnitt der letzten 5 Jahre.

Turbulenter Vegetationsverlauf

Das Weinjahr 2007 war bis in den Spätsommer hinein von einer hartnäckigen Trockenperiode geprägt, die von regional heftigen Unwettern begleitet wurde, wobei gebietsweise (u.a. Thermenregion, Carnuntum) massiver Hagelschlag auftrat. Aufgrund der hohen Frühsommer-temperaturen wurden vermehrt Sonnenschäden („Sonnenbrand“) an den Trauben registriert – eine sehr zeitige und geringe Ernte zeichnete sich ab. Anfang September wurden österreichweit sehr hohe Niederschlagsmengen notiert; zur Begrenzung von Verlusten mussten deshalb fäulnisanfällige Sorten (z.B. Riesling) rasch gelesen werden. Der folgende Altweibersommer brachte dann außergewöhnlich viele Sonnenstunden und ermöglichte damit eine extrem lang andauernde Leseperiode. Nach zwei mengenschwachen Jahrgängen konnte somit wieder eine „stärkere“ Lese erzielt werden, wobei die qualitativen Eigenschaften des Traubenmaterials in hohem Maße vom Erntezeitpunkt abhängig waren.

Produktionszuwächse in allen Bundesländern

Im Bundeslandvergleich konnten in allen weinbautreibenden Ländern mehr oder weniger überdurchschnittliche Erntemengen eingebracht werden. So lag Niederösterreich mit 1,6 Mio. hl um 23 Prozent über dem Vorjahreswert sowie um 5 Prozent über dem Ernteschnitt der letzten 5 Jahre und auch das Burgenland verzeichnete mit einer Gesamtweinernte von 797.400 hl ein Plus von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Deutlich „übernormale“ Erntemengen konnten in der Steiermark mit 220.500 hl (+20 Prozent zu 2006) als auch in Wien mit 21.700 hl (+15 Prozent zu 2006) produziert werden.

Mit österreichweit 1,6 Mio. hl Weißwein wurde das magere Vorjahresergebnis um 17 Prozent übertroffen, der Fünfjahresschnitt jedoch knapp (-2 Prozent) verfehlt. Nach den hohen Verrieselungsverlusten (beim Grünen Veltliner) des Vorjahres verzeichnete Niederösterreich mit 1,1 Mio. hl (+25 Prozent zu 2006) wieder deutliche Zugewinne bei Weißwein – ein Plus von 5 Prozent gegenüber der durchschnittlichen Weißweinernte der letzen 5 Jahre. Innerhalb Niederösterreichs wies das Weinviertel mit 619.400 hl (+30 Prozent zu 2006) neben dem Weinbaugebiet Wagram (vormals Donauland) mit 104.800 hl (+38 Prozent zu 2006) und der Wachau mit 60.300 hl (+35 Prozent zu 2006) die stärksten Zugewinne am Weißweinsektor aus. Im Burgenland wurde mit 315.000 hl gegenüber 2006 um 5 Prozent weniger Weißwein gekeltert, womit auch der Fünfjahresschnitt um 12 Prozent verfehlt wurde. Mit 198.400 hl (-8 Prozent zu 2006) stammte hier ein Großteil (63 Prozent) aus dem Weinbaugebiet Neusiedlersee. Die Steiermark konnte ihre Weißweinproduktion auf 158.800 hl (+18 Prozent zu 2006) steigern, womit der Ernteschnitt um 24 Prozent übertroffen wurde. Auch in Wien lag die Weißweinproduktion mit 15.600 hl (+14 Prozent zu 2006) deutlich über dem Ernteschnitt der letzten 5 Jahre (+15 Prozent).

Überdurchschnittlich viel Rotwein

Rotweine erzielten im Jahr 2007 deutliche Produktionssteigerungen und notierten mit 1,0 Mio. hl (+16 Prozent zu 2006) ein überdurchschnittliches Ernteergebnis (+21 Prozent zum Fünfjahresschnitt). So stammten aus dem Burgenland 482.400 hl Rotwein (+11 Prozent zu 2006; +17 Prozent zum Fünfjahresschnitt), wobei 213.000 hl (+3 Prozent zu 2006) im Weinbaugebiet Neusiedlersee produziert wurden. Niederösterreich trug 493.900 hl (+19 Prozent zu 2006) zur Rotweinproduktion bei und lag damit weit (+22 Prozent) über dem 5-jährigen Ernteschnitt. Auch die Steiermark steigerte die Rotweinernte deutlich auf 61.700 hl (+24 Prozent zu 2006) und notierte damit sogar 35 Prozent über dem Fünfjahresschnitt.

Mehr Qualitäts- und Prädikatsweine

Qualitäts- und Prädikatsweine erzielten mit 2,3 Mio. hl (+14 Prozent zu 2006) ein überdurchschnittliches Produktionsniveau (+8 Prozent zum Fünfjahresschnitt). Besonders hohe Zuwächse waren in der Steiermark auf 191.400 hl (+23 Prozent zu 2006), in Wien auf 18.000 hl (+19 Prozent zu 2006) und in Niederösterreich auf 1,4 Mio. hl (+18 Prozent zu 2006) zu verzeichnen. Das Burgenland steigerte seine Produktion an Qualitäts- und Prädikatsweinen vergleichsweise geringfügig auf 699.200 hl (+4 Prozent zu 2006). Die Erntemenge an Tafel- und Landweinen stieg 2007 mit 290.400 hl (+43 Prozent zu 2006) kräftig an; trotzdem konnte der Ernteschnitt der letzten 5 Jahre nicht erreicht werden (-9 Prozent). Die Zuwächse an Tafel- und Landweinen gingen vor allem auf das Konto von Niederösterreich, wo mit 187.700 hl (+94 Prozent zu 2006) fast eine Verdoppelung der vorjährigen Produktion festzustellen war. Rückläufige Erntemengen waren im Burgenland mit 75.600 hl (-5 Prozent zu 2006) und der Steiermark mit 24.200 hl (-1 Prozent zu 2006) festzustellen, während in Wien mit 2.700 hl (+9 Prozent zu 2006) ein Plus notiert werden konnte.

Tiefstand bei gelagertem Wein

Nach der mit Stichtag 31. Juli 2007 durchgeführten Weinbestandserhebung lag der Weinbestand mit 2,4 Mio. hl um 10 Prozent unter der vorjährigen Lagermenge, womit die durchschnittliche Bestandsmenge der letzten 5 Jahre sogar um 16 Prozent unterschritten wurde. Zwei mengenschwache Jahrgänge (2005, 2006) sowie steigende Exportzahlen führten insbesondere bei Weißweinen mit 1,3 Mio. hl (-15 Prozent) zu einer Lichtung der Lager; mit 1,1 Mio. hl reduzierten sich auch die Lagerbestände an Rotweinen um 4 Prozent.

Qualitäts- und Prädikatsweine verringerten ihre Lagermenge um 9 Prozent auf 1,9 Mio. hl, wobei hier Weißweine mit 960.300 hl um 16 Prozent und Rotweine mit 947.700 hl um 2 Prozent zurückgingen. Mit einem Minus von 12 Prozent war in Niederösterreich der massivste Lagerschwund bei Qualitäts- und Prädikatsweinen festzustellen, wobei hier das Weißweinlager sogar um 18 Prozent zurückging.

Bei Tafel- und Landwein konnte mit 401.000 hl ein Bestands-Minus von 15 Prozent festgestellt werden, wobei Rotweine (148.600 hl; -15 Prozent) wie auch Weißweine (252.500 hl; -14 Prozent) gleichermaßen betroffen waren.

Auch Schaumwein und sonstige Erzeugnisse (118.000 hl; -6 Prozent), Wein aus Drittländern (8.100 hl; -9 Prozent) sowie Traubenmost (2.400 hl; -3 Prozent) notierten unter dem Lagerstand des Vorjahres.

Im Bundeslandvergleich hielt Niederösterreich mit 1,5 Mio. hl (-13 Prozent) den größten Weinbestand, gefolgt vom Burgenland mit 662.300 hl (-7 Prozent), der Steiermark mit unverändert 163.900 hl und Wien mit 84.600 hl (-19 Prozent).

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